Audi R8 LMX vs. BMW i8: Hybrid-Sportwagen im Vergleich Lichtgestalten

12.09.2014
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor/Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt/Kosten
  6. FAZIT
  7. Technische Daten & Gesamtbewertung als PDF zum nachlesen

Das Rennen um das erste Serien-Laserlicht hat BMW mit dem i8 knapp für sich entschieden. Jetzt zieht Audi mit dem auf 99 Stück limitierten R8 LMX nach.

Die Rivalität zwischen Audi und BMW trägt inzwischen seltsame Früchte. Jüngstes Beispiel ist die Fehde, wer als erster ein Serienfahrzeug mit Laserlicht auf die Straße bringt. Die Kurzfassung der Geschichte: Im Januar kündigte Audi auf der CES in Las Vegas an, man werde das Laserlicht als erster Hersteller auf den Markt bringen. Im Februar konterte BMW, man  werde das Laserlicht als Erster im neuen i8 präsentieren, und zwar voraussichtlich ab November.

Daraufhin kündigte Audi eine limitierte Sonderserie des R8 mit serienmäßigem Laserlicht an, Verkaufsstart für den R8 LMX sei im Juli. Diesen Vorstoß ließen die Münchner natürlich nicht unbeantwortet und lieferten kurzerhand am 5. Juni acht Exemplare des i8 an ausgewählte Kunden aus. Was für ein Kasperltheater, ist man geneigt zu sagen. Ob auch das revolutionäre Konzept des i8 im Vergleichstest gegen der R8 bestehen kann?

 

Karosserie

Im BMW i8 finden zur Not auch vier Personen Platz

Betörend sehen beide aus. Auch nach siebenjähriger Bauzeit zieht der R8 noch immer die Blicke der anderen Verkehrsteilnehmer auf sich – erst recht als LMX mit feststehendem Spoiler und der Sonderfarbe Aralblau. Doch das ist kein Vergleich zum futuristisch designten i8. Bei jeder Gelegenheit wird man fotografiert und ausgequetscht, wie er denn sei, der i8. Die Show-Wertung geht also ganz klar nach München, doch dafür gibt es hier keine Punkte. Dafür aber für das etwas bessere Platzangebot vorn und die zusätzlichen Notsitze in Reihe zwei.

Wobei diese wirklich nur zur Not genutzt werden sollten. Erwachsene können dort gerade mal in Kauerhaltung verweilen. Kindern ist der Aufenthalt aber hingegen durchaus zuzumuten, und zwei Kindersitze können dank der serienmäßigen Isofix-Befestigungen ebenfalls ruckzuck verankert werden.

Der R8 bietet hinter den Vordersitzen hingegen eine kleine Ablage, die als zusätzlicher Stauraum zum 100 Liter großen Gepäckraum unter der vorderen Haube dient. Beim BMW sitzt vorn der E-Motor, sein Kofferraum befi ndet sich hinter dem Benziner im Heck und fasst immerhin 154 Liter. Etwas alltaugstauglicher ist somit der i8, und auch bei der Bedienung liegt er vorn. Das iDrive-System ist derzeit das Maß der Dinge. Dem R8 ist zumindest hier sein Alter deutlich anzusehen, die verbaute Version des MMI-Bediensystems ist längst nicht mehr Stand der Technik.

Audi R8 LMX
BMW i8
570 PS 362 PS
0-100 km/h in 3,4 s 0-100 km/h in 4,3 s
Allradantrieb Allradantrieb
Spitze 320 km/h Spitze 250 km/h*
(*elektronisch abgeregelt)
Grundpreis: 210.000 Euro
Grundpreis: 126.000 Euro

 

Fahrkomfort

Sportlich straff der R8, spürbar komfortabler der i8

Klar, der R8 LMX ist als Krönung der Baureihe ein waschechter Supersportler, entsprechend straff fällt daher auch die Fahrwerksabstimmung aus. Und wie beim R8 V10 plus, auf dem der LMX basiert, sind keine adaptiven Dämpfer erhältlich erhältlich. Dementsprechend ruppig gibt der Audi Fahrbahnunebenheiten an die Insassen weiter, wobei sich das Ansprechverhalten mit zunehmender
Geschwindigkeit spürbar bessert.

Auf der Autobahn kann man mit dem gebotenen Komfort durchaus leben, allein Bodenwellen führen wegen der geringen Federwege zu starken Vertikalbewegungen der Karosserie. Wesentlich komfortabler zeigt sich da der i8, der serienmäßig über eine adaptive Dämpferregelung verfügt. Bodenwellen steckt er gelassener weg und informiert die Insassen weniger deutlich
über den Zustand der Straße als der R8. Allerdings zeigt sich auch der i8 bei langsamer Fahrt als ziemlich steifbeinig, woran auch die großen 20-Zöller ihren Anteil haben.

Dennoch ist der BMW insgesamt der komfortablere Sportler, was mit am besseren Geräuschkomfort liegt. Speziell im Elektro-Modus ist dieser natürlich nahezu unerreicht, wenn außer einem leichten
Sirren der E-Maschine und den recht präsenten Abrollgeräuschen kaum etwas zu hören ist. In puncto Ergonomie büßt der i8 allerdings einige Punkte ein. Grund hierfür ist der sehr hohe und breite Schweller, über den man beim Ein- und Aussteigen klettern muss. Sportlichkeit verlangt der BMW also auch von seinem Fahrer.

 

Motor/Getriebe

Grundverschieden Konzepte – faszinierend sind beide

570 PS im R8, eine Systemleistung von 362 PS im Plug-in-i8. Im Audi-Heck arbeitet der bekannte V10-Sauger, dem die Ingolstädter im LMX 20 zusätzliche Pferdestärken spendieren. Der Mittelmotor begeistert mit Drehfreudigkeit, toller Dosierbarkeit und einem unnachahmlichen Klang. Auch die Fahrleistungen sind schlicht überwältigend. Den Sprint von null auf 100 km/h erledigt die blaue Flunder in 3,4 Sekunden, und wenn es sein muss, tobt der LMX mit 320 km/h über die Autobahn.

Dafür genehmigt sich der Zehnzylinder aber auch einen großen Schluck aus dem 90-Liter-Tank (Standard: 75 l): 15,3 Liter des teuren Super Plus sind es im Schnitt. Kontrastprogramm im BMW i8. Hier drücken 231 Dreizylinder-PS auf die Hinterräder, der E-Motor steuert weitere 131 PS bei und wirkt auf die Vorderräder. Damit stürmt der i8 in beeindruckenden 4,3 s auf Tempo 100 – vorausgesetzt, die Akkus sind voll geladen.

Mit leeren Batterien benötigt er dafür 5,5 s, im E-Modus erstaunlich flotte 8,0 Sekunden. Obwohl er hier das Nachsehen hat, wirkt der i8 im Alltag sogar kräftiger als der R8. Denn während der Hochdrehzahl-Motor im Audi (540 Nm bei späten 6500 /min) Touren braucht, damit es richtig vorwärts geht, stürmt der BMW auch im hohen Gang dank des zusätzlichen Drehmoments des E-Motors (250 Nm) energisch nach vorn. Die große Stunde für den Plug-in-Hybriden schlägt dann auf der Verbrauchsrunde. Gemittelt aus zwei Fahrten mit vollem (elektrische Reichweite: 23 km) und leerem Akku ergibt sich ein Wert von 7,7 Litern und 3,1 kWh pro 100 Kilometer.

 

Fahrdynamik

Der R8 verlangt eine kundige Hand, mit dem i8 ist jeder schnell

Als reinrassiger Supersportler fordert der Audi seinen Fahrer, wenn dieser das Maximale aus ihm herausholen möchte. Die Lenkkräfte sind deutlich höher, beim harten Anbremsen sind kräftige Lenkkorrekturen nötig. Und bewegt man den Ingolstädter am Limit, sind blitzschnelle Reaktionen gefragt, um das bei deaktiviertem ESP gern mal auskeilende Heck wieder in die Spur zu bringen.

Der BMW zeigt einen gänzlich anderen Charakter: Enorm fahrsicher nimmt er den Handlingkurs in Angriff, fährt sich dabei sehr leichtfüßig und präzise, verzichtet aber allein schon mit seiner leichtgängigen und rückmeldungsärmeren Lenkung auf das letzte Quäntchen Sportlichkeit. Dass er bei der Rundenzeit aufgrund seines Leistungsdefi izits keine Chance hat, ist klar.

Schwerer wiegt, dass dem i8 nach drei Runden auf dem großen Grand-Prix-Kurs des Nürburgrings die Elektro-Kraft ausgeht und er entweder an die Steckdose oder einige langsame Runden drehen muss, damit die Akkus wieder Saft bekommen. Ein Vorurteil können wir jedoch endgültig aus der Welt schaffen: Wer dem BMW i8 eine ausgeprägte Untersteuertendenz attestieren möchte, möge mal einen Blick auf die Slalomzeit im Datenkasten werfen: Sie sehen richtig, der i8 ist ein Zehntel schneller als der R8 – eine modifizierte Gummimischung der breiteren Optionsbereifung macht’s möglich.

 

Umwelt/Kosten

Preislich trennen die beiden Sportler Welten

Satte 34.300 Euro kostet der limitierte und 210.000 Euro teure R8 LMX mehr als der R8 V10 plus. Neben einigem Karbon-Zierrat und einer Bang & Olufsen-Anlage gibt es dafür unter anderem das exklusive Laser-Fernlicht. Da wirkt der BMW i8 beinahe schon wie ein Sonderangebot – 126.000 Euro sind für den ebenfalls sehr umfangreich ausgestatteten Münchner fällig.

Auch im Unterhalt kommt der BMW deutlich günstiger, allein schon wegen der viel niedrigeren Spritkosten. Beim Blick auf den zu erwartenden Wertverlust dürfte ganz besonders R8-Fahrern schwindlig werden: Nach vier Jahren und 80.000 km hat der Audi knapp 130.000 Euro an Wert eingebüßt.

LASERLICHT
Bei beiden Fahrzeugen übernimmt das Laserlicht lediglich die Fernlicht- Funktion – und das auch nur als Zusatz zum LED-Fernlicht sowie unter bestimmten Voraussetzungen. So muss die Geschwindigkeit oberhalb von 60 (Audi) bzw. 70 km/h (BMW) liegen, ehe der Fernlichtassistent das Laserlicht aktiviert – sofern kein anderer Verkehrsteilnehmer im Ausleuchtbereich erkannt wird.

Reichweite und Helligkeit des Laserfernlichts sind bei beiden Sportwagen absolut beeindruckend und machen die Nacht fast zum Tage. Allerdings sind die Systeme nicht in der Lage, vorherfahrende Autos gezielt aus dem Lichtkegel auszuschneiden, wie es vorrangig Bixenon-Scheinwerfer inzwischen können. Die Folge:

Wegen der enormen Leuchtweite wird das Laserlicht nur selten hinzugeschaltet, der Mehrwert für den Kunden ist dadurch mäßig. Das lässt das Wetteifern der beiden bayerischen Rivalen plötzlich in einem ganz anderen Licht erstrahlen.

 

FAZIT

BMW i8 und Audi R8 LMX sind zwei Sportwagen aus unterschiedlichen Welten – faszinierend sind beide. Der Audi R8 ist ein Supersportler mit einem begeisternden V10-Zylinder. Fahrdynamik, Fahrleistungen und Verarbeitung sind erstklassig, der Preis ist jedoch exorbitant hoch – zweiter Platz.

Der BMW i8 wirkt dagegen nicht nur optisch wie aus der Zukunft. Auf öffentlichen Straßen ist er auch wegen der besseren Fahrbarkeit nicht minder schnell, dabei eine ganze Ecke komfortabler und nur halb so durstig. Die spektakulären Flügeltüren samt hohem Schweller sind unpraktisch, aber große Show – wie das ganze Auto.

 

Technische Daten & Gesamtbewertung als PDF zum nachlesen

Alexander Lidl

Tags:
Diagnosegerät
 
Preis: EUR 9,99 Prime-Versand
Alkoholtester
 
Preis: EUR 16,99 Prime-Versand
SONAX AntiFrost KlarSicht
UVP: EUR 18,48
Preis: EUR 13,50 Prime-Versand
Sie sparen: 4,98 EUR (27%)
Copyright 2017 autozeitung.de. All rights reserved.