Fahrbericht: Aston Martin Vanquish 2012

Englands Stolz

FahrberichtAston Martin versteht sich als beste Adresse Großbritanniens für Sportwagen. Der neue Vanquish wird diesem Anspruch voll und ganz gerecht

Einer wie der andere - dieser Eindruck kann beim Blick auf das aktuelle Aston Martin-Modellprogramm entstehen. Der neue Vanquish fügt sich hier nahtlos ein, er übernimmt prinzipielle Designmerkmale von den Schönheiten V8 Vantage und DB9. Direkt von vorn betrachtet erkennt man zunächst kaum einen Unterschied.

Zwar gelang es Chef-Designer Marek Reichman, die Linienführung noch eleganter und die Details noch vollkommener zu gestalten. Der Vanquish sieht aus jedem Blickwinkel und in jedem Licht blendend aus, doch die Unterschiede sind eher subtil.

Für Dr. Ulrich Bez, der seit 13 Jahren bei Aston Martin am Ruder sitzt, ist die technische Substanz jedoch genauso wichtig wie die schöne Hülle, daher steckt unter dem edlen Lack de facto ein neues Auto. Der mächtige V12 wurde komplett optimiert, ein- und auslassseitig kommen phasenverstellbare Nockenwellen zum Einsatz, modifizierte Ansaug- und Abgasanlagen lassen den Motor freier atmen.

Aston Martin Vanquish: mitreissende energie

Wie der Motor im mittleren Drehzahlbereich aufs Gas anspricht, seine lineare Kraftentfaltung und der damit verbundene Sound gehören zum Mitreißendsten, was heute vier Räder antreibt.

Die Spurtkraft unter 4000 /min ist fulminant, oberhalb davon brachial und lässt sich jederzeit auskosten, denn überschüssige Energie vernichten die Karbon-Keramik-Bremsen, ohne mit den Festsätteln zu zucken. Der famose Zwölfzylinder erleichtert dem Getriebe seinen Job ungemein.Die ZF-Automatik findet stets den richtigen Gang. Trotzdem zucken die Hände des Fahrers fortwährend zu den Schaltwippen, weil der manuelle Modus den Fahrspaß noch steigert und die innigste Beziehung zwischen Mensch und Maschine herstellt.

Der Motor wird von Hand zusammengesetzt, und auch in der Karosse steckt viel Manufakturarbeit. Die Hülle über dem geklebten Alu-Monocoque besteht aus Karbonfaser, an Frontspoiler und Diffusor wird die Struktur des Materials sichtbar. Ein komplettes Karbonchassis erschien Aston Martin nicht notwendig, und tatsächlich überzeugt der Vanquish selbst bei beherzter Fahrt auf buckligsten Landstraßen mit tadelloser Steifigkeit und sehr präzisen Lenkreaktionen.

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Die adaptiven Dämpfer parieren Stöße je nach Programm mit trockener oder sehr trockener Härte, und die Pirelli P Zero bauen so viel Grip auf, dass die Traktionskontrolle nur bei brutalem Gaseinsatz ins Spiel eingreift. Ähnlich hart im Nehmen sollte das Konto des Käufers sein: Der beste Aston ist unter einer Viertelmillion Euro nicht zu haben.
Karsten Rehmann

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