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BMW X1 2015: F48 feiert Premiere auf IAA

Allrounder

Außen Abenteuer, innen Alltag: Jetzt, wo er endlich aussieht wie ein SUV, wird der BMW X1 2015 zum perfekten Kombi. In diesem Fahrbericht fühlen wir dem BMW X1 25i auf den Zahn

Er kam, sah und siegte. Zwar war der erste X1 allenfalls von durchschnittlicher Güte, weil er mit Hochdruck auf die Straße gebracht wurde und die Entwickler da ein paar Kompromisse machen mussten. Doch weil BMW den Kollegen aus Stuttgart und Ingolstadt um Jahre voraus war, hat sich der kleine Geländewagen trotzdem extrem gut verkauft. Mit im Schnitt über 100.000 Zulassungen im Jahr hat er einen großen Anteil daran, dass fast jeder dritte BMW mittlerweile ein X-Modell ist. Doch die Konkurrenz schläft nicht: Mercedes hat schon einen GLA und Audi plant neben dem Q3 auch einen handlicheren Q2, der dem X1 vielleicht noch deutlicher in die Parade fahren könnte. Deshalb rüstet sich BMW für den verschärften Wettbewerb und bringt Ende Oktober zu Preisen ab 32.900 Euro eine Neuauflage, die sehr viel gründlicher, durchdachter und ausgereifter wirkt als der Erstling von 2009.

BMW X1 2015: Auf der IAA feiert der F48 Premiere

Dafür steht nicht nur das Design, das bulliger, kräftiger und kerniger wirkt, das mehr X-ness hat, wie es ein Designer sagt, und das damit deutlich näher an X3 und X5 heranrückt. Sondern dafür steht vor allem die neue Plattform. Nach Active Tourer und Grand Tourer ist der X1 der dritte BMW aus der so genannten UKL-Architektur, die im Packaging ganz neue Möglichkeiten bietet: Zwei Zentimeter kürzer als früher, dafür aber breiter und vor allem deutlich höher, wird der Raum viel besser ausgenutzt. Vorn sitzt man deshalb nicht schlechter als im X3, im Fond legt die Kniefreiheit um drei Zentimeter zu und wenn man die verschiebbaren Rücksitze bestellt, können erwachsene Hinterbänkler sogar die Beine übereinander schlagen. Gleichzeitig schrumpft der X1 gerinfügig in der Länge um drei Zentimeter auf 4,44 Meter. Auch der Radstand wird von 2,76 Meter auf 2,67 Meter reduziert. Der Kofferraum lässt sich schrittweise bis hin zum umklappbaren Beifahrersitz erweitern. Im besten Fall passen dann bis zu 1550 Liter hinter die elektrische Klappe.
 
Zwar bedient sich der X1 kräftig aus dem Teilesatz der neuen Frontantriebsmodelle und übernimmt zum Beispiel die Option auf LED-Scheinwerfer oder den Abstandsregeltempomaten. Aber er leistet sich auch den Luxus eigener Extras wie des vollwertigen Head-Up-Displays: Wo die Informationen bei den Tourern auf eine popelige Plexiglasscheibe projiziert werden, spiegelt die Elektronik die Daten im X1 dorthin, wo es sich gehört: Direkt in die Frontscheibe. Und auch die Materialanmutung ist noch ein bisschen vornehmer als bei den Pampersbombern. Jetzt muss einem der rote Alu-Zierstreifen der Sportline im Armaturenbrett nicht gefallen. Aber wo man hinschaut, sieht der X1 gut aus und wo man ihn anfasst, fühlt er sich gut an. Und nur, wenn man ganz tief fummelt und zum Beispiel den Schaumstoff um die Lenksäule in die Finger bekommt, merkt man, dass auch die Bayern nur mit Wasser kochen und dabei bisweilen aufs Geld schauen müssen.
 
Nicht nur Auftritt, Ambiente und Ausstattung sind neu – auch beim Antrieb bleibt nichts mehr wie es war. Der X1 fährt komplett mit der neuen Generation der Baukastenmotoren und startet zunächst mit zwei Benzinern im X1 20i mit 192 und im X1 25i mit 231 PS sowie drei Dieseln vom 150 PS starken X1 18d bis zum X1 25d mit ebenfalls 231 PS. Damit sind Geschwindigkeiten zwischen 205 und 235 km/h möglich und der Verbrauch geht nicht zuletzt dank eines neuen Allradantriebs mit entkoppelbarer Hinterachse um bis zu 17 Prozent auf Werte zwischen 4,1 und 6,6 Liter zurück.

Dreizylindermotoren unf Frontantrieb im neuen F48

Bei aller Sparsamkeit will der BMW X1 F48 aber auch sportlicher sein. Das merkt man besonders bei der ersten Ausfahrt mit dem 25i. Der knurrt zwar bisweilen wie ein Diesel und gibt sich für einen Benziner ungewöhnlich brummig, zumal der X1 ansonsten ein ungeheuer leises und gut gedämmtes Auto ist. Aber dafür steht der Zweiliter-Motor gut im Futter, wuchtet den Wagen mit seinen 350 Nm in flotten 6,5 Sekunden von 0 auf 100, stürmt tapfer mit bis zu 235 km/h über die linke Spur und macht auf einer kurvigen Landstraße richtig Laune. Denn mit seinem neu entwickelten Fahrwerk, der Sportlenkung und den variablen Dämpfern taugt der X1 zum veritablen Kurvenräuber, dem man die neue Höhe dabei nicht anmerkt. Aber so kräftig der 25i ausschreitet und so knackig er abgestimmt ist, wird es kaum reichen, um einem GLA 45 AMG oder einem Audi RS Q3 Paroli zu bieten.
 
Bis auf den Basisdiesel werden zunächst alle Motoren mit Allrad ausgeliefert. Doch wer den X1 18d sDrive bestellt, wird sich ein bisschen umstellen müssen. Dank der neuen Plattform hat der dann keinen Heckantrieb mehr, sondern packt jetzt mit den Vorderrädern zu. Und das ist nicht die einzige Abkehr von den eigenen Idealen. Sondern kurz nach der Markteinführung beginnt auch unter der Haube eine kleine Kulturrevolution: Während die guten alten Sechszylinder auch weiterhin kein Thema sind und die M GmbH wie bisher einen Bogen um den X1 macht, wird es dort nun zum ersten Mal auch Dreizylinder geben. Denn als Basismotoren reichen die Bayern dann einen 18i mit 136 und einen 16d mit 116 PS nach.
 
Mit dem X1 hat BMW vor sechs Jahren  - mal wieder – ein SUV-Segment für die Premiumliga begründet und so einen weiteren Baustein auf die Erfolgspyramide der X-Modelle gesetzt. Und es soll nicht der letzte sein. Denn jetzt, wo der X1 erneuert wurde, können sich die Entwickler dem nächsten Projekt zuwenden und ihre Aufmerksamkeit ans andere Ende der Palette lenken: Weil es unterhalb des X1 keinen Platz mehr für en neues Modell gibt, zielen sie nun auf das andere Extrem und arbeiten mit Hochdruck am X7.

Thomas Geiger