Kia cee’d 1.6 CRDi 2012 im Fahrbericht

Sanft-Mut

Die zweite Generation des kompakten cee’d tritt tapfer gegen Golf und Co. an. Ihre große Qualität: Ausgewogenheit

Bereits mit der ersten Generation des cee’d hatte der koreanische Hersteller Kia einen tollen Wettbewerber für die heiß umkämpfte Kompaktklasse vorgestellt. Und mit der jetzt gezeigten zweiten Generation stehen alle Zeichen auf Sturm: Der neue Kia cee’d 1.6 CRDi soll sich im Segment Marktanteile schnappen und die ganze Marke nach vorn schieben.

Das ist in der Golfklasse besonders schwierig, da die Wettbewerber zahlreich und gut gemacht sind. Doch mit einem tollen Auto ist die Lage durchaus erfolgversprechend. Der neue cee’d ist ein Beleg für das stark gewachsene Selbstvertrauen der Koreaner. Und wie schafft man den Weg nach vorn in der Verkaufsstatistik? – Ganz „einfach“: mit schickem Design und einem Auto, das in Sachen Funktionalität möglichst viele Punkte sammelt.

REIFE LEISTUNG
Die Optik des cee’d kann auf den ersten Blick als gelungen gelten: Peter Schreyer, verantwortlich für Audi TT und VW Golf IV, hat ein eigenes Kia-Design geschaffen – der neue Kompakte ist ebenso schick wie charakterstark. Die dynamische Front mit dem typischen Knochengrill wirkt sportlich, die Silhouette strahlt gleichermaßen Energie und Unaufgeregtheit aus, und selbst das Heck verbindet knackige Details mit muskulöser Proportion.

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Auch im Innenraum liegt der neue cee’d beinahe auf Golf-Niveau: Saubere Verarbeitung, hochwertige Materialien und eine sehr gute Funktionalität hinterlassen zusammen mitder guten Ausstattung einen sehr erwachsenen Eindruck. Spätestens hier ist zu erkennen, dass der Kia eigentlich ein europäisches Auto ist: Entwickelt in Rüsselsheim von deutschen sowie europäischen Ingenieuren und gebaut in der Slowakei, verströmt der Kia eine ausgeprägte Solidität und Sorgfalt im Detail, die gerade in der Kompaktklasse oft für das Votum der Kunden entscheidend ist.

Ein großes Manko des Koreaners ist allerdings die eingeschränkte Auswahl an Motoren: zwei kleine Diesel in drei Leistungsstufen von 90 bis 128 PS, zwei eher schwachbrüstige Benzinmotoren – Ende, Aus, Basta. Das schmerzt umso mehr, da ja Kia gegenüber der technisch verwandten Konzernmarke Hyundai die sportliche Alternative sein möchte. Das gilt allerdings maximal fürs Design, in Sachen Fahrdynamik hat der gutmütige Kia cee’d 1.6 CRDi wenig zu bieten: Die Benzin-Sauger sind relativ kraftlos, die Turbodiesel-Varianten scheinen stark auf Laufkultur und Effizienz ausgelegt zu sein, sportliche Ambitionen bleiben auf der Strecke.

Schade auch, dass das sehr gute, eigenentwickelte Doppelkupplungsgetriebe dem 135 PS starken 1,6-Liter-Benzindirekteinspritzer zugeschlagen wurde, der mit 128 PS stärkste 1,6-Liter-Diesel aber zum knackig arbeitenden Handschaltgetriebe als Option nur eine phlegmatische Wandlerautomatik verordnet bekommt. Unsere Vorschläge also: Diesel mit 150 PS und dem Doppelkupplungsgetriebe, Turbo-Benziner in einer Sportversion – und dann werden die Rivalen große Augen machen.
Johannes Riegsinger

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