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Artega GT im Einzeltest

Artega GT

Technik von VW unter heißen Kurven: Hält der 300 PS starke Artega GT, was diese Kombination verspricht?

Eckdaten
PS-kW299 PS (220 kW)
AntriebHinterrad, 6-Gang, DSG, per Schaltwippen
0-100 km/h4.40 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit271 km/h
Preis79.900,00 €

Mit diesem Sportwagen fällt man auf. Selbst viele Motorbegeisterte können seine wohlgeformte Karosserie nicht sofort einordnen. Ein Italiener? Ein Brite? Dabei ist es ein deutsches Auto mit deutscher Technik: Der Artega GT entsteht in Delbrück bei Paderborn, Motor und Getriebe stammen aus dem sportlichenVW Passat R36.

KAROSSERIE MIT KURVEN
Das Konzept: Sportwagen mit Aluminium-Chassis, kurviger Karosse aus Kohlefaser-Kunststoff- Verbund und ausgereifte Großserientechnik. Die Idee klingt interessant, doch hat der Artega GT auch das Zeug, im Terrain etablierter Sportwagen zu wildern? Von außen betrachtet: Ja! Die von Henrik Fisker gezeichnete Karosserie ist wunderschön und erinnert an die Formensprache von Aston Martin. Kein Wunder, denn DB9 und V8 Vantage stammen ebenfalls aus der Feder des Dänen. Deshalb liegt der Blickfang- Faktor ganz hoch.

Auch der Klang des auf der Hinterachse quer eingebauten 3,6-Liter-Sechszylinders begeistert. Aus diesem Grund sollte der Automatikmodus des Doppelkupplungsgetriebes (DSG) eigentlich tabu sein, denn erst bei rund 3000 Touren erhebt der Sauger seine Stimme so richtig, und das Schalten mit den kleinen Wippen hinter dem Lenkrad macht viel mehr Spaß. Apropos Spaß: 1280 kg bringt der 300 PS starke Artega auf die Waage, was ein Leistungsgewicht von 4,3 kg pro PS ergibt. Das klingt viel versprechend, also ab auf die Piste.

Der Vierventiler dreht bis knapp über 6600 Umdrehungen, bevor das DSG automatisch den nächsten Gang einlegt. Im oberen Drehzahlbereich wirkt er allerdings zäh. Anbremsen der ersten Kurve. Der Exot aus Westfalen verzögert stark – warm und kalt in hervorragenden 32,5 Metern aus Tempo 100 – , die Dosierbarkeit der Bremse könnte aber eine Spur besser sein. Die direkte, aber leichtgängige Lenkung erlaubt präzises Ansteuern von Kurven. Der Artega biegt zackig ab, klebt wie Kaugummi auf der Straße und lässt unter Last erstaunlich hohe Kurvengeschwindigkeiten zu. Doch wehe, man geht vom Gas oder provoziert Lastwechsel.

Dann zeigt der Artega den schwierigen Charakter eines Mittelmotor-Sportlers und seine zickige Seite: Ohne ESP verlieren die 305er-Pneus an der Hinterachse abrupt den Kontakt zum Asphalt, und das knackige GT-Heck tänzelt bedrohlich schnell nach außen. Wer die Kunst beherrscht, kann das Coupé im Drift halten – Gas wegnehmen und gegenlenken ist jedoch ratsamer.

SCHNELL UND SPARSAM
Aus dem Stand beschleunigt der flache Zweitürer in nur 4,4 Sekunden auf 100 km/h, vier Zehntelsekunden schneller als Artegas Angabe. Und laut Fahrzeugschein ist erst bei Tempo 271 Schluss. Dazu ist allerdings viel Anlauf nötig. Der GT ist kein Säufer und die Werksangabe kein waghalsiges Versprechen, denn im Test begnügte er sich mit 10,1 Litern.

Auch die Komforteigenschaften passen zu einem Gran Turismo. Zwar fehlt es der Vorderachse auf kantigen Querfugen an Schluckvermögen, doch auf langen Wellen macht der GT eine gute Figur. Im Innenraum gefallen die Recaro- Schalen, die Uhren sind allerdings kaum ablesbar, und in Sachen Verarbeitungsqualität sowie Bedienung darf man von einem knapp 80.000 Euro teuren Auto mehr erwarten.

Fazit

Im Detail hapert es beim Artega GT noch ein wenig. Dafür entschädigt der flache Sportler mit einem schönen Kunststoffkleid, einem tollen Klang, Zurückhaltung beim Spritkonsum und überraschend guten dynamischen Qualitäten.

Paul Englert

Inhaltsübersicht

Autos im Test

Artega GT

PS/KW 299/220

0-100 km/h in 4.40s

Hinterrad, 6-Gang, DSG, per Schaltwippen

Spitze 271 km/h

Preis 79.900,00 €