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Test: Honda CR-V 2.2i-DTEC 4WD

Test: Der Honda CR-V ist einer der Pioniere des Kompakt-SUV-Booms. Jetzt kommt die vierte Generation auf den heiß umkämpften Markt. Eine Ausfahrt mit der Version 2.2i-DTEC 4WD

Eckdaten
PS-kW150 PS (110 kW)
AntriebAllradantrieb, permanent, 6 Gang manuell
0-100 km/h9.20 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit190 km/h
Preis37.468,00 €

Wetten, Sie wissen nicht, wofür das Kürzel CR-V im Namen des kompakten Honda-SUV steht? Es bedeutet "Comfortable Runabout Vehicle“, was frei übersetzt etwa "komfortabler Flitzer“ heißt. Jetzt steht die vierte Generation des CR-V vor uns, und sie erinnert daran, dass mitunter nicht nur Revolutionen, sondern auch Trends ihre Kinder fressen.

Denn als die erste Generation 1995 vorgestellt wurde, war der Honda eines der ersten Kompakt-SUV auf dem Markt. Er verkaufte sich ordentlich, Konkurrenz gab es kaum, die Produktion im englischen Swindon lief wie geschmiert. Insgesamt wurden bisher fünf Millionen CR-V gebaut.

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Doch zuletzt klappte es nicht mehr so gut. Die dritte Generation des japanischen Allradlers, gebaut ab 2006, konnte nicht so recht begeistern. Der Erfolg blieb aus, und in Vergleichstests reichte es für den CR-V nie zu vorderen Plätzen. Behäbiges Handling, hoher Verbrauch, mäßige Traktion, deftiger Preis und unterdurchschnittliche Bremsen, so urteilten die Tester. Da kommt die Ablösung durch CR-V Nummer vier gerade zur rechten Zeit.

Fast scheint es so, als hätten die Honda-Ingenieure die Tests bei der Entwicklung des Nachfolgers zu Hilfe genommen. Denn obwohl der Neue auf den ersten Blick nicht viel anders daherkommt als das Vorgängermodell, hat sich im und um den CR-V viel getan. Dass sein Design kantiger und gefälliger wirkt als jenes des etwas verschnörkelten alten CR-V, ist da fast nebensächlich. Die markante Front steht ihm fraglos gut. So erinnert der kleine Honda stärker an seine großen SUV-Brüder, die es in Europa freilich nicht zu kaufen gibt.

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Wichtiger ist hier im Test natürlich, wie er fährt, der Neue. Sehr leise, recht komfortabel und unangestrengt, so das erste Urteil nach einigen hundert Kilometer Autobahn. Die Nennleistung des Motors blieb zwar unverändert, doch der 2,2-Liter-Turbodiesel macht jetzt deutlich mehr Druck. Das spürt der Honda-Pilot nicht nur am Gasfuß: Die Messwerte zeigen überdeutlich, wie groß der Unterschied zum etwas trägen Vorgänger ist: 1,3 Sekunden beim Spurt von null auf 100 km/h (9,2 statt 10,5 Sekunden), das ist schon eine richtige Welt.

Noch größer – und praxisrelevanter – sind die Unterschiede bei den Elastizitätswerten: Von 60 bis 100 km/h imbeschleunigt der neue CR-V 1,4 und glatte 3,0 Sekunden schneller als der CR-V von 2011. Dazu verbrauchte er im Test 0,6 Liter Diesel (7,3 Liter Diesel, Normverbrauch 5,4 Liter) weniger als der alte Honda. Dass der überarbeitete DTEC-Diesel zudem noch ausgesprochen leise, vibrationsarm und weich läuft und mit einem knackig schaltbaren Sechsgang-Getriebe gekoppelt ist, komplettiert das Bild einer rundum gelungenen Antriebseinheit.

CR-V 2012: elektronisch gesteuert

Dazu trägt sicher auch der überarbeitete Allradantrieb bei, der bei Honda den schönen Namen Real Time AWD trägt. Der  funktionierte bisher rein mechanisch, die Hinterräder wurden über den Druckunterschied in einem Ölkreislauf automatisch dazugeschaltet, sobald an den Vorderrädern Schlupf auftrat. Im neuen CR-V wird der Hydraulikdruck, über den die Hinterräder zugeschaltet werden, von einer elektrisch betriebenen und elektronisch gesteuerten Pumpe bereitgestellt. Schnelleres, exakteres Reagieren auf Drehzahlunterschiede zwischen den Achsen ist die Folge. Traktionsprobleme gehören damit der Vergangenheit an.

Zu den anderen Kritikpunkten: Das Handling bei schneller Kurvenfahrt ist etwas knackiger geworden, geblieben ist dem CR-V eine  leichte Tendenz zum Eindrehen bei mutwilligen Lastwechseln und ein leichtes Aufschaukeln bei schnellen Richtungsänderungen. Beides wird vom VSA, wie das ESP bei Honda heißt, rigoros unterbunden. Sehr gut auch die Bremsen: Kalt wie warm steht der Honda jetzt nach rund 35 Metern – ein Topwert in dieser Klasse. Nicht gelitten hat der Federungskomfort, der Japaner zählt immer noch zu den kommodesten SUV seiner Klasse. Und zu den geräumigsten: Mehr als 1,5 Kubikmeter Laderaum bei umgeklappten Rücksitzen, das hat sonst kaum einer zu bieten. Ohnehin sehr lobenswert ist das neue Klappsystem der Rückbank. Es ist  serienmäßig an Bord und schwenkt auf Hebelzug ganz selbsttätig Lehne und Sitzfläche in eine Position, die Hobby-Spediteuren und IKEA-Besuchern Glücksgefühle beschert.

Worüber es zu mäkeln gibt am CR-V? An der teilweise undurchsichtigen Menüführung und nicht immer logischen Bedienung etwa. Die diffuse, wenig Rückmeldung gebende Servolenkung, das geht auch besser. Oder der Preis. Der ist zwar leicht niedriger geworden, doch unter 30.000 Euro ist nicht viel zu machen. Ein billiges Vergnügen war der CR-V noch nie.

Fazit

Operation gelungen, so einfach ist das manchmal. Der neue CR-V kann fast alles besser als sein Vorgänger. Dabei haben die Entwickler genau an den richtigen Ecken die Hand angelegt. Evolution mit Augenmaß, denn seine Qualitäten wie exzellentes  Raumangebot und guter Fahrkomfort blieben beim Modellwechsel erhalten. Auch Geräuschempfindliche werden mit dem CR-V glücklich, er ist nicht nur sehr leise, sondern auch klapperfrei und solide. Dass der Honda dabei nicht der Agilste und Dynamischste seiner Art ist, sollte man ihm nachsehen. Wer ein familientaugliches SUV mit viel Platz und ohne Chichi-Kram sucht, ist bei diesem Honda richtig.
Heinrich Lingner

Inhaltsübersicht

Autos im Test

Honda CR-V 2.2i-DTEC 4WD

PS/KW 150/110

0-100 km/h in 9.20s

Allradantrieb, permanent, 6 Gang manuell

Spitze 190 km/h

Preis 37.468,00 €