Audi R8 gegen Corvette Z06 Duell mit Dramatik

25.01.2007

Mit dem 420 PS starken Supersportwagen R8 will Audi den Wettbewerbern Mercedes und BMW wahre Sportlichkeit demonstrieren. Doch zum ersten Vergleich hat sich eine Amerikanerin angemeldet: die 512 PS starke Corvette Z06

"Wow, her mit diesem Sportwagen, was soll er kosten?" Der smarte Mittdreißiger aus dem riesigen Chevrolet-Offroader, den wir an der Tankstelle am Lake Mead Boulevard treffen, deutet auf den Audi R8 und zieht demonstrativ seine Brieftasche. Unser zweites Auto, die 512 PS starke, knallrote Corvette, interessiert ihn weniger: "Habe ich schon in der Garage."

Der Wirbel auf der Testfahrt im Großraum der überdrehten Spielerstadt Las Vegas, wo Verrücktheit ein Normalzustand ist, nimmt kein Ende. Die Neben- und Hintermänner bremsen, hupen oder winken, sobald sie den deutschen Sportwagen sehen. Selbst Sheriff William Browny, ein grimmiger Zwei-Meter-Riese, der uns auf dem Highway stoppt, ist neugierig. "Nein, Jungs, ihr seid nicht zu schnell gefahren, aber erzählt mir was über dieses coole Auto!" Und faltet sich zur Sitzprobe zusammen.

Diese Reaktionen dürften Martin Winterkorn gefallen. Denn erstens ist der riesige US-Markt ziemlich wichtig für Audi, und zweitens hat der ehemalige Audi-Boss, inzwischen zum VW-Konzernchef aufgestiegen, das spektakuläre R8-Projekt persönlich angeschoben.

"Wenn man eine sportliche Marke sein will, muss man das auch demonstrieren", argumentiert er. Der 420 PS starke Mittelmotor-Zweisitzer, der in etlichen konstruktiven Details mit dem Lamborghini Gallardo verwandt ist (siehe Heft 1/06), soll nun demonstrativ die Gene des gleichnamigen fünffachen Le Mans-Siegrennwagens R8 auf die Straße bringen.

Damit gibt Winterkorn eine spitze Botschaft Richtung Stuttgart und München: Achtung, Mercedes und BMW, hier kommt der wahre exklusive Supersportwagen. "Der R8 ist jetzt unser Leitwolf", heißt es bei Audi selbstbewusst.

Schon die Basisdaten des nur 1,25 Meter hohen Flachmanns, der im Audi-Werk Neckarsulm in über 100 Stunden Handarbeit aus 5196 Teilen zusammengesetzt wird, machen was her. Der aus dem RS 4 bekannte, 4,2-Liter-V8-Benzin-Direkteinspritzer, längs zwischen Passagierabteil und Hinterachse platziert, kommt ohne Turbolader aus, hat aber die Lizenz zum Hochdrehen - der elektronische Begrenzer greift erst bei
8250 /min ein.

Auch das maximale Drehmoment von 430 Newtonmetern, das bei 4500/min auf die Kurbelwelle trifft, ist eine kräftige Ansage. Es wirkt, typisch Sportwagen, mehr im oberen Drehzahlbereich: 90 Prozent stehen bei Volllast zwischen 3500 und 7600/min parat.

Natürlich ist der R8 ein quattro - mit heckbetonter Kraftverteilung, aber bei (Traktions-)Bedarf überträgt die Visco-Kupplung bis zu 35 Prozent der Antriebskraft zu den Vorderrädern. Und trotz Allradantrieb ist der R8 mit 1560 Kilo dank Alu-Karosserie noch ein leichter Vertreter der Gattung.

So viel zur Papierform. Einsteigen, bitte.

Das geht elegant, denn das Lenkrad ist unten sportlich abgeflacht. Bequeme, mit elektrisch aufblasbaren Seitenwangen individuell anpassbare Schalensitze umfangen den Piloten wie ein Muscleshirt, alle wichtigen Pedale, Hebel, Knöpfe und Rädchen liegen - typisch Audi - in günstiger Entfernung. Das ganze Cockpit ist, wie bei einem Monoposto-Renner, um den Fahrer herumgezirkelt. Bewegungsfreiheit wie in einer Limousine: Hier dürften sich auch Riesen wie Sheriff Browny wohlfühlen.

Die Komplett-Lederausstattung duftet, die Verarbeitung wirkt, obwohl das Auto noch aus der Vorserie ist, ziemlich hochwertig. Einen modischen Startknopf hat dieser Audi nicht. Also klassisch: ein Dreh am Zündschlüssel, ein Klick am glänzenden Automatik-Befehlshebel der sequenziellen R tronic (7390 Euro, Serie: Sechsgangschaltgetriebe). Mit sattem, aber sehr dezentem Ton erwacht und räkelt sich der Achtzylinder.

Der Highway ist frei bis zum Horizont. Runter mit dem Gaspedal, Vollgas. Der R8 fliegt los wie eine Kanonenkugel. Ohne Rauch, fast unspektakulär. Traktion und Geradeauslauf sind beeindruckend - quattro lässt grüßen. In 4,6 Sekunden soll der R8 laut Audi das Stammtisch-wichtige Tempo 100 erreichen, in 14,9 Sekunden die 200er-Marke. Gangwechsel im extremen Stakkato, im "Sport"-Modus nur 70 Millisekunden lang. Der Sound wird böser, zuckt hoch ins Trompeten-Tremolo. Immer noch Schub, doch die glaubhafte R8-Spitze von 301 km/h testen wir jetzt lieber nicht, denn Sheriffs wie Browny sind hier allgegenwärtig.

Noch rasanter startet dieser Audi - ganz

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