Audi S6 Asphalt-Attacke

Zehn Zylinder blasen im Audi S6 zum Angriff auf Luft- und Rollwiderstand und bieten in der recht bürgerlichen Limousine eine neue Erlebnis-Dimension

Eckdaten
PS-kW435 PS (320 kW)
AntriebAllradantrieb, permanent, 6 Gang Automatik
0-100 km/h5.7 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit250 km/h
Preis79.800,00€

Im Überfluss freiwillig Bescheidenheit zu üben, gilt heutzutage wieder als ehrbare Tugend. Derlei Askese hat im Umgang mit Audis neuem Flaggschiff der A6-Baureihe entscheidende Vorteile: Wer im S6 die 435 PS mit Umsicht vom Zügel lässt, hat höhere Chancen, in Flensburg unbekannt zu bleiben. Zugleich ist die Zurückhaltung hier quasi Suchtprävention. Denn zweifellos ist das Wesen des 435-PS-Aggregats geeignet, die Abhängigkeit vom Leistungskick zu fördern. Sehr bissig reagiert es auf Gaspedalbefehle, beim Kickdown scheint die Drehzahlmessernadel wie von einem Magneten an die 7000 /min-Grenze gezogen zu werden. Der Weg dorthin wird aus den Tiefen des 5,2 Liter großen Hubraums zunächst von einem kehligen Röcheln begleitet, dass sich mit zunehmender Drehzahl in ein furios hämmerndes Stakkato wandelt. Der basslastige Klang massiert das Zwerchfell aufs Angenehmste, bevor die Sechstufen-Automatik die Fahrstufe wechselt und das ganze Spektakel von neuem beginnt. Auf diese Weise wird Landstraßentempo 100 nach 5,7 Sekunden erreicht, die 200er-Marke fällt nach 18,7 Sekunden, und erst bei 250 km/h wird der Spaß elektronisch eingebremst. Apropos: Die 18-Zoll-Anlage sorgt dafür, dass der Audi-Athlet selbst mit heißer Bremse nach nur 35,2 Metern aus 100 km/h zum Stehen kommt. Aber der S6 kann auch anders. Dahinbummeln zum Beispiel und auf der bis zu 540 Newtonmeter messenden Drehmomentwoge gleiten. Das maximale Drehmoment liegt von 3000 /min bis 4000 /min an. Zwischen 2500 /min und 5500 /min stehen stets mehr als 500 Nm zur Verfügung. Für diesen Unterhaltungswert wird an der Zapfsäule Vergnügungssteuer fällig, denn ein Testverbrauch von 17,9 Liter Super Plus erinnert der Benzin-Direkteinspritzung zum Trotz daran, dass hier in zehn Brennräumen Kraftstoff-Luftgemische detonieren und dass eine 1985 Kilo schwere Karosserie kräftigen Roll- und Luftwiderstand überwinden muss. Dennoch vermittelt der S6 das Gefühl, derlei Fahrwiderstände einfach zu eliminieren. Im Zielkonflikt zwischen der Fahrstabilität einer Hochleistungslimousine und den Komfortansprüchen der Oberklasse haben sich die Audi-Entwickler spürbar für die Fahrstabilität entschieden. So hat der S6 dank seines permanenten Allradantriebs stets optimale Traktion und einen sehr guten Geradeauslauf, auch bei Höchstgeschwindigkeit. Auf kurvigen Landstraßen sind Tempi weit jenseits dessen möglich, was mit der Straßenverkehrsordnung vereinbar wäre. Von den 1.200 Kilo, die auf der Vorderachse lasten, lässt das agile Einlenkverhalten relativ wenig spüren. Dennoch würde der zielgenauen, leichtgängigen Lenkung eine Spur mehr Rückmeldung gut tun. Im Grenzbereich tendiert der S6 zu leichtem Untersteuern, bevor das ESP sanft eingreift. Per Gaslupfen lässt sich das Heck zum Eindrehen veranlassen. Bei abgeschaltetem ESP funktioniert dies auch beim Gasgeben. Verantwortlich hierfür ist die Kraftverteilung durch das Torsen-Differenzial, das bei optimalen Bedingungen 60 Prozent des Antriebsmoments an die Hinterachse und 40 Prozent an die Vorderachse leitet, was ein leichtes Übersteuern ermöglicht. Unabhängig von den Fahrsituationen: Stets fühlen sich die Passagiere in den serienmäßigen Sportsitzen gut aufgehoben. Die Kehrseite der Fahrdynamik-Medaille zeigt sich im mäßigen Komfort des Sportfahrwerks. Zwar sprechen die Federelemente bei Autobahntempi etwa sensibel auf Straßenfugen an, doch vor allem kurze Bodenwellen werden ungefiltert weitergeleitet und regen die Karosserie zu permanenten Vertikalschwingungen an. Auf holprigen Landstraßen teilt der S6 dann schon mal kräftige Schläge aus. Insofern wirken seine Komfort-Talente wenig ausgewogen. Immerhin bleibt die perfekt verarbeitete Karosserie dabei frei von Knister- und Klappergeräuschen. 79.800 Euro kostet der serienmäßig unter anderem mit CD-Wechsler, Klimaautomatik, Alarmanlage und LED-Tagfahrleuchten in der Frontschürze ausgestattete S6, von den horrenden Kraftstoff- und Versicherungskosten ganz zu schweigen. Dennoch: Gegenüber der Konkurrenz ist der Audi S6 fast günstig. Ein BMW M5, ebenfalls zehnzylindrig, aber 507 PS stark und heckgetrieben, kostet 8.800 Euro mehr. Allerdings dürfte der Preis bei der Kaufentscheidung für oder gegen einen S6 wohl nicht das Hauptargument für die Oberklasse-Kundschaft sein.

Fazit

Mit dem neuen S6 hat Audi eine Hochleistungslimousine auf die Räder gestellt, die auf Understatement setzt. Optisch dezent aufgewertet, besticht der S6 mit inneren Werten. Antrieb und Fahrdynamik liegen auf Sportwagen-Niveau, nicht zuletzt dank des Allradantriebs. Zwar sind Komfortabstriche bei derart motorisierten Limousinen unvermeidbar, jedoch würde dem stärksten A6 mehr Ausgewogenheit beim Federungskomfort gut tun

Technische Daten
Motor 
ZylinderV10
Hubraum5204
Leistung
kW/PS
1/Min

320/435
6800 U/min
Max. Drehmom. (Nm)
bei 1/Min
540
3000 U/min
Kraftübertragung 
Getriebe6 Gang Automatik
AntriebAllradantrieb, permanent
Fahrwerk 
Bremsenv: innenbel. Scheiben
h: innenbel. Scheiben
Bereifungv: 265/35 ZR 19
h: 265/35 ZR 19
Messwerte
Gewichte (kg) 
Leergewicht (Werk)1910
Beschleunigung/Zwischenspurt 
0-100 km/h (s)5.7
Höchstgeschwindigkeit (km/h)250
Verbrauch 
Testverbrauchk.A.
EU-Verbrauch13.4l/100km (Super Plus)
Reichweitek.A.
Abgas-Emissionen 
Kohlendioxid CO2 (g/km)k.A.

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