Fahrbericht: Porsche 911 Carrera S 2012

Megavergleich - Teil VIII: Der Allrounder

Acht Supersportwagen mit insgesamt 4351 PS im Megavergleich auf der Teststrecke. Nacheinander stellen wir Ihnen begehrenswerte Traumautos vor, am Ende folgt das große Fazit. Last but not least: Porsche 911 Carrera S 2012

Beinahe 50 Jahre und kein bisschen greise, stellt man verblüfft fest, wenn man die Talente der Zuffenhausener Sportwagenikone erfährt – deren erste Baureihe 1963 ihr Debüt feierte. Porsche hat mit Akribie und Konsequenz das Konzept des 911 zu einer Perfektion entwickelt, wie es in der Automobilwelt einzigartig ist.

Es ist die Symbiose aus exzellenter Fahrdynamik und absoluter Alltagstauglichkeit, die den 911 so außergewöhnlich macht. Dazu gehören das gute Platzangebot, das beim neuen Modell durch einen größeren Radstand noch einmal gewachsen ist, und auch die zwei Sitze im Fond. Im Supersportler Porsche kann eben sogar die Familie mit zwei kleinen Kindern zügig und entspannt reisen.

Auf Knopfdruck kehrt der 911 den Racer raus

Spielerisch vollzieht sich der nahtlose Übergang vom gemütlichen Dahingleiten zur sportlichen Darbietung – beides resultiert aus den vielfältigen Talenten des Fahrwerks und der Kraftübertragung. Verantwortlich dafür sind maßgeblich die drei Fahrmodi, die der Fahrer per Knopfdruck wählen kann. Da ist zum einen das Normalprogramm, perfekt geeignet zum „Mitschwimmen“ im alltäglichen Verkehrstrubel. Der Boxer im Heck brabbelt gedämpft vor sich hin, die Feder-Dämpfer-Abstimmung ist komfortabel und der Benzindurst für einen Sportwagen beinahe schon asketisch – auch hier ist der 911 unter den Sportwagen Vorbild.

Im Sport-Modus geht dann alles eine Spur engagierter. Der Sound wird sportlich-aggressiver (auch separat einstellbar), und bei entsprechender Gaspedalkennlinie geht die Post ab. Vollends zum Supersportler mutiert der 911 Carrera S im „Sport plus“-Modus. Die Fahrwerksabstimmung wird spürbar härter, und das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe (PDK) hält immer die optimale Drehzahl für maximale Beschleunigung parat.

Mehr Tests & Fahrberichte: Der kostenlose Newsletter der AUTO ZEITUNG

Das Schalten – auch per Paddel am Lenkrad – vollzieht sich in Blitzgeschwindigkeit und butterweich. Wie die 400 PS des Sechszylinder- Boxermotors dabei lospreschen, ist immer wieder ein Erlebnis der besonderen Art.

Besonders ab 6000 Umdrehungen scheint das Aggregat Flügel zu bekommen und dreht mit federweicher Leichtigkeit und kraftvollem Schub locker bis 8250 Umdrehungen. Noch einmal gewonnen hat die Präzision der Lenkung: Seziermesser scharf folgt der 911 jeder Biegung. Mit dem Gaspedal kann der Fahrer dabei den Hecktriebler zum Übersteuern herausfordern. Wie der Zuffenhausener Kurvengeschlängel absolviert, birgt Suchtpotenzial. Dazu passen die hervorragend dosierbaren Bremsen, die mit exzellenter Verzögerung aufwarten. Zum entspannten Fahren trägt auch der Geradeauslauf bei, der bei den Vorgängern immer Anlass zur Kritik bot, inzwischen aber tadellos ist.

Keine Frage, der aktuelle 911er ist der beste Elfer aller Zeiten, und er ist auch einer der besten Sportwagen überhaupt – aber auch kein billiges Vergnügen. Dafür glänzt die Ikone bekanntlich mit hervorragenden Restwerten.
Volker Koerdt

>>Alle technischen Daten finden Sie auf der nächsten Seite