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Ferrari F12tdf: Fahrbericht

Mit dem F12tdf über die Curbs

Der auf 799 Stück limitierte Ferrari F12tdf leistet mehr, als seine 780 PS versprechen. Kein Zwölfzylinder vor ihm sang je ein so hohes und begeisterndes Lied. Erster Fahrbericht!

Die Buchstabenfolge "tdf" hinter dem Kürzel F12 ist erklärungsbedürftig: Sie steht nicht etwa für "Turbo Diesel Ferrari" – Gott bewahre –, sondern für "Tour de France". Nein, nicht die für Fahrräder. Es gab in den Fünfzigern mal eine Tour de France für Automobile, bei der Ferrari mit einem berühmten Ahnen, dem 250 GT, siegreich war. Daher der Namenszusatz "tdf". Aber Namen sind ja bekanntlich Schall und Rauch. Und wenn es je eines Beweises für diese Behauptung bedurfte, dann haben wir ihn hier in Form eines Statements namens Ferrari F12tdf: Kein Zwölfzylinder vor ihm sang je ein so hohes und begeisterndes Lied. Und noch keiner war je mit so viel Qualm unterwegs – mit Ausnahme desjenigen aus demselben Haus mit Elektro-Unterstützung (LaFerrari). Die Daten: 780 PS bei 8750/min, 705 Newtonmeter, Beschleunigung null auf 100 km/h in 2,9, auf 200 km/h in 7,9 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit 340 km/h.

Faszination pur: Ferrari F12tdf in der Bildergalerie

Der F12tdf ist eine Granate – sein Downforce sensationell

Nein, der Ferrari F12tdf ist kein Formel 1-Ableger, wie man angesichts der atemberaubenden Leistungswerte vielleicht meinen könnte. Er basiert von der Struktur her auf dem aktuellen F12berlinetta, hat dessen Antriebskonzept sowie seine Silhouette geerbt. Aber der Ferrari F12tdf leistet 40 PS mehr, wiegt 110 Kilo weniger und ist zudem dank neuer Aerodynamik-Tricks mit deutlich erhöhten Abtriebskräften gesegnet. Ferrari spricht von einer Gesamt-Downforce von 230 Kilogramm bei 200 km/h (F12: 123 kg). Ein mit allen Wassern gewaschener Held der Rennbahn also, und das im aufgehübschten Kleid einer klassisch anmutenden, zweisitzigen und nach wie vor heckgetriebenen Berlinetta.

Der Clou kommt aber noch: "Passo Corto Virtuale" lautet die Zauberformel, mit Hilfe derer dem von Haus aus mit hoher Geradeauslauf-Sicherheit gesegneten Front-/Mittelmotor-Konzept alle drohenden Ansätze von lästiger Untersteuer-Neigung ausgetrieben werden können. Bei dem "virtuell verkürzten Radstand" handelt es sich um eine Allradlenkung, die einen geradezu zauberhaften Zuwachs an Agilität bewirkt. Was andernfalls wohl nur mit einer echten, per Trennschleifer vorgenommenen Radstandsverkürzung zu bewerkstelligen gewesen wäre, nämlich die Verwandlung in einen begeisternd handlichen und doch mit beruhigend großem Radstand (2720 Millimeter) gesegneten Hecktriebler, erfolgt hier durch minimales Mitlenken der Hinterräder mit bis zu einem Grad – stets gehorsam der Richtung der Vorderräder folgend.

Vergleich: Ferrari F12tdf gegen Lamborghini Aventador SV

Faktisch ist und bleibt der Ferrari F12tdf damit aber noch immer ein großes Auto. Das lässt sich an der leicht gewachsenen Gesamtlänge von 4,65 Meter ebenso ablesen wie am großzügigen Innenraum und dem üppig bemessenen Gepäckabteil. Womit wir den eigentlichen Auftrag der optisch stark verwandelten, mit pfiffigen Aerodynamik-Elementen gespickten Sport-Berlinetta umrissen hätten: Ihre Hauptaufgabe ist trotz aller Renn-Ambitionen nach wie vor die sowohl komfortable als auch lustvolle Bewältigung großer Etappen auf öffentlichen Straßen – etwa von Fiorano hoch zum Nürburgring, um dann vor Ort alles rauszulassen, was einem 780 PS starken, nur rund 1600 Kilogramm schweren und mit hohem aerodynamischen Geschick antretenden Ferrari zu Gebote steht. Auf der hauseigenen Teststrecke Fiorano sind es zwei Sekunden, um welche die Basis ins Hintertreffen gerät.

Technische Daten Ferrari F12tdf
Zylinder/Ventile pro Zylin. 12/4
Hubraum 6262 cm³
Leistung
bei
574 kW/780 PS
8500 /min
Max. Drehmoment
bei
750 Nm
6250 /min
Getriebe 7-Gang, F1-Doppelkupplungsgetriebe
Antrieb Hinterrad
Höchstgeschwindigkeit über 340 km/h
0-100 km/h 2,9 s
0-200 km/h 7,9 s
Verbrauch 15,4 l SP/100 km
Grundpreis 379.000 €
Horst von Saurma
1,0
Fazit

Auf der Nürburgring-Nordschleife, wo der F12berlinetta bereits mit 7:33 min verewigt ist, dürfte der agile Ferrari F12tdf sein volles rennsportliches Potenzial ausspielen. Mindestens eine halbe Minute könnte er dem F12Berlinetta abnehmen – und das nicht nur virtuell.

  1. 1 = sehr gut
  2. 2 = gut
  3. 3 = befriedigend
  4. 4 = ausreichend
  5. 5 = mangelhaft
  6. 6 = ungenügend