Audi RS4 Avant 2012: Fahrbericht zum Power-Kombi mit V8 Die Drehorgel

18.07.2012

Beim RS 4 setzt Audi auch weiterhin auf ein scheinbar überholtes Rezept, den Hochdrehzahl-Achtzylinder. Zum Glück, wie eine Probefahrt zeigt

Möglicherweise hat der Volkswagen-Konzern sogar das im Griff: Pünktlich zur Vorstellung des neuen Audi RS4 Avant am Red Bull Ring bei Spielberg ziehen dunkle Gewitterwolken über die Steiermark. So kann der Audi-Sportler auf der 139 Kilometer langen Ausfahrt durch die südösterreichischen Berge seine Qualitäten richtig unter Beweis stellen.

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Will sagen: Der gleiche Antriebsstrang wie im RS5 mit dem selbstsperrenden Kronenrad-Differenzial als zentralem Bauteil und der radselektiven Momentensteuerung sowie der 4,2-Liter-V8 mit dem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe (S tronic) zeigen auf nassen, rutschigen Bergstraßen, was sie können. Die maximal 430 Newtonmeter werden auch unter widrigen Bedingungen in gnadenlosen Vortrieb umgesetzt. Schlupf beim Beschleunigen aus engen Kehren? Bei anderen vielleicht. Nicht beim RS.

DIE WAHRE WUCHT DES RS IST DER ACHTZYLINDER
Doch die Steiermark hat auch sonnige Seiten. Bei den zügigen Runden auf dem ehemaligen Formel 1-Kurs unterstreicht der RS seine Qualitäten. Schnell wird klar: Egal, wie perfekt die elektronische und mechanische Steuerung des Allradantriebs die einzelnen Räder in den Asphalt krallt, die wahre Wucht des RS ist der Achtzylinder – nicht nur weil er gigantisch anschiebt.

Die Art und Weise, wie der hochkomplexe turbolose V8 am Gas hängt, verzögerungsfrei bis über 8000 Umdrehungen hochsprintet, dabei ein lautes Lied intoniert, das ist in Zeiten politisch korrekter Downsizing-Turbos fast vergessenes großes Auto-Kino. Nichts zu kritisieren also am  Audi RS4 Avant? Doch: Dass die elektromechanische adaptive Lenkung mit klarer Rückmeldung geizt, stört bei schneller Kurvenfahrt durchaus.

Zudem irritiert die ständige Anpassung der Lenkkräfte und Lenkwinkel mehr, als sie hilft. Am besten funktioniert die Lenkeinheit, wenn sie im Fahrzeugmenü als lineare Sportlenkung angewählt wird. Die 1.000 Euro extra sind also nicht nötig. Sinnvollere Investition wären da die 6.000 Euro für die Karbon-Keramik-Bremsen, obgleich die Serienanlage mit den modischen Wave-Scheiben bei forcierter Fahrt einen guten Eindruck hinterlässt.

Für vergleichsweise bescheidene 1.950 Euro gibt es das ebenso empfehlenswerte Sportfahrwerk mit den variablen Dynamic Ride Control-Dämpfern. Ihnen gelingt der Spagat zwischen knackiger Härte und landstraßengerechter Verbindlichkeit recht gut. Ab 76.600 Euro steht der RS4 im September beim Händler. Und zwar nur als Avant – Limousine und Cabrio wie beim Vorgänger sind nicht geplant. Bestellt werden kann jetzt schon. Ganz gleich, bei welchem Wetter.
Heinrich Lingner

TECHNIK
 

AUDI RS4 AVANT
Motor V8-Zylinder, 4-Ventiler,
Direkteinspritzung
Nockenwellenantrieb Kette
Hubraum 4163 cm3
Leistung bei 331 kW / 450 PS
8250/min
Max. Drehmoment bei 430 Nm
bei 4000 bis 6000/min
Getriebe 7-Gang, Doppelkupplung
Antrieb Allrad, permanent
Fahrwerk v.: Fünflenker-Achse,
Federn, Stabilisator;
h.: Mehrfachlenkerachse,
Federn, Stabilisator;
rundum: Stabilisator,
dynamischer Wank- und Nickausgleich
(Dynamic Ride Control, Option),
adaptive Dämpfer (Option); ESC (ESP)
Bremsen rundum innenbelüftete
Karbon-Keramik-Scheiben (Option);
ABS, Bremsassistent
Bereifung rundum: 265/35 R 19
Felgen rundum: 9 x 19
L/B/H 4719/1850/1416 mm
Radstand 2813 mm
Leergewicht / Zuladung 1.870 kg / 495 kg
Anhängelast, gebr./ungebr. – / –
Kofferraumvol. 490 bis 1.430 l
Abgasnorm Euro 5
Typklassen 19 HP/28 VK/30 TK
FAHRLEISTUNG /
VERBRAUCH
 
0-100 km/h 4,7 s
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
EU-Verbrauch 10,7 l SP/100 km
CO2-Ausstoß 249 g/km
KOSTEN  
Grundpreis 76.600 Euro

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