Wirtschaft: Automarkt Australien im Detail Down Under

07.04.2014

Ford und General Motors schließen ihre Werke in Australien, Toyota steht kurz davor. Dabei boomt der Markt auf dem fünften Kontinent. Warum der Autobau vor Ort trotzdem keine Zukunft hat

Australien ist ein klassisches Einwanderungsland, Millionen von Siedlern haben in Down Under ihr Glück versucht. Was die Autoindustrie angeht, hat sich der fünfte Kontinent jedoch zu einem Auswanderungsland entwickelt: Im letzten Jahr verkündeten Ford und General Motors, ihre Fabriken vor Ort zu schließen.

Die amerikanischen Konzerne sind jedoch nicht die ersten, die dem Land der Kängurus den Rücken kehren: Mitsubishi hatte sein Werk in Australien bereits im März 2008 geschlossen. Nun will Ford seine lokale Produktion im Oktober 2016 beenden. Und für die General Motors-Tochter Holden ist ein Jahr später Schluss. Hier fallen bis zu 3000 Arbeitsplätze weg. Holden, die einzige australische Automarke, soll jedoch erhalten bleiben. Sie wird ab 2017 als Importeur Chevrolet-Modelle aus Südkorea unter ihrem Label verkaufen.

Damit bleibt Toyota als einziger Autohersteller zurück, der auf dem fünften Kontinent produziert. Doch auch die Zukunft der Japaner ist nicht gesichert: Sollte Toyota die Produktionskosten der Limousine Camry nicht um 15 Prozent senken können, scheint ein Ende der Fabrik in Melbourne in 2018 wahrscheinlich. Eine Entscheidung wird noch in diesem Jahr erwartet. Der Rückzug von Toyota wäre das Ende der Autonation Australien.

Dabei hat das Land am anderen Ende der Welt eine lange Autotradition, lag 1970 noch auf Platz zehn der weltgrößten Fahrzeugproduzenten – vor Brasilien und Schweden. Bereits in den 1920er Jahren begannen Ford und General Motors mit der Fahrzeug-Montage vor Ort. 1948 stellte GM das erste australische Auto unter dem Namen Holden vor.

 

Automarkt AUSTRALIEN: ÜBER EINE MILLION VERKÄUFE

Was angesichts der Werksschließungen noch überraschender ist: Die Australier kaufen immer mehr Neuwagen, der Markt auf dem fünften Kontinent boomt. 2013 war das zweite Rekordjahr in Folge mit 1.136.227 Neuzulassungen – knapp 24.000 mehr als 2012. Ein Markt von einer Millionen Neuwagen ist in Down Under zur Normalität geworden. Experten rechnen auch für 2014 mit einem weiteren Absatzrekord.

Doch der Erfolg geht an Holden und Ford, den traditionellen lokalen Herstellern, vorbei. So erreichten die Verkäufe von in Australien produzierten Fahrzeugen mit nur noch 10,4 Prozent in 2013 einen historischen Tiefstand. Die vor Ort gebauten großen Limousinen Holden Commodore und Ford Falcon finden immer weniger Käufer. Zwei Jahrzehnte lang kämpften beide Modelle um den ersten Platz unter den Neuzulassungen. 1998 setzte Holden über 94.000 Commodore ab, 2013 waren es nur noch 27.766 Exemplare. So landete der Holden im letzten Jahr lediglich auf Rang fünf, der Ford Falcon sogar nur auf Platz 35 der meistverkauften Modelle.

Die Australier fahren heute lieber Kompaktwagen wie die aktuellen Bestseller Toyota Corolla und Mazda 3. Auch Hyundai konnte mit dem i30 in den letzten Jahren viele Käufer gewinnen. Bereits 2003 löste Toyota Holden als erfolgreichste Marke in Down Under ab. Seitdem setzte sich der Abstieg der General Motors-Tochter weiter fort: 2013 fiel Holden erstmals unter zehn Prozent Marktanteil.

 

Automarkt Australien: IMPORTE STATT EIGENE MODELLE

Die Australier bieten kaum noch eigene Konstruktionen an. Bereits in den 90ern füllte Holden seine Modellpalette mit leicht modifizierten Opel wie dem Astra und dem Vectra auf. Heute stammen die meisten Holden aus Südkorea. So entspricht etwa der Kleinwagen Holden Barina dem Chevrolet Aveo. Auch bei Ford sterben die speziell australischen Modelle im Rahmen der „One Ford“-Strategie aus: Fiesta, Kuga und Mondeo gibt es nun auch auf der anderen Seite der Welt zu kaufen.

Kein Wunder: Trotz des Neuwagenbooms ist der Automarkt in Australien mit rund einer Million Einheiten zu klein für eine eigeneProduktion. Und der starke australische Dollar macht den Export von Fahrzeugen unrentabel.

Allein durch die Währungsschwankungen haben sich Produkte aus Down Under in der letzten Dekade um satte 65 Prozent verteuert. Dazu kommen die hohen Herstellungskosten vor Ort – Australien ist kein Land der billigen Löhne. So kostet etwa die Produktion eines Holden auf dem fünften Kontinent rund 2400 Euro pro Fahrzeug mehr als in anderen Fabriken von General Motors. „Australien gehört zu den teuersten Standorten weltweit, um Autos zu fertigen“, klagt nicht nur Holden-Vorstandsvorsitzender Mike Devereux.

Um die hohen Kosten zu kompensieren, hatte General Motors staatliche Zuschüsse gefordert. Doch die neue australische Regierung unter Premierminister Tony Abbott lehnte überraschend ab.

Immerhin hatte die lokale Autoindustrie im letzten Jahrzehnt über zwölf Milliarden Euro an Subventionen und Steuererleichterungen bekommen. Abbott sorgte mit seiner Ablehnung für einen Politikwechsel: Bisher behaupteten die australischen Regierungen stets, dass eine moderne Wirtschaftsnation eine eigene Autoindustrie brauche. Nun beendete er das für den australischen Steuerzahler teure Experiment. Die Einwanderer von einst waren schließlich auch ohne Geldzahlungen in Down Under geblieben. 

Markus Bach

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