Sportcoupé-Test 2013: Audi RS5 gegen Mercedes C 63 AMG Edition 507 Große Herzen

05.07.2013
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Hubraumstarke Saugmotoren sind vielleicht bald Geschichte. Doch bevor es so weit ist, bitten wir Audi RS5 Coupé und Mercedes C 63 AMG Coupé als Edition 507 noch einmal zum Test

Europas Hersteller setzen auf Kleinformate – zumindest beim Motorenbau. Im Kampf um möglichst geringe Verbräuche schwinden Zylinder und werden Hubräume verkleinert. Das dadurch entstehende Leistungsdefizit gleichen Turbolader und Kompressoren aus. Zwei der letzten ihrer Art mit großvolumigen Saugmotoren heißen Audi RS5 Coupé und Mercedes C 63 AMG Coupé, in diesem Test als Edition 507 mit Leistungssteigerung ab Werk. Lässt der Schwabe dem 57 PS schwächeren Bayern genug Luft zum Atmen?

 

Karosserie

In diesem Preissegment sind Materialqualität und Verarbeitung top. Auch das Angebot an Assistenten hat fast alles, was aktuell technisch möglich ist. Seiten air bags hinten, Tempolimit-Scanner und eine Reifendruckanzeige bietet nur der Mercedes, dafür ist der Audi ab Werk mit Xenon-Scheinwerfern ausgestattet.

Gepäckabteile und Zuladung beider Coupés taugen auch für Reisen zu zweit (rund 450 Liter Volumen bzw. rund 400 kg), genau wie das Raumangebot auf den vorderen Plätzen. Zwar bietet der RS5 hier etwas mehr Ellenbogenfreiheit, C 63-Fahrern bleibt dafür mehr Raum überm Scheitel. Die Einzelsitze im Daimler-Fond taugen übrigens nicht nur für Kinder – Isofix-Befestigungen sind Serie –, auch Erwachsene mit Durchschnittsstatur haben ausreichend Platz. Lediglich die Kopffreiheit ist auf der Rückbank eingeschränkt – wie auch im seitlich etwas weiter geschnittenen RS5-Fond.

KarosserieMax. PunkteAudi RS5 CoupéMercedes C 63 AMG Coupé Edition 507
Raumangebot vorn1007272
Raumangebot hinten1002730
Übersichtlichkeit703740
Bedienung/ Funktion1008587
Kofferraumvolumen1003635
Variabilität1001916
Zuladung/ Anhängelast801818
Sicherheit1508084
Qualität/ Verarbeitung200189189
Kapitelbewertung1000563571

 

Fahrkomfort

2800 Euro kosten die etwas zu eng geschnittenen RS-Schalensitze im Audi, inklusive einstellbarer Seitenwangen im Oberschenkel- und Taillenbereich. Und die nach hinten geneigte, integrierte Kopfstütze erfüllt ihren Sinn nur, wenn man einen Helm trägt – bei aufrechter Sitzposition bleibt zwischen Kopf und Lehne zu viel Platz. Die Serienstühle im Mercedes bieten ebenfalls hervorragenden Seitenhalt, dazu aber auch Reisekomfort. Hinten sitzt man im Daimler ebenfalls bequemer – mit guter Konturierung und großer Beinauflage.

Die gemessenen Innengeräusche sowie der subjektive Eindruck sprechen für den Audi, dessen Motor – außer im Sport-Modus – zurückhaltend schnurrt. Nervig ist der permanent präsente Achtzylinder-Klang des C 63 allerdings nicht. Im Gegensatz zur Hinterachsabstimmung des 1142 Euro teuren AMG-Performance-Fahrwerks. Das funktioniert auf dem Rundkurs hervorragend, im Alltag allerdings ist die Karosserie ständig in Bewegung. Bereits mehrere aufeinander folgende Teernähte versetzen den Edition 507 in eine ständige Wippbewegung. Nicht erst auf den Buckelpisten der definierten Komfort-Teststrecke federt die Hinterachse so stark aus, dass die Karosserie manchmal in starke Vertikalbewegungen gerät. Schon auf der Autobahn springt die Antriebsachse mehr über Hindernisse, als sie zu schlucken und zu verdauen. Entspanntes Reisen geht anders. Immerhin: Auch voll beladen haben die Feder-Dämpfer-Elemente noch genügend Reserven – genau wie im Audi RS5.

Der Allradler ist zwar sportlichstraff abgestimmt, mit den adapti ven Dämpfern (1950 Euro) aber genau das Gegenteil vom C 63. In der Komfort-Stufe bügeln Federn und Dämpfer beinahe jede Unebenheit gekonnt aus, von der leichten Unebenheit bis zum schlecht eingepassten Gullydeckel – mit maximaler Beladung an Bord sogar noch eine Spur geschmeidiger. Mit dieser Konfiguration taugt der RS5 nicht nur als gemütlicher Cruiser – auch bei hohem Autobahntempo liegt er satt und sicher. Einen so souveränen Federungskomfort zeigten in der Vergangenheit nicht alle RS5-Testwagen.

FahrkomfortMax. PunkteAudi RS5 CoupéMercedes C 63 AMG Coupé Edition 507
Sitzkomfort vorn150132136
Sitzkomfort hinten1002830
Ergonomie150132128
Innengeräusche503324
Geräuscheindruck1006055
Klimatisierung504041
Federung leer200121110
Federung beladen200123112
Kapitelbewertung1000669636

 

Motor und Getriebe

Erst mal ein Lob an die Sound-Designer aus Affalterbach: Wie ein AMG klingt sonst keiner, und die bassige Klanggewalt ist extrem. Doch der M 156 genannte 6,2 Liter große V8 kann nicht nur große Töne spucken, sondern hat auch Muskeln. 507 Pferdestärken entwickelt das Saug-Aggregat mit Schmiedekolben, Pleuel und Kurbelwelle aus dem Supersportler SLS – macht minus drei Kilo. In 4,3 Sekunden sprintet das Coupé auf Tempo 100, nach 13,4 Sekunden zeigt das Messgerät 200 km/h an, und erst bei 280 schiebt die Elektronik den Riegel vor. Auf dem Weg dorthin begeistert das automatische Speedshift MCT genannte Getriebe mit schnellen Schaltzeiten.

Noch einen Tick flotter arbeitet das Doppelkupplungsgetriebe im Audi RS5: Die Cabrio-Version im Fahrbericht, und Gangwechsel werden von dumpfem Endrohr-Schnalzen begleitet – besonders beeindruckend im Sport-Modus mit geöffnetem Klappenauspuff. Im Test verfehlt das Coupé die Werksangabe um drei Zehntelsekunden und regelt für 1500 Euro extra ebenfalls erst bei 280 km/h ab. Der Audi-V8 mit 4,2 Liter Hubraum sowie Direkteinspritzung läuft ruhig, spricht auf jeden kleinen Gaspedal-Befehl schnell an und dreht ohne Leistungseinbruch bis weit über 8000 Touren hoch. Außerdem braucht der Ingolstädter einen halben Liter weniger Sprit auf 100 Kilometer, als das 2045 Kubikzentimeter größere Aggregat aus der Affalterbacher Motorenschmiede.

Motor und GetriebeMax. PunkteAudi RS5 CoupéMercedes C 63 AMG Coupé Edition 507
Beschleunigung150137140
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit150113113
Getriebeabstufung1009189
Kraftentfaltung504543
Laufkultur1008684
Verbrauch325115106
Reichweite2566
Kapitelbewertung1000593581

 

Fahrdynamik

Auf der Rennstrecke sind Verbräuche von rund 14 Litern aber illusorisch – genau wie die Vermutung, der AMG würde den RS5 mit seiner Rundenzeit deklassieren. Vor allem in schnellen Kurven und beim Herausbeschleunigen aus spitzwinkligen Ecken fährt der Audi dem Mercedes davon – dank Allradantrieb, Sport-Differenzial und Dynamik-Lenkung. Die 275 Millimeter breiten Pirellis rundum haften prima, sodass der Quattro nicht penetrant untersteuert, sondern sich auch mit der Vorderachse gut abstützt und bei leichter Gaswegnahme kontrolliert eindreht. Auf den Geraden hingegen holt die Power-C-Klasse mit ihrem Plus an Leistung und Drehmoment wieder auf. Bei abgeschaltetem ESP und am Limit ringen die 255er Conti-Pneus an der Mercedes-Hinterachse allerdings um Haftung – wer mag, kann mit dem AMG-Dampfhammer weit sichtbare Rauchzeichen geben. Doch trotz des Talents zum Driften ist der Mercedes C 63 Edition 507 kein Querulant, sondern ein ehrliches Sportgerät mit Charakter, das im Grenzbereich etwas Gefühl mit Lenkrad und Gaspedal verlangt. Der AMG macht gerade deshalb Freude, weil man mit ihm noch arbeiten muss.

Im Audi RS5 hingegen ist jeder schnell, da braucht es keinen Fangio am Lenkrad. Für den Spagat zwischen Alltag und Rennstrecke ist das bayerische Coupé nahezu perfekt abgestimmt – mit stoischem Geradeauslauf und direkter Dynamiklenkung, die beim Rangieren leichtgängig ist, während der flotten Kurvenfahrt aber spürbar höhere Rückstellkräfte hat. Die Traktion des Quattro-Antriebs ist stark, genauso wie die Verzögerung mit der 6000 Euro teuren Keramik-Bremse. Kalt und warm unter 34 Meter sind eine Ansage bei gut 1,8 Tonnen Leergewicht. Der Mercedes braucht kalt über zwei, mit warmen Scheiben knapp einen Meter mehr Weg für die Verzögerung aus Tempo 100 bis zum Stillstand.

FahrdynamikMax. PunkteAudi RS5 CoupéMercedes C 63 AMG Coupé Edition 507
Handling150111110
Slalom1006866
Lenkung1009290
Geradeauslauf503730
Bremsdosierung302625
Bremsweg kalt15011187
Bremsweg warm150117108
Traktion1008540
Fahrsicherheit150134128
Wendekreis20912
Kapitelbewertung1000790696

 

Umwelt und Kosten

Gute 6000 Euro trennen Audi und Mercedes beim Grundpreis. Weil im RS5 aber alle Performance-Features verbaut sind, die es zu kaufen gibt, überholt er den C 63 beim bewerteten Preis wieder und verliert einige Zähler. Werkstattkosten, Wertverlust, Steuer und Versicherung aber retten die Bilanz des Bayern im Kostenkapitel. Besonders die teuren Versicherungspolicen für den AMG fallen auf. Dafür ist seine Multimedia-Ausstattung reichhaltig, und trotz des höheren CO2-Ausstoßes gibt’s einen Zähler mehr für die insgesamt geringeren Emissionen.

Kosten/UmweltMax. PunkteAudi RS5 CoupéMercedes C 63 AMG Coupé Edition 507
Bewerteter Preis6755864
Wertverlust5065
Ausstattung252020
Multimedia502225
Garantie/Gewährleistung502827
Werkstattkosten201210
Steuer1065
Versicherung402823
Kraftstoff551817
Emissionswerte252021
Kapitelbewertung1000218217

 

Fazit

Das Audi RS5 Coupé gewinnt diesen Vergleich mit formidablem Komfort, Top-Traktion und kurzen Bremswegen – in allen anderen Kapiteln liegt es Kopf an Kopf mit dem Mercedes C 63 AMG Coupé Edition 507. Letztendlich ist es die Alltagstauglichkeit, die den Audi-Punktsieg ausmacht. Den stärkeren und sympathischeren Charakter aber hat das Coupé aus Affalterbach. Trotzdem steht nach diesem Test eines wieder einmal fest: Große und frei atmende V8-Triebwerke sind ein Genuss, und Hubraum ist durch keinen Turbo oder Kompressor zu ersetzen, sondern nur durch noch mehr Hubraum!

Gesamtbewertung

Max. PunkteAudi RS5 CoupéMercedes C 63 AMG Coupé Edition 507
Summe500028332701
Platzierung12

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