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Bentley New Flying Spur im Test: Bilder und technische Daten

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Filmreifer Luxus, opulenz und ein Hauch von Abenteuer: Mit dem 625 PS starken Bentley New Flying Spur schwelgt die High Society im Glück

Eckdaten
PS-kW625 PS (460 kW)
AntriebAllradantrieb, permanent, 8-Stufen-Automatik
0-100 km/h4.70 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit322 km/h
Preis191.590,00 €

Tradition hat im britischen Königreich eine besondere Bedeutung. Im Bewahren von Bewährtem macht den Engländern so schnell niemand etwas vor. Dieses Verhalten hat sich auch unter Bentley-Eigentümer Volkswagen nicht geändert. So dauerte es immerhin acht Jahre, bis aus den Werkshallen in Crewe ein neuer Regent für die Highend-Luxus-Limousinen-Liga rollte – es ist mittlerweile der dritte, der den Namen Flying Spur trägt, der Zusatz Continental entfiel. Die Typenbezeichnung stammt aus dem Familienwappen des Kutschen- und Karosseriebauers Mulliner, der frühe Bentley-Karosserien baute und dessen Wappen unter anderem einen „flying spur“ (fliegenden Sporn) ziert. Wie schon der Vorgänger gleitet der Neue luftgefedert und allradgetrieben an den Start. LED-Tagfahrlicht, eine stärker akzentuierte Front, geschärfte Seitenlinien samt angedeutetem Hüftschwung und eine neu gestaltete Heckpartie unterscheiden die Neuausgabe von der zweiten Generation.

Üppige Abmessungen und ein hohes Qualitätsniveau


Die Maße haben sich nur im Millimeterbereich geändert. Gewahrt wurde die Tradition der Opulenz, sprich: 5,30 Meter Länge und ein Radstand von 3,07 Metern. Im Innenraum, so versprechen die Engländer, seien 600 neue Teile verbaut. Quadratmeterweise schmückt herrlich duftendes Leder die Sitze und Verkleidungen und fasst sorgfältig gebürstete Edelholz-Intarsien ein. Piekfein eingepasste, satt rastende Schalter zeigen, wie viel Wert in Crewe auf Handwerkskunst gelegt wird. VW-Aufsichtsratsschef Ferdinand Piëch, bekennender Qualitätsfanatiker, dürfte an derlei Arrangements seine helle Freude haben.

An Komfort lassen die mannigfach elektrisch einstellbaren, beheiz- und belüftbaren Vordersitze keinen Mangel aufkommen. Sie zeigen: Bentley baut für Selbstfahrer. Auf der bequemen Rückbank herrscht diskret-wohlige Lounge-Atmosphäre, sodass man meint, die berühmte Stecknadel auf dem üppig gesteppten Bodenteppich fallen hören zu können. Das zeigt: Bentley baut auch für Mitfahrer. Wer möchte, lässt sich von der Naim-Audioanlage gegen eine Zuzahlung von 6676 Euro berieseln. Und über den bordeigenen Wi-Fi-Hotspot kann man beispielsweise mit dem Smartphone im Internet surfen. Auf Wunsch gibt es in den Rückenlehnen der Vordersitze zudem Zehn-Zoll-Monitore für umfangreiches Multimedia-Entertainment (6515 Euro).

Reichlich Möglichkeiten also, den Aufenthalt an Bord so angenehm wie möglich zu gestalten. Für Kurzweil sorgt auch das Arrangement unter der Haube: Dort arbeitet nach wie vor der 6,0-Liter-W12-Zylinder mit Biturbo-Aufladung, der aktuell 625 PS leistet und ein maximales Drehmoment von 800 Nm stemmt. Mit diesem Antrieb zeigt sich Erhabenheit in Bewegung: Beim Gleiten übernimmt der Bentley die Rolle des Autobahn- und Landstraßen-Souveräns, der Überholvorgänge mit ungeahnter Lässigkeit absolviert. Sollte einmal ein Kickdown-Befehl nötig sein, beantwortet der New Flying Spur dieses Fuß-Kommando mit einer kurzen Gedenksekunde, in der die ZF-Achtstufen-Automatik das passende Räderwerkzusammenstellt und die Aufgabe höchstmöglicher Beschleunigung bestens erfüllt.

Dann legt der Zwölfender los, entreißt der Masse ihre Trägheit, während die Landschaft draußen immer schneller vorbeifliegt und der Briten-Brocken  wie  von  einem  Riesen-Magneten Richtung Horizont gezogen wird. Dieses Spektakel untermalt der W12 akustisch mit dezent kernig-sportlicher Note. Für den Sprint von null auf 100 km/h sind gerade mal 4,7 Sekunden nötig. Dies ist umso beachtlicher, als dass hier über 2,5 Tonnen Gewicht in Bewegung geraten. Selbst die 200-km/h-Marke fällt nach nur 15,3 Sekunden und bleibt als Fußnote der Physik inmitten des Beschleunigungserlebnisses zurück. Die 322 km/h Höchstgeschwindigkeit sind dem grauen Automobilalltag ähnlich entrückt wie das gesamte Fahrerlebnis. Während der New Flying Spur unerbittlich eine Schneise in den Fahrtwind fräst, erfreut sich die Besatzung am exzellenten Geräuschkomfort.

Nur von weit entfernt dringen Abroll- und Windgeräusche sowie der bei Konstantfahrt kaum wahrnehmbare Motor an die Ohren. Unterdessen wiegt die Luftfederung die Karosserie sanft über Bodenwellen hinweg. Ein breites Spektrum von Fahrbahnunebenheiten verarbeitet der Brite gekonnt, kurze Fahrbahnkanten werden allerdings ebenso trocken durchgereicht wie manche Frostaufbrüche. Da protestiert es mitunter polternd aus den Radkästen. Dies dürfte aber weniger der adaptiven Luftfederung anzulasten sein als den ungefederten Massen der üppigen 21-Zoll-Räder (4962 Euro) mit ihren flachen, wenig Eigendämpfung bietenden Flanken.

Bentley Flying Spur: Geld sollte keine Rolle spielen


Dort, wo die Straße in Kurven verläuft, lenkt das königliche Schwergewicht zwar überraschend behände ein, in Wechselkurven kann es aber nicht kaschieren, dass auf seiner Vorderachse über 1,4 Tonnen lasten. Auch beim Verzögern gewinnt die Masse ihre Trägheit zurück. Man spürt förmlich das Kräftemessen zwischen den bremsenden Belägen in den Achtkolbensätteln und den rotierenden 405 Millimeter-Bremsscheiben vorn und ihren 335 Millimeter Durchmesser messenden Pendants hinten. Die ermittelten Bremswege sind dagegen über alle Zweifel erhaben: Werte von 35,6 (kalt) und 36,4 Metern (warm) unterstreichen die Performance des großen Engländers eindrucksvoll.

Die Gelassenheit, die der Bentley unterwegs vermittelt, überträgt sich rasch auf den Fahrer. Die gefühlte Schwere führt dazu, dass man sich eines weichen Fahrstils befleißigt, sanft mit Lenkung und Bremse agiert und so automatisch in das Komforterlebnis für sich und seine Mitreisenden investiert. Das alles kostet pro 100 Kilometer 18,7 Liter Super Plus. Wer die Leistung öfters fordert, kann den Testverbrauch locker überbieten und auch 25 Liter auf 100 Kilometern verfeuern.

Der Kraftstoffkonsum könnte mit Sicherheit geringer ausfallen, würde der W12 über Benzin-Direkteinspritzung und Start-Stopp-System verfügen. Aber der Spritverbrauch dürfte in dieser Liga eine ebensolch geringe Bedeutung haben wie die Heizkosten von Schloss Windsor für die Royals. Wer nun mit dem Gedanken spielt, sich den New Flying Spur zu gönnen, für den sollte das Wort Finanzkrise nicht bedeutender sein als das Wetterleuchten am Horizont seiner dort längst noch nicht endenden Ländereien: 191.590 Euro sind fällig, damit der englische Luxusliner durch das Eingangstor des heimischen Landsitzes rollt. 

Fazit

Der Bentley New Flying Spur paart verschwenderischen Luxus mit hohem Antriebskomfort. Die opulenten Abmessungen und das extrem hohe Gewicht verursachen allerdings einen unzeitgemäß hohen Verbrauch. Überraschend gut fällt dagegen die Bremsleistung aus

Elmar Siepen

Inhaltsübersicht

Autos im Test

Bentley New Flying Spur

PS/KW 625/460

0-100 km/h in 4.70s

Allradantrieb, permanent, 8-Stufen-Automatik

Spitze 322 km/h

Preis 191.590,00 €