Audi R8 2015: Fahrbericht und zehn Rivalen Voll auf die Zehn

30.03.2015

Der neue Audi R8 kommt gewaltig mit bis zu 610 PS starkem Zehnzylinder. Wir waren mit dem Supersportler schon mal auf der Rennstrecke und checken zehn Gegner! Fahrbericht

Rot ist die Versuchung. Sie leuchtet genau vor mir in Form des exponiert im Lenkrad untergebrachten Start-Buttons. „Zündung ist an, starte ruhig mal“, meint Frank Stippler vom Beifahrersitz. Na gut, er hat als einer der Audi-Mitarbeiter die Verantwortung für dieses Traumauto. Nichts Geringeres als Audis neuer Supersport-Überflieger R8 ist hier am Start. Mit dem Druck auf besagten Knopf mache ich mir in der Box des privaten Rennkurses Ascari im Süden Spaniens nicht nur Freunde.

 

Audi R8: Standardmäßig mit V10 und S tronic

Denn das daraufhin aus der Klappen-Auspufanlage losbrechende Zehnzylinder-Gewitter lässt das Blut in den Adern gefrieren. Selbst Rennfahrer und Vollprofis wie Frank Stippler – inzwischen Entwicklungsingenieur und Testfahrer bei der quattro GmbH – zuckt ein wenig zusammen. Frank nimmt mich mit auf ein paar schnelle Runden – sehr schnelle Runden.

Doch es geht nicht nur um die brachiale Beschleunigung und das wirklich beeindruckende Kurventempo, das der Audi R8 2015 an den Tag legt. Man spürt die Leichtigkeit, mit der sich der Mittelmotor-Sportler hier handhaben lässt. Die einst zickige Gangart im Grenzbereich hat der R8 abgelegt. Sehr entspannt und mit kleinen, gezielten Lenkimpulsen an der nun elektrisch unterstützten Progressivlenkung zirkelt der Pro den Allradsportler um den verwinkelten Kurs.

Zu den Fakten: Wenn der R8 im Sommer zum Händler rollt, tobt hinter den beiden Vordersitzen und dem Golfbag-tauglichen Stauraum stets ein 5,2-Liter-V10-Saugmotor mit kombinierter Direkt-/Saugrohreinspritzung in Kombination mit dem nun noch schneller schaltenden Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe (S tronic). Als Basismodell sind 540, als V10 plus sogar 610 PS bei 8800 Touren angesagt. Das passende Drehmoment dazu: 520 respektive 560 Nm bei 6500 Umdrehungen.

Das reicht im V10 plus für einen Sprint in 3,2 Sekunden auf 100 km/h, für Tempo 200 sollen knapp zehn Sekunden genügen, Spitze: ca. 330 km/h. Dank der neuen Chassisstruktur aus einem Aluminium-Spaceframe-Karbon-Verbund hat der R8 etwa 55 kg an Gewicht verloren. Damit wiegt der R8 V10 nun etwa 1550 kg, die sich im Verhältnis 48 zu 52 Prozent auf Vorder- und Hinterachse verteilen und damit ein neutrales Eigenlenkverhalten begünstigen. Darauf hat auch der neue quattro-Allradantrieb Einfluss.

Statt der etwas trägen, stark schlupfabhängigen Visco-Kupplung des Vorgängers verteilt nun eine elektronisch gesteuerte Lamellenkupplung vom Zulieferer GKN das Antriebsmoment voll variabel zwischen beiden Achsen nebst geregelter mechanischer Quersperre im Hinterachsdifferenzial. Die sensible und bedarfsgerechte Steuerung trägt wesentlich zur Gutmütigkeit bei extrem hoher Kurvendynamik bei, wie uns Audi-Technik-Vorstand Ulrich Hackenberg bestätigt und dies bei einer Probefahrt auf dem anspruchsvollen Ascari-Kurs eindrucksvoll demonstriert.

„Die Geschichte des R8 ist noch längst nicht zu Ende erzählt“, verrät uns der Top-Techniker und kündigt für den Genfer Salon direkt schon mal die Batterie-elektrische Variante an: den R8 e-tron, der Ende des Jahres bereits in Serie gehen soll. Dessen Technik wurde bereits im Vorgänger präsentiert, allerdings haben sich Reichweite und Fahrleistungen deutlich weiterentwickelt. Laut Hackenberg sind nun 400 bis 450 Kilometer elektrische Autonomie möglich.

Doch widmen wir uns wieder diesem drehfreudigen Zehnzylindermonster, das uns als R8 V10 plus mit einem sehr aufgeräumten, fein verarbeiteten Interieur empfängt, wobei die Sitzposition immer noch recht hoch ausfällt. Das abgeflachte Lenkrad beherbergt nun sämtliche für den Fahrbetrieb relevanten Bedienfunktionen: Hier lassen sich jetzt auch die verschiedenen Fahrmodi vorwählen, die Einfluss auf Fahrdynamikregelung, Kraftverteilung, adaptive Dämpfer (magnetic ride), S tronic, Motorelektronikund mehr Einfluss nehmen.

 

Audi R8: Auch der elektrische e-tron ist schon startbereit

Darüber hinaus gibt es auch noch den rennstreckentauglichen Performance-Modus, der wiederum die Auswahl der Streckenoberfläche (snow, wet, dry) zulässt. Natürlich kann man sämtliche Fahrdynamikhilfen auch abschalten, was auf Jagd nach Bestzeiten aber gar nicht mehr nötig ist. Im Gegenteil, wie uns Rennprofi Frank Stippler bestätigt. Das gewählte Set-up und auch alle anderen Bedienfunktionen lassen sich über das vollelektronische TFT-Instrumenten-Display verfolgen, so wie wir das schon aus dem TT kennen.

Wie teuer der Spaß wird, sagt Audi noch nicht – bislang startete der R8 V10 (525 PS) bei 159.200 Euro, und preiswerter wird er sicher nicht werden. Zum Serienumfang zählen künftig aber ein paar neue Dinge, etwa die Matrix-LED-Scheinwerfer. Standesgemäße Extras wie Laser-Fernlicht, Karbon-Keramik-Bremsen oder 20-Zoll-Mischbereifung (245 vorn, 305 hinten; Serie: 19-Zöller) sind ebenfalls im Programm. Weniger verbrauchen soll der V10, unter anderem dank der neuen antriebsentkoppelnden Segelfunktion im Schubbetrieb. Ach ja: Der Kofferraum fasst nun zehn Liter mehr – falls das irgendjemanden interessiert.

TECHNIK
 

Audi R8 V10 plus
Motor V10-Zylinder, 4-Ventiler, Direkt-/Saugrohreinspritzung
Hubraum 5204 cm3
Leistung 449 kW / 610 PS bei 8800 /min
Max. Drehmoment 560 Nm bei 6500 /min
Getriebe 7-Gang, Doppelkupplung (S tronic)
Antrieb vollvariabler, permanenter Allradantrieb, Sperrdifferenzial hinten
Fahrwerk rundum Doppelquerlenker, Federn, adaptive Dämpfer, Stabi.; ESC
Leergewicht ca. 1550 kg
Kofferraumvolumen 110 l
Fahrleistungen1 0-100/200 km/h in 3,2/9,9 s
Höchstgeschwindigkeit1 330 km/h
¹ ca.-Angaben

Jürgen Voigt

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