Audi TT 2.0 TFSI quattro vs. Peugeot RCZ R: Vergleich der kompakten Sportler Tempo Total

09.12.2014
Inhalt
  1. KAROSSERIE
  2. FAHRKOMFORT
  3. MOTOR/GETRIEBE
  4. FAHRDYNAMIK
  5. UMWELT/KOSTEN
  6. MULTIMEDIA/CONNECTIVITY
  7. FAZIT
  8. Technische Daten & Gesamtbewertung als PDF zum nachlesen

Mit geschärftem Design und einigen Innovationen im Innenraum geht der neue Audi TT an den Start. Doch wie hoch sind seine sportlichen Talente entwickelt? Vergleichstest

Der Audi TT schlug bei seinem Debüt im Jahr 1998 ein wie eine Bombe. Das außergewöhnliche Design, das bildschöne Cockpit und die sportlichen Fahreigenschaften ließen seine Fangemeinde schnell riesengroß werden. Und auch die zweite Generation, die im Jahr 2006 auf den Markt kam, entwickelte  sich vom Start weg zum Liebling sportlich ambitionierter Audi-Enthusiasten und verkaufte sich bis zum Produktionsende sehr gut.

Die nun lancierte dritte Generation setzt abermals auf ein unverwechselbares, in vielen Details nachgeschärftes Äußeres. Dazu  beinhaltet der Sportler ein innovatives Interieur mit komplett digitaler Instrumentierung und überarbeitetem Bedienkonzept. Ob das reicht, um sich abermals eine Top-Platzierung im Segment der kompakten Sportwagen zu sichern?

Im Vergleichstest muss der 230 PS starke Audi TT 2.0 TFSI quattro seine Fähigkeiten gegen den Peugeot RCZ R unter Beweis stellen. Der durchgestylte Zweitürer gilt als die französische Antwort auf den TT und wirft seinerseits einen 270 PS starken Turbobenziner in die Waagschale. Damit ist er der stärkste Serien-Peugeot aller Zeiten. Eine harte Nuss also, die es für den neuen Audi TT zu knacken gilt.

 

KAROSSERIE

Sportlich tiefe Sitzposition, maßanzugartiges Raumgefühl, Reduktion auf das Wesentliche: Im Innenraum des neuen Audi TT herrscht ein sportlich intimes Flair. Das aufgeräumte Cockpit ist nicht nur aufgrund der edlen Materialien und der makellosen Verarbeitung mitsamt satt rastender Regler sowie großzügig verarbeitetem Aluminium ein Highlight. Anstelle der weitgehend üblichen Kombination aus analogen Instrumenten und einem dazwischenliegenden Display setzt Audi bei seinem Kompaktsportler als Kombiinstrument auf einen großen, exiblen Monitor, der sämtliche Informationen bündelt.

Bei Bedarf lassen sich der standardmäßig eingeblendete Drehzahlmesser und der Tachometer per Tastendruck am Lenkrad verkleinern, um anderen Informationen, beispielsweise der Kartendarstellung des Navigationssystems, mehr  Platz  einzuräumen. Letzteres kann gerade in Städten mit zahlreichen, dicht beieinander liegenden Straßen und Kreuzungen das Navigieren erleichtern.

Auch das überarbeitete MMI-Bediensystem erweist sich als guter Fortschritt – wenngleich selbst Audi-Kenner zunächst etwas Eingewöhnungszeit benötigen dürften, um sich mit den abgeänderten Menüstrukturen und Tastenbelegungen vertraut zu machen. Wenn diese kurze Lernphase  einmal überstanden ist, gibt die Bedienung keine Rätsel auf. Ebenfalls sehr gut: Fast sämtliche Funktionen lassen sich über das Lenkrad bedienen, dessen kantiger Kranz allerdings Geschmackssache ist. Eine weitere Neuerung ist die Steuerung der Klimatisierung. Lüftungs- und Temperaturregler sitzen nun direkt in den Luftausströmern.

Der gleichfalls recht sportlich designte, zumindest vorn recht geräumige Peugeot-Innenraum hat ein Cockpit der alten Schule mit ausfahrbarem Bildschirm, zahlreichen Tasten auf dem Armaturenträger und klassischen Rundinstrumenten. Die Verarbeitung und die Materialanmutung sind weitgehend gut. Einziger Ausreißer: die klobigen Bediensatelliten für den Tempomaten und die Radio-/Telefon-Bedienung aus billigem und unsauber entgratetem Kunststoff, die zu allem Überfluss komplett unsichtbar hinter dem Lenkrad verborgen sind.

Überhaupt ist die Bedienung wegen der komplizierteren Menüführung deutlich schwieriger als im Audi. Eine Gemeinsamkeit der beiden flachen Sportcoupés: Das Platzangebot im Fond reicht allenfalls zur Unterbringung kleinerer Kinder. Am sinnvollsten nutzt man die hinteren Notsitze zum Aufstocken des Ladevolumens, das beim Audi standardmäßig 305 und beim Peugeot 321 Liter beträgt.

 

FAHRKOMFORT

Der Audi TT bestreitet diesen Vergleichstest mit einem S-line-Sportfahrwerk (Aufpreis: 565 Euro), das über konventionelle, sprich: nicht einstellbare Feder-/Dämpfer-Elemente verfügt. Damit ist der Ingolstädter ein straffer Geselle, ohne allerdings übertrieben hart zu sein. So überspielt der TT kleinere Fahrbahnunebenheiten kompetent – trotz 19 Zoll großer Räder mit Niederquerschnittsbereifung. Erst bei gröberen Straßenschäden dringen Stöße in die Karosserie, die sich anschließend jedoch umgehend wieder beruhigt.

Wer indes die Strapazierfähigkeit seiner Bandscheiben einmal genauer ausloten möchte, sollte sich eine Ausfahrt mit dem RCZ R auf schlechten Straßen gönnen. Mit beinahe unnachgiebiger Härte stolpert der Peugeot über Schlaglöcher, Kanten und Querfugen. Und selbst auf vermeintlich guten Strecken ist die Karosserie des Franzosen stets in Bewegung.

Immerhin verfügt der Gallier über sehr bequeme, wenngleich zu hoch montierte Sitze. Sie glänzen durch eine angenehme Polsterung und stützen den Körper seitlich wirkungsvoll ab. Eine unangenehme Eigenart unseres Testwagens: Ab etwa 200 km/h löste sich die Seitenscheibe auf der Fahrerseite leicht von der Dichtung, was für eine immense Geräuschentwicklung im Innenraum sorgte.

 

MOTOR/GETRIEBE

Der 2,0 Liter große TFSI mit 230 PS ist derzeit die Einstiegsmotorisierung unter den Benziner-Varianten des neuen Audi TT. Die Performance, die der 1,4 Tonnen schwere Sportler an den Tag legt, ist für die ausgewiesene Leistung beeindruckend. In nur 5,4 Sekunden schießt der Allradler aus dem Stand auf 100 km/h – begünstigt durch das sehr schnell schaltende Doppelkupplungsgetriebe.

Dazu begeistert das Triebwerk durch eine ungemein spontane Gasannahme und eine ausgeprägte Drehfreude. Sein von Natur aus zurückhaltender Klang gewinnt durch eine entsprechende Konfiguration im Drive-Select-Menü an Dramatik. Begleitet von einem kernigen Knurren geht der aufgeladene Vierzylinder dann seiner Arbeit nach. Dennoch geht die inof zielle Klangwertung an den Peugeot.

Sein nur 1,6 Liter großer Turbo-Vierzylinder schlägt in allen Lebenslagen herrlich rotzige Töne an. Trotz einer Mehrleistung von 40 PS hat der Fronttriebler bei der Beschleunigung das Nachsehen gegen den bayerischen Kontrahenten. Die 100-km/h-Marke durchbricht der RCZ R erst nach 5,9 Sekunden und damit eine halbe Sekunde später, was in erster Linie an seiner mäßigen Traktion liegt.

Erst ab höheren Geschwindigkeiten kann er seinen Leistungsvorsprung ausspielen. Ansonsten überzeigt der Peugeot mit seinem bärigen Antritt aus dem Drehzahlkeller und der hoch entwickelten Drehfreude. Weniger gefällt dagegen die schwergängige, nicht sonderlich exakte Schaltung. Und auch die Gasannahme erfolgt nicht ganz so spontan wie beim Audi. Dafür geht der Franzose sparsamer mit dem Kraftstoff um. 8,9 Liter benötigt er durchschnittlich je 100 Kilometer, während der TT für dieselbe Strecke 10,4 Liter braucht.

 

FAHRDYNAMIK

Das Fahrdynamik-Kapitel entscheidet der neue Audi TT mit riesigem Vorsprung für sich – was allerdings nicht an der Rundenzeit auf der Rennstrecke liegt. Hier ist der kompromisslose RCZ R eine glatte Sekunde schneller. Dafür durcheilt der TT den Slalomparcours mit höherem Tempo. Seine ausgeprägte Neutralität, die zielgenaue wie rückmeldungsfreudige Lenkung und das spontane Einlenkverhalten kommen dem Ingolstädter in dieser Disziplin eindeutig zugute.

Zudem flößt der Audi seinem Fahrer auch wegen des Allradantriebs und der damit verbundenen hervorragenden Traktion bereits auf den ersten Metern viel Vertrauen ein. Unvorhersehbare Lastwechselreaktionen gehören selbst bei deaktiviertem ESP (bei Audi ESC genannt) schlichtweg nicht zu seinem Wesen. Dies vereinfacht das Herantasten an den Grenzbereich ungemein. Einen weiteren Anteil am großen Punktevorsprung auf den Peugeot hat die standfeste Bremsanlage. Ein Kaltbremswert von 32,8 Metern ist eine echte Ansage, und bei warmer Anlage verringert sich der Bremsweg sogar noch etwas.

Seine harte Fahrwerksabstimmung hilft dem Peugeot RCZ R indes auf der Rennstrecke. Ohne nennenswerte Seitenneigung durchpfeilt er schnelle sowie enge Kurven. Die direkte und gefühlvolle Lenkung erleichtert das Anpeilen der Kehren maßgeblich. Allerdings hat sie mit massiven Antriebsein üssen zu kämpfen.

Eine weitere Eigenart des Peugeot: Lastwechsel quittiert er bei ausgeschaltetem ESP teilweise mit starkem Übersteuern, das mit schnellem Gegenlenken pariert werden will, um einen Dreher zu vermeiden. Die Bremsleistung geht mit 34,2 Metern im kalten wie warmen Aggregatzustand gleichermaßen für sich genommen in Ordnung, an die fabelhaften Werte des Audi kommt der Peugeot damit allerdings nicht heran.

 

UMWELT/KOSTEN

Auf den ersten Blick wirkt der RCZ R deutlich teurer als der TT, dessen Grundpreis 2600 Euro unter dem des Franzosen liegt. Allerdings ist der Peugeot bereits in der Basis nahezu komplett ausgestattet. Dass er das Kostenkapitel trotzdem knapp verliert, liegt an den höheren Werkstattkosten.

Die Optionsliste des Audi ist ungleich länger als die des Peugeot, beinhaltet aber auch zahlreiche Dinge, die für den Franzosen nicht erhältlich sind. Dies betrifft Komfortmerkmale wie die adaptive Fahrwerksregelung oder auch Assistenzsysteme, etwa ein Toter-Winkel-Warner, die für den RCZ R nicht verfügbar sind.

 

MULTIMEDIA/CONNECTIVITY

Audi TT: zahlreiche Online-Funktionen
Die neue MMI-Bedieneinheit im TT präsentiert sich überaus kompakt. Der Dreh-/Drücksteller verfügt über eine berührungssensitive Oberfläche, Auf ihr können Buchstaben zur Adresseingabe oder zum Suchen ausgewählter Musikstücke mit dem Finger geschrieben werden. Das System erkennt diese schnell und treffsicher. Überhaupt überzeugt das System mit einer hohen Rechengeschwindigkeit. Online-Funktionen sind über ein integriertes Datenmodul mit zusätzlicher SIM-Karte  abrufbar. Im  Audi-connect-Paket enthalten sind nützliche Features wie Parkplatzinfos sowie der Zugriff auf die sozialen Netzwerke Facebook und Twitter. Einen Browser zum Surfen im Internet gibt es aber nicht.
Bewertung: 2,5

Peugeot RCZ R: In die Jahre gekommen
Der RCZ R verfügt serienmäßig über ein Navigationssystem. Die integrierte Audio-Anlage ist MP3-fähig und mit einem Tuner ausgestattet. Eine Bluetooth-Freisprecheinrichtung inklusive kabellosen Musikstreaming und ein USB-Anschluss sind ebenfalls Serie. Einen aktuellen iPod-Nano erkannte das System allerdings nicht. Für einen Aufpreis von 1140 Euro gibt es das Navigationssystem WIP Com 3D, das unter anderem eine 10-GB-Festplatte und eine 3D-Kartendarstellung beinhaltet. Online-Funktionen oder Digitalradio sind nicht erhältlich. Die Bedienung über zahlreiche Tasten und den zentral im Armaturenträger untergebrachten Dreh-/Drücksteller ist etwas knifflig.
Bewertung: 3,5

SO TESTET DIE AUTO ZEITUNG

Die Elastizität messen wir ausschließlich bei handgeschalteten Fahrzeugen, da die meisten Doppelkupplungs- oder Automatik-Getriebe unter Volllast selbstständig zurückschalten

 

FAZIT

Der neue Audi TT 2.0 TFSI quattro entscheidet den Vergleichstest gegen den stärkeren Peugeot Peugeot RCZ R mit deutlichem Vorsprung für sich. Der Ingolstädter ist sehr dynamisch, ohne im Alltag allzu große Kompromisse einzufordern und begeistert Technik-Fans durch seinen innovativen Innenraum. Außerdem setzt der TT in seinem Wettbewerbsumfeld einmal mehr Maßstäbe, was die Material- und Verarbeitungsgüte angeht.

Mit dem RCZ R wird hingegen nur glücklich, wer bereit ist, für eine gute Rennstreckenperformance ein gewisses Maß an Alltagskomfort zu opfern. Außerdem ist er in Sachen Assistenzsysteme und Konnektivität nicht auf dem neuesten Stand.

 

Technische Daten & Gesamtbewertung als PDF zum nachlesen

Marcel Kühler

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