Audi Q7 3.0 TDI und Porsche Cayenne Diesel: Große SUV im Vergleich Gebrüder Luxusliner

30.06.2015

Nicht nur in der Höhe ist die Luft dünn, auch in der Klasse der Luxus-SUV. Dort drängt der neue Audi Q7 an die Spitze. Ein Vergleich mit dem Porsche Cayenne klärt, wie die Aussichten dafür stehen

Zehn Jahre sind eine lange Zeit, im Automobilbau sind sie eine Ewigkeit. So lange musste die erste Generation des Audi Q7 durchhalten, jetzt steht die vollkommen neu entwickelte zweite Generation zur Ablösung bereit. Äußerlich hat sich dabei erstaunlich wenig getan, unterm Blech dafür umso mehr. Audi bietet hier ein Technik-Feuerwerk, das die Konkurrenz ganz schön unter Druck setzt. Stichwort Leichtbau: Der Neue ist trotz immer noch mehr als fünf Meter Länge mit einem Leergewicht von 1995 Kilogramm rund 300 Kilogramm leichter als der Vorgänger. Selbst der knapp 20 Zentimeter kürzere Cayenne bringt über zwei Zentner mehr auf die Waage.

 

Audi Q7: Neuauflage des Luxus-SUV im Vergleich

Auch beim Thema Assistenzsysteme setzt der Ingolstädter neue Maßstäbe, und das klassenübergreifend: Highlights sind dabei der Querverkehrassistent – er warnt beim Rückwärtsausparken –, die Ausstiegswarnung – sie warnt per LED beim Aussteigen, falls sich ein Verkehrsteilnehmer von hinten nähert – oder der Abstandsregeltempomat mit Stauassistenten, der neben den Navidaten auch auf die Infos der Verkehrszeichenerkennung zurückgreift und die Geschwindigkeit somit sowohl an den Straßenverlauf – das Auto wird bei Kurven oder nahenden Kreuzungen automatisch verzögert – als auch an die Geschwindigkeitsbegrenzungen anpasst.

Das System funktionierte während unserer Vergleichsfahrt bemerkenswert gut und zeigt eindrucksvoll, dass der Weg zum autonom fahrenden Auto zumindest technisch kein allzu entfernter mehr ist. Weitere Features sind etwa der Anhängerassistent, das Head-up-Display, das infrarotbasierte Nachtsichtsystem sowie der Abbiege- oder auch der Effzienzassistent, der den Fahrer sogar ohne aktive Routenführung darauf hinweist, wann er das Tempo verlangsamen sollte. Der Haken an der Sache: Sämtliche Systeme gibt’s nur gegen Aufpreis.

Steigt man in den Q7, erwartet einen ein nicht nur sehr elegantes, sondern auch Audi-typisch extrem hochwertiges Interieur, das aufgrund der größeren Karosserie für Passagiere und Gepäck noch etwas mehr Platz zu bieten hat als der Cayenne-Innenraum. Gegen 1390 Euro Aufpreis lässt sich der Bayer sogar zum Siebensitzer aufrüsten. Speziell das Armaturenbrett ist eine Wucht, und das nicht nur optisch.

Nach dem TT ist der Q7 der zweite Audi, der mit den voll digitalen Instrumenten ausgestattet werden kann (600 Euro). Anders als beim Ingolstädter Sportwagen dient das 12,3 Zoll große Display hinter dem Lenkrad in erster Linie zur Darstellung, bedient wird das MMI-System mithilfe des Dreh-Drück-Stellers samt Touch-Eingabe äche und des großen Displays ganz vorn auf dem Mitteltunnel.

Wie schon im TT bedarf die neueste MMI-Generation auch im Q7 einer gewissen Eingewöhnung, von der intuitiven Bedienbarkeit des iDrive-Systems von BMW ist das Audi-Pendant nach wie vor ein gutes Stück entfernt. Der Konzernbruder Porsche Cayenne verfolgt in puncto Bedienung nach wie vor eine  andere Philosophie: Überspitzt formuliert könnte man sagen „Jede Funktion bekommt eine Taste“.

Ganz so ist es nicht, auch wenn einen die Flut an Tasten auf der Mittelkonsole beim Erstkontakt mit dem SUV zunächst etwas überfordert. Zwar klappt die Bedienung nach einer gewissen Zeit weitgehend problemlos, doch das täuscht nicht darüber hinweg, dass das Porsche-Infotainmentsystem in puncto Darstellung und Funktionsumfang besonders im Vergleich zu dem des Audi recht alt aussieht. Die Online-Möglichkeiten beschränken sich auf Wettervorhersage, Webradio sowie Reiseziel-Suche.

Der Q7 bietet nicht nur den Vorteil, dass er mit LTE-Geschwindigkeit sowie einer integrierten SIM-Karte online geht, während der Porsche dafür ein gekoppeltes Smartphone benötigt. Auch die Anzahl der Funktionen ist um ein Vielfaches größer. So können neben aktuellen Spritpreisen zusätzlich Nachrichten oder Veranstaltungen in der Stadt abgefragt werden. Erstmals in einem Audi lassen sich ab September auch Smartphones via Android Auto (Google) oder CarPlay (Apple) in das MMI-System integrieren und bedienen.

Von den technischen Highlights abgesehen begeistert das Q7-Cockpit auch in Sachen Anmutung – es ist eine echte Schau. Edle Oberflächen, fein rastende Drehregler und die sanft gleitenden Schieber der Lüftungsdüsen zeigen eindrucksvoll, mit wie viel Liebe zum Detail hier zu Werke gegangen wurde. Schade nur, dass das Exterieur-Design im Vergleich geradezu einfallslos ausgefallen ist. Doch über Geschmack lässt sich ja bekanntlich nicht streiten, und deswegen konzentrieren wir uns auf die anderweitigen Qualitäten des neuen Q7, etwa das Fahrwerk.

Der von uns getestete Allradler war neben der Luftfederung auch mit der Allradlenkung ausgestattet, die dem wuchtigen Audi auf den kurvigen Bergstraßen eine bemerkenswerte Handlichkeit beschert. An die ausgesprochene Agilität des Porsche Cayenne reicht der Q7 trotz des immensen Fortschritts in diesem Punkt dennoch nicht heran, was allerdings keinesfalls negativ zu bewerten ist.

Ganz im Gegenteil: Gut, dass die Entwickler nicht krampfhaft versucht haben, aus dem geräumigen Oberklasse-SUV einen verkappten Sportwagen zu machen, sondern den Fokus auf die Komforteigenschaften gelegt haben. Und das Ergebnis überzeugt: Der Q7 punktet mit einem Geräusch- und Federungskomfort, der die Messlatte in dieser Klasse auf ein neues Level hebt.

Motor-, Abroll- und Windgeräusche sind auch dank der optionalen Doppelverglasung sehr gut gedämmt, die aufpreispflichtige Luftfederung bügelt Unebenheiten mit beeindruckender Souveränität glatt, und das sänftenartige, wogende Fahrgefühl erinnert dabei an das der Mercedes S-Klasse. Der Cayenne ist zwar ebenfalls ein sehr komfortables Fahrzeug, im direkten Vergleich sind Geräusche und Vibrationen aber deutlicher zu vernehmen, seine Luftfederung ist straffer abgestimmt.

Angetrieben werden beide Allradler von einem weitgehend baugleichen V6-Turbodiesel, der im Audi Q7 3.0 TDI quattro in einer kräftigeren Ausbaustufe zum Einsatz kommt. Obwohl die Vorteile bei Leistung (272 zu 262 PS) und Drehmoment (600 zu 580 Nm) nicht sonderlich groß ausfallen, sind die Unterschiede bei den Fahrleistungen deutlich. Auf Tempo 100 soll der leichtere Audi mit 6,3 s eine glatte Sekunde flotter sein, und auch bei der Höchstgeschwindigkeit zeigt er dem Porsche Cayenne Diesel die Rücklichter (234 zu 221 km/h).

Gleichzeitig soll er rund einen Liter weniger Diesel benötigen, auch wenn sich die Werksangabe von 5,7 l/100 km bei unserer Fahrt als utopisch herausstellte. Preislich können sich die Audi-Kunden freuen, dass der Q7 den Cayenne hier nicht übertrifft: 60.900 Euro kostet der V6-TDI, der Porsche ist 6000 Euro teuer.

TECHNIK
   

Audi Q7 3.0 TDI quattro
Porsche Cayenne Diesel
Motor V6-Zylinder, 4-Ventiler, Turbodiesel, Partikelfilter  V6-Zylinder, 4-Ventiler, Turbodiesel, Partikelfilter
Hubraum 2967 cm3  2967 cm3
Leistung 200 kW/272 PS bei 3250 - 4250 /min 193 kW/262 PS bei 4000 /min
Max. Drehmoment 600 Nm bei 1500 - 3000 /min 580 Nm bei 1750 - 2500 /min
Getriebe 8-Stufen-Automatik  8-Stufen-Automatik
Antrieb Allrad, permanent Allrad, permanent
L/B/H 5052/1968/1741 mm  4855/1939/1705 mm
Radstand 2994 mm 2895 mm
Leergewicht 1995 kg 2110 kg
Kofferraum 890 - 2075 l 618 - 1728 l
Beschleunigung1 0-100 km/h in 6,3 s 0-100 km/h in 7,3 s
Höchstgeschwindigkeit1 234 km/h 221 km/h
EU-Verbrauch1 5,7 l/D 100 km 6,6 l/D 100 km
CO2-Ausstoß1 149 g/km 173 g/km
Grundpreis 60.900 Euro 66.974 Euro
1 Werksangabe

Unser Fazit

Mit dem neuen Q7 liefert Audi ein technisches Feuerwerk ab, das dem Slogan „Vorsprung durch Technik“ wieder neues Leben einhaucht. Schade, dass die Ingolstädter beim Karossriedesign etwas der Mut verlassen hat. Die Konkurrenz wird es dennoch schwer haben, denn außer der besseren Agilität hat der Porsche Cayenne nur wenig entgegenzusetzen.

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