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Seat Ibiza Cupra Facelift (2016): Test

Ibiza Cupra – der spanische GTI

Von nüchterner Kleinwagen-Tristesse keine Spur: Der neue Seat Ibiza Cupra ist ein ernstzunehmender 192-PS-Sportler, der auch noch Komfort kann. Was will man mehr? Unser Test klärt auf.

Fast wäre er uns nur eine Randnotiz wert gewesen, doch der Seat Ibiza Cupra des Jahrgangs 2016 hat durchaus eine genauere Betrachtung in Form eines Tests verdient. Denn mit dem Facelift der spanischen, auf der Technik des VW Polo basierenden Kleinwagen-Baureihe bekommt der sportlichste aller Ibiza u. a. einen komplett neuen Antrieb. Statt der bisherigen Kombination aus 180 PS starkem 1.4 TSI und Doppelkupplungsgetriebe gibt jetzt der aktualisierte 1.8 TSI den Ton an – mit vitalen 192 Pferdestärken, geschaltet wird per Hand. Der großvolumige Vierzylinder des neuen Ibiza Cupra ist ein echtes Highlight, wie unsere Testfahrten ergaben. Die Kombination aus Saugrohr- und Direkteinspritzung sorgt für eine rückstandsarme, kraftvolle Verbrennung in allen Betriebspunkten, wozu auch der Einspritzdruck von bis zu 200 bar beiträgt. Der Effizienzsteigerung dienen ebenso die ein- und auslassseitig variablen Ventilsteuerzeiten sowie der über schaltbare Nocken (Valvelift) variierbare Ventilhub. Ein clever agierendes Thermomanagement, ein neuer Turbolader mit hochwarmfestem Turbinen- und gefrästem Verdichterrad sowie elektrischem Wastegate-Steller zur feinen Anpassung des Ladedrucks ergänzen beim 2016er Seat Ibiza Cupra das Motoren-Layout.

Bilder: Seat Ibiza Cupra Facelift (2016)

Sport-Modus: Seat Ibiza Cupra spannt die Muskeln

Der neue Ibiza Cupra legt sich aber nicht nur unterm Blech ins Zeug, sondern ist auch an den serienmäßigen Bi-Xenonscheinwerfern mit LED-Tagfahrlicht, den großen Lufteinlässen und der Heckschürze inklusive trapezförmiger Abgasrohrblende zu erkennen. Innen sind es die bequemen Sportsitze sowie das ebenso serienmäßige Touchscreen-Infotainment, die bei unserem rasanten Testwagen das ansonsten eher nüchterne Ibiza-Interieur aufpeppen. Nüchtern bedeutet hier auch funktional: Bis auf die etwas abseits unten auf der Mittelkonsole installierten Schalter für Türverriegelung, Heckscheiben- und Sitzheizung ist beim Seat Ibiza Cupra alles auf Anhieb zu finden und leicht bedienbar. Der latent langweiligen Inneneinrichtung setzt der getestete Ibiza das kultivierte Temperament seines durchzugsstarken Antriebs entgegen. Bereits wenn die Drehzahlmessermadel die Nulllage verlässt, drückt der Vierzylinder – mit nur geringer turbotypischer Verzögerung – mächtig voran. Dramatisieren lässt sich das per Druck auf die Sport-Taste (Drive Select), worauf der Sound bassiger, die Gasannahme bissiger, die Dämpfer härter und die Lenkung strammer abgestimmt werden. Das bringt im Testverfahren neben jeder Menge Fahrspaß auch tadellose Fahrleistungen: Null bis 100 km/h in gemessenen 6,3 Sekunden und 235 km/h Spitze stehen bei der Sportversion vom Seat Ibiza einem moderaten Testverbrauch von 7,2 Litern gegenüber.

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Bei Nässe mags der Ibiza Cupra sensibel

Doch das Temperament des Ibiza Cupra (2016) animiert eher zur offensiven Carving-Runde. Standfeste, beherzt zupackende Bremsen und eine gefühlvolle Lenkung verleihen dem Spanier eine spielerische Leichtigkeit, wobei das nicht komplett abschaltbare ESP im Hintergrund aktiv bleibt, um zum Beispiel bei Lastwechseln das Heck im Zaum zu halten. Zumindest auf trockenem Asphalt überrascht der flinke Ibiza im Test mit guter Traktion, auch dank der elektronischen Differenzialsperrwirkung. Bei Nässe hingegen ist ein sensibler Gasfuß gefragt, soll der Vortrieb nicht in der Antriebsschlupfregelung versiegen. Dass das Kurvenkratzen zu den Paradedisziplinen eines kleinen Wadenbeißers gehört, ist keine Überraschung, aber der Seat Ibiza Cupra kann auch ganz anders: Lässt man die Finger von der Sporttaste, chauffiert der nur als zweitüriger Ibiza SC lieferbare Cupra seine Passagiere kultiviert, kraftvoll und – trotz straffer Abstimmung – erstaunlich komfortabel von A nach B. Für diese Allroundtalente inklusive Top-Ausstattung (u.a. Bi-Xenon, beheizte Sportsitze, Klimaautomatik, HiFi-/Navigations-/Multimedia-System, 17-Zoll-Räder) sind 23.060 Euro ein durchaus angemessener Preis.

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Technische Daten Seat Ibiza Cupra (2016)
Motor 4-Zylinder, 4-Ventiler, Turbo, Direkt-/Saugrohreinspritzung
Hubraum 1798 cm³
Leistung 141 kW/192 PS bei 4300 – 6200 /min
Max. Drehmoment 320 Nm bei 1450 – 4200 /min
Getriebe Vorderradantrieb; 6-Gang, manuell
L / B / H 4055/1693/1420 mm
Radstand 2460 mm
Leergewicht / Zuladung 1233/467 kg
Fahrleistungen 0 auf 100 km/h in 6,3 s
Höchstgeschwindigkeit 235 km/h
Verbrauch 7,2 l S/100 km
EU-Verbrauch 6,2 l S/100 km
CO2-Ausstoß 145 g/km
Grundpreis 23.060 Euro

Jürgen Voigt
Fazit

Die Spaßformel "Wenig Auto, viel Motor" funktioniert bei diesem Testobjekt prima. Doch der fair eingepreiste und reichhaltig ausgestattete Ibiza Cupra ist kein kompromissloser Giftzwerg, sondern fährt jetzt auch komfortabel. Da könnte sogar der Durchschnitts-Golf-Kunde schwach werden und das Vergnügen der bedingungslosen Vernunft vorziehen.