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McLaren 675LT 2015: Fahrbericht

675LT auf letzter Rille

Bessere Aerodynamik, weniger Gewicht, höhere Leistung und eine noch größere Fokussierung auf Fahrdynamik: McLarens 675LT im Fahrbericht! Der Supersportler begeistert mit einem Leistungsgewicht von nur zwei Kilogramm pro PS.

McLaren 675LT
Technische Daten

MotorV8-Zylinder, Biturbo
Hubraum3.799 cm³
Leistung496 kW / 674 PS
Max. Drehmoment700 Nm
L / B / H4.546 / 2.095 / 1.188 mm
Leergewicht1.350 kg
Kofferraumvolumen144 l
Fahrleistungen0-100 km/h in 2,9 s
Höchstgeschwindigkeit330 km/h
EU-Verbrauch11,7 l/100 km
CO2-Ausstoß275 g/km
Grundpreis309.750 €

Der Zusatz „LT“ würde ins Deutsche übersetzt möglicherweise falsche Assoziationen wecken, daher bleiben wir besser im Idiom des Herkunftslandes: Beim McLaren 675LT steht letztere Typenbezeichnung für „Longtail“! Unter dieser Begriff erlangte 1997 ein McLaren Berühmtheit, der mit seiner extrem verlängerten und daher aerodynamisch stark optimierten Karosserieform bei den 24h von Le Mans als Klassensieger und Zweiter im Gesamtklassement große Berühmtheit erlangte: Eben jene „Longtail“-Version des legendären McLaren F1 GTR, der damals noch von einem sechs Liter großen BMW-Zwölfzylinder angetrieben wurde. Aber dies nur am Rande. Die Longtail- oder kurz LT-Variante des neuen, in der Grundsubstanz auf dem 650S basierenden Überfliegers hat zwar in der Länge nur um vier Zentimeter zugelegt – bei gleichem Radstand –, darf für sich aber trotzdem in Anspruch nehmen, dem Geist der damals so erfolgreichen Longtail-Variante vollumfänglich zu entsprechen. Die Schlüssel dazu lauten: bessere Aerodynamik, weniger Gewicht, höhere Leistung, eine noch größere Fokussierung auf die Fahrdynamik und eine effektivere Einbindung des Fahrers ins System. Tatsächlich sollen die Abtriebswerte gegenüber der Ausgangsbasis 650S um 40 Prozent verbessert worden sein. Dabei hilft vor allem die neue „Longtail-Airbrake“, also der vergrößerte, selbstausfahrende Flügel am Heck, sowie der unter anderem deutlich stärker ausgeprägte Frontsplitter.

McLaren 675LT: Bewundernswerte Traktion

Einen noch höheren Anteil am gesteigerten Potenzial muss allerdings der Gewichtsreduzierung zugeschrieben werden. Von 100 Kilogramm ist hier die Rede. 35 Prozent davon macht der verstärkte Einsatz von Kohlefasermaterialien im Karosseriebereich aus. Die Optimierungen am Chassis, etwa durch den Einsatz der Radaufhängungen aus dem McLaren P1, werden anteilig mit 30 Prozent beziffert. Im Innenraum sind unter anderem durch die Sportsitze 20 Kilogramm eingespart worden. Selbst der Motor trägt mit zehn Prozent zum Gesamtergebnis der Abspeckmaßnahme bei. Nicht weniger als ein Drittel der Gesamtsubstanz ist damit völlig neu konfiguriert. Der Motor darf sich gar zu 50 Prozent neuer Komponenten rühmen - und das bei einem Leistungszuwachs von 25 PS. Man sieht: Bei McLaren geht’s buchstäblich ans Eingemachte. Nach 1649 verkauften Autos in 2014 und einer nochmaligen Verkaufssteigerung in diesem Jahr peilt man in Woking/Surrey für 2017 einen Ausstoß von satten 4000 Fahrzeugen an. Im Fall des auf 500 Stück limitierten und bereits ausverkauften McLaren 657LT drückt sich das Engagement folgendermaßen aus: Dank des auf zwei Kilogramm pro PS gesenkten Leistungsgewichts soll der Zweisitzer in 2,9 Sekunden auf Tempo 100 schießen – mit einer für einen Hecktriebler bewundernswerten Traktion. Noch eindrucksvoller und aussagekräftiger ist der Sprint bis 200 km/h: Nicht mehr als 7,9 Sekunden sind dafür laut Hersteller zu veranschlagen. Einen großen Beitrag leistet in diesem Kontext auch das überarbeitete Graziano-Doppelkupplungsgetriebe, dessen schnellere Schaltzeiten der Biturbo-V8 mit aufreizenden Zwischentönen untermalt: Die gezielten Zündunterbrechungen während der Schaltvorgänge sorgen im Titan-Auspuff durch die Nachverbrennung für akustisch besonders reizvolle Intermezzi.

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Wer wegen der gesteigerten Möglichkeiten bei der Längs- und der Querdynamik nun glaubt, es beim 675LT mit einem kompromisslosen Dynamiker spartanischer Prägung zu tun zu haben, der irrt. Trotz der deutlich härteren Federraten und der in puncto Abrollkomfort wenig konzilianten, speziell gebackenen Semislicks Pirelli Trofeo R geht der Fahrkomfort selbst auf schlechten britischen Landstraßen absolut in Ordnung. Einzig die lauten Abrollgeräusche geben einen hörbaren Hinweis darauf, dass der jüngste McLaren kein Gebrauchsgegenstand, sondern zuvorderst ein für die Rennbahn optimierter Straßensportler ist. Die Sitzposition ist, wie auch die Handhabung, erstklassig. Vertrauen verdient sich dieser hochgerüstete und bis ins Detail auf fahrdynamische Belange hin konstruierten Brite binnen weniger Minuten, auch wenn man seiner Rasse und Klasse erst auf der Rennstrecke – in diesem Fall in Silverstone – voll gewahr wird. Im Gegensatz zum 650S, der beim Autor im Grenzbereich auf der Nordschleife bei Zeiten um die 7.35 Minuten zuwei- len ein etwas ungutes Gefühl in der Magengegend aufkommen ließ, ist der 675LT am Limit deutlich souveräner unterwegs. Sein Verhalten ist kalkulierbarer, womit es unterm Strich sein ehrlicherer Charakter ist, der es vermutlich auch auf der Nordschleife einfacher macht, die Zeiten des Vorgängers zu toppen. Wie sich das nach wie vor ohne konventionelle Stabis, dafür mit aktivem Dämpfersystem zum Zweck reduzierter Wank- und Nickneigung ausgerüstete Coupé dort letztlich in Szene setzt, wird ein Tracktest zeigen.

McLaren 675LT: Alle Bilder und mehr Infos in der Bildergalerie

Horst von Saurma
Fazit

Voll rennstreckentauglich und dennoch umgänglich im Alltagsgebrauch – die 500 Käufer müssen es geahnt haben. Mit dem McLaren 675LT erheben die Briten zu Recht den Anspruch auf die Pole Position.