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Mercedes C-Klasse Coupé (2016): C 300 im Test

Dem C-Coupé auf den Zahn gefühlt

Wow, was für eine Linie! Doch steckt im neuen Mercedes C 300 auch so viel Eleganz und Dynamik, wie der schnittige Auftritt verspricht? Im ersten Test fühlen wir dem Coupé auf den Zahn.

Es gibt zwei Gründe, warum wir uns nach Automobilen umdrehen: Entweder sie sind sehr selten, oder wir wissen nicht genau, welches Modell da gerade vorbeirollt. Grund zwei trifft auf den neuen Mittelklasse-Zweitürer der Mercedes C-Klasse zu, denn um deren Karosserie zu formen, packten die Zeichner das Beste von CLA, C, S Coupé und AMG GT in einen Mixer. Heraus kam das schnittig-elegante C Coupé, das man auf den ersten Blick eben nicht als solches erkennt. Die Schokoladenseite unseres Testwagens C 300 ist sein rundes Heck, dessen Formfließend in die Dachlinie übergeht – und schon haben wir verziehen, dass man den Kofferraum nur per Knopfdruck in der Fahrertür und via Schlüssel öffnen kann. Das Cockpit des eleganten C-Klasse Coupés kennen wir bereits aus Limousine und Kombi: griffiges Lenkrad, links davon Tasten für einige Fahrassistenten, Analoginstrumente, feststehender Bildschirm. Die Sportsitze (AMG Line: 2559 Euro) passen mit in Tiefe und Höhe einstellbaren Kopfstützen perfekt. Über das im getesteten C 300 Coupé verbaute Comand Online-System (3511 Euro) aktivieren wir die Bluetooth-Funktion (ab: 120 Euro), bestätigen die Verbindungsanfrage auf dem Smartphone und schalten das DAB-Radio ein (488 Euro).

C-Klasse Coupé im Test dynamisch dank Luftfederung

Der Vierzylinder-Turbo des Mercedes C 300 startet unspektakulär und surrt im Leerlauf leise vor sich hin. Per Zug am Getriebe-Lenkstockhebel wechselt die Automatik von Park in Drive – Fuß von der Bremse, behutsam aufs Gaspedal. Es dauert etwas, bis der Turbo Druck aufgebaut hat, und beim Anfahren dreht der Zweiliter-Motor im ersten Gang bis knapp 3000 Touren, ehe der zweite nachgereicht wird. Selbst im Eco-Modus (mit Segelfunktion) schaltet die 7G-Tronic in unserem Test nicht viel früher. Das ginge auch anders, denn schon bei 1300 Umdrehungen stehen die maximalen 370 Nm Drehmoment bereit – per Schaltwippe kann man deutlich früher in die zweite Stufe wechseln. Wir klicken in Sport und Sport plus: Das Mercedes C-Klasse Coupé wirkt wie verwandelt. Das Getriebe schaltet zackiger, das Aggregat spricht viel spontaner an, die Lenkung reagiert sensibler, das Fahrwerk ist deutlich straffer. Zusammen mit der optionalen Continental-Mischbereifung (ab 774 Euro) giert das C 300 Coupé von Daimler regelrecht nach Kurven und kaschiert dabei seine 1,6 Tonnen Leergewicht gekonnt – so wie auch beim Bremsen mit 34,3 respektive 33,5 Metern (kalt/warm).

Bildergalerie: Mercedes C 300 Coupé im Test

Dass die Verwandlung vom elegant-komfortablen Cruiser zum ambitionierten Dynamiker so gut klappt, liegt nicht nur an der um 1,5 Zentimeter tiefergelegten Karosserie, den größeren Spurweiten und den Vorderachs-Komponenten aus leichtem Aluminium, sondern insbesondere an der Luftfederung rundum. Die kostet mit 1416 Euro nur ein paar hundert Euro mehr als ein Fahrwerk mit adaptiven Dämpfern beim Wettbewerb, reagiert aber im Test wesentlich sensibler auf Fahrbahnunebenheiten, verringert Karosserie-Bewegungen und verhilft unserem C-Klasse-Tester bei sportlicher Fahrweise obendrein zu einer satten Straßenlage und einer hohen Querbeschleunigung. Als zunächst gewöhnungsbedürftig in einem eleganten Mercedes-Coupé wirkt der künstlich verstärkte Sound von Motor und zweiflutiger Abgasanlage. Doch der speziell in den Sport-Modi kernige Klang des getesteten Vierventilers mit leicht bassiger Begleitung im Innenraum passt prima zum dynamischen Typ des 245 PS starken Coupés, das maximal 250 km/h rennt und subjektiv ziemlich flott sprintet. Dass es die Null-auf-Tempo-100-Werksangabe um sechs Zehntel verfehlt, verzeihen wir. Der Test-Verbrauch ist mit 9,3 Litern pro 100 Kilometer im Vergleich zum EU-Wert allerdings recht hoch – zumal Mercedes für das C 300 Coupé den teuren Super Plus-Kraftstoff empfiehlt.

Mercedes O-Klasse und Co.: Concept Cars ohne Zukunft

Technische Daten Mercedes C 300 Coupé
Motor 4-Zyl., 4-Vent., Turbo, Direkteinspritzung; Hubraum: 1991 cm³
Leistung 180 kW/245 PS bei 5500 /min
Max. Drehmoment 370 Nm bei 1300 – 4000 /min
Getriebe Hinterradantrieb; 7-Stufen-Automatik
L / B / H 4686 mm / 1810 mm / 1405 mm
Radstand 2840 mm
Leergewicht / Zuladung 1617/428 kg
Fahrleistungen 0 auf 100 km/h in 6,6 s
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
Verbrauch 9,3 l SP/100 km
EU-Verbrauch 6,3 l SP/100 km
CO2-Ausstoß 146 g/km
Preis Testwagen 44.804 Euro

Paul Englert
Fazit

Dieses Coupé ist nicht bloß ein C-Klasse-Derivat, es hat seinen ganz eigenen Charakter. Speziell dem C 300 gelingt der Spagat zwischen gediegen und dynamisch in unserem Testverlauf ausgesprochen gut. Allerdings vermissen wir besonders in diesem Status-Symbol einen Sechszylinder, der die große Leistungslücke zwischen 245 und 476 PS im C 63 AMG schließt. Am Gewicht kann’s nicht liegen: Der C 300 wiegt kaum weniger als das C 350-Vorgängermodell...