Audi TT RS (2016): Test TT RS auf Supersportler-Niveau

von AUTO ZEITUNG 15.04.2017
Inhalt
  1. Test: Audi TT RS auf Supersportler-Niveau
  2. Technische Daten
  3. Unser Fazit

400 PS, Fünfzylinder-Turbo, Allradantrieb und ein interessantes Leistungsgewicht – was will man mehr? Und das Audi TT RS Coupé ist extrem kurvengierig. Wir haben es getestet.

Kaum zu glauben, dass es Zeiten gab, in denen der Fünfzylinder bei Audi fast zum Abschuss freigegeben worden wäre. Der Grund: zu teuer, im Einbaumaß zu lang beziehungsweise zu breit und in Sachen Laufkultur dem Sechszylinder zwangsläufig untergeordnet. Was wäre uns entgangen, wenn es tatsächlich so gekommen wäre? Das Artensterben hätte sich noch mehr beschleunigt. So steht zu vermuten, dass im Fall der Beendigung des Fünfzylinder-Kapitels auch dem exotischen Zehnzylinder das Licht ausgeblasen worden wäre. Als rührige Retterin der vom Aussterben bedrohten Arten gibt die quattro GmbH solch Seltenheiten wie dem Fünfzylindermotor aber nicht nur eine liebevolle Heimstatt. Sie schickt ihn – vom Genpool des Hauses befruchtet – nun sogar komplett erneuert in eine Schlacht, die heute mehrheitlich von schlanken, kriegerischen Vierzylindern beherrscht wird und noch immer nicht ausgefochten ist. Die Konkurrenz ist hart und unnachgiebig. Aber das wird dem neu in Szene gesetzten, nichtsdestotrotz mit hohem Wiedererkennungswert antretenden Audi TT RS Coupé in seiner Angriffshaltung kaum bremsen können. Mit 400 PS unter der Haube hat es seine wichtigsten Rivalen Porsche Cayman S, Mercedes-AMG A 45, Ford Focus RS und BMW M2 zumindest nominell gut im Griff. Allein in puncto Sprintvermögen – von uns gemessene 3,5 s von null auf Tempo 100 km/h - wird ihm so schnell keiner das Wasser reichen können. Das akzeptable Gewicht von vollgetankt 1474 Kilo, der vor Tatendrang sprühende, nun ganz aus Aluminium gefertigte Turbomotor, das extrem schnell schaltende Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe und der stets im Angriffsmodus befindliche, serienmäßige Allradantrieb bieten umfassend Gewähr dafür, dass von gegnerischer Seite wenig Gefahr droht.

Der Audi TT RS im Video:

 
 

Test: Audi TT RS auf Supersportler-Niveau

Auch der Beschleunigungswert auf Tempo 200 lässt tief blicken: Mit gerade einmal 12,7 Sekunden ist das nur knapp über vier Meter lange, trotz der scharfen Linien und Schmisse aber noch immer etwas knubbelig daherkommende Coupé fast auf Supersportwagen-Niveau unterwegs. Mit einer Spitze von 280 km/h dürfte es auch nur wenig Anlass zu ernsthaften Frustrationen geben. Dass die Besonderheit des vorn quer eingebauten, neu entwickelten Fünfzylinders bei jeder sich bietenden Gelegenheit in besonderer Weise herausgestellt wird – etwa im unvergleichlichen Klang und auch beim Blick unter die Motorhaube –, lässt sich nicht verdenken. Zuweilen aber, beispielsweise beim Kaltstart oder in einem eher lärmsensiblen Umfeld, hört der Spaß auf. Mit grundsätzlich unterhaltsamem Bollern, Fauchen und Zischen macht der Audi akustisch permanent auf sich aufmerksam. Das reduziert zuweilen die Freude, die der mit zwei großen, ovalen Auspuffendstücken trompetende Allradler generiert. Das muss nicht sein. Entspräche die im Fahrmodus-Schalter am Lenkrad hinterlegte "Comfort"-Einstellung tatsächlich den Gepflogenheiten, die man mit dieser Überschrift verbindet, dann wäre alles in Butter. Das gilt in besonderem Maß auch für das Federungs- und Abrollverhalten, das der Besatzung selbst in besagter Komfort-Einstellung echte Nehmerqualitäten abverlangt. Wo Komfort draufsteht, sollte in Sachen Motor-Mapping sowie hinsichtlich der Feder/Dämpferkennlinien auch Komfort hinterlegt sein. So gesehen kann man nur den unter "Dynamic" abgelegten Modus als praxisgerecht bezeichnen.

Fahrbericht Neuer Audi TT RS (2016)
Neuer Audi TT RS: Erste Fahrt  

Regenritt im Audi TT RS

Der Audi TT RS als kurvengieriger Sportler

Äußerst straff, ungemein direkt und mit wenig Seitenneigung durchmisst der TT RS im Sport-Modus jedes sich anbietende Geläuf wie ein bis in die letzten Muskelfasern hinein austrainierter Leistungssportler. Die damit verbundene partielle Nervosität im Fahrverhalten kommt nicht von ungefähr. Der vergleichsweise kurze Radstand von 2505 Millimetern und die äußerst straff arbeitenden Federelemente vereiteln besonders auf unebener Strecke den Wunsch, das eigene Zutun beim Fahren auf ein Minimum zu beschränken – was in einem Sportwagen auch etwas abwegig erscheint. Der extrem kurvengierige TT RS ist damit das krasse Gegenteil von einem selbstfahrenden Auto. Der schon durch die prägnante Optik vermittelte sportliche Ehrgeiz drückt sich in einer Vielzahl von Talenten aus: Die hohe Agilität und die sicherheitsorientierte Neutralität im Grenzbereich der Fahrphysik verlieren erst dann an Überzeugungskraft, wenn die Reifen ihren Leistungszenit, etwa durch eine zu hohe Betriebstemperatur, überschritten haben. Die etwas frontlastige Gewichtsverteilung bleibt dann nicht unbemerkt. Der Geradeauslauf ist sicher auch dank wirkungsvoller aerodynamischer Komponenten – siehe Frontsplitter und starrer Heckflügel – soweit beruhigt, dass das Aufsuchen hoher Geschwindigkeitsbereiche ohne nasse Handflächen möglich ist. Bei alldem ist der TT RS kein Hort der Ruhe: Die lauten Fahrgeräusche sind nicht wegzudiskutieren. Und neben dem kernigen Abrollverhalten ist es das Doppelkupplungsgetriebe, das sich im Automatik-Modus durch sehr nervöse Gangwechsel etwas zu auffällig in Szene setzt. Dabei wäre angesichts des zwar leicht verzögert einsetzenden, aber bärigen Drehmoments des Fünfzylinders eine so engagierte Einflussnahme seitens des Getriebes gar nicht nötig. Wen es stört, der schiebt den Gangwählhebel in die manuelle Gasse und sortiert die Gänge per Schaltwippen am Lenkrad nach eigenem Gusto. Was jetzt an Glückshormonen ausgeschüttet wird, lässt kein Gemüt ungerührt. Das Spratzeln und Auspuff-Knallen beim Herunterschalten gehört nun genauso selbstverständlich zum Schaulauf wie das Bellen und Schnauben, wenn es darum geht, dem Wesen des Fünfzylinder-Turbos bei hohen Drehzahlen auf den Grund zu gehen. Dessen Ursprünge gehen schließlich auf den legendären Rallye-Boliden S1 zurück. Schneller zu sein als die anderen ist im TT RS keine Frage des Materials. Es hängt eher von der Chuzpe des Fahrers ab. Sich im "kleinen" TT RS den Großen des Fachs zu stellen, dazu bedarf es eines großen Herzens. Und als schöner Nebeneffekt auch eines nicht ganz so prall gefüllten Geldbeutels.

 

Technische Daten

Audi TT RS Coupé
Motor5-Zylinder, 4-Ventiler, Turbo
Hubraum2480 ccm
Leistung400 PS
Max. Drehmoment480 Nm
Getriebe7-Gang, Doppelkupplung
AntriebAllrad, permanent
L/B/H in mm4191/1832/1344
Leergewicht1474 kg
Kofferraum305 - 712 l
0-100 km/h3,5 s
Höchstgeschwindigkeit280 km/h
Verbrauch12,0 l S/100 km
Grundpreis66.400 Euro
 

Unser Fazit

Der TT RS belebt die Sinne, manövriert sich permanent in den Vordergrund und zieht die Blicke auf sich. Man könnte sagen: Mission erfüllt. Der kompakte Supersportler wird seinem Namen in der Praxis also mehr als gerecht. Man fühlt sich im direkten Einfluss des Fünfzylinder-Turbos tatsächlich in die Zeiten versetzt, als der legendäre Ahne Audi Sport quattro S1 noch über die Rallye-Pisten brauste. Auf große Rücksichtnahme darf man allerdings nicht hoffen: Der TT RS ist permanent unter Strom, hart gefedert und akustisch auffällig – also nichts für Leisetreter.

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