Unfall im Ausland: Hilfe & Rat (Update) Wenn es im Urlaub kracht

von AUTO ZEITUNG 19.06.2017
Inhalt
  1. Unfall im Ausland: Versicherung rechtzeitig abschließen
  2. Reisekrankenversicherung zahlt Überführung
  3. Kfz-Versicherung mit Auslands-Police hilft beim Unfall
  4. Versicherungsnachweis: "Grüne Karte" immer mitführen

Passiert im Ausland ein Autounfall, kann es richtig kompliziert werden: Es gelten andere Regelungen und Gesetze als in Deutschland. Viele Versicherungen bieten hierfür Sonderpakete an, doch sind die sinnvoll? Unsere Hilfe-Tipps!

Wer beim Urlaub in Italien in einen Bagatellunfall verwickelt ist, bekommt seit August 2016 von der italienischen Polizei kein Protokoll mehr ausgestellt. Die Carabinieri nehmen hier keine Anzeigen mehr auf. Genau dieses Anzeigenprotokoll wird jedoch von vielen Versicherungen als Voraussetzung zur Schadensregulierung angesehen. Der ADAC rät deshalb allen Betroffenen, bei einem Unfall im Ausland dennoch einen Polizeibericht anzufordern. Ist dies nicht möglich, müssen die Unfallbeteiligten einen Unfall- und Schadensbericht erstellen und den Schaden umgehend dem Autovermieter melden. Darüber hinaus raten viele Experten dazu, bei Urlauben im Ausland auf einen zusätzlichen Versicherungsschutz zu verzichten. Zumindest, soweit es spezielle Urlaubspakete betrifft, die mehrere Versicherungen zusammenfassen. "Da werden oft Risiken versichert, die bereits durch andere Versicherungen abgedeckt sind", erläutert Bianca Boss vom Bund der Versicherten (BdV). Simone Weidner von der Stiftung Warentest sagt: "Da haben sie teilweise fünf Policen, bei denen sie gar nicht richtig durchblicken, und wenn Sie in die Details gehen, sind die Leistungen durch Obergrenzen und Selbstbehalte oft geringer und eingeschränkter als bei einer Einzelversicherung." Genau hinzuschauen raten die beiden Expertinnen auch bei Versicherungsleistungen, die von Kreditkartenfirmen angeboten werden. Voraussetzung für den Versicherungsschutz sei nämlich fast immer, dass die Reise mit der Kreditkarte bezahlt wird. Und der Schutz sei oft weniger umfassend als bei einer regulären Versicherung.

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Unfall im Ausland: Versicherung rechtzeitig abschließen

Das gilt unter Umständen nicht für die Krankenversicherung. Zwar habe jeder Versicherte in Europa etwa nach einem Verkehrsunfall mit seiner Gesundheitskarte Anspruch auf eine Behandlung zum landesüblichen Standard, wie Simone Weidner erläutert. Und das auch in beliebten Reiseländern, die entsprechende Abkommen mit Deutschland abgeschlossen haben, etwa Israel oder die Türkei. Doch dieser Standard ist nicht immer das, was ein deutscher Patient sich wünscht. Zudem kann es passieren, dass man an einen Mediziner gerät, der nur Privatpatienten akzeptiert. Deshalb rät die Redakteurin der Zeitschrift «Finanztest» zu einer Auslandsreise-Krankenversicherung. "Die muss nicht mehr als 10 Euro für Einzelpersonen oder 20 Euro für Familien kosten und gilt für mehrere Urlaube im Jahr." Für Urlauber, die weiter weg fahren, etwa in die USA oder nach Australien, ist sie unentbehrlich. Die gesetzliche Kasse ersetzt nämlich auch nachträglich keinen Cent der dort entstandenen Behandlungskosten. Wobei diese "häufig deutlich höher als in Deutschland sind", wie Weidner sagt. Privat Krankenversicherte haben dagegen in den meisten Tarifen weltweit vollen Versicherungsschutz. Doch auch die Privaten zahlen nicht immer für den Rücktransport nach Deutschland. Bei Reisekrankenversicherungen ist diese Leistung dagegen immer dabei, allerdings zeigten sich im aktuellen Test der Stiftung Warentest Unterschiede: Manche Versicherer zahlen nur, wenn es medizinisch notwendig ist, "das wird bei einem Krankenhausaufenthalt in Österreich eher nicht der Fall sein", so Weidner. Bei anderen Versicherern ist der Rücktransport aber auch dann abgedeckt, wenn er "medizinisch sinnvoll und vertretbar" ist, so Weidner. "Das ist wichtig für Senioren, die sonst lange einsam in einem medizinisch gut ausgestatteten Krankenhaus liegen würden.»

 

Reisekrankenversicherung zahlt Überführung

Und auch wenn man sich darüber bei der Urlaubsplanung natürlich eigentlich keine Gedanken machen will: Reisekrankenversicherungen zahlen auch für die Überführung im Todesfall, im Durchschnitt bis 10.000 Euro, manche auch nur 5000 Euro. Doch nicht nur die eigene Gesundheit ist bei Unfällen im Ausland in Gefahr. Wer gut geschützt sein möchte, sollte frühzeitig planen und Fristen beachten. "Ihren Verkehrsrechtsschutz müssen Sie mindestens drei Monate vorher abschließen", rät BdV-Fachfrau Boss, und dabei auf weltweiten Deckungsschutz achten. Eine Kfz-Vollkaskoversicherung nur für den Urlaub zu buchen, sei indes nicht möglich, da die Policen immer für ein ganzes Jahr gelten, wie Boss sagt. Schutzbriefe, die Pannenhilfe oder ein Ersatzauto nach einem Motorschaden garantieren, könnten auch für die Dauer eines Urlaubs abgeschlossen werden, Wertersatz für den eigenen Wagen sei dort aber nicht enthalten. Und bei Reisen in exotische Länder müsse man sich unbedingt vorher informieren, ob die Versicherung dort überhaupt gelte. Sei dies nicht der Fall, helfe oft nur ein Versicherungswechsel, sagt Boss.

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Kfz-Versicherung mit Auslands-Police hilft beim Unfall

Im Ausland gelten oft niedrigere Deckungssummen, warnt Alina Schön, Sprecherin beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Das bedeute, dass die Versicherung des Unfallverursachers unter Umständen nicht den kompletten Schaden am eigenen Auto erstatte. Für diese Fälle gebe es den Auslandsschadensschutz, der in die normale Kfz-Haftpflichtversicherung eingeschlossen werden könne, sagt Schön. Die niedrigeren Deckungssummen bergen noch ein anderes Risiko: Bei einem Unfall mit Personenschäden oder erheblichen Sachschäden kann man als Verursacher trotzdem haftbar gemacht werden. Für diesen Fall empfehlen die Experten die sogenannte Mallorca-Police, die laut Bianca Boss eine Pauschaldeckung für Personen- und Sachschäden bis zu zehn Millionen Euro umfasst. Sie ist manchmal in der Kfz-Versicherung für das eigene Auto enthalten, kann aber auch kurzfristig abgeschlossen werden und kostet rund 20 Euro pro Monat, so Boss. Wenn es tatsächlich zum Unfall kommt, kann der Europäische Unfallbericht helfen: Das ist ein in allen europäischen Sprachen erhältliches Formular, in dem Details zum Unfall und den Beteiligten notiert werden können. Es kann bei Versicherern oder Automobilclubs angefordert oder auf deren Internetseiten heruntergeladen werden. Volker Lempp, Verkehrsjurist beim Auto Club Europa (ACE), warnt allerdings davor, den Unfallbericht überzubewerten: "Das ist kein offizielles Dokument." Ist man in einen Unfall verwickelt, gehe es vor allem um eine Entscheidung: "Nehme ich mir einen ausländischen Anwalt und versuche, alles vor Ort zu regeln, oder kümmere ich mich von Deutschland aus?" Wenn jemand bei dem Unfall verletzt wurde, könne man nicht bis zur Rückkehr warten und sollte sich einen Anwalt nehmen. Da das Recht des Unfalllandes gelte, kenne er die Gesetze besser, sei von Deutschland aus aber schwerer erreichbar. Ist der Unfall innerhalb der EU und in den Staaten des europäischen Wirtschaftsraumes (EWR) passiert, kann man die Dinge auch aus Deutschland über einen sogenannten Schadensregulierungsbeauftragten der gegnerischen Versicherung regeln. Der Vorteil dieses in einer EU-Richtlinie vereinbarten Verfahrens: "Auch wenn die ausländischen Versicherung untätig bleibt, bekommen Sie nach spätestens fünf Monaten eine Entschädigung", so Lempp.

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Versicherungsnachweis: "Grüne Karte" immer mitführen

Für deutsche Unfallverursacher gilt: „Die Haftpflicht- und Vollkaskoversicherung behält auch im Ausland ihre Gültigkeit“, so Tanja Cronenberg, Expertin für Schadensmanagement bei der ERGO Versicherungsgruppe. Bis 2004 musste man dafür die so genannte „Grüne Karte“, einen Versicherungsnachweis, im Auto mitführen. Auch wenn diese in den Ländern der EU nicht mehr vorgeschrieben ist, gehört die Karte ins Reisegepäck: Sie enthält alle wichtigen Daten zur Autoversicherung und kann dabei helfen, den Europäischen Unfallbericht auszufüllen. Die Karte gibt es kostenlos bei der eigenen Versicherung.

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