Fahrbericht: Aston Martin V12 Vantage 2012

Megavergleich - Teil I: Der Dynamiker

Acht Supersportwagen mit insgesamt 4351 PS im Megavergleich auf der Teststrecke. Nacheinander stellen wir Ihnen begehrenswerte Traumautos vor, am Ende folgt das große Fazit. Den Auftakt macht der Aston Martin V12 Vantage

Der V12 Vantage hält sich nicht lange damit auf, seine zwei Insassen mit Komfort zu umgarnen. Er gibt lieber ungefilterte Informationen weiter. Auch macht er keinen Hehl aus der gerade anliegenden Geschwindigkeit – und die ist in aller Regel hoch. Sehr hoch sogar.

Schon beim Start brüllt der V12 in aller Deutlichkeit seine wahre Bestimmung heraus: Speed! Nah am Klang eines Touren-Rennwagens, verzichtet der Vantage auf die Kultiviertheit, die andere Zwölfzylinder-Aston zelebrieren. Für ihn zählt Power.

Mit 517 PS und maximal 570 Newtonmeter Drehmoment hat der Sechsliter genug Schmalz, um die Semislicks jederzeit haltlos in Rotation zu versetzen. Zumal er explosionsartig auf Gasbefehle reagiert. Bereits aus dem Leerlauf heraus reißt der mächtige V12 den Aston Martin vom Fleck, dass die Freudentränen waagerecht fließen.

Das manuelle Getriebe fordert den fahrer

Zumindest, wenn der Fahrer feinfühlig genug ist, um mit der richtigen Balance aus Kraft und Gefühl das Zusammenspiel von Kupplung und Gas zu portionieren. Fällt das Drehmoment zu schlagartig über die Kohlefaser-Kardanwelle her, geht die Power in Rauch auf.

Agiert der Fahrer zu zaghaft, bleibt der Brite hinter den versprochenen Fahrleistungen zurück. Auch bei engagierter Kurvenfahrt verlangt der V12 Vantage ganz unverhohlen nach einem talentierten Piloten:

Die Vorderräder setzen Richtungswechsel so spontan und bedingungslos um, und die extrem direkt operierende Lenkung vermittelt derartig viel Feedback, dass bei hohem Tempo rasch Unruhe aufkommt, wenn der Fahrer nicht dosiert genug steuert.

Diese Charakteristik vermittelt ein Speed-Gefühl, das den Wagen stets 50 km/h schneller wirken lässt als er tatsächlich ist – und honoriert fahrerisches Können mit irrwitzigen Kurvengeschwindigkeiten.

Damit gibt der Aston Martin ein erfrischend archaisches und authentisches Statement ab: Er lässt sich eben nicht von jedermann ohne Eingewöhnung sauber am Limit bewegen. Er bleibt zwar immer sportlich fair, doch bindet er seinen Piloten aktiver ins Geschehen ein, als es bei den meisten anderen Supersportwagen heute noch üblich ist. Das steigert den Reiz, ihn zu zähmen gewaltig.

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Wer es versteht, den Aston auch mit dem Gasfuß zu lenken und ihm eine saubere Kurvenlinie vorgeben kann, den belohnt der Sportler mit spontanen und unverfälschten Reaktionen auf sämtliche Impulse sowie bedingungslosem Gehorsam. Das vertieft die Beziehung von Mensch und Maschine und sichert langfristig eine harmonische Zweisamkeit.

Dafür verzeiht man dem Briten dann auch gern, dass seine Bedienung immer wieder kleinere Schrullen offenbart. Die gegenläufige Zeigerbewegung von Tacho und Drehzahlmesser etwa sieht zwar cool aus, ist aber wenig sinnvoll. Als eine echte Schwäche muss man dem ansonsten durchweg überzeugenden Charakterdarsteller jedoch ankreiden, dass er bei forcierter Fahrweise recht ungeniert über den Tankinhalt herfällt.
Martin Urbanke

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