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Maserati Ghibli Diesel 2014: Italienische Oberklasse im Test

Herzensangelegenheit

Maserati lässt den Ghibli wiederauferstehen, und zwar als Oberklasse-Limousine. Obendrein gibt es erstmals einen Dieselmotor – Mamma mia! Test

Beim Namen Ghibli wird nicht nur eingefleischten Maserati-Anhängern warm ums Herz. Die erste Generation aus dem Jahr 1966 war ein bildschönes Fließheck-Coupé, gezeichnet von Giorgio Giugiaro. Weniger gut in Erinnerung blieb der Biturbo-Ghibli aus den Neunzigern, von dem innerhalb von sieben Jahren nur etwas mehr als 2000 Fahrzeuge an den Mann gebracht wurden. Jetzt ist der heiße Wüstenwind wieder da – und ein wichtiger Baustein, das ambitionierte Verkaufsziel von 50.000 Autos im Jahr 2015 zu erreichen.

Maserati Ghibli Diesel: begeisterndes Handling

Herausgekommen ist eine Oberklasse-Limousine, die mit ihrem hinreißenden Design BMW 5er und Audi A6 die Kunden abspenstig machen soll. Klar, dass dies hierzulande nur mit einem Diesel gelingen kann. So kommt es, dass in der knapp 100-jährigen Geschichte Maseratis jetzt erstmals ein Selbstzünder hinter dem charakteristischen Grill mit dem Dreizack steckt. Der stammt von der Fiat-Tochter VM Motori und entwickelt aus drei Liter Hubraum gewaltige 600 Nm und 275 PS.

Genug Power, um den Ghibli in 6,9 Sekunden auf Tempo 100 zu wuchten. Dem V6-Singleturbo ist es dabei relativ egal, welcher der acht Gänge des ausgezeichneten ZF-Automatik-Getriebes gerade im Einsatz ist, voran geht es immer. Unter 2000 Touren fehlt es dem Diesel noch etwas an Durchschlagskraft, doch ist diese Marke erst einmal überschritten, tritt der Motor den Insassen ordentlich ins Kreuz und stürmt unter heiserem Klang durchs Drehzahlband.

Drückt man die Sporttaste neben dem Wählhebel, der einen wegen der fehlenden Arretierung beim schnellen Wechseln vom Vorwärts- in den Rückwärtsgang schon mal in der Parkstellung landen lässt, röhrt der Ghibli aus seinen vier großen Endrohren wie ein wild gewordener Büffel. Außenstehende kämen dann nicht im Traum auf den Gedanken, dass unter der lang gezogenen Motorhaube tatsächlich ein Diesel arbeitet. Möglich macht dieses bassige Klanginferno ein Soundgenerator, wie wir ihn bereits aus dem Audi A6 mit dem 3.0-Biturbodiesel kennen.

Um die Sparqualitäten ist es angesichts des Testverbrauchs von 8,9 Litern pro 100 km nicht ganz so gut bestellt, trotz der gut funktionierenden Start-Stopp-Automatik. Bei einem Leergewicht von knapp 2,1 Tonnen verwundert dies jedoch kaum. Ein vergleichbarer BMW 530d ist nicht nur rund 200 kg leichter, er verbraucht auch einen Liter weniger.

Umso bemerkenswerter ist da die Vorstellung, die der Italiener bei rasanter Gangart auf den Asphalt zaubert. Denn auf dem Handlingkurs verliert er gefühlt eine halbe Tonne Gewicht. Leichtfüßig und präzise folgt er den Richtungsbefehlen, lenkt spontan ein und ermöglicht erstaunlich hohe Kurventempi. Die Vorderachse baut dabei einen bemerkenswert hohen Grip auf und schiebt erst spät zum Kurvenaußenrand.

Das neutrale Eigenlenkverhalten profitiert dabei auch von der weit Richtung Spritzwand gerückten Positionierung des Motors. Und wer möchte, kann mit dem Ghibli herrliches und bestens kontrollierbares Leistungsübersteuren provozieren: Das satte Drehmoment und die serienmäßige Differenzialsperre an der Hinterachse machen es möglich. Auch die direkte Lenkung – beim gemütlichen Dahingleiten noch etwas mitteilungsarm – trumpft beim Kurvenräubern mit ihrer guten Präzision richtig auf.

In Sachen Handling muss der Ghibli in dieser Klasse kaum einen Gegner fürchten und bereitet bei engagierter Fahrweise ungeheuren Spaß. Die Brembo-Bremsanlage ist dem Gewicht und der Dynamik des Maserati vollauf gewachsen, dürfte aber speziell im Stadtverkehr beim sanften und zielgenauen Abbremsen eine bessere Dosierbarkeit bieten.

Im Alltag geht der Sportsgeist allerdings etwas zu Lasten des Komforts. Das recht softe Fahrwerk samt adaptiver Dämpfer (2101 Euro) macht seine Sache mit Ausnahme des eingeschränkten Langsamfahrkomforts und der wegen der schwachen Dämpfung starken Vertikalbewegungen bei heftigen Bodenwellen durchaus ordentlich.

Der eingeschränkte Abrollkomfort schmälert das Wohlbefinden an Bord aber doch nachdrücklich. Gemeinsam mit dem klangstarken Motor und den deutlich vernehmbaren Windgeräuschen ergibt sich bei hohen Geschwindigkeiten eine Klangkulisse, die nicht so recht zu einer luxuriösen Oberklasse-Limousine passen will.

Dafür entschädigt die Karosserie des Maserati mit guten Alltagsqualitäten. Vorn wie hinten finden die Passagiere gute Platzverhältnisse vor, der Kofferraum bietet gut nutzbare 500 Liter Stauvolumen, und die Rücksitzlehnen lassen sich sogar asymmetrisch umklappen. Die Verarbeitungsqualität kann – abgesehen von einigen Nachlässigkeiten – überzeugen, und das hochwertige, wenn auch etwas beliebig gezeichnete Armaturenbrett punktet mit edlen Materialien, toller Haptik und Detailverliebtheiten wie den massiven Schaltpaddeln aus Aluminium. Während die umfangreiche Serienausstattung den hohen Grundpreis von knapp 65.000 Euro relativiert, ist das Fehlen jeglicher Assistenzsysteme nicht zu entschuldigen.

>> Teil 2: Technische Daten des Maserati Ghibli