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Test: Toyota Prius Plug-in-Hybrid 2012

Toyota Prius Plug-in-Hybrid

Toyota gibt mit dem an der Haushaltssteckdose aufladbaren neuen Prius Plug-in-Hybrid eine Antwort auf die Diskussion zur Elektro-Mobilität. Was fünf Jahre Erprobungszeit ergeben haben, zeigt unser Test

Eckdaten
PS-kW99 PS (73 kW)
AntriebVorderrad, Hybrid-Getriebe
0-100 km/h10.60 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit180 km/h
Preis37.270,00 €

Während die deutsche Regierung bis 2020 auf eine Million Elektro-Fahrzeuge abzielt, sieht die Realität mit bis dato gerade mal 4600 zugelassenen E-Mobilen anders aus – und das, obwohl die Sprit-Preise stetig neue Rekordwerte verzeichnen. Doch wer nicht gerade nach dem Motto "der Weg ist das Ziel“ lebt, sondern gern auch ankommt, der verzweifelt an der zu geringen Reichweite der Elektro-Mobile. Hybrid-Pionier Toyota präsentiert nun den extern aufl adbaren Prius Plug-in-Hybrid. Dieser baut auf dem  Standard-Prius auf, der seine technische Zuverlässigkeit bereits unter Beweis gestellt hat und bisher drei Millionen Käufer fand.

BEKANNTER ANTRIEB, STÄRKERE BATTERIE

Antriebsseitig gibt es wenig Neues zu vermelden. Auch beim Plugin-Hybrid leitet ein leistungsverzweigtes, stufenloses Getriebe die Kräfte des 99 PS starken 1,8-Liter-Benziners und des E-Motors (60 kW) an die Vorderräder weiter. Nennleistung: 136 PS. Neu ist hingegen, dass der Prius nun nicht mehr nur per Rekuperation (also beim Bremsen und im Schubbetrieb), sondern an jeder haushaltsüblichen Steckdose aufgeladen werden kann und so laut Toyota über eine Distanz von 25 Kilometern rein elektrisches  Fahren ermöglicht. Dafür setzt Toyota auf eine stärkeres Akku-Paket: Anstatt der bisher verwendeten Nickel-Metallhydrid-Batterie
kommt nun ein Lithium-Ionen-Akku zum Einsatz, der – mit 56 Zellen ausgestattet – 4,4 kWh speichert und eine Nennspannung von 207,2 Volt bietet. 90 Minuten sollen ausreichen, um den Akku an einer gewöhnlichen 230-Volt-Steckdose zu laden. Insgesamt soll der Hybrid 1200 km weit fahren und dabei nur 2,1 Liter Super auf 100 Kilometern verbrauchen, was einem CO2-Wert von 45 Gramm pro Kilometer entspricht.

Von außen unterscheidet sich der neue Plug-in nur marginal vom normalen Prius. Der obere Kühlergrill nimmt sich etwas zurück und räumt dem darunter liegenden Lufteinlass mit Chromzierleiste und silberfarbener Blende mehr Platz ein. Am Heck strahlen jetzt zwei große LED-Rückleuchten, und im Seitenprofi l unterscheiden Chromtürgriffe sowie luftstromoptimierte Radzierblenden den Plug-in vom Standard-Prius. In der Länge hat er um 20 Millimeter zugelegt. Wichtigstes Differenzierungsmerkmal: die Ladebuchse am rechten hinteren Kotflügel. Sie leitet den extern zugeführten Strom an das Akku-Paket weiter, das sich platzsparend unter der Rückbank befindet und das Ladevolumen nicht verändert. Der Stromer ist damit immer noch ein vollwertiger Fünfsitzer. Legt man die im Verhältnis 40:60 teilbare Rücksitzlehne um, entstehen so ein ebener Ladeboden und 1543 Liter Fassungsvermögen. Die 443 Liter Volumen bei aufrechten Rücksitzlehnen bleiben ebenso konstant wie die eingeschränkte Kopffreiheit im Fond.

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Die Prius-üblich nach hinten abfallende Dachlinie engt auch weiterhin das Haupt großgewachsener Passagiere ein. Fahrer und Beifahrer dürfen sich hingegen über genügend Platz freuen. Die durchaus bequemen Sitze taugen auch für längere Strecken, bieten jedoch kaum Seitenhalt. Zwar sind die Materialen gut verarbeitet, aber das Gros an Kunststoff ist ebenso gewöhnungsbedürftig wie die Bedienung. Hat der Fahrer jedoch einmal den Dreh raus, ergibt die Flut an Funktionsknöpfen und Displays ein logisches Gesamtkonzept. Im Sichtbereich des Piloten zeigt das serienmäßige Head-up-Display die Geschwindigkeit an, und die auf dem Armaturenbrett sitzende Anzeige liefert alle weiteren Infos. Das Audio- und das optionale Navi-System (550 Euro Aufpreis) lassen sich nach einer kurzen Eingewöhnungsphase ebenfalls problemlos über den Touchscreen in der Mittelkonsole bedienen.

Zum Starten genügt ein Knopfdruck. Nun stehen die Fahrmodi Hybrid (HV), Elektro (EV), EVCity und die jeweils zusätzlich zuschaltbare Sparmaßnahme Eco zu Auswahl. Die Gänze der Optionen bietet sich nur dem, der die Batterie zuvor extern aufgeladen hat. Ansonsten läuft auch der Plug-in im üblichen Hybrid-Betrieb. Im Test lädt der Akku zwei Stunden und zieht dabei eine Energie von 2,87 kWh aus dem Stromnetz.

Drückt man nun die EV-Taste, bewegt sich der Prius rein elektrisch vorwärts. Die Leistung von 82 PS liegt direkt an, und der  E-Motor sorgt für akzeptablen Schub. Im Stadtverkehr schwimmt man problemlos mit, beim Bremsen oder Rollen lädt die Batterie wieder auf. Für die ruhige Fahrt bis 90 km/h ist jedoch ein gefühlvoller rechter Fuß erforderlich. Bei sachten bis mittleren Gasbefehlen hält sich der Benziner zurück. Tritt man das Pedal jedoch über die Hälfte durch, schalten sich die 99 Verbrenner-PS hinzu. Wer weniger Spaß an der Spielerei mit dem Gaspedal und der dies dokumentierenden Balken-Anzeige hat, der hält während des EV-Modus zwei Sekunden lang die EV-City-Taste gedrückt. Jetzt darf auch mal beherzter zugelangt werden. Der Benziner hält sich nun zurück. Doch wartet nach halbem Gaspedalweg eine andere Überraschung: Jenseits dieser Grenze darf der Fuß zur Musik mitwippen – die Maximalbeschleunigung ist erreicht. Erst wenn man voll durchdrückt, erlischt die EV-City-Anzeige,  und der Verbrenner übernimmt den Vortrieb. Ist die erweiterte elektrische Reichweite erschöpft, wechselt die Batterie-Anzeige vom strahlenden Grün in eine Balkenanzeige. Rein elektrisches Fahren über eine längere Distanz ist dann erst nach der nächsten externen Aufl adung möglich.

HOHER PREIS UND DISKUTABLE VERBRAUCHSWERTE

Bleibt noch der HV-Modus, der dem üblichen Hybrid-Betrieb eines jeden Prius entspricht. Da das Batterie-Paket gerade mal 55 Zusatzkilos mitbringt, fallen die Fahrleistungen des Plug-in im Vergleich zu denen des normalen Prius ähnlich aus. Der Benzinmotor arbeitet bei hoher Leistungsanforderung etwas rau, die Lenkung ist zu schwammig und gibt zudem kaum  Rückmeldung. Die Federung könnte komfortabler ausfallen, und in Kurven neigt der Toyota schnell zum Untersteuern.
Windgeräusche treten ab 120 km/h auf der Autobahn deutlich hervor. Weiterhin dürfte die Dosierbarkeit der Bremse feiner ausfallen, und ein Bremsweg von über 38 Metern lässt zu wünschen übrig.

Was beim Plug-in in erster Linie interessiert, sind aber elektrische Reichweite und Verbrauch. Auf der AUTO ZEITUNG-Normrunde mit aufgeladener Batterie stromerte der Prius durch den Kölner Stadtverkehr im EV-City- und Eco-Modus zunächst 16,8 Kilometer rein elektrisch dahin. Nach insgesamt 100 Kilometern im gemischten Stadt-, Landstraßen- und Autobahnbetrieb inklusive Volllastanteil steht ein Verbrauch von vier Litern zu Buche.

Das entspricht bei 45 Liter Tankvolumen einer Reichweite von 741 km. Ist die Batterie hingegen nicht aufgeladen, genehmigt sich der Plugin 6,4 Liter. Man sollte sich also möglichst häufig nach einer Steckdose umschauen. Trotzdem holt man die 10.000 Euro Mehrkosten im Vergleich zum Einsteiger-Prius nicht mehr herein. Insgesamt verlangt Toyota für den Plug-in in der Life-Ausstattung 36.200 Euro. Zwar verfügt er dann über das Audiosystem Toyota Touch samt Rückfahrkamera und Head-up-Display, doch kosten Navi, Regensensor oder gar eine automatische Leucht- Es geht weiter: Wenn die Batterie erschöpft ist, wechselt der Antrieb in den Hybrid-Modus weitenregulierung extra. Einen Parkassistenten oder das Pre-Crash Safety System ist sogar nur für die 42.500 Euro teure TEC-Edition-Ausstattung erhältlich. Zudem gilt es zu klären, ob man infrastrukturell ausreichend ausgestattet ist, um den Plug-in regelmäßig aufzuladen.

Fazit

Anders als bei reinen Elektro-Autos muss man bei der zuverlässigen Technik des Prius keinen Stillstand fürchten. Rein elektrisch kommt man zwar nicht weit, aber bei gesicherten Auflademöglichkeiten ist der japanische Kurzstrecken-Stromer eine echte Alternative für Pendler in Großstädten. Zudem erfüllt er alle Anforderungen an ein vollwertiges Familienauto. Der happige Anschaffungspreis legt jedoch den Schluss nahe, dass der Prius Plug-in-Hybrid in erster Linie von Öko-Fans gekauft wird.

Jürgen Voigt / Michael Gorißen

Inhaltsübersicht

Autos im Test

Toyota Prius Plug-in-Hybrid

PS/KW 99/73

0-100 km/h in 10.60s

Vorderrad, Hybrid-Getriebe

Spitze 180 km/h

Preis 37.270,00 €