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Neuer Opel Insignia: Erste Fahrt

Mit dem Insignia auf Abnahmefahrt

Obwohl der Marktstart des neuen Opel Insignias erst 2017 erfolgt, durften wir schon jetzt ans Lenkrad der kommende Mittelklasse-Limousine aus Rüsslesheim.

Opel ist wieder da! Mit dem neuen Opel Insignia wollen die Hessen nun auch in der Mittelklasse wieder ein deutliches Wort mitreden. Zwar feiert der Herausforderer seine Premiere als Schrägheck und Kombi erst im Frühjahr auf dem Genfer Autosalon 2017, und bis er in den Handel kommt wird es sogar noch ein paar Monate länger dauern. Doch die Hessen sind so stolz auf ihren neuen Opel Insignia, dass sich die Entwickler bei den letzten Abnahmefahrten schon einmal über die Schulter schauen lassen, zur Sitzprobe bitten und vorübergehend sogar den Platz am Lenkrad räumen. Das machen sie nicht ohne Grund, schließich sind die Autos ein halbes Jahr vor der Premiere so gut getarnt, dass man den Fortschritt noch nicht sehen kann. Aber man muss sich nur in die Prototypen setzen, um ihn zu fühlen: Denn der neue Opel Insignia bietet jetzt spürbar mehr Freiheit auf allen Plätzen. Während sich die Hinterbänkler auf mehr Freiheit für Knie, Kopf und Schulter freuen dürfen, lässt sich der Fahrer vom Spaß am Steuer begeistern. Der neue Opel Insignia hat schließlich nicht nur zugunsten des Verbrauchs fast vier Zentner abgespeckt, sondern auch fürs Vergnügen. Dazu noch das neue Fahrwerk, eine präzisere Lenkung und natürlich die um drei Zentimeter abgesenkte Sitzposition – schon sitzt man in einer Mittelklasse-Limousine, die man nicht nur zum Ankommen fährt, sondern auch, um damit unterwegs zu sein. Mehr zum Thema: Das kommende Opel-SUV

Bildergalerie starten: Der neue Opel Insignia

Opel Modelpalette bis 2016 (Video):

 

Der neue Opel Insignia kommt als solides Kraftpaket

In Fahrt bringen den neuen Opel Insignia dabei zunächst Benziner mit 140 bis 250 PS und Diesel mit einem anfangs eher schmalen Leistungsband von 110 bis 170 PS, die man zumeist schon aus Astra & Co kennt. Dazu gibt es ein neues, sehr geschmeidiges Sechsgang-Getriebe, eine ebenfalls tadellose Automatik mit acht Gängen und für die stärkeren Versionen auch einen neuen Allradantrieb. Der verteilt die Kraft zwar deutlich schneller als früher, kann aber zumindest bei den Testfahrten auf den nassen Nebenstraßen im Niemandsland der südlichen Pfalz das Scharren der Vorderräder nicht ganz verhindern, wenn die 400 Newtonmeter zupacken wollen. Überhaupt ist es nicht der größte Benziner, der bei den Abstimmungsfahrten auch den größten Eindruck macht. Der 2,0-Liter-Turbo ist ein solides Kraftpaket und erfüllt alle Erwartungen. Aber mehr eben auch nicht. Da ist der vom Astra weiterentwickelte 1,5-Liter ein ganz anderes Kaliber. Denn mit 165 PS und 250 Newtonmeter ist er so forsch und flott, dass man auf einer kurvigen Landstraße schnell ein zufriedenes Lachen auf dem Gesicht hat und den Agilitätsgewinn durch den Gewichtsverlust in jeder Kurve genießen kann. Größer als bisher und ein gutes Stück sportlicher – das wollen die Hessen künftig nicht erst beim Fahren beweisen, sondern schon im Namen zum Ausdruck bringen: Aus dem neuen Opel Insignia wird deshalb beim Fünftürer der Opel Insignia Grand Sport. Bevor man jedoch allzu lange über diesen Marketing-Gag nachdenkt und ihn für den Rest der Modellpalette durchdekliniert, rudern die Hessen gleich wieder zurück. An der Bezeichnung Insignia Sport Tourer für den Kombi ändert sich nichts. Mehr zum Thema: Erste Fahrt im Astra Sports Tourer

Mehr zum Thema: Erste Fotos vom Opel Insignia (2017)

Das Cockpit des neuen Opel Insignias könnte mehr

So groß die Sprünge beim Format und beim Fahrverhalten sind, so klein sind die Hüpfer abgesehen von Platzangebot und Sitzposition im Innenraum. Zwar lässt sich die Materialanmutung bei den handgeschnitzten Prototypen natürlich noch nicht beurteilen, doch wenn man sie trotzdem kurz mal lupft, bleibt das ganz große Aha-Erlebnis aus. Ja, Opel ein wenig nachgerüstet und bietet jetzt zum Beispiel erstmals ein Head-Up-Display an, ohne dabei auf die billige Klappscheibe von VW und Co. zu setzen. Und natürlich wirkt das Cockpit etwas aufgeräumter als früher. Aber es gibt anders als bei der Konkurrenz nach wie vor keine voll animierten Instrumente, die Touchscreens in der Mittelkonsole sind mit wahlweise sieben oder acht Zoll kleiner als in manch einem koreanischen Kompakten, von Sprach- oder Gestensteuerung ist keine Rede, das Lenkrad wirkt reichlich überfrachtet und die Hebel dahinter mit schlichter Form und grober Typografie reichlich antiquiert. Den proklamierten "großen Sprung nach vorne" jedenfalls hätte man sich anders vorgestellt. Dabei weiß Opel sehr wohl, wie man moderne Hightech-Cockpits baut. Das haben die Hessen zuletzt mit ihren Studien Monza und GT mehr als eindrucksvoll bewiesen. Und wenn man sich den Ampera-e mit seinem Zehn-Zoll-Display oder dem innovativen Rückspiegel anschaut, können sie das durchaus auch bei einem Serienmodell. Doch bei den großen Stückzahlen des neuen Opel Insignias waren den Hessen die Investitionen in solch Gimmicks offenbar zu groß. Die einzig wirklich neue Technik beim neuen Insignia ist deshalb das IntelliLux-Matrix-Licht mit 32 LED-Segmenten, die den Lichtkegel individuell den Straßen- und Verkehrsverhältnissen anpassen. Und auch das ist nur eine Weiterentwicklung aus dem Astra, wo das System auf eine Bestellquote von stolzen 25 Prozent kommt und die deshalb kein sonderlich hohes Risiko-Potenzial in der Entwicklungsbilanz darstellen dürfte.

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Thomas Geiger