Q7/X5/GLE 350/XC90/Touareg: Vergleich Oberklasse-SUV im Schlagabtausch

08.10.2015

Kaum haben Audi Q7 und Volvo XC90 die Ansprüche in der SUV-Oberklasse nach oben geschraubt, rüstet Mercedes den ML zum GLE auf. Mit einem Dreiliter-Diesel stellt er sich den Dickhäutern der Konkurrenz.

Zunächst ein kleiner Hinweis für alle, die trotz der umfangreichen schwäbischen Werbekampagne auf dem Schlauch stehen: Mercedes hat aufgeräumt – zumindest im SUV-Segment. Als erstes flog der GLK raus. Auf seinem Platz macht sich jetzt der komplett neue GLC auf Basis der C-Klasse breit. Der A-Klassen-Ableger GLA und die kantige G-Klasse dürfen bleiben – aber der Nachfolger des riesigen GL wird ab dem kommenden Jahr GLS heißen und folglich die S-Klasse unter den SUV verkörpern. Schließlich wurde auch noch der ML umgetauft. Er heißt jetzt GLE, obwohl sich mit der Modellpflege nur wenig verändert hat. Mit einem Dreiliter-Diesel und der neuen Neunstufen-Automatik muss sich der GLE 350 d in diesem Vergleich nicht nur gegen den Audi Q7 Jahrgang 2015 und den ebenfalls taufrischen Volvo XC90 aus Schweden behaupten, sondern auch gegen die testbewährten Kontrahenten VW Touareg und BMW X5.

 

Neuer Mercedes GLE im Vergleich mit Oberklassen-SUV

Schon auf der Waage kann man erkennen, dass der GLE technisch eigentlich noch ein ML ist. Mit knapp 2,4 Tonnen ist er in diesem Fünfergespann am schwersten, dicht gefolgt vom VW Touareg (2305 Kilogramm). Da wiegen die moderneren Konkurrenten dank Leichtbau deutlich weniger – trotz größerer Außenmaße. Das versprochene Leergewicht von weniger als zwei Tonnen wird aber auch beim üppig ausstaffierten Testwagen von Audi bei weitem nicht erreicht. Dank kräftiger Dieselmotoren dürfen alle Testkandidaten mit Luftfederung außer dem Volvo (2700 Kilo) 3,5 Tonnen schwere Anhänger an den Haken nehmen und von 555 (Mercedes) bis 646 Kilo (Volvo) zuladen. Die fünf Dickschiffe eint außerdem das fürstliche Raumangebot in der ersten Reihe. Auch Fondpassagiere haben in puncto Bewegungsfreiheit wenig zu meckern, sind im fast schon verschwenderisch großen Q7 sogar noch besser untergebracht als bei der Konkurrenz.

Mittelklasse-SUV-Vergleich: Mercedes GLC gegen Audi Q5 und BMW X3

Die Paradedisziplin der fünf Raumwunder ist ohne Zweifel das entspannte Reisen auch über längere Strecken und mit viel Gepäck. Dank optionaler Luftfederung in allen fünf Testkandidaten liegt der Federungskomfort durchweg auf sehr hohem Niveau. Der schwere Mercedes rollt satt ab und lässt sich auch durch üble Schlaglöcher oder Querkanten nicht aus der Ruhe bringen. Seine Airmatic (2035 Euro) arbeitetauf glatten Pisten sehr soft und verfügt selbst bei voller Beladung über solch beeindruckende Reserven, dass man meinen könnte, der GLE sei eigens für derbe Schotterpisten konstruiert worden. Und auch die Karosserie hinterlässt dabei einen sehr steifen Eindruck. Ebenso feinfühlig arbeiten Federn und Dämpfer im BMW (1800 Euro), der lange und kurze Bodenwellen gleichermaßen souverän verarbeitet. Allerdings gerät der Aubau des X5 hin und wieder ins Schwanken, beruhigt sich aber nach kurzer Zeit wieder. Mehr Karosseriebewegungen bekommen die Reisenden im Touareg zu spüren. Zudem rufen Kanten, schlechte Fahrbahnen oder Kopfsteinpflaster eine leichte Unruhe in der Lenkung hervor.

Facelift mit stärkeren Motoren: Mercedes A-Klasse 2015

Und was steckt unter der Haube? Drei Liter große Turbodiesel mit sechs Zylindern und viel Drehmoment sind wie gemacht für die Schwergewichtsklasse. Da sind sich zumindest die deutschen Hersteller einig. Der Volvo XC90 ist indes nur mit Vierzylinder-Motoren zu haben. Als Top-Dieselmodell D5 mit Allradantrieb leistet der Schwede 225 PS. Das reicht nicht ganz, um mit dem Antritt der durchweg stärkeren Konkurrenten mitzuhalten. Doch immerhin sprintet der siebensitzige Volvo in 8,6 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Und selbst 200 km/h sind ohne Probleme drin. Audi und BMW sind freilich gut zwei Sekunden schneller beim Standardsprint. Mit deren vorbildlicher Getriebeabstimmung kann der Volvo aber durchaus mithalten. Sehr direkt reagiert die Achtstufen-Automatik auf Gasbefehle und serviert stets blitzschnell den richtigen Gang. Den kompletten Vergleich lesen Sie in Bildergalerie oder in AUTO ZEITUNG 21/2015.

Technische Daten Audi Q7 BMW X5 Mercedes GLE
Motor 3.0 TDI quattro xDrive30d 350 d 4MATIC
Zylinder/Ventile pro Zylinder V6/4; Turbodiesel R6/4; Turbodiesel V6/4; Turbodiesel
Hubraum 2967 cm³ 2993 cm³ 2987 cm³
Leistung bei 200 kW/272 PS
bei
3250-4250/min
190 kW/258 PS bei
3400/min
190 kW/258 PS bei
3400/min
Max. Drehmoment bei 600 Nm bei
1500-3000 /min
550 Nm bei
1500-3000 /min
620 Nm bei
1600 /min
Getriebe 8-Stufen-Automatik
(Serie)
8-Stufen-Automatik
(Serie)
9-Stufen-Automatik
(Serie)
Antrieb Allrad,
permanent
Allrad, permanemt Allrad,
permanent
0-100 km/h 6,3 s 6,1 s 7,7 s
Höchstgeschwindigkeit 234 km/h 230 km/h 225 km/h
Bewerteter Preis 67.600 Euro 66.510 Euro 70.580 Euro
Platz 1 2 5
Technische Daten Volvo XC90 VW Touareg
Motor D5 AWD 3.0 V6 TDI SCR 4MOTION
Zylinder/Ventile pro Zylinder 4/4; Bi-Turbodiesel V6/4; Turbodiesel
Hubraum 1969 cm³ 2967 cm³
Leistung bei 165 kW/225 PS
bei
4250 /min
193 kW/262 PS
bei
3800-4400 /min
Max. Drehmoment bei 470 Nm
bei
1750-2500 /min
580 Nm
bei
1750 2500 /min
Getriebe 8-Stufen-Automatik
(Serie)
8-Stufen-Automatik
(Serie)
Antrieb Allrad,
permanent
Allrad,
permanent
0 - 100 km/h 8,6 s 7,7 s
Höchstgeschwindigkeit 210 km/h 225 km/h
Bewerteter Preis 62.440 Euro 65.145 Euro
Platz 3 4

Unser Fazit

Dass der neue GLE in diesem Vergleichstest Letzter wird, heißt nicht, dass sich Mercedes beim ML-Nachfolger Schwächen leistet. Jedoch ist der Schwabe kein wirklich neues Auto, und so wirkt er trotz des ungewohnten Namens altbekannt. Gleiches gilt für den Preis-/Leistungs-Sieger VW Touareg, der hier auf den vierten Platz fährt. Beide Boliden sind souveräne Reisewagen mit viel Komfort, mächtig Kraft und bester Qualität. Der geräumige und erstaunlich dynamische Volvo XC90 landet aber vor ihnen auf dem dritten Rang – auch wegen seiner sensationellen Bremsen. Knapp davor kann sich der fahraktive und komfortable BMW X5 mit seinem makellosen Antrieb in Szene setzen. Gegen den neuen Audi Q7 hat aber auch er keine Chance. Der Ingolstädter ist nicht nur schneller, dynamischer und sparsamer – er setzt obendrein einen neuen Maßstab beim Komfort. Weil zudem die Sicherheitsausstattung nahezu lückenlos ist, gewinnt der Audi den Vergleich eindeutig.

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