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Mercedes-AMG A 45 4Matic: Fahrbericht

Der stärkste Kompakte

AMG schärft die A-Klasse nach: 381 PS und 475 Newtonmeter heben den schnellen Mercedes-AMG A 45 4Matic wieder auf den Thron der Kompaktklasse.

Autsch, das hat gesessen. Als Audi in diesem Frühjahr das Tuch vom neuen RS3 gezogen hat, waren sie in Afalterbach ganz sicher "not amused". Denn mit einem Fingerstreich und der Kleinigkeit von 367 PS haben die Herren der Ringe den König der Kompakten entthront und den A 45 AMG auf die Plätze verwiesen. Zwar trennen die beiden Heißsporne nur sieben PS. Doch wer mehr als 50.000 Euro für einen hypermotorisierten Kompaktwagen ausgibt, der legt durchaus großen Wert auf solche Kleinigkeiten. Deshalb lassen sich die schnellen Schwaben diesen Afront auch nicht lange bieten und blasen nur ein paar Monate nach der Audi-Premiere schon wieder zum Angriff: Wenn in diesen Tagen mit der überarbeiteten A-Klasse zu Preisen ab 51.051 Euro auch der aufgefrischte A 45 an den Start geht, holt sich AMG die Krone in der Kompaktklasse mit einem Nachschlag von 21 PS wieder zurück. Und ganz nebenbei kitzeln sie auch noch einmal 25 Newtonmeter mehr aus ihrem Turbo-Triebwerk. Natürlich hat es bei Mercedes schon gründlichere Updates mit mehr Tiefgang gegeben. Und bei der gewöhnlichen A-Klasse lässt sich das Facelift im Großen und Ganzen tatsächlich auf ein bisschen frische Schminke sowie ein paar neue Motor- und Getriebekombi nationen reduzieren. Doch zumindest bei AMG haben sie nicht nur dünn drüber gepinselt und mal eben den Steuerchip ihres ausgezeichneten Zweiliter-Vierzylinders auf 381 PS und 475 Newtonmeter hochgesetzt. Denn zu dem durch einen modifizierten Ventiltrieb erstarkten Antrieb gibt es auch ein derart gründlich überarbeitetes Set-up, dass der A 45 so giftig wird wie Asterix nach einem kräftigen Schluck aus der Pulle mit dem Zaubertrank.

Bildergalerie: Mercedes-AMG A 45 4Matic

Mercedes-AMG A 45 4Matic im Video:

 

Satte Beschleunigung im Mercedes-AMG A 45

Die Dosierung der AMG-Essenz erfolgt dabei nicht mehr allein mit dem Gasfuß, sondern man regelt den Elan der A-Klasse künftig vor allem mit dem Dynamic-Select-Knöpfchen, wie man es vom Tief ieger GT kennt. Lenkung, Schaltung, Motorsteuerung und gegen Aufpreis nun auch das Fahrwerk ändern damit blitzschnell den Charakter. Während die Klangfarbe des Kompakten mzunehmend dunkler und drohender wird und die Fehlzündungen durch die vom SLK 55 entlehnte Abgasanlage knallen wie ein vorgezogenes Silvesterfeuerwerk, spannt die A-Klasse merklich die Muskeln an und wetzt schon mal die Messer: Vier und im besten Fall sogar fünf Einstellungen von "Comfort" bis "Race" markieren die Stufen der Eskalation, mit denen sich das Energiebündel darauhin Bahn bricht: Eben noch halbwegs zivilisiert und bei allem Übermut gut zu beherrschen, wird die A-Klasse dann zu einer gierigen Asphaltfräse, mit der man stundenlang über enge und einsame Landstraßen hobeln möchte. Wie viel das Training für das Einstiegsmodell aus Afalterbach tatsächlich bringt, das kann man natürlich messen. So beschleunigt der A 45 laut Stoppuhr jetzt imposante vier Zehntel schneller, ist bereits nach 4,2 Sekunden auf Tempo 100 und damit fast so spurtstark wie ein AMG C 63 mit doppelt so viel Zylindern und noch einmal fast 150 PS mehr Leistung. Und der Tacho weist künftig im besten Fall ein Spitzentempo von 270 km/h aus. Doch vor allem kann man den Fortschritt fühlen. Dank der neuen Verstelldämpfer und vor allem der mechanischen Quersperre giert die A-Klasse jetzt örmlich nach Kurven, krallt sich mit allen Vieren noch fester in den Asphalt, beißt am Kurvenausgang noch kräftiger zu und zieht so noch schneller in die nächste Gerade. Herunterschalten, einlenken, abbremsen, auslenken, hochschalten, Gas geben – wie im Rausch reitet man auf der Ideallinie und kämpft um die persönliche Bestzeit.

Mehr zum Thema: Facelift für die A-Klasse

Mercedes-AMG A 45 4Matic mit maximal 270 km/h

Schon möglich, dass die Gesichtsfarbe des Beifahrers dem giftgrünen Metallic-Lack aus der neuen Farbpalette dabei geährlich ähnlich wird, zumal sich das ESP im Race-Modus merklich zurückhält, eindrucksvolle Driftwinkel erlaubt und dem wilden Treiben erst in der allerletzten Sekunde ein Ende bereitet. Doch beim Tanz auf Messers Schneide kann man ja nun wirklich nicht auf alles und jeden Rücksicht nehmen. Zwar zahlt man für das Dynamic Plus Paket 2600 Euro, für das Driver’s Package mit der Tempo-Anhebung 2300 Euro und für den Aerodynamik-Kit noch einmal 1800 Euro Aufpreis und bewegt sich dann so langsam auf dem Niveau eines gut ausgestatteten Porsche Cayman. Doch kommt man der Rennstrecke damit in der A-Klasse näher als je zuvor. Dazu passt auch der Kampfanzug, in den AMG die A-Klasse mit einem auälligen Aerodynamik-Paket gesteckt hat: Messerscharfe Flics an der Bugschürze, breite Schweller an de Flanken und über dem Heckdeckel einen Spoiler, bei dem Clementine schon das Bügeleisen vorglüht – endlich mal wieder ein AMG, der zum Bodybuilding steht und seine Muskeln nicht im Designeranzug versteckt. Und keine Sorge, irgendwann hat man sich sogar an das giftige Grün gewöhnt. Keine Frage: Die AMG-A-Klasse hat sich wieder an die Spitze des Segments gesetzt.

Thomas Geiger