×

Kostenlos per E-Mail

Mit dem Autozeitung-Newsletter sind Sie immer auf dem aktuellsten Stand zum Thema Automobil!

  • Kompetente Tests und Fahrberichte
  • Informationen über die neuesten Modelle der Hersteller

Fahrbericht: Jaguar XKR-S 2012

Megavergleich - Teil IV: Der Bissige

Acht Supersportwagen mit insgesamt 4351 PS im Megavergleich auf der Teststrecke. Nacheinander stellen wir Ihnen begehrenswerte Traumautos vor, am Ende folgt das große Fazit. Kandidat vier: Jaguar XKR-S 2012

Es ist genau dieser Moment. Wenn das Getriebe durch den Zug am linken Schaltpaddel blitzschnell einen Gang runterwechselt. Wenn der Motor kurz giftig aufbrüllt und in den Schleppbetrieb gezwungen wird. Genau dann passiert es. Dann sprotzen einige kurze, kernige Donnersalven aus den vier dicken Endrohren.

Überschlagen sich wild blubbernd die Frequenzen im Auspuff, reißen Passanten erschrocken die Köpfe herum. Es ist genau dieser Moment, in dem sich ein breites Lächeln auf das Gesicht des Fahrers legt. In dem er zum Kind wird, mit einem 550 PS starken Spielzeug in den Händen – und dem lückenlosen Klangspektrum eines gewaltigen Kompressor-V8.

Jaguar XKR-S: Der energische Sound begeistert

Hinter dem infernalischen Sound verbirgt sich eine Mannschaft pfiffiger Ingenieure. Sie haben Auspuffgeometrie, Einspritzverhalten und Klappentechnik so feinjustiert, dass jenes charakteristische und unverkennbare Klangbild des Jaguar XKR-S entsteht. Wer dem fünf Liter großen Kompressor-V8 einmal die Sporen geben durfte, wird sich immer wieder an das heisere, blecherne Hämmern aus dem Heck erinnern, das selbst in der exklusiven Welt der Supersportwagen einzigartig ist. Und unter denen beherrscht der auffällig lackierte Brite mit dem imposanten Spoiler auf dem Kofferraum als einer der wenigen auch die ruhige Gangart. Im Alltag kann er sogar das liebe Kätzchen mimen, das – zarte Gasbefehle vorausgesetzt – in der Stadt wie auf Samtpfoten von Ampel zu Ampel pirscht.

Die Federung reagiert dabei trotz Tieferlegung und üppiger 20-Zoll-Mischbereifung recht willig. Sie versetzt den Aufbau zwar stärker in Bewegung als bei den gezähmten, ebenso wohl proportionierten XK-Varianten, bewahrt aber trotzdem den Charakter eines Gran Turismo. Der wird noch verstärkt, wenn die Sitzwangen per Knopfdruck ihre Spannung verlieren und die straffen Sportsitze in bequeme Ledersessel verwandeln. So kann das Cruisen auch auf Landstraße und Autobahn fortgesetzt werden, ohne dass der rund 130.000 Euro teure Jaguar auch nur einmal seine Stimme erhebt.

Mehr Tests & Fahrberichte: Der kostenlose Newsletter der AUTO ZEITUNG

Lässig absolviert er Überholmanöver bei nur 1000 Touren, auch wenn die Lenkung dabei etwas zu leichtgängig arbeitet. Bis zum 680 Newtonmeter hohen Drehmomentplateau, das sich zwischen 2500 und 5500 Umdrehungen erstreckt, muss er sich nur selten anstrengen. Wer sich zurückhält, wird mit Verbräuchen unter 15 Litern belohnt.

Doch die Verlockung nach dem Inferno ist groß. Erst recht, wenn der Knopf mit der Zielflagge auf der Mittelkonsole den Dynamic-Modus aktiviert hat. Dann nämlich schnaubt der Achtzylinder schon bei niedrigen Drehzahlen aggressiv aus den Endrohren, hängt gierig am Gas und verlangt geradezu nach harter Hand. Bekommt er sie, stürmt das knapp 1800 Kilogramm schwere Coupé mit den vier Trompeten im Nacken ungezügelt auf und davon. Aus dem Stand geht es dabei in 4,4 Sekunden auf Tempo 100 – und selbst jenseits der 250er-Marke schiebt die Fuhre mit solchem Nachdruck an, dass sie bei 300 km/h elektronisch gedrosselt werden muss.

Den Fahrer des Jaguar XKR-S dürfte dieses Reglement kaum stören, darf er sich jetzt doch zum Runterschalten auf fünf Züge am linken Schaltpaddel freuen, die von kurzen, kernigen Donnersalven untermalt werden.
Markus Schönfeld

>>Alle technischen Daten finden Sie auf der nächsten Seite