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Aston Martin Rapide im Einzeltest

Aston Martin Rapide

Elegant, flach und stark wie ein Sportwagen: Der viertürige Rapide mit 477-PS-V12 gehört schon heute zu den Klassikern

Eckdaten
PS-kW476 PS (350 kW)
AntriebHinterrad, 6-Stufen Automatik
0-100 km/h5.20 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit295 km/h
Preis189.995,00 €

Gut muss es sitzen, edel muss es aussehen – so lautet das Motto der besten Herrenschneider in der Londoner Savile Row. Der Aston Martin Rapide übersetzt diesen Wahlspruch in die automobile Welt. Kein Gramm Fett zu viel, alles an den richtigen Stellen, und über die edle Anmutung entsteht erst gar keine Diskussion. Allerdings wird der Rapide in Österreich gebaut, genauer gesagt in einer 23.000 Quadratmeter großen Fabrik bei Graz. 2006 in Detroit als Studie präsentiert, Mitte 2007 als Serienauto beschlossen: Der erste viertürige Aston Martin der Neuzeit entsteht auf der Basis des DB9, verwendet ebenfalls das Chassis aus geklebtem und geschweißtem Aluminium.

Aston Martin nennt es die VH-Struktur. Knapp fünf Meter lang, also 31 Zentimeter länger als der Aston Martin DB9 und nur 1,35 Meter hoch ist der Rapide. Bei 1,93 m Breite ist Vorsicht in Autobahnbaustellen, engen Straßen oder bei Wendemanövern angesagt. Akustische Einparkhilfen sind Serie, eine Rückfahrkamera gibt es aber nicht. Die Insassen vorn wissen die Breite zu schätzen – auch wenn die üppige Mittelkonsole einiges davon für sich beansprucht. Die tiefe Sitzposition beschert ihnen zudem eine ausreichende Kopffreiheit. Auch an den Einstellmöglichkeiten der Ledersitze und des Lenkrads wurde nicht gespart – die Ergonomie im Rapide passt.

EINZELSITZE IM FOND

Öffnen sich auch die hinteren Schwanenflügel-Türen, fahren zunächst die Seitenscheiben automatisch herunter. Der Einstieg in den Fond ist schmal, die beiden Einzelsitze sind es ebenfalls. Auch sie besitzen – wie ihre vorderen Pendants – integrierte Kopfstützen. Sechs Zentimeter weniger Kopffreiheit und der hoch aufragende Mitteltunnel samt Bedientasten für die elektrisch einstellbaren Möbel und die Klimaregelung schränken das Raumangebot erheblich ein. Alle vier Sitzplätze sind serienmäßig beheizbar und gegen Aufpreis auch belüftbar (1.462 Euro).

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In die vorderen Lehnen können optional Bildschirme für eine DVD-Wiedergabe (3.250 Euro) eingebaut werden, den Ton hören die Passagier über kabellose Kopfhörer. Das Kofferabteil unter der großen Heckklappe ist zunächst unterteilt durch einen aufstellbaren Teil des Bodens und kann dank einzeln umlegbarer Fondsitzlehnen von 301 auf 750 Liter erweitert werden. Dann finden bis zu zwei Meter lange Gegenstände im Heck Platz. Wer den Glasschlüssel, die Emotion Control Unit, lange genug in den Schacht der Mittelkonsole drückt, denkt jedoch kaum noch an Variabilität oder Raumangebot. Der 6,0-Liter-V12 brüllt kurz auf, fällt dann in ein kaum wahrnehmbares, vibrationsfreies Grummeln. Die Bedienung der Sechsstufen-Automatik von ZF gelingt leicht über Drucktasten, geschaltet wird automatisch oder über feststehende Schaltpaddel am Lenkrad.

Eine Sportfunktion verkürzt die Schaltpausen erheblich und verhindert das automatische Hochschalten an der Drehzahlgrenze. Auch das etwas weit vorn im Fußraum montierte Gaspedal arbeitet dann mit kürzeren Wegen. Zusätzlich können auch die adaptiven Dämpfer nachgeschärft werden. Wer dann noch das dreistufi ge DSC (ESP) deaktiviert, findet sich in einem ernst zu nehmenden Sportwagen wieder. Die präzise Lenkung, die außerordentlich gute Traktion und das ausgewogene Gewichtsverhältnis lassen im Zusammenspiel mit der harmonischen Leistungsentfaltung des V12 großen Fahrspaß aufkommen. Seine zwei Tonnen Gewicht kaschiert der Aston Martin Rapide mit spielerischer Leichtigkeit im Handling. Auch im Alltag erinnert die straffe Grundabstimmung immer wieder an die Sportwagenwurzeln der Limousine.

KURZE BREMSWEGE

Bremswege von rund 34 Metern aus 100 km/h unter hoher Belastung untermauern die Leistungsfähigkeit der Stahlbremse. Auch die gemessenen Beschleunigungswerte überzeugen – mit 5,2 s für den Sprint auf Tempo 100 unterbietet der Aston Martin Rapide die Werksangabe sogar um ein Zehntel. Einzig der Testverbrauch des Triebwerks liegt mit 17,3 Litern an der oberen Akzeptanzgrenze. Doch darüber schweigt der Gentleman und verweist eher auf die unzähligen Lederoptionen für den Innenraum – maßgeschneidert natürlich.

Fazit

Der exklusive Aston Martin Rapide zieht bewundernde Blicke auf sich. Allein die geringe Stückzahl und der sehr hohe Anschaffungspreis schaffen eine Ausnahmesituation. Die zwei Tonnen schwere Limousine will und kann zudem ihre Sportwagen-Herkunft nicht verleugnen. Die Fahrleistungen sind top, das Handling ist es ebenfalls. Auch die Bremsanlage kommt mit dem Gewicht sehr gut zurecht. Der teilweise etwas hölzerne Fahrkomfort passt dazu. Nur auf gepflegtem Autobahnasphalt gleitet der Brite harmonisch mit hohem Tempo dahin. Der samtige V12 ist ebenfalls ein Genuss – der Sitzkomfort im Fond ab einer bestimmten Körpergröße eher nicht. Auch Bedienung, Sicherheitsausstattung und Navigationssystem sind nicht ganz auf der Höhe der Zeit.

Holger Eckhardt

Inhaltsübersicht

Autos im Test

Aston Martin Rapide

PS/KW 476/350

0-100 km/h in 5.20s

Hinterrad, 6-Stufen Automatik

Spitze 295 km/h

Preis 189.995,00 €