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Lexus LFA mit Nürburgring-Performance-Paket

Lexus LFA mit Nürburgring Performance Paket

Das Vorbild bestreitet Rennen auf der Nürburgring-Nordschleife, wir fuhren die 570 PS starke Spezialversion des LFA in Goodwood beim Festival of Speed

Eckdaten
PS-kW570 PS (419 kW)
AntriebHinterrad, 6 Gang sequentiell
0-100 km/h3.70 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit325 km/h
Preis445.000,00 €

Die Startbrücke ist endlich in Sicht, die lange Allee davor scheint endlos. Vor mir beschleunigen im 20-Sekunden-Abstand Supersportwagen aus der ganzen Welt. Natürlich mit rauchenden Rädern. Die Show ist hier das Wichtigste. Ich ziehe die Schultergurte noch einmal straffer und überlege kurz, wie gut das Haftvermögen der 20 Zoll großen Semislicks in der ersten Rechtskurve wohl sein könnte.

Sekunden später schon werde ich an die Vorstartlinie gewunken. Der Herzschlag beschleunigt jetzt schon. 20 Meter vor der orangefarbenen Front des Lexus LFA mit Nürburgring-Performance-Paket lässt der Fahrer einer Corvette ZR1 die Kupplung schnalzen und verschwindet im Gummirauch.

SCHNELLSTE GARTENPARTY DER WELT IN GOODWOOD

Goodwood steht für die schnellste und verrückteste Gartenparty der Welt. Jedes Jahr lädt Charles Gordon-Lennox, Earl of March und Kinara, die schnellsten automobilen Raritäten und zahllose Rennfahrer zu sich ein. Und sie kommen alle in Scharen: Legenden wie John Surtees, Sir Stirling Moss, Emerson Fittipaldi sowie junge Formel-1-Helden wie das McLaren-Duo Jenson Button und Lewis Hamilton oder Nico Rosberg.

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Rund 170.000 Zuschauer sind erlaubt, die Tickets bereits Wochen vorher ausverkauft. Der eigentliche Vorgang ist banal: Die Fahrer treiben ihre teilweise über 1200 PS starken Wagen wahlweise spektakulär oder schnell über ein schmales Asphaltband von 1,7 Kilometer Länge quer durch den Schlosspark einen Hügel hinauf. Doch die Show und die Qualität der Fahrzeuge sind ebenso groß wie einzigartig.

Ex-Pink-Floyd- Schlagzeuger Nick Mason fährt im 1936er Auto Union Type C mit Zwillingsbereifung an der Hinterachse beinahe bedächtig, Surtees muss im Mercedes GP-Wagen von 1939 schon mehrfach Gegenlenken, und Rallye-WM-Star Ken Block lässt den wilden Gymkhana-Ford Fiesta mehrfach um die eigene Achse kreisen.

NÜRBURGRING-PAKET FÜR 70.000 EURO EXTRA

Das im Sport-Modus weiße Cockpit-Display im Lexus signalisiert einen roten Drehzahlbereich ab 9000 Touren, doch erst bei 8900 /min erreicht der V10-Sauger sein Leistungsmaximum von 570 PS. Zehn PS mehr als der Standard-LFA bekommt die „Nürburgring“-Edition spendiert – als Ausgleich zum angewachsenen Luftwiderstand. Denn eine große Frontspoilerlippe plus seitliche Finnen und natürlich der riesige feststehende Heckflügel lassen schon aus der Ferne betrachtet keine Zweifel am Einsatzzweck dieser auf 50 Exemplare limitierten Edition aufkommen: schnelle Rundenzeiten auf abgesperrten Strecken.

Dafür verlangt Lexus einen knackigen Aufpreis: 70.000 Euro kommen zum Grundpreis von 375.000 Euro hinzu. BBS-Räder im Kreuzspeichendesign runden das Paket außen ab. Die Karbon-Keramikbremsscheiben hat dagegen schon der Standard-LFA serienmäßig an Bord. Zum Vergleich: Die 380 Millimeter-Stahlscheiben des Lexus LS 600h wiegen pro Stück 16,1 Kilo, die 390er Scheiben des Lexus LFA Nürburgring-Performance-Paket bringen es nur auf 5,7 kg.

Ich selbst sitze in maßgeschneiderten Karbonschalensitzen, festgezurrt mit einem Sechspunktgurt. Der massive Überrollkäfig, den ich beim Einsteigen überwinden musste, gehört allerdings nicht zum Performance-Paket-Umfang. Endlich bin ich an der Reihe, den Hügel zu erklimmen. Die Auslaufzonen neben der Strecke sind kurz, Strohballen ersetzen Leitplanken am Rand.

Die Schaltgeschwindigkeit der sequenziellen Sechsgangbox auf Maximum (0,15 Sekunden) einstellen, VSC (ESP) abschalten. Der Lexus LFA ist der einzige Lexus/Toyota, der eine komplette Deaktivierung erlaubt. Der Marschall gibt den Start frei, der Lexus schnalzt mit durchdrehenden Rädern nach vorn. Ich schalte per Wippe in Gang zwei, und die 305er-Walzen finden langsam Halt.

1,7 KILOMETER DURCH DEN SCHLOSSPARK
Die ersten beiden Kurven quittiert der Lexus LFA beim Herausbeschleunigen mit einem sanft ausbrechenden Heck. Mit der überaus präzisen Lenkung lässt sich das aber schnell parieren. Das straffere Fahrwerk samt zehn Millimeter Tieferlegung tastet die unebene Strecke fein ab, der LFA beschleunigt im zweiten Gang wie an der Schnur gezogen. Hochschalten bei über 9000 Touren, die Zuschauer hören einen kreischenden V10.

Im Cockpit ist Gänsehaut angesagt. Dritter Gang fast bis ans Drehzahllimit, dann taucht die scharfe Linkskurve auf, vor der alle warnen. Die ist enger als man denkt, doch der Lexus LFA hilft mir davor mit seiner fein dosierbaren Bremse und danach mit dem sorgsam abgestimmten Fahrwerk, das störende Karosseriebewegungen ausschließt. Eng an einer Mauer vorbei geht es den Berg hinauf in den Wald.

Noch einmal brüllt der Lexus LFA lautstark, im dritten Gang rausche ich durch das Ziel. Oben am Sammelpunkt warten sie schon alle – die Aston Martin, die drei Bugatti und der Koenigsegg. Der LFA darf hier als echter Exot gelten. Mit dem auf 50 Exemplare limitierten Nürburgring-Paket ist er zudem genauso leistungsfähig wie selten. Und verkauft sind sie auch schon alle. Nur einer davon kommt nach Deutschland – neben den zwölf normalen LFA, die einen deutschen Käufer gefunden haben.
Holger Eckhardt

Inhaltsübersicht

Autos im Test

Lexus LFA Nürburgring-Performance-Paket

PS/KW 570/419

0-100 km/h in 3.70s

Hinterrad, 6 Gang sequentiell

Spitze 325 km/h

Preis 445.000,00 €