Fahrbericht: Lamborghini Aventador LP 700-4 2012

Megavergleich - Teil V: Der Extremist

Acht Supersportwagen mit insgesamt 4351 PS im Megavergleich auf der Teststrecke. Nacheinander stellen wir Ihnen begehrenswerte Traumautos vor, am Ende folgt das große Fazit. Kandidat fünf: Lamborghini Aventador LP 700-4 2012

Die Formel Extrem des Lamborghini-Mythos definiert sich über "möglichst flach, stark und schnell“. Der Aventador mit dem 700 PS starken V12 Zylinder- Motor und 350 km/h Spitze ist das aktuelle Top-Modell der kleinen italienischen Sportwagenschmiede und macht da keine Ausnahme. Der über zwei Meter breite und nur knapp 1,14 Meter hohe Keil spaltet das Fahrerlebnis in zwei Welten.

Da ist die Sonnenseite aus Sound und Speed in freier Wildbahn oder auf den Rennstrecken, die das Fahrerlebnis zu etwas Einzigartigem machen. Die Schattenseite heißt Stadtverkehr, wo der Aventador mit miserabler Rundumsicht das Einparken zur Herausforderung macht und Alltagstauglichkeit nonchalant anderen überlässt.

Lamborghini Aventador: Monocoque aus Karbon

Nur der Aventador hat in diesem Vergleich ein aus Kohlefaser gefertigtes Monocoque. Im angeschraubten Hilfsrahmen aus Alu thront der V12. Was der 6,5-Liter-Sauger nach dem Druck auf den Startknopf veranstaltet, gehört zum Atemberaubendsten, was Supersportwagen bieten können.

Zum Soundcheck sozusagen saugt, schlürft, hechelt jeder der zwölf Zylinder in gierigen Zügen den Sprit in den Brennraum. Doch ist das nur ein kleiner Vorgeschmack auf das, was folgt, wenn man das Gaspedal voll durchdrückt. Mit Brachialgewalt presst der Lambo den Fahrer in den Sitz und katapultiert sich in 2,9 Sekunden auf 100 km/h, der Drehzahlmesser springt dabei leichtfüßig auf über 8000 /min. Nach 8,9 Sekunden fällt die 200-km/h-Marke, und mit einer Spitze von 350 km/h stellt der Lamborghini das gesamte Feld in den Schatten. Dass er brachial sein will, belegen eindrucksvoll die Schaltvorgänge des ISR-Getriebes (Independent Shifting Rod).

Bei diesem liegen die Gänge auf zwei Wellen, im Gegensatz zum Doppelkupplungsgetriebe arbeitet es mit nur einer Kupplung. Die Schaltzeiten können per Knopfdruck variiert werden. Im schnellsten, so genannten Corsa-Modus dauern die Gangwechsel per Schaltwippen nur einen Wimpernschlag, allerdings knallen die Gänge mit einer Ur-Gewalt rein, dass der Fahrer einen regelrechten Schlag ins Kreuz bekommt. Auf die Dauer zu viel des Guten.

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Sein wahres Potenzial spielt der beste Lamborghini aller Zeiten auf kurvigen Rennstrecken aus. Die verwindungssteife Fahrgastzelle, die herausragende Traktion des Allradantriebs und die zielgenaue Lenkung sind Garanten für extrem hohe Kurventempi und Fahrspaß. Trotz seines Gewichts von knapp 1800 kg lässt sich der Aventador erstaunlich leichtfüßig dirigieren, die Hinterräder mit der Reifendimension 335/30 ZR 20 krallen sich förmlich in den Asphalt. Wer es übertreibt, erlebt den Aventador als mitteilsamen Untersteuerer.

Ein Highlight sind auch die Bremsen, die nicht nur hervorragend verzögern, sondern sich auch perfekt dosieren lassen. Erstaunlich bei all diesen sportlichen Talenten ist der Fahrkomfort. Die Feder-Dämpfer-Abstimmung geriet nicht bretthart, sondern passt auch für den Alltag. Gleiches gilt für die Sitze, die Seitenhalt und Bequemlichkeit miteinander kombinieren.

Wer einmal über die Schmetterlingstüren den Aventador geentert hat, möchte nie mehr aussteigen. Nur kostet der Einstieg leider rund 313.000 Euro.
Volker Koerdt

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