Audi Sport quattro: Fahrbericht, Bilder und technische Daten Es geht voran

09.02.2013

Der agile Audi Sport quattro begeistert mit Leistung und Traktion. Mit ihm geht´s immer mächtig vorwärts. Der Fahrbericht

Der Leichtmetall-Fünfzylinder wummert, der Lader pfeift, die stramme Kupplung packt zu und der Audi Sport quattro schießt nach vorne wie ein Dragster auf glühendem Asphalt - und das auf lockerem Schotter. Wie geht das? Na, 20 Ventile, Turbo, Ladeluftkühler, 306 PS und vor allem: permanenter Allradantrieb, quattro eben. Power in allen Lebenslagen, Traktion auf jedem Untergrund. Der Sport quattro ging mächtig voran.

Mit für die Achtziger-Jahre sensationellen Fahrleistungen, aber auch bei der Technik. Er trieb den vom Ur-Quattro eingeläuteten Trend zum permanenten Allradantrieb auf die Spitze. Er beschleunigt in 4,5 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h, aber er bremst auch wie ein Weltmeister mit seinen innenbelüfteten Scheibenbremsen und Vierkolben-Festsätteln rundum - und wenn’s sein muss, auch mit ABS. Abschaltbar. Gott sei dank. Schließlich ist das hier ein Sportgerät. Eine Allrad-Waffe, geschmiedet für den großen Rallye-Sport.

 

HAUPTSACHE VIEL KÜHLLUFT UND IMMER GENUG TRAKTION

Der Sport quattro sieht schon ein wenig wild aus, selbst ohne die maßlosen Anbauten der finalen Rallye-Version S1. Von vorne geschlitzt, kariert, gelöchert - ein einziger riesiger Kühllufteinlass in Schwarz mit den vier silbernen Ringen darauf. Der Alptraum eines Aerodynamikers. Hinten Doppelauspuff, schwarze Blende, schwarze Rückleuchten. So waren sie, die Eighties. Von der Seite betrachtet, fällt am Sport quattro auf, was genau hier nicht stimmt: die Proportionen. Mächtige Überhänge vorn und hinten, eine seltsam steil stehende Frontscheibe, ein sehr hoher Fahrgastraum und ein auffallend kurzer Radstand verleihen ihm fast das Flair eines Aufziehautos. Sie wissen schon, das sind diese knuffigen kleinen Dinger, die man nach hinten zieht, loslässt und die dann nach vorne schießen, was je nach Untergrund in wilden Drehern oder einem Überschlag endet.

Nicht so beim Sport quattro. Der ist kein Spielzeug, sondern eine Fahrmaschine. Ernst, sehr ernst. Er soll nicht gut aussehen, sondern schnell und sicher fahren. Ästhetik ist zu vernachlässigen. Der Ur-Quattro, auch in seiner Rallye-Ausführung A1, war den professionellen Werksdriftern mit so klangvollen Namen wie Walter Röhrl, Stig Blomqvist oder Hannu Mikkola trotz Traktion ohne Ende zu träge. Die kompakteren Konkurrenten wie der Lancia Delta Integrale oder der Peugeot 205 Turbo 16 fuhren ihnen inzwischen auf den engen Rallye- Pisten um die Ohren. Fünf Zylinder auf der Vorderachse, der lange Radstand, dazu der superbe Allradantrieb - so ein Auto geht prinzipiell toll geradeaus, aber nicht so toll um enge Kurven. Also gingen die Audi-Ingenieure den Quattro mit der ihnen eigenen Gründlichkeit und ohne Rücksicht auf die Kosten an.

Der Fünfzylinder bekam einen Vierventil-Kopf und wurde gleich ganz aus Leichtmetall gefertigt, die Leistung der Straßenversion stieg von 200 auf 306 PS. An der Karosserie wichen Teile aus Stahlblech wie zum Beispiel das Dach, die Kotflügel, die Seitenteile hinten, die Motorhaube sowie die Front- und Heckschürzen solchen aus ultraleichtem Kevlar. A-Säulen und Frontscheibe wurden steil gestellt, der Radstand schrumpfte um rund 30 Zentimeter, das Gewicht um rund 60 Kilo auf unter 1,3 Tonnen. Und warum eigentlich musste es diese Straßenversion, die mit extrem feiner Ausstattung 1985 über 200.000 Mark kostete und damit der mit Abstand teuerste (und für immerhin 19 weitere Jahre der leistungsstärkste) Audi war, überhaupt geben? Weil die internationalen Sportbehörden für die Zulassung gravierender technischer Änderungen den Bau einer Kleinserie von mindestens 200 Straßenautos verlangte. Also zeigte Audi auf der IAA 1983 den kurzen Sport quattro. Das erste Auto wurde im Dezember 1984 ausgeliefert, happige 195.000 Mark teuer. Gleich zum ersten Januar 1985 stieg der Preis auf 203.850 Mark.

Teil 2 und technische Daten

Insgesamt baute Audi Motorsport 220 Autos dieses Typs, für vier weitere wurden alle erforderlichen Einzelteile produziert. 134 Sport quattro waren ursprünglich in Tornadorot lackiert, 48 in Alpinweiß, 21 in Kopenhagenblau, 15 in Malachitgrün und zwei in Schwarz. Rund 170 Autos gingen an Privatkäufer. Im großen Rallye-Sport konnte der kurze Quattro allerdings nicht an die WM-Erfolge seines Vorgängers anknüpfen. Schließlich stammte er immer noch von der Serie ab. Die Wettbewerber hingegen hatten reine Rennautos entwickelt und davon nur mühsam straßenzulassungsfähige Versionen abgeleitet. Trotz der Weiterentwicklung bis an die Grenzen des Reglements, trotz des Einsatzes von 20 Autos mit riesen Flügeln und Spoilern blieb es bei einem einzigen Sieg bei einer WM-Rallye: Walter Röhrl bei der San Remo 1985. Ein Jahr später zog sich Audi aus der Rallye-WM zurück.

 

ERFOLGE AM PIKES PEAK UND BEI DER RALLYECROSS-EM

Der Sport quattro S1 erntete außerhalb der Weltmeisterschaft weiteren Lorbeer: Walter Röhrl gewann mit ihm 1987 das legendäre "Pikes Peak“-Bergrennen in den USA. Jahrelang waren die kurzen Quattros danach noch bei den Sprintrennen der Rallyecross-EM erfolgreich. Manche der Rallye-Autos wurden restauriert und stehen heute in Museen. Aber auch die Straßen-Versionen sieht man kaum noch in freier Wildbahn. Zu wenige gibt es von ihnen, zu lieb und teuer sind sie ihren Besitzern geworden. Zumal diese auf weitere Preissteigerungen hoffen.

Sogar mehr oder weniger seriöse Nachbauten auf Basis des Ur-Quattro gibt es inzwischen, denn einen guten Ur-Quattro kann der Kenner schon für rund 25.000 Euro finden. Den sollte er dann auch einem verdächtig günstigen "Kurzen“ vorziehen. Denn jeder nachempfundene Sport quattro ist ein geschlachteter Ur-Quattro. Schade drum. Das Schönste an einem echten Sport quattro ist nicht das Design, sondern das Fahren. Denn der Kurze ist nicht nur schneller als die Polizei erlaubt, sondern auch sicher und als Youngtimer vollkommen alltagstauglich. Zwei Erwachsene sitzen sehr gut, zwei Kleinkinder hinten akzeptabel. Der Motor klingt wunderbar und produziert nach Überwinden des Turbo-Lochs Schub in allen Drehzahlbereichen. Lenkung, Schaltung und Kupplung sind schwergängig, aber präzise. Die Ausstattung ist üppig, sogar Klima hat er. Man sollte einen haben - wenn nur der Preis nicht wäre.
Wolf-Henning Fanslau

TECHNIK  

Audi Sport quattro
Antrieb 5-Zylinder; vorn längs eingebaut; 4-Ventiler; zwei obenliegende Nockenwellen; Einspritzung und Zündung Bosch-Motronic; Bohrung x Hub: 79,3 x 86,4 mm; Hubraum: 2133 cm³; Verdichtung: 8,0:1; Abgas-Turbolader, Ladeluftkühler; Leistung: 225 kW/306 PS bei 6700/min; max. Drehmoment: 350 Nm bei3 700/min; Fünfgang-Getriebe; permanenter Allradantrieb
Aufbau + Fahrwerk
Stahlblech-Kevlar-Karosserie mit zwei Türen; vorn: Einzelradaufhängung an Dreiecksquerlenkern, Federbeinen, Stabilisator; hinten: Einzelradaufhängung an Dreiecksquerlenkern, Federbeinen, Stabilisator; Zahnstangen-Servolenkung; Bremsen: rundum innenbelüftete Scheiben, ABS; Reifen: 235/45 VR 15, Räder: 9 x 15
Messwerte¹ Beschleunig.: 0 auf 100 km/h in 4,5 s, 0 auf 120 km/h in 6,3 s, 0 auf 200 km/h in 18,4 s; Höchstgeschwindigkeit: 247 km/h
Eckdaten L/B/H: 4160/1803/1345 mm; Radstand: 2225 mm; Spurweite v./h.: 1516/1492 mm; Wendekr.: 10,3 m; Leergewicht: 1298 kg; Zuladung: 352 kg; Tankinhalt: 90 l; elektr. Anlage:12 Volt; Bauzeit: 1984 bis 1985; Stückzahl: 220; Preis (1985): 203.850 Mark
¹ aus AUTO ZEITUNG 18/85

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