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Erster Test des Porsche Boxster Spyder

Porsche Boxster Spyder

Das gekonnte Zitieren der eigenen Historie ist eine Porsche-Spezialität. Der neue Boxster Spyder zeigt, wie es geht

Eckdaten
PS-kW320 PS (235 kW)
AntriebHinterrad, 6 Gang manuell
0-100 km/h4.90 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit267 km/h
Preis63.404,00 €

Okay, Spyder ist vielleicht nicht der erste Name, der einem geschichtskundigen Porsche-Freund zum Thema „puristisches Boxster-Topmodell“ einfiele. War der Zusatz Spyder doch meist den Wettbewerbsmodellen vorbehalten, wie etwa dem James-Dean-Spyder 550 oder dem aktuellen RS Spyder aus der American Le Mans-Serie.

Aber womöglich ist der passendere Name Speedster für die 911-Baureihe reserviert. Hoffen wir also auf einen künftigen 997 oder 991 Speedster und wenden uns dem Boxster Spyder zu. Und falls noch jemand nach passenden Namen für weitere offene Porsche-Sondermodelle sucht, hier zwei Vorschläge: Convertible D und America Roadster gab es beides schon länger nicht mehr.

SPARTANISCHES ZELT
Die Annäherung beginnt beim Spyder mit dem Offenlegen. Das geht erstaunlich gut auch ohne minutiöses Befolgen der Bedienungsanleitung. Den Wiederaufbau des spartanischen Zeltes sollte man allerdings stressfrei vor der ersten längeren Ausfahrt üben – damit im Notfall alles schnell geht und die schönen Alcantara-Schalen nicht nass werden.

Fortsetzen könnte man diesen Kurztest mit einer kleinen Bemerkung des Bedauerns: Aufpreisfrei kommt der Spyder ganz ohne Klimabedienteil, Radio, Chrono-Paket und Bildschirm. Will sagen, in der Mittelkonsole klafft dort, wo bei einem normalen Boxster der Monitor sitzt, eine offene Ablage. Das hätte ich gern in Echt gesehen. Für Neugierige: Car Configurator auf www.porsche.de.

Beim Testexemplar wurde das Weglassen nicht zu weit getrieben, es kam mit Bildschirm in der Konsole. Die Waage blieb übrigens bei 1318 kg stehen. Was ein wenig mehr ist als die Werksangabe (1275 kg), aber ganz erheblich weniger, als der zuletzt getestete Boxster S mit Doppelkupplungsgetriebe wog (1453 kg). Die rund 130 Kilogramm Untergewicht sind dem Spyder auf jedem Meter Fahrt anzumerken.

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Logisch, der Spyder wurde nicht nur leichter, sondern auch knackiger. Er liegt 20 Millimeter tiefer, ist straffer und serienmäßig mit der sonst aufpreispfl ichtigen mechanischen Differenzialsperre versehen. Mit anderen Worten: Er lenkt ein wie ein Kart, zeigt dabei kaum Seitenneigung und dreht sich so flink um die Ecke, wie es nur ein Mittelmotor-Sportwagen kann.

Auch antriebsseitig wurde das Boxster-Topmodell etwas nachgewürzt. Es hat den Direkteinspritzer des Cayman S, also zehn PS mehr als der Boxster S. Das hört sich nicht nach viel an, aber ohne Kenntnis der technischen Daten würde man dem Spyder gern 50 Mehr-PS attestieren.

DREI ZEHNTEL SCHNELLER
Das macht sich zwar auf der Stoppuhr kaum bemerkbar, denn bis 200 km/h nimmt der handgeschaltete Spyder dem PDK-Boxster lediglich drei Zehntel ab (16,9 zu 17,2 s). Doch es kommt ja gerade bei offenen Sportwagen darauf an, wie sich das anfühlt. Mit der Schaltwegverkürzung (571 Euro) fliegen die Gänge so hurtig durch die Sechsgangbox, dass man die PDK-Knöpfe keine Sekunde vermisst.

Der Boxer scheint freier durchzuatmen, agiler hochzudrehen und lauter aus dem mittigen Doppelrohr zu trompeten. Dabei stürmt der Wind dank serienmäßigem Windschott und unveränderter Frontscheibe nicht heftiger durch den Spyder als durch einen braven Boxster.

Laut und lästig wird es erst, wenn man versucht, mit aufgespanntem Verdeck schnell zu fahren. Porsche empfiehlt, so nicht über 200 km/h zu fahren. Meist lässt man es bei 130 bewenden. Oder entfernt das Dach. Das alles ist nicht gerade billig: 63 404 Euro ohne Extras. Aber selbst das ist eine alte Porsche-Tradition. Heinrich Lingner

Inhaltsübersicht

Autos im Test

Porsche Boxster Spyder

PS/KW 320/235

0-100 km/h in 4.90s

Hinterrad, 6 Gang manuell

Spitze 267 km/h

Preis 63.404,00 €