Auto-Design: Kia Design-Chef Peter Schreyer im Portrait Formgeber aus Bad Reichenhall

06.05.2010

Seit 2006 ist Peter Schreyer Senior Executive Vice President und Chief Design Officer der Kia Motors Corporation. Wir haben uns mit ihm zum Gespräch getroffen

Über Gesichter schrieb der große Denker, Arzt und Friedensnobelpreisträger Albert Schweitzer folgenden Satz: „Mit 20 hat jeder das Gesicht, das Gott ihm gegeben hat, mit 40 das Gesicht, das ihm das Leben gab und mit 60 das Gesicht, das er verdient.“ Das klingt vernünftig. Was aber, wenn etwas gar kein Gesicht hat, nichts, woran man es wiedererkennen könnte?

Dann hat man ein Problem. Kia, die progressiv positionierte Marke des koreanischen Industriegiganten Hyundai, baut seit den 70er-Jahren Autos. Kleine und mittelgroße, Geländewagen und solche für den Handwerker. Ihnen gemein waren der stets wohlfeile Preis und die Eigenschaft, das nur Eingeweihte die Marke als solche erkannten. Um das zu ändern, engagierten die Koreaner einen der profi liertesten Automobildesigner der Gegenwart.

Seit vier Jahren ist Peter Schreyer der Mann, der Kia ein Gesicht gibt. Mit dessen Erschaffung kennt sich der in Bad Reichenhall geborene Formgeber aus. Bahnbrechende Entwürfe wie die Audi-Modelle TT und A2 oder auch der zeitlose VW Golf IV sind echte Schreyer-Werke.

MEHRFACH AUSGEZEICHNET, VOM FLIEGEN BEGEISTERT
Wer dem Chiemgauer begegnet, trifft einen Mann, der sich seit 35 Jahren um formale Perfektion kümmert und dafür mit dem Designpreis der Bundesrepublik Deutschland und der Ehrendoktorwürde des Londoner Royal College of Art ausgezeichnet wurde. Schreyer lehnt mit leuchtenden Augen an der Balustrade des Dornier-Museums in Friedrichshafen.

Sein Blick fällt auf eine Dornier Merkur, deren Original ab 1925 als „Silberfuchs“ bei der Lufthansa Dienst tat, gleitet herüber zur Do 31, einem gewaltigen Senkrechtstarter, und bleibt haften an einer der als unverwüstlich geltenden Do 27.

Die Fliegerei ist eine große Passion von Schreyer, der bis vor Kurzem selbst eine Cessna besaß: „Flugzeuge faszinieren mich. Ihre pure Form, ihre archaische Kraft und diese besondere Ästhetik sind fantastisch.“ Schon als kleiner Bub zogen ihn die mutigen Aeronauten in den Bann, die mit kleinen Propellermaschinen auf der Wiese hinter dem elterlichen Gasthaus starteten und landeten.

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Aber auch der Blick vom Fensterplatz eines Jumbo kann Schreyer noch immer begeistern: „Die Routen ändern sich, man sieht immer Neues. Es ist doch toll, wenn man auf dem Weg nach Los Angeles ist und dort unten den El Capitan sieht“, beschreibt er die steinerne Wucht jenes berühmten, gut 1000 Meter hohen Granit-Monolithen, einer Hauptattraktion des Yosemite Nationalparks in Kalifornien.

Weil Schreyer gleich drei Designcenter leitet, pendelt er unermüdlich zwischen den Kia-Denkfabriken in Frankfurt, Seoul und dem kalifornischen Irvine. Hinzu kommen kleinere Teams in Japan und Schanghai. Er lässt den Kreativen viele Freiheiten, hält sie aber auf Kurs: „Wir müssen eine weltweit gültige Philosophie entwickeln. Meine Aufgabe ist es, die unterschiedlichen Ideen zu bündeln, damit letztlich alle ins selbe Horn stoßen.“

Hier liegt einer der größten Unterschiede zu Schreyers früheren Arbeitgebern Audi und VW, arrivierten Marken mit weitgehend ausformulierten Designphilosophien. Die neue globale Denke bei Kia sorgt immer wieder für Überraschungen: „Es kommen völlig verschiedene Entwürfe heraus. Keine Nuancen, sondern grundlegend unterschiedliche Arbeiten, die aber interessanterweise alle gut sind. Das macht die Auswahl oft schwierig.“ Sie ist Chefsache: „Wenn mir irgendwo auf der Welt ein Kia entgegenkommt, will ich ihn schon von Weitem als solchen erkennen. So eindeutig wie ein BMW ein BMW ist, muss es auch ein Kia sein.“

Ein bereits eingeführtes Stilelement ist die so genannte „tiger nose“. Die Raubtiernase entsteht durch Einzüge in der Mitte des Kia- Grills und ist gleichsam ein Signal für die Angriffslust der Koreaner. Der im Oktober 2008 präsentierte Soul wird bereits Ende 2012 das älteste Modell im Programm sein. In diesem Jahr kommt das SUV Der neue Kia Sportage auf dem Autosalon Genf 2010 auf den Markt und im nächsten die Nachfolger der Modelle Rio, Picanto und Der neue Kia Magentis auf der New York Autoshow 2010. Anfang 2012 folgen ein neuer Van und die Ablösung des cee’d.

Solche Produktivität führt zur Frage nach Vorbildern. „Schon mein Vater hat von Bertone geschwärmt. Und Giorgetto Giugiaro ist nicht umsonst der Car-Designer des Jahrhunderts geworden. Im direkten Berufsleben war es sicher Hartmut Warkus“, erinnert sich Schreyer an seine Zeit bei Audi, in der die beiden Designer den Ingolstädter Autobauer neu einkleideten. Anerkennung spricht er auch dem früheren BMW-Vordenker Christopher Bangle aus, dessen mutige Entwürfe dem Automobildesign viele Freiheiten eröffnet haben.

Ist Automobildesign Kunst? „Kunst ist immer ein Selbstzweck, weil die Vorgaben fehlen. Design hat sicher einen künstlerischen Aspekt, aber es geht darum, Produkte zu entwerfen, die auch produziert werden können und die die Menschen auf der ganzen Welt tagtäglich nutzen wollen“, stellt Schreyer klar.

Der reinen Lehre der Kunst folgt er privat. Zeichnungen, Portraits, Skulpturen und Collagen entstehen in der raren Freizeit. Dabei arbeitet er mit fast allem, was sich in Reichweite befindet: Stifte, Farben, Servietten oder auch Espresso. Kunst kommt von Können. Die Mittel dazu sind einem Kreativen unwichtig. Stefan Miete

VITA
Geboren im Jahr 1953 in Bad Reichenhall, studierte Peter Schreyer ab 1975 an der Fachhochschule München Industrie- Design und ab 1979 am Royal College of Art in London Transportation Design. Ab dem Jahr 1980 arbeitete er in verschiedenen Positionen bei Audi und stieg 1993 zum Leiter Exterieur-Design bei VW auf.

Bereits ein Jahr später verantwortete Schreyer das Design bei Audi und wechselte 2002 abermals zu Volkswagen als Leiter des Designs. 2005 übernahm er schließlich die Leitung Advanced Design des Volkswagen-Konzerns. Seit 2006 ist er Senior Executive Vice President und Chief Design Officer der Kia Motors Corporation. Peter Schreyer ist verheiratet und hat zwei Kinder.

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