Fahrbericht: Cadillac ATS 2.0 Turbo als Mittelklasse-Hoffnung

Neu-Start

Fahrbericht Cadillac ATS 2.0 Turbo: Mit dem neuen Modell will der amerikanische Hersteller in der Mittelklasse gegen die deutsche Premiumkonkurrenz antreten – auch in Europa und hierzulande

Auf dem heimischen Markt ist Cadillac noch eine Größe. Die feine Marke von General Motors lag im vergangenen Jahr in den USA mit gut 135.000 verkauften Autos hinter BMW, Mercedes und Lexus auf Platz vier im Premiumsegment.

Auch in Europa und Deutschland wollen die Amerikaner wieder zulegen. Dabei setzen sie neben der Oberklasse-Limousine CTS und den SUV besonders auf den neuen ATS. Mit einer Länge von 4,64 Metern tritt er in der Mittelklasse gegen Audi A4, BMW 3er und Mercedes C-Klasse an – und soll mehr Kunden ansprechen als der glücklose BLS, der auf Basis von Saab 9-3 sowie Opel Vectra im schwedischen Trollhättan gebaut wurde und im Markt wenig Euphorie auslöste.

cadillac ats: KANTIGES DESIGN IM STIL DES CTS

Der ATS, dessen kantiges Design an das des größeren Cadillac CTS erinnert, wirkt dagegen optisch deutlich eigenständiger – ein typischer Caddy halt. Bei der Technik gibt es wieder Anleihen aus Rüsselsheim. Fahrwerksmodule stammen vom Opel Insignia, der einzige in Europa angebotene Motor vom Astra: ein Turbo-Vierzylinder mit Direkteinspritzung und zwei Liter Hubraum, der bei Opel bis zu 280 PS mobilisiert.

Im ATS bringt er es auf 272 PS und ein maximales Drehmoment von 353 Newtonmetern. Notiz am Rande: Das Triebwerk ist ursprünglich eine Saab-Entwicklung und das letzte lebendige Relikt der insolventen schwedischen Marke.

In den USA wird der kleine Caddy mit zwei weiteren Motoren verkauft: einem Basis-Vierzylinder mit 2,5 Liter Hubraum und 202 PS sowie einem V6 mit 322 PS, der auch im CTS Verwendung findet.

In Sachen Gewicht in einer Liga mit BMW und Co.

Bei der Kraftübertragung hat der europäische Kunde die Wahl zwischen einem manuellen Sechsgang-Schaltgetriebe und einer Wandlerautomatik mit sechs Stufen. Diese schaltet recht munter und lässt sich bei Bedarf auch über zwei Paddel am Lenkrad bedienen. Die Lenkung arbeitet sehr leichtgängig, aber trotzdem präzise. Als Option zum Hinterradantrieb ist übrigens auch eine Allradversion verfügbar.

Das Fahrwerk mit Mehrfachlenkerachse und optionalen adaptiven Dämpfern wurde nach Bekunden der Amerikaner auf der Nordschleife des Nürburgrings abgestimmt. Zumindest in der Europa-Version dürfte es sich eher sportlich-straff gebärden.

Um die Fahrdynamik zu erhöhen, wurde bei der Konstruktion des Cadillac auf Gewichtsreduktion geachtet: Mit gut 1500 Kilo Leergewicht reiht sich der ATS 2.0 Turbo in etwa in die Liga der deutschen Rivalen ein.

Mehr Auto-Themen: Der kostenlose Newsletter der AUTO ZEITUNG

Die Sitze sind sportlich straff, das Raumangebot in der ersten Reihe ist gut. Ein großes Display mit Touchscreen und das von Cadillac entwickelte Infotainment-System CUE erleichtern die Bedienung. Die Sprachsteuerung ist aber verbesserungsfähig.

Das gilt auch für den beengten Fußraum in der zweiten Reihe. Die Breite der Sitzbank im Fond ist aber der Klasse angemessen. Der Kofferraum, der nach amerikanischem EPA-Standard 290 Liter fasst, wirkt hingegen ebenfalls klein. Hier fehlen aber noch technische Daten, die erst auf dem Pariser Salon veröffentlicht werden sollen. Erst dann stehen auch die Preise fest. Der Verkauf des ATS in Deutschland beginnt im Oktober, die Auslieferung im Dezember.
John McCormick / Klaus Uckrow

>>Alle technischen Daten finden Sie auf der nächsten Seite