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Honda Civic 2.2 i-DTEC im Fahrbericht

Mit dem Civic geht Honda in der Kompaktklasse einen anderen Weg. Selbsterklärend ist der neue Japaner jedoch nicht

Eckdaten
PS-kW150 PS (110 kW)
AntriebVorderrad, 6-Gang-Schaltgetriebe
0-100 km/h8.30 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit217 km/h
Preis25.800,00 €

Typisch Honda: Statt einfach nur zu kopieren, was andere erfinden, wird man lieber selbst kreativ. Entwickelt ganz selbstvergessen Autos, die eine wirklich spezielle Ausstrahlung haben. Und am Ende stellen sich die technikverliebten Honda-Menschen dann auch schon mal hin und verkünden ganz selbstverständlich: Besser geht es nicht! Zu den ersten Testfahrten mit dem neuen Honda Civic nehmen die Japaner ohne großes Aufheben einen VW Golf mit – „damit man mal einen Vergleich hat“. Das mag selbst bei einem nur flüchtigen Blick in die meist siegreiche Vergleichstest-Statistik des Wolfsburger Musterknaben wirken wie Überheblichkeit – oder einfach für das unverstellte Selbstbewusstsein sprechen, das man bei Honda pflegt.

EIN KOMPLEXES AUTO

Dem neutralen Beobachter fällt dabei auf, dass Honda auch mit der mittlerweile neunten Generation des Civic keineswegs das Rad neu erfunden hat, sondern einfach einen anderen Zugang zum Thema sucht. Während der deutsche Klassen-König maximal funktionales und klar interpretierbares Werkzeug ist, will der Civic als entgegenkommender Partner verstanden werden, sich dem menschlichen Nutzungsverhalten in regelrecht devoter, flexibler Weise anbieten.

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Ein Golf ist daher schnell zu verstehen, gut zu erklären, also ein klares Statement mit vordefinierten – und sehr wenigen – Reibungspunkten. Die Art und Weise, wie der Honda Civic jedoch versucht, jede Reibung zu vermeiden, will immer wieder erlebt und neu bewertet werden – was in der einen Situation hervorragend und verblüffend perfekt wirkt, kann in einer anderen Situation undefiniert und übertechnisch daherkommen. Erklärungsversuche: In einer Pilotenkanzel eingeschlossen, fällt die Hand des Civic-Fahrers ganz selbstverständlich auf den hochliegenden Schaltknauf, die wichtigsten Informationen – Tachometer, Sicherheitswarnungen, aktuelle Navigations-Hinweise und mehr – werden auf einem digitalen Panel dicht unterhalb der Windschutzscheibe dargestellt. Für das akute Fahren zweitrangige Informationen (Drehzahlmesser, Tankuhr und andere) sind dann in den klassischen Rundinstrumenten untergebracht. Diese Sortierung passt ergonomisch und macht Sinn – kann aber auch unübersichtlich, überladen und aufgeregt wirken. Oder das Fahrverhalten: Sportliche Vorderachse und straffe Feder/ Dämpfer-Abstimmung sorgen zusammen mit der präzisen Lenkung für einen sportlichen Eindruck. Allerdings ist der Civic ebenso auf problemlosen Geradeauslauf getrimmt, die Lenkung hat nicht nur Präzision, sondern auch eine beruhigende Gewichtigkeit zu bieten. Wie ein feuriger Sportler kommt der neue Honda Civic also nicht beim Fahrer an.

An der Hinterhand setzt Honda auf eine komplett neu konstruierte Verbundlenkerachse, die für möglichst viel Platz im Kofferraum und angenehmen Fahrkomfort sorgen soll. Und das mit Erfolg: Der Civic schluckt fiese Bodenwellen ebenso locker wie das große Reisegepäck, besonders mit seinem fein gedämpften Abrollkomfort ist er gegenüber den auf Sport getrimmten Wettbewerbern in dieser Klasse eine regelrechte Wohltat. Wie zu diesem angenehm wertkonservativen Auftritt das futuristische Design passen soll, erschließt sich aber nicht auf den ersten Blick.

TYPBERATUNG

Vermutlich bleibt dem interessierten Kompaktklasse-Kunden eine intensive Probefahrt also nicht erspart. Denn nur so wird erlebt, wie willig und schmeichelzart sich der Civic bewegen lässt, wie gelungen besonders die Kombination mit dem neuen 2,2-Liter-Turbodiesel ist: Laufruhig und sämig schiebt dieser sparsame (EU-Verbrauch: 4,2 l/100 km) Top-Diesel an und lässt so den Honda Civic von seiner besten Seite erstrahlen. Und auch nur in der direkten Konfrontation mit der eigenwilligen Funktionalität, den vielen Sicherheits- und Öko-Helfern – etwa Tempomat mit Abstandsradar samt Bremsassistent, verbrauchsoptimiertes Fahrprogramm inklusive farbbasierter Fahrstil-Anzeige – wird sich feststellen lassen, ob man ein echter Civic-Typ ist. Alle anderen können dann ja immer noch Golf fahren.
Johannes Riegsinger

Inhaltsübersicht

Autos im Test

Honda Civic 2.2 i-DTEC

PS/KW 150/110

0-100 km/h in 8.30s

Vorderrad, 6-Gang-Schaltgetriebe

Spitze 217 km/h

Preis 25.800,00 €