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Chevrolet Camaro 6.2 V8 Cabrio 2012 im Test

Chevrolet Camaro 6.2 V8 Cabrio

Mehr Dampf für so wenig Geld bietet keiner: Ein Muscle Car mit V8 und 432 PS für 43.990 Euro ist eine Sünde wert – da verzeiht man dem Chevy kleine Fehler

Eckdaten
PS-kW432 PS (318 kW)
AntriebHinterrad, 6 Gang manuell
0-100 km/h5.60 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit250 km/h
Preis43.990,00 €
Der Chevrolet Camaro ist zwar ein Modellathlet auf jedem Zoll Breite und Länge, aber kein verhuschter Stabhochspringer, sondern ein Mordskerl – mindestens ein Football-Quarterback mit Lungen wie ein Pferd und Nehmerqualitäten. So einen Typen hat man gern in der Mannschaft und fürchtet ihn, sollte er der Gegner sein.

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Die lange Haube streckt sich gefühlt bis zum Horizont, sowohl offen als auch geschlossen wirkt der muskelbepackte Bolide bissig. Fett setzt er nicht an: Der knappe Kofferraum mit seinen 328 Liter Volumen bei geschlossenem Verdeck reicht jedoch für den Trip zu zweit. Wer offen fahren will, muss sich allerdings etwas einschränken, denn dann schrumpft das Abteil auf 287 Liter.

STIL-ZITATE AUS DEN 70er-JAHREN MACHEN LAUNE
Der 2+2-Sitzer gewährt den Passagieren in der zweiten Reihe nicht sehr viel Platz. Vorn hingegen geht es bequem zu in diesem Muscle Car, das gekonnt Stilelemente der 70er Jahre zitiert. Tief und blendfrei untergebracht, ducken sich Drehzahlmesser und Tacho ins Armaturenbrett, das teilweise mit Leder bezogen ist. Kantig umrahmt von silberfarbenem Kunststoff atmen sie den Geist der Dienstwagen von Kojak oder den Profis.

Ein wenig Kritik aber muss man am Finish des Boliden üben. So produziert das Chevrolet Camaro 6.2 V8 Cabrio bei höherem Tempo Windgeräusche am Verdeck. Doch das verzeiht man gern. Und selbst die Abweichung von digitalem und analogem Tacho von etwa zehn km/h bei Geschwindigkeiten über 180 km/h nimmt man hin, denn dieser Wagen hat das, wonach sich Fans sehnen: einen V8, der wummert und schreit wie ein Tier, dem man Ketten angelegt hat.

6162 Kubikzentimeter ist er groß und wird in der von uns getesteten Schaltversion (sechs Gänge) mit 432 PS angegeben. Genug für muntere 569 Nm Drehmoment, die die Kupplung riechbar ins Schwitzen bringen. Fast glaubt man, der ganze Wagen verwindet sich, wenn der V8 Getriebe, Kardanwelle, Differenzial und Antriebswellen auf die Zerreißprobe stellt. Die Kupplung sorgt für stramme Waden, das Getriebe will mit Nachdruck geschaltet werden.

Beides ist im ersten Moment gewöhnungsbedürftig, das Detroiter Raubein mag es hart und herzlich. Die Kupplung schmatzt vernehmlich. Wenn die Fuhre mal rollt, dann will sie mit Karacho nach vorn. 5,4 Sekunden von null auf 100 km/h verspricht Chevrolet, 5,6 Sekunden haben wir gemessen. Dabei muss man allerdings – für einen großvolumigen V8 eher untypisch – mit ordentlich Drehzahl unterwegs sein, denn unter etwa 3500 Umdrehungen passiert noch nicht viel.

Das erklärt sich aber daraus, dass das beste Drehmoment bei 4600 /min anliegt. Die maximale PS-Power liefert der Camaro bei 5900 /min ab, also erst kurz vor dem roten Bereich auf dem Drehzahlmesser. Die Höchstgeschwindigkeit ist mit 250 km/h angegeben, und auf Tempo 200 ist man schon nach 19 Sekunden. Dabei zieht der Camaro wie am Gummiband hoch.

Im dritten Gang geht es bis auf 160 km/h, der vierte reicht bis weit jenseits der 200, und im Fünften erreicht man dann die Höchstgeschwindigkeit. Der sechste Gang ist zum Cruisen da: Es ist herrlich, bei rund 160 km/h und 2200 Umdrehungen dahinzugleiten. Solch entspanntes Fahren goutiert der Achtender mit gemäßigtem Spritkonsum und blubbernder Geräuschkulisse.

Aber was ist maßvoll? 14,3 Liter Testverbrauch mögen als nicht zeitgemäß angesehen werden, doch eingedenk der Leistung und der beachtlichen Kraftentfaltung aus einem V8 drückt der Autofan – und nur der wird sich ernsthaft für ein Camaro Cabrio interessieren – gern ein Auge zu.

FAHRAKTIVES AUTO FÜR FANS MIT VIEL GEFÜHL
Der Autofan will allerdings ein ordentliches Fahrwerk haben. Der Camaro bietet zwar vorn Doppelquerlenker und hinten eine Mehrfachlenkerachse, doch bei gemessenen 1.929 Kilogramm Leergewicht und der hohen Leistung des V8 kommen alle Komponenten auch mal an ihre Grenzen. Lastwechselreaktionen – auf der Autobahn in langen Kurven kaum spürbar – können auf enger Landstraße schon mal überraschend zur Richtungsänderung beitragen.

Will man das mit einem beherzten Gegenlenkmanöver ausgleichen, hemmt die etwas träge reagierende Lenkung solch sportliches Fahren mitunter. Querfugen nimmt der Bolide ein wenig unwillig. Auf Kopfsteinpflaster oder harten Kanten merkt man, dass die Karosserie sich – typisch für viele Cabrios – verwindet. Hier hat das ebenfalls schon von uns getestete Coupé einen Vorteil.

Die Federung ist kompromisslos hart ausgelegt, da bieten andere Sportler durchaus mehr Komfort. Die Bremsen erweisen sich wiederum als untadelig: 36,1 Meter in kaltem und 35,7 Meter in warmem Zustand aus Tempo 100 bis zum Stillstand sind aller Ehren wert. Die Aufpreisliste des Chevrolet Camaro 6.2 V8 Cabrio ist erfreulich kurz. Die „Kriegsbemalung“ mit aufgeklebten Zierstreifen lässt sich Chevrolet mit 500 Euro bezahlen, Metalliclack kostet 800 Euro – das war’s.

Egal ob elektronische Stabilitätskontrolle, vier Airbags, die Rückfahrkamera mit Bildschirm im Innenspiegel, Radio mit acht Lautsprechern und annehmbarem Sound, Klimaanlage, Head-up-Display, elektrisch einstell- und beheizbare Komfortsitze mit gutem Seitenhalt, Multifunktionslenkrad oder Bordcomputer: Es ist alles da, was eine Fahrmaschine braucht. Dabei wirkt das Cockpit nicht überladen.

Man findet sich sofort zurecht, muss keine nervigen Gimmicks wie eine elektrische Feststellbremse, Internetanschluss oder nervöse Piepgeräusche bei jeder Gelegenheit fürchten. Der Camaro will einfach nur Auto sein. Und für in dieser Klasse konkurrenzlos günstige 43.990 Euro parkt er auch schon in der heimischen Garage. Für weniger Geld kommt man wohl kaum an einen flammneuen Ami mit V8, den man noch richtig lieben und auf der linken Spur mit viel Karacho ausführen kann.
Thorsten Elbrigmann

Inhaltsübersicht

Autos im Test

Chevrolet Camaro 6.2 V8 Cabrio

PS/KW 432/318

0-100 km/h in 5.60s

Hinterrad, 6 Gang manuell

Spitze 250 km/h

Preis 43.990,00 €