Premium-SUV: Audi Q7 und Mercedes GL im Vergleichstest Grosse Fahrt

01.08.2011
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Audi hat in diesem Jahr mit dem Q7 die Krone für das größte deutsche SUV gewonnen. Doch das kann sich schnell ändern. Denn Mercedes schickt mit dem GL nun auch einen riesigen Kletterkünstler ins Rennen, der die Konkurrenz nicht nur auf der Straße, sondern auch abseits befestigter Wege das Fürchten lehren soll

Größer, breiter, stärker: Das scheint das Erfolgsgeheimnis der Autoindustrie zu sein, zumindest im SUV-Segment. Hersteller Audi hat lange gewartet, um mit dem Q7 die versammelte deutsche Oberliga der Luxus-SUVs mit seinem Fünf-Meter-Kreuzer auszustechen. Bereits im ersten Test (Heft 08/06) des Q7 3.0 TDI hatten BMW X5, Mercedes ML und VW Touareg das Nachsehen. Jetzt legt Mercedes nach und setzt Audi mit der bis auf zwei Millimeter genauso langen neuen GL-Klasse unter Druck. Die Basisvariante, der GL 320 CDI, muss nun zeigen, ob der Mehrpreis von über 14000 Euro im Vergleich zum 48900 Euro teuren Q7 3.0 TDI gerechtfertigt ist.

 

Karosserie

Weder der Audi noch der Mercedes werden in Deutschland gebaut. Made in Germany wird daher selbstbewusst durch Made by Audi (Slowakei) beziehungsweise Mercedes (USA) ersetzt. Die Qualität beider Fahrzeuge setzt Maßstäbe in dieser Klasse. Vor allem der Mercedes scheint aus dem Vollen geschnitzt zu sein. Der neue GL wirkt noch steifer als der mit viel Liebe zum Detail zusammengebaute Q7. Die Oberfläche des GL-Armaturenträgers hüllt sich serienmäßig wie auch die Sitzanlage in ansehnliches und griffsympathisches Artico (Ledernachbildung). Zudem offeriert der Stuttgarter üppige Platzverhältnisse auf allen Sitzen. Besonders Fahrer und Beifahrer haben selbst mit Schiebedach mehr Luft über ihren Köpfen als im Audi, der jedoch mehr Innenbreite offeriert. Das gilt auch für die zweite Reihe. Bei Bedarf lassen sich beide Luxus-SUVs mit zwei zusätzlichen Sitzen (Audi 700 Euro, Mercedes 1566 Euro) aufrüsten. Die dritte Sitzreihe des GL kann man per Knopfdruck elektrisch aufstellen, sie bietet auch großgewachsenen Personen angemessene Raumverhältnisse. Audi verspricht, dass auf den Sitzen sechs und sieben für 1,60 Meter große Personen ausreichend Platz vorhanden ist. Unser Testwagen war nur ein Fünfsitzer. Ebenso viel Platz wie den Insassen gönnen beide dem Gepäck. Auch hier, beim maximalen Ladevolumen, überbietet der Mercedes mit 2300 Litern den Audi um mehr als 250 Liter. Obendrein hat der Stuttgarter Offroader bei der Sicherheit die Nase leicht vorn. Den Ausschlag gibt das aufpreispflichtige Unfallfrüherkennungssystem Presafe (389 Euro). Audi kontert mit dem Side-Assist (550 Euro). Er erfasst Fahrzeuge, die sich im toten Winkel befinden und warnt den Fahrer per Blinkleuchte im Außenspiegel.

KarosserieMax. PunkteAudi Q7 3.0 TDI quattroMercedes GL 320 CDI 4matic
Raumangebot vorn1009292
Raumangebot hinten1009193
Übersichtlichkeit707679
Bedienung/ Funktion1008988
Kofferraumvolumen100108109
Variabilität1005353
Zuladung/ Anhängelast806964
Sicherheit150113116
Qualität/ Verarbeitung200174180
Kapitelbewertung1000865874

 

Fahrkomfort

Je schlechter die Straßenoberfläche ist, desto deutlicher wird der Unterschied zwischen GL und Q7. Die serienmäßige Luftfederung des Mercedes lässt sich weder von kleinen noch größeren Unebenheiten aus der Ruhe bringen. Der Aufbau des GL bleibt immer angenehm ruhig. Selbst Querfugen, die Offroader mit ihren schweren Rädern mitunter hölzern überfahren, bügelt der Mercedes nahezu unbeeindruckt glatt. Dringt dennoch etwas in den Innenraum durch, sorgt die sehr angenehme Polsterung der Sitze dafür, dass die Passagiere beschwerdefrei reisen. Der Audi zeigt einen völlig anderen Charakter: Seine aufpreispflichtige Luftfederung (2510 Euro) ist deutlich sportlicher abgestimmt. Bereits kleinere Kanten und Wellen leitet das Fahrwerk an die Insassen weiter. Die verschiedenen Dämpferkennlinien zwischen Dynamik und Komfort bewirken beim Q7 zudem nur einen geringen Unterschied - im Gegensatz zu den Programmen des GL. Hier wird zwischen Komfort und Sport deutlicher differenziert. Unruhig oder hart wirkt der Audi deshalb jedoch nicht. Hier tragen die Sitze einen erheblichen Teil zum guten Gesamteindruck bei. Bei den Geräuschen ist der Q7 mitteilsamer als der GL.

FahrkomfortMax. PunkteAudi Q7 3.0 TDI quattroMercedes GL 320 CDI 4matic
Sitzkomfort vorn150123125
Sitzkomfort hinten1008079
Ergonomie150124118
Innengeräusche503036
Geräuscheindruck1006270
Klimatisierung504445
Federung leer200146156
Federung beladen200144158
Kapitelbewertung1000753787

 

Motor und Getriebe

Sowohl bei der GL-Klasse als auch bei der Q7-Baureihe ist der Dreiliter-Diesel jeweils die Basismotorisierung. Beide V6-Motoren arbeiten mit Common-Rail-Einspritzung, Piezo-Injektoren und serienmäßigen Rußpartikelfiltern. Die Unterschiede sind dennoch groß: Der Audi spielt seinen Gewichtsvorteil immer und überall aus. Der Verzicht auf die zahlreichen Geländeoptionen (siehe Kasten) bei Fahrwerk und Antrieb sparen beim Q7 Gewicht und lassen ihn vehementer vorwärts stürmen. Fast zwei Sekunden Vorsprung bis Tempo 100 und fünf Sekunden bis 160 km/h sprechen für sich. Obendrein verbraucht der Audi mit 11,9 Liter Diesel auf 100 Kilometern fast einen Liter weniger als der 320 CDI, was auch am gut abgestimmten Sechsstufen-Automatik-Getriebe liegt. Dennoch ist der Mercedes-Diesel für sich betrachtet ein exzellenter Antrieb für den GL. Vor allem, weil er mit seiner Laufruhe hervorragend zum Charakter des Stuttgarters passt.

Motor und GetriebeMax. PunkteAudi Q7 3.0 TDI quattroMercedes GL 320 CDI 4matic
Beschleunigung150147131
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit1509080
Getriebeabstufung1009087
Kraftentfaltung503431
Laufkultur1007982
Verbrauch325121113
Reichweite253229
Kapitelbewertung1000593553

 

Fahrdynamik

Mit der sportlichen Abstimmung, die den Q7 beim Komfort Punkte kostet, trumpft er auf der Handlingstrecke richtig auf. Im Gegensatz zum GL folgt der Audi Lenkbefehlen deutlich williger. Seine Lenkung spricht bereits aus der Mittellage heraus gefühlvoller an und verwöhnt den Fahrer mit reichlich Rückmeldung. Die Lenkung des GL wirkt deutlich entkoppelter. Zwar macht der Mercedes auf kurvigen Strecken in Anbetracht der Größe und des Gewichts eine gute Figur, aber das Fahrgefühl bleibt eher gelassen als sportiv. Das wird insbesondere in der Slalomgasse deutlich, wo das ESP früh eingreift und so für Sicherheit sorgt. Beim Audi behält das ESP sowohl beim Wedeln um die Slalompylonen als auch beim Durchfahren schneller Kurven stets die Oberhand und verhindert kritische Fahrzustände schon im Ansatz. Dass der Q7 dennoch so zügig den Handling-Parcours befährt, zeigt, wie gut sein Fahrwerk nahe des Grenzbereichs funktioniert. Absolute Spitzenklasse sind die rundum innenbelüfteten Bremsen von Q7 und GL: Kalt oder warm bringt die Anlage des Audi die rund 2400 Kilogramm Masse bereits nach gut 36 Metern aus 100 km/h zum Stehen. Der Mercedes benötigt nur einen unwesentlich längeren Weg bis zum Stillstand.

FahrdynamikMax. PunkteAudi Q7 3.0 TDI quattroMercedes GL 320 CDI 4matic
Handling1508470
Slalom1003723
Lenkung1008379
Geradeauslauf504950
Bremsdosierung301914
Bremsweg kalt150123113
Bremsweg warm150127117
Traktion1008592
Fahrsicherheit150135131
Wendekreis2065
Kapitelbewertung1000748694

 

Umwelt und Kosten

Man muss sein Herz schon an den Mercedes GL verloren haben, um im Vergleich zum Audi Q7 über 14000 Euro mehr auszugeben. Auch der daraus resultierende hohe Wertverlust in Euro, die höheren Werkstattkosten und die teureren Versicherungsprämien kosten den neuen Mercedes GL Punkte und Kaufargumente.

Kosten/UmweltMax. PunkteAudi Q7 3.0 TDI quattroMercedes GL 320 CDI 4matic
Bewerteter Preis675289247
Wertverlust504016
Ausstattung254848
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung502827
Werkstattkosten203735
Steuer101515
Versicherung403428
Kraftstoff552927
Emissionswerte256573
Kapitelbewertung1000585516

 

Fazit

Es gibt Autos, die für die Ewigkeit gebaut sind und genau zu diesen gehört der Mercedes GL. Er ist wie eine Burg, die Sicherheit und Ruhe vom stressigen Alltag bietet. Ein Auto, das man sich einmal im Leben kauft und nie mehr hergibt. Allerdings ist der Preis dafür recht hoch. Um den Audi zu besiegen, reichen die Kapitelvorteile in der Karosserie- und Komfortwertung nicht. Das Fahrwerk und der Motor des Q7 lassen dem GL keine Chance. Denn obwohl der Mercedes dem Audi im Gelände überlegen ist, werden Fahrzeuge dieser Klasse bevorzugt auf gut asphaltierten Straßen bewegt und die sind das Revier des Q7. Vom deutlichen Kostenvorteil, den der Ingoldstädter gegenüber dem Stuttgarter Riesen bietet, ganz zu schweigen.

Gesamtbewertung

Max. PunkteAudi Q7 3.0 TDI quattroMercedes GL 320 CDI 4matic
Summe500035443424
Platzierung12

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