Audi S8 vs. Mercedes S 63 AMG & Porsche Panamera Turbo Luxuslimousinen: Das volle Programm

16.10.2015
Inhalt
  1. KAROSSERIE 
  2. FAHRKOMFORT
  3. MOTOR/GETRIEBE
  4. FAHRDYNAMIK
  5. UMWELT/KOSTEN
  6. FAZIT
  7. Technische Daten & Gesamtbewertung als PDF zum nachlesen

Nicht kleckern, klotzen! Audi S8, Mercedes S 63 AMG und Porsche Panamera Turbo gehören in Sachen Luxus und Leistung zum Besten und Stärksten, was es derzeit gibt. Bleiben dennoch Wünsche offen?

Spitzenleistungen von deutlich über 500 PS, gepaart mit überbordendem Luxus – so lautet die Charakterisierung dieser drei Power-Limousinen. Besonders die S-Klasse mit 585 PS starkem AMG-Antrieb und langem Radstand verspricht exorbitante Fahrleistungen sowie einen konkurrenzlosen Komfort an Bord. Auf 84 Seiten bietet die Mercedes-Preisliste so gut wie alles, was das Herz begehrt.

S8 und Panamera Turbo halten ihrerseits mit jeweils 520 PS dagegen und bieten auf gut fünf Meter Länge ebenfalls mehr als genug Platz für entspannte Reisen. Und: Die Preislisten sind nicht minder umfangreich. 54 Seiten benötigt Audi, um alle Optionen abzubilden. Das Porsche-Tabellenwerk umfasst gar 162 Seiten.

 

KAROSSERIE 

S-Klasse mit Platzvorteil dank langem Radstand

Ungeachtet dessen findet sich auf all diesen Seiten aber keine Rückbank mit drei Sitzplätzen – den Panamera gibt es nun mal nicht fünfsitzig. Dafür verwöhnt er mit vier beinahe gleichwertigen Sitzplätzen. Auch im Fond hat er ausgeformte Sportsessel, die genau so groß bemessen sind wie die Sitze von Fahrer und Beifahrer. Hinzu kommt, dass sich der Kofferraum der Fließhecklimousine durch Umklappen der Rücksitze von 432 auf bis zu 1250 Liter Volumen erweitern lässt. So viel Variabilität und Pragmatismus sind einmalig im Luxussegment.

Im Audi-Kofferraum finden 520 Liter Gepäck Platz, eine Durchreiche mit Skisack steigert den Nutzwert. Obwohl die Alu-Karosserie des S8 über zehn Zentimeter länger ist, offeriert der Ingolstädter aber nicht wirklich mehr Beinfreiheit als der Porsche. Doch vorn wie hinten fällt die Ellenbogenfreiheit großzügiger aus, und drei Plätze im Fond sind Standard. Optional verfügt auch der Audi über elektrisch einstellbare Einzelsitze hinten – hält aber dennoch einen zusätzlichen Platz in der Mitte bereit.

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Ähnlich die Konfiguration an Bord der S-Klasse: Da es den Mercedes mit AMG-Motor und Allradantrieb nur in Kombination mit langem Radstand gibt, verwöhnt der Sternenkreuzer mit wahrhaft fürstlichen Platzverhältnissen.Er bietet auf sämtlichen Plätzen die meiste Bewegungsfreiheit und reklamiert mit 510 Liter Volumen zudem den größten Kofferraum für sich, der sich jedoch – wie im Audi – allenfalls um einen optionalen Skisack erweitern lässt. Gegen Aufpreis wartet zudem auch der Mercedes mit einzeln einstellbaren Plätzen im Fond oder sogar einer Einzelbestuhlung mit Liegesitz auf der Beifahrerseite auf.

Damit kann nicht einmal die Lang-Version des Panamera (Executive) aufwarten. Audi hätte im A8 zwar eine vergleichbare Sitzanlage, allerdings nur für die Langversion, die es aber nicht als S8 gibt.

Bei der Sicherheitsausstattung liefern sich die Edelkarossen von Audi und Mercedes einen Schlagabtausch auf höchstem Niveau: Abstandsregelung mit autonomer Vollbremsung, Staufolgefahren, teilautonomes Fahren, Nachtsichtassistent mit Personenerkennung,  Head-up-Display, vorausschauende Crashsensorik, Rundum-Kameras, Seiten-Airbags im Fond … Allerdings werden für die aufwändigen Techniken mitunter auch saftige Aufpreise fällig. Der Porsche fällt hier etwas ab, er verfügt aber ebenfalls über alle wesentlichen Sicherheitstechniken und Assistenzsysteme.

AUDI S8
MERCEDES S 63 AMG 4MATIC PORSCHE PANAMERA TURBO
520 PS 585 PS 520 PS
0-100 km/h in 3,9 s 0-100 km/h in 3,9 s 0-100 km/h in 3,6 s
Allradantrieb Allradantrieb Allradandtrieb
Spitze 250 km/h1 Spitze 300 km/h1 Spitze 305 km/h
14,7 l SP/100 km 14,6 l SP/100 km 14,7 l SP/100 km
Grundpreis: 114.700 Euro 157.675 Euro2 Grundpreis: 148.251 Euro1
1 abgeregelt 1 abgeregelt
2 inkl. AMG Drivers Package
1 inkl. Sport Chrono-Paket mit Overboost

 

FAHRKOMFORT

Top: Sportfahrwerk mit adaptiver Luftfederung

Auch in der Komfortwertung lässt der Panamera seinen Rivalen den Vortritt. Sein Luftfeder-Fahrwerk ist zwar alles andere als ruppig, doch Audi und Mercedes können es noch besser. Der  S8 hadert mit Querfugen, federt im Comfort-Modus aber trotz optionaler 21-Zöller sehr sensibel an. Der harmonisch abgestimmte AMG spielt die Vorzüge seines langen Radstands auf Bodenwellen überzeugend aus.

Hinzu kommt, dass der Porsche mehr Abroll-, Wind- und Motorgeräusche zulässt als seine Mitstreiter, die bei den Phonmessungen extrem gut abschneiden. Der Audi hat wie der Mercedes serienmäßig Verbundglas-Seitenscheiben und setzt zudem ein aktives Noise Cancelling-System (Gegenschall) ein.

Beim Sitzkomfort definiert die S-Klasse das Maß der Dinge. Die optionalen aktiven Multikontursitze des Testwagens umschließen Fahrer und Beifahrer ebenso sanft wie wirksam. Auch im Fond umschmeicheln dick gepolsterte Sitze mit einer veritablen Liegesitz-Einstellung (optional) die Passagiere. Die Audi-Möbel offerieren grundsätzlich dieselbe Funktionalität, sind jedoch straffer.

Neigt man die Rückenlehne im Fond, fährt zugleich die Sitzfläche hoch und vor, wodurch sich eine mäßig bequeme Position mit spürbar reduziertem Knieraum ergibt. Der betont sportive Porsche integriert seine Passagiere bestens und bietet maximalen Seitenhalt. Negativ: mühsamer Einstieg, eingeschränktes Raumgefühl.

 

MOTOR/GETRIEBE

Fahrleistungen und Verbrauch auf einem Level

Angesichts der 65 Mehr-PS steht zu erwarten, dass die AMG-Limousine am schnellsten fährt, aber mutmaßlich den höchsten Verbrauch erzielt. Doch unsere Messungen belegen, dass der über 100 kg leichtere Porsche am flottesten lossprintet. Außerdem liegt seine Spitze mit 305 km/h um volle 55 Sachen über dem abgeregelten Höchstwert des Audi. Das 250-km/h-Limit der S-Klasse kann optional auf 300 angehoben werden.

Anders als es die EU-Werte vermuten lassen, braucht der 2,1 Tonnen schwere Benz im Test aber sogar einen Zehntelliter weniger Sprit als seine Widersacher, die beide 14,7 Liter Super Plus je 100 Kilometer verbrennen – obwohl der Porsche über eine Segelfunktion verfügt und der V8 im Audi sogar zeitweise (und unmerklich) die Hälfte der Zylinder stilllegt.

 

FAHRDYNAMIK

Sportwagen-Performance bietet nur der Porsche

Fordert der Fahrer indes Leistung, brilliert der S8-Antrieb mit spontaner Reaktion und reichlich Schub, der dank Allrad verlustfrei umgesetzt wird. Ferner lenkt der Audi mit einer verblüffenden Bereitwilligkeit ein und wirkt zunächst viel agiler als erwartet. Allerdings wechselt er bei schneller Kurvenfahrt recht überraschend in kräftiges Untersteuern.

Der Mercedes wirkt zwar nie so leichtfüßig, bleibt dafür aber spurstabiler und verzögert auch ohne die optionalen Karbon-Keramik-Stopper gefühlvoller und etwas besser. Doch keiner der beiden kann fahrdynamisch dem Panamera Turbo das Wasser reichen, der den Konkurrenten nach Belieben um die Ohren fährt. Die Lenkung: präzise und gefühlvoll. Die Karbon-Keramik-Bremse: leistungsstark und perfekt dosierbar. Das Fahrwerk: extrem agil, neutral, höchste Reserven. Top.

 

UMWELT/KOSTEN

Gut ein Prozent Wertverlust sind gleich 25.000 Euro

Um es auf den Punkt zu bringen: Die Kostenbilanz spielt in dieser Liga meist nur eine Nebenrolle. Zum horrenden Grundpreis kommen oft noch Extras für mehrere zehntausend Euro. Falls es aber doch um Preiswürdigkeit geht, ist der Audi unschlagbar: Er kostet über 30.000 Euro weniger und ist auch deshalb beim Wertverlust unschlagbar: Nach vier Jahren bzw. 20.000 km verliert er 25.000 Euro weniger als der Mercedes.

Mercedes: Mit Panoramablick
Zu den augenfälligsten Vorzügen des Mercedes-Systems gehört der große Bildschirm, der besonders im Navi-Modus mit großzügigen Kartenansichten überzeugt. Außerdem punktet die Zielführung mit einer verlässlichen Stauprognose, die die Echtzeit-Daten des Dienstes „Livetraffic-Information“ nutzt. Das große Touchpad erlaubt Scrollen per Fingergeste, unvollständige Texteingaben werden ergänzt.

Positiv: Ablesbarkeit: Riesiges Display mit sauberer Auflösung. Gut erreichbar: Touchpad und Controller

Negativ: Menüstruktur: Oft führt die intuitive Suche nur über Umwege zum Ziel, zu viele Zwischeschritte

Audi: Beste Bildqualität
Wie bei Audi allgemein üblich, bietet auch das MMI-System eine hohe (Bild-)Qualität. In der dreidimensional animierten Google-Maps-Darstellung meint man zuweilen, das eigene Auto in der Parklücke zu sehen. Die Navigation erfolgt schnell und präzise. Weniger überzeugend ist hingegen die wechselnde Funktionsbelegung der vier Tasten um den nur mäßig gut erreichbaren zentralen Dreh-/Drücksteller herum.

Positiv: Genauigkeit: Brilliante Kartendarstellung, Touchpad erkennt Eingabe mit hoher Treffsicherheit

Negativ: Ergonomie: Zentraler Controller nicht optimal erreichbar, wechselnde Tasten-Belegung umständlich

Porsche: Touch und Tasten
Dass das System nicht mehr ganz up to date ist, zeigt sich an einer etwas groben Kartendarstellung. außerdem arbeitet die Stauwarnung nicht immer zuverlässig. Ein Vorteil des Systems ist jedoch die sichere Bedienung, die entweder über große Schaltflächen auf dem dezent mattierten Touchscreen oder über mechanische Tasten und Dreh-/Drücksteller in der Mittelkonsole erfolgt, was auch bei höherem Tempo leicht gelingt.

Positiv: Bedienung: Zielsichere Eingabe auch während der (schnellen) Fahrt. Solide, klare Tasten-Mechanik

Negativ: Stauwarnung: Anzeige und Einberechnung von verkehrsstörungen sind nicht immer zuverlässig

 

FAZIT

And the winner is: Porsche . In der Addition seiner Eigenschaften lässt der konkurrenzlos sportliche Panamera Turbo seine Wettbewerber klar hinter sich. Sein überragender Antrieb und die ausgeprägte Fahrdynamik kompensieren die Nachteile im Karosserie- und im Komfort-Kapitel. Nicht einmal die immensen Kosten können seinen Sieg gefährden.

Den zweiten Rang holt die Mercedes S-Klasse, die ihrerseits eine beachtliche Dynamik an den Tag legt und bei der Komfort-Wertung  triumphiert.

Der Audi sichert sich zwar das Karosserie-Kapitel und setzt sich in der Kostenbilanz deutlich von seinen Widersachern ab, doch das genügt am Ende nicht, um gegen die starke Konkurrenz zu  bestehen. Für sich betrachtet ist aber auch der S8 ein echtes Highlight im Luxus-Segment.

 

Technische Daten & Gesamtbewertung als PDF zum nachlesen

Martin Urbanke

Tags:
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