Supersport-Cabrios im Vergleich Audi R8 GT Spyder | Porsche 911 Turbo S Cabrio

Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Audi R8 GT Spyder und Porsche 911 Turbo S Cabrio: Mit der Kraft von weit über 500 PS blasen sie zum Angriff auf die Routine

Schon ihr Anblick verbreitet gute Laune, denn sie fallen aus dem Rahmen: zwei durchtrainierte Ausnahme-Athleten mit atemberaubender Linienführung und hinreißend exklusiven Details. Kombiniert mit einem jeweils weit über 500 PS starken Motor gerät jede noch so unbedeutende Spritztour mit Audi R8 GT Spyder oder Porsche 911 Turbo S Cabrio zu einem unvergesslich intensiven Erlebnis. Der Alltag endet, sobald die Fahrt beginnt.

 

Karosserie

Im Fall des GT Spyder sorgt bereits das Hinuntergleiten in die unnachgiebigen Karbon-Schalensitze dafür, dass man sich voll und ganz auf das Auto konzentriert. Denn man wird dabei von allen Seiten neidisch beäugt und möchte natürlich nicht peinlich plump wirken. Zudem stößt selbst bei streng diätisch lebenden Dessousmodells der Hüftknochen schmerzend gegen das Gurtschloss – die Sitze sind einfach zu eng. Dafür entschädigen die hohen Seitenwangen mit erbarmungslosem Halt in Kurven, wofür wir uns später noch bedanken werden. Ansonsten verdeutlicht der Mittelmotor-Audi mit dem lächerlich kleinen Gepäckfach (100 Liter) und der schlechten Übersichtlichkeit, dass ihm Alltagsanforderungen herzlich gleichgültig sind. Er sucht das Außergewöhnliche. Wir auch. Also: Dach auf! Binnen Sekunden faltet sich das elektrisch betriebene Verdeck elegant unter den ausladenden Heckdeckel, der auch den Motor versteckt. Bei Bedarf geschieht dies sogar während der Fahrt bis 50 km/h.

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Gleiches gilt für das Porsche 911 Turbo S Cabrio, das seine Kapuze ebenfalls elektrisch zusammenrafft und unter dem oberen Heckdeckel ablegt. Etwa 20 Sekunden dauert die Metamorphose vom intimen Separee zur Freilichtbühne. Doch Fahrer und Beifahrer genießen im Porsche spürbar weniger Bewegungsfreiheit, und die Rücksitze taugen bloß als zusätzliche Gepäckablage. Das ist auch gut so, denn das Volumen des vorderen Gepäckfachs beträgt lediglich 105 Liter. Somit erweist sich der Turbo S als praktischer, während der R8 geräumiger und extrovertierter auftritt.

KarosserieMax. PunktePorsche 911 Turbo S CabrioAudi R8 GT Spyder
Raumangebot vorn1006066
Raumangebot hinten10015
Übersichtlichkeit703523
Bedienung/ Funktion1008588
Kofferraumvolumen10000
Variabilität10020
Zuladung/ Anhängelast80148
Sicherheit1509284
Qualität/ Verarbeitung200191195
Kapitelbewertung1000494464

 

Fahrkomfort

Das voll auf Performance getrimmte Sportfahrwerk des Audi sorgt gemeinsam mit dem lautstarken V10-Antrieb und den bereits erwähnten Schalensitzen dafür, dass an Bord des Audi R8 GT Spyder keine Zweifel daran aufkommen, dass es sich um das sportlichste Modell des Hauses handelt. Selbst auf vermeintlich topfebenen Oberflächen rollt der exotisch anmutende Flachmann stößig ab. Das heisere Knurren des 5,2-Liter-Saugers ist omnipräsent und verheißt unentwegt ungezügelte Leistung. Unter Volllast brüllt der Direkteinspritzer zudem so ungehemmt, dass man ihm beinahe cholerische Züge unterstellen könnte.

Das Turbo-Cabrio bleibt da stets verbindlicher. Zwar lassen auch sein Lader-Schnaufen und das druckvolle Wastegate-Zischen ahnen, wozu der Biturboboxer imstande ist, doch er ist leiser, rollt geschmeidiger ab, und die adaptiven Sportsitze des Test-911 stellen auf langen Etappen entschieden die bessere Wahl dar. Aber auch der Porsche kommt – im Komfortmodus der Dämpfer – nicht über das Prädikat „akzeptabel“ hinaus.

FahrkomfortMax. PunktePorsche 911 Turbo S CabrioAudi R8 GT Spyder
Sitzkomfort vorn150138122
Sitzkomfort hinten10010
Ergonomie150128127
Innengeräusche501312
Geräuscheindruck1008077
Klimatisierung504038
Federung leer20010595
Federung beladen20010595
Kapitelbewertung1000619566

 

Motor und Getriebe

Im Antriebskapitel können die beiden Extremisten dagegen auftrumpfen: Wenn die zwei VTG-Lader die sechs Brennräume des 3,8-Liter-Boxers mit maximal 1,4 bar Ladedruck aufblasen, entwickelt der Porsche 911 Turbo S Cabrio eine solch unbändige Kraft, dass man fürchten könnte, es zerreißt ihn: Null auf 100 km/h absolviert das Allrad-Cabrio in nur 3,2 Sekunden, Tempo 200 fällt nach 10,5 Sekunden, und erst bei 315 km/h ist der Spuk vorbei. Dabei tritt der Biturbo ohne nennenswerte Verzögerung an und hat in jeder Lebenslage Kraft im Überfluss: 700 Nm zwischen 2100 und 4250 Umdrehungen lassen den gut 1,6 Tonnen schweren Wagen allzeit souverän anreißen. Das Doppelkupplungsgetriebe ergänzt den kraftstrotzenden Sechszylinder dabei vortrefflich. Es schaltet blitzschnell, ist perfekt abgestuft und erlaubt schaltfaules Dahinrollen. Zudem hält sich der Porsche im Verbrauch zurück: 14,5 Liter pro 100 km im Test sind durchaus vertretbar und lassen sich bei Vollgasverzicht locker unterbieten.

Der ebenfalls direkteinspritzende V10-Sauger des Audi R8 GT Spyder verfeuerte dagegen 16,6 Liter auf 100 Kilometern – zu viel. Auch er ist irrwitzig schnell, sprintet aber trotz des beinahe identischen Leergewichts (27 kg mehr) und 30 PS mehr Leistung etwas verhaltener. Bis 100 benötigt der R8 0,7 Sekunden mehr, bei 200 km/h liegt er um 1,3 Sekunden zurück. Nur in der Spitzengeschwindigkeit hat der Audi die Nase mit 317 km/h knapp vorn. Seine lineare Kraftentfaltung bis 8000 Touren und der infernalische Sound entschädigen.

Motor und GetriebeMax. PunktePorsche 911 Turbo S CabrioAudi R8 GT Spyder
Beschleunigung150150147
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit150139140
Getriebeabstufung10010094
Kraftentfaltung504847
Laufkultur1009088
Verbrauch32510666
Reichweite2577
Kapitelbewertung1000640589

 

Fahrdynamik

Auf der Sprintstrecke des Nürburgrings dürfen beide Sportler zeigen, was in ihnen steckt. Im Fall der zwei Kontrahenten ist das eine ganze Menge: Auf der Start-Ziel-Geraden und am Ende des Hatzenbachbogens erreichen sie über 230 km/h. Doch ihre Karbon-Keramik-Stopper stauchen sie Runde für Runde verlässlich zusammen. Die stramme Lenkung des R8 arbeitet zielgenau, aber die Vorderräder neigen recht stark und erstaunlich früh zum Untersteuern.

Der Porsche mit Torque Vectoring lenkt erheblich agiler und verlässlicher ein. Außerdem baut er mehr Traktion beim Herausbeschleunigen aus den Kurven auf, und sein unbändiger Turbo-Punch lässt ihn bei jedem Zwischenspurt ein wenig Vorsprung auf den Audi herausbeißen. Zudem verhält er sich im Grenzbereich weniger kapriziös und kann mit etwas Übung zu leidenschaftlichen Drifteinlagen überredet werden. Wer den Audi R8 GT Spyder nahe der Haftgrenze bewegt, braucht mehr Talent und schnellere Reaktionen, um dessen Tendenz zu Kreiselbewegungen zu bändigen. Lenkung und Bremsanlage vermitteln zudem nicht jene unverfälschte Präzision, die sämtliche Komponenten des Porsche auszeichnet. Die Rückmeldung seiner variablen Lenkung ist vorbildlich, die Dosierbarkeit seiner Bremse exzellent.

FahrdynamikMax. PunktePorsche 911 Turbo S CabrioAudi R8 GT Spyder
Handling150114110
Slalom1009183
Lenkung10010092
Geradeauslauf503838
Bremsdosierung302420
Bremsweg kalt150117115
Bremsweg warm150120116
Traktion1008575
Fahrsicherheit150132117
Wendekreis20139
Kapitelbewertung1000834775

 

Umwelt und Kosten

Wer sich mit diesen Boliden auf der Rennstrecke austoben darf, hat das stressige Alltagsgeschehen mit Sicherheit hinter sich gelassen. Doch leider bedarf es dazu gehöriger Finanzmittel: 184.546 Euro kostet der Porsche 911 Turbo S Cabrio, Audi verlangt noch einmal 23.254 Euro mehr. Damit überschreiten beide das von uns gesetzte Bepunktungslimit von 175.000 Euro, genau wie beim Wertverlust (maximal 87.500 Euro). Auch die Versicherungsbeiträge sind astronomisch hoch.

Den meisten Interessenten wird also nichts anderes übrig bleiben, als weiterhin vom ganz großen Lottogewinn zu träumen, um sich einen der beiden offenen Supersportler gönnen zu können. Doch die Art und Weise, wie sie ihre Insassen aus dem Stand heraus in eine fremde Welt katapultieren, ist ohnehin unbezahlbar.

Kosten/UmweltMax. PunktePorsche 911 Turbo S CabrioAudi R8 GT Spyder
Bewerteter Preis67500
Wertverlust5000
Ausstattung252525
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung501928
Werkstattkosten20129
Steuer1065
Versicherung40012
Kraftstoff551710
Emissionswerte258276
Kapitelbewertung1000161165

 

Fazit

Verglichen mit dem Audi R8 GT Spyder nimmt sich das Porsche 911 Turbo S Cabrio regelrecht dezent aus. Doch das ändert nichts an der Tatsache, dass man es mit einem lupenreinen Supersportwagen zu tun hat, der nicht nur besser performt, sondern überdies sogar kompromissfähiger ist und damit souverän siegt. Der Audi ist dagegen durchweg extrem: Auffällig, laut, schnell, unpraktisch und teuer – aber auch betörend schön, zutiefst begehrenswert und eine limitierte Rarität.

Gesamtbewertung

Max. PunktePorsche 911 Turbo S CabrioAudi R8 GT Spyder
Summe500027482559
Platzierung12

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