Audi und BMW Klein ist clever

27.04.2009


Audi und BMW starten demnächst mit neuen, smarten City-Cars. Und auch vier weitere Bayern-Projekte zeigen, dass Größe nicht mehr alles ist


Besitzer großer Geländewagen oder Pick-ups im Kingsize-Format, denen von allen Seiten ein schlechtes Gewissen eingeredet wird, müssen sich langsam fühlen wie die Dinosaurier zwischen Kreidezeit und Tertiär beim größten Massenaussterben der Erdgeschichte. Das war vor 65 Millionen Jahren, und über die Ursachen wird viel spekuliert, aber neben fiesen Meteoriteneinschlägen war wohl auch die mangelnde Flexibilität der dicken Brocken in den sich rapide verändernden Ökosystemen im Spiel.

"Wir planen im Projekt i ein flexibles Baukasten-System" Friedrich Eichiner, BMW-Vorstand

Heute sind es  hochschlagende Diskussionswellen: Sobald der acht- oder zwölfzylindrig agierende SUV-Pilot den Blinker zum Überholen betätigt, setzt es verbalen Tobak: „Klimakiller, CO2-Schleuder, Ökomuffel!“ Parallel dazu brechen in vielen Ländern die Verkäufe der schweren Luxuswagen ein – speziell auf dem US-Markt, der für die deutschen Autobauer ziemlich wichtig ist. Und Mercedes-Chef Dieter Zetsche sieht jetzt schon den „Anfang vom Ende des Ölzeitalters“, er hat das kriselnde 2009 gerade als „Darwin-Jahr“ deklariert. Nur wer innovativ bleibe, werde überleben.

Seine Rivalen aus Bayern sind da längst am Konstruieren und Bauen. Audi und BMW planen unter dem Motto „Klein, aber fein“ eine ganze Armada neuer, smarter City-Cars. Auch gibt es neue Ideen für die Kompaktklasse und Ungewöhnliches für die Oberliga. Sechs Autos sind insgesamt in Sicht.

Ganz neu, völlig anders: Der A2 kommt zurück

Audi fährt sogar zweigleisig in den neuen Trend. Mit der äußerst dynamischen Kleinwagen-Baureihe A1 – die Produktion beginnt schon am Ende dieses Jahres im Werk Brüssel, das erste schicke Baby wird dann Mitte 2010 ein rund 3,90 Meter langer, coupéhafter Dreitürer sein – wollen die Ingolstädter dem erfolgreichen
Mini die Kunden abjagen. Später folgen der Fünftürer und eine Cross-Version.

"Diese Idee hat bei uns eine unglaublich positive Resonanz gefunden" Rupert Stadler, Audi-Vorstandschef

Noch spannender ist die geplante Wiedergeburt des früher geschmähten, aber mittlerweile schwer kultigen und auf den Gebrauchtmärkten hoch gehandelten Leichtbau-Spritspar-Rundlings A2, der von 1999 bis 2005 gebaut wurde und damals seiner Zeit zu weit voraus war. „Diese Idee hat bei uns im Unternehmen eine unglaublich positive Resonanz gefunden“, erklärt Audi-Chef Rupert Stadler gegenüber AUTO ZEITUNG. „Denn dieses Auto hatte eine tolle Genetik.“ Doch der Neue, der noch 2011 starten könnte, ist ganz anders.

Das werde ein „Charakterdarsteller mit dem Zeug zur Ikone“, so Stadler. Schon gibt es erste Design-Ideen, die Grundrichtung ist klar. Der kleine Fünfsitzer, rund 3,85 Meter lang, wird mit gut 1,50 Meter höher als ein A3 und breiter als der alte A2. Er bekommt ein innovatives Faltsystem-Raumkonzept, das die Sitzanordnung und den Laderaum voll variabel macht. Seine aerodynamisch geglättete Karosserie mit abfallendem Runddach und steilem Heck nutzt einen Materialmix aus Stahl und Aluminium, dazu gibt es schmale Leichtlaufreifen.

Bei den Benzinmotoren startet garantiert Audis neue, nur 1,2 Liter große TFSI-Generation mit Leistungen von 85 und etwa 105 PS, darüber rangieren die 1,4-Liter mit bis zu 180 PS. Auch bei den Dieseln starten neue 1,2-Liter-Motoren – die Dreizylinder haben etwa 75, 90 und 105 PS, der Einsteiger soll in einer Sparversion sogar einen CO2-Ausstoß von 90 g/km unterbieten. Zu den Feinheiten zählen Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe (S tronic), Start-Stopp-Automatik, Bremsenergie-Rückgewinnung und eine spritsparende elektromechanische Lenkung. Später kommt auch eine Elektro-Version mit Lithium-Ionen-Batterie und bis zu 150 km Reichweite – die technischen Bausteine werden bereits getestet. Die Details des A2 sind noch geheim, und eventuell gibt es sogar einen neuen Namen – in der Diskussion ist eine „E“-Reihe.

"Der Mittelmotor-Roadster ist für mehrere Marken interessant" Wolfgang Hatz, Leiter Aggregate-Entwicklung des VW-Konzerns

Noch abgeschirmter ist das „Projekt i“ bei BMW. Schließlich geht es um eine völlig neue, ökologisch vorbildliche Kleinwagen-Generation – vor einigen Jahren noch undenkbar bei den Weiß-Blauen. Sogar die Gründung einer neuen Marke war im Gespräch, im Moment sieht es aber so aus, als ob die neuen Konzepte direkt bei BMW, Mini und BMW Motorrad angesiedelt werden – als Speerspitze des erfolgreichen EfficientDynamics-Programms. „Wir planen ein Baukastensystem, mit dem sich verschiedene Fahrzeugversionen und -größen umsetzen lassen“, erklärt BMW-Vorstand Friedrich Eichiner. Und die Ansprüche sind hoch. „Da muss der Kick rein“, sagt BMW-Markendesignchef Adrian van Hooydonk. Deshalb hat BMW ins „Projekt i“ inzwischen die besten Nachwuchsdesigner aus allen Teams delegiert.

Die Fahrzeugentwürfe stapeln sich, denn Ende 2012 soll das erste Auto gezeigt werden. Parallel dazu arbeitet man bei BMW Motorrad an einer Neuauflage des Rollers C1 und an Elektromotorrädern mit bis zu 150 Kilometer Reichweite. Auch eine dreirädrige Motorrad-Auto-Kreuzung ist im Gespräch, erreicht aber nach dem aktuellem Stand der Dinge nicht die zuletzt klar verschärften BMW-Profitabilitätskriterien. Den Anfang dürfte ein kleines, mindestens viersitziges Hochdach-Modell machen, rund 3,80 Meter lang und eine Handbreit höher als ein 1er. Ähnlich wie der A2 soll der Kleine ein Verwandlungskünstler sein – und gegen Aufpreis auch Luxus bieten. Optionale Spezialität: ein feines Multimedia-System inklusive Highspeed-Internetzugang.

"Eine Roadster-Version wäre für die Marke Mini durchaus reizvoll" Wolfgang Armbrecht, Senior Vice President Brand Management Mini

Motorisch geht es erst einmal mit völlig neuen, kleinvolumigen Benzinern zur Sache: Die 1,2-Liter, zum Teil mit Turboaufladung, haben etwa 75 und 95 PS, darüber agieren aufgeladene 1,4-Liter mit bis zu 180 PS. Eichiner: „Bei der Höchstgeschwindigkeit gibt es keine starren Limits, für Deutschland sind auch über 150 km/h möglich.“ Sogar ein Einliter-Dreizylinder, direkt abgeleitet von den kleinen Vierzylindern, ist im Gespräch. Später folgen Elektroversionen, für die als Reichweitenverlängerer (bis 500 km) auch kleine, stationäre Benzin- und Dieselmotoren in Frage kommen. Und bei der Gewichtsdiät soll es im Vergleich zu Mini oder 1er BMW mit Kunststoff und Aluminium eine Reduktion von über 100 Kilogramm geben.

Fit for fun: Die Roadster von Audi und Mini

Neue Kurzware auch eine Klasse höher: So liebäugeln die Ingolstädter mit einer eigenen Version des neuen VW-Mittelmotorkonzepts. Audi-Chef Stadler zur AUTO ZEITUNG: „Wenn wir dazu etwas machen, wäre eine Lösung unterhalb des Audi TT offene TTdenkbar.“ Tatsächlich, so ist aus Bayern zu hören, plant Audi schon einen knackigen Vier-Meter-Roadster, viel leichter und kompakter als der Audi TT offene TT. Und es gibt schon konkrete Design-Ideen – wir zeigen, wo es hingeht.

Der nur rund 1,26 Meter hohe und 1,75 Meter breite, nicht mal 1200 Kilo schwere Zweisitzer (das Stoffdach wiegt 27 Kilo), der mit seiner idealen Achslastverteilung von 45 zu 55 (vorn/hinten) wie ein Blitz um die Kurven fegen dürfte, ist für alle Vierzylinder-Triebwerke ausgelegt, die, um 180 Grad gedreht, direkt hinter den Sportsitzen agieren. Technisch nutzt der Roadster kostengünstig Module des neuen Konzern-Quermotorenbaukastens (VW Polo-Ausführung). Als Benzinantrieb ist – mit und ohne Doppelkupplungsgetriebe – der aufgeladene 1,4-Liter avisiert. Denkbar sind Leistungen von 120, 160 und 185 PS.

"Dieses Auto ist ein hoch flexibles Crossover-Modell" Norbert Reithofer, Vorstandschef des BMW-Konzerns

Bei Bedarf hätte Audi auch einen Zweiliter mit bis zu 300 PS parat. Bei den Dieseln indes geht es vom 1,6-Liter mit 105 PS bis zum 230 km/h schnellen Zweiliter-Topmodell mit rund 185 PS. Kofferräume gibt es vorn und hinten mit 115 und 70 Litern. Einziger Wermutstropfen: Das Auto kommt wohl erst im Frühjahr 2013, weil die VW-Kollegen das bei ihnen geborene Mittelmotor-Konzept natürlich zuerst nutzen wollen. Frühester Start bei VW ist 2011.

Aber auch im BMW-Konzern ist das kleine Offenfahren-Thema heiß: Mini plant einen scharfen Roadster auf Basis des aktuellen Cabrios, der spätestens Anfang 2012 starten könnte – mit etlichen Karosserie-Veränderungen und einem schnittigeren Stoff-Faltverdeck – siehe Foto. Beim Antrieb kommen hier bereits die überarbeiteten 1,6-Liter-Motoren aus der Kooperation von BMW und PSA (Peugeot/Citroën) zum Einsatz. Im Schnitt gibt es je rund fünf PS mehr Leistung – und um bis zu acht Prozent gesunkene Verbräuche. Einstiegsmodell ist der One Roadster mit 100 PS, die Preise sind noch offen.

Neue Philosophien: BMW GT und Audi A7 Sportback

Der Trend zum Downsizing und zu zukunftsweisenden Nutzungskonzepten schlägt bis in die Premium-Oberliga durch. Bestes Beispiel ist der BMW 5er GTGT, vormals PAS-Konzept genannt, den die Münchner nun am 3. März auf dem Genfer Automobil-Salon präsentieren und im Oktober auf den Markt bringen. Sein Konzept ist ein Novum in der Klasse. „Dieses Auto ist ein sehr flexibles Crossover-Modell, das SUV-Elemente wie die große Heckklappe und Limousinen-Vorzüge verbindet“, schwärmt BMW-Chef Norbert Reithofer. „Darin können Sie zwei Mountainbikes senkrecht unterbringen und haben ein überdurchschnittliches Platzangebot.“ Kunden, denen das sportliche Auto in Geheimshows schon gezeigt wurde, waren laut BMW „begeistert“.

Der fast fünf Meter lange BMW 5er GTGT, der im Vergleich zur 5er Basistechnik auch eine erhöhte Sitzposition hat, ist rund 15 Zentimeter länger als ein 5er Touring – und offeriert deshalb üppige Platz-Verhältnisse und viel Kopffreiheit. Die große Heckklappe lässt sich in zwei Stufen öffnen, die Rücksitze sind umklappbar. Seine Sechszylinder-Benziner und
-Diesel mit Leistungen von bis zu 367 PS kommen aus dem 5er Programm, später gibt es auch Allradantrieb. Der Clou ist der rundum behagliche Innenraum. Dazu BMW-Designer Adrian van Hooydonk: „Mit diesem Auto, das auf inneren Luxus fokussiert, wollen wir den aktuellen Wellness-Trend aufgreifen.“

"Dieser Sportback hebt die Audi-Designsprache auf einen neuen Level" Michael Dick, Audi-Vorstand für technische Entwicklung

Wellness? Klingt gut, aber natürlich hat auch Audi etwas parat – wenn auch in anderer Verpackung. Es geht um den neuen A7 Sportback – ein viertüriges, 4,95 Meter langes Edel-Coupé mit großer Heckklappe und 500 Liter Kofferraumvolumen, das auf der Detroit Autoshow als Studie gezeigt wurde. Seine Serienversion, siehe Foto, startet Anfang 2011 – unter anderem mit einem sparsamen V6-Diesel, der trotz 225 PS nur 5,9 Liter Diesel auf 100 Kilometern konsumieren soll. Auch Audi sieht sich hier in der Grand Tourismen (GT)-Tradition – und offeriert Luxus pur: Einzelsitze mit klassisch karoförmig gesteppten Lederbezügen, Eichenholz-Zierrat im eleganten Yacht-Stil und obendrauf noch ein großformatiges Glasdach. Wolfgang Eschment

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