Abgas-Skandal: Audi-Händler nimmt Q5 zurück Kunde gibt TDI an Händler zurück

Ein Audi-Händler hat den Q5 TDI eines von VW enttäuschten Kunden zurückgenommen, der Rücktritt vom Kaufvertrag ist im Einzelfall auch ohne Warten auf Nachbesserung möglich.

Der Skandal um geschönte Emissions- und Verbrauchswerte bei Volkswagen hat bei vielen Kunden Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Unternehmens geweckt. Rechtsanwälte gehen davon aus, dass die Käufer manipulierter Modelle von ihrem Kaufvertrag zurücktreten und von Volkswagen die Rücknahme bereits ausgelieferter Autos verlangen können. Zwar bietet Volkswagen allen vom Diesel-Skandal betroffenen Kunden eine kostenlose Nachbesserung und eine daraus resultierende Erfüllung der versprochenen Emissionswerte an, einige Experten erwarten in diesem Zusammenhang aber Nachteile wie beispielsweise reduzierte Motorleistung oder höheren Praxisverbrauch. Ob diese Nachteile tatsächlich auftreten, kann derzeit niemand mit Sicherheit sagen – sie können aber auch nicht ausgeschlossen werden. Dass geschädigte Kunden im Zuge des Abgas-Skandals ihr Vertrauen in Volkswagen verloren und daher kein Interesse an einer möglichen Nachbesserung haben, lässt sich nach Überzeugung der Kanzlei Dr. Stoll & Sauer Rechtsanwaltsgesellschaft mbH auch vor Gericht durchsetzen. Die Anwälte vertreten bereits mehrere tausend Volkswagen-Kunden und haben bereits erreicht, dass ein Händler den Audi Q5 eines Kunden zurückgenommen und somit den Rücktritt vom Kauf akzeptiert hat. 2014 hatte der Kunde den Audi Q5 für 30.250 Euro gekauft. Vom Händler bekommt er jetzt 29.000 Euro ausbezahlt.

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Audi-Händler nimmt Q5 wegen VW-Skandal zurück

Ob die Rücknahme des Audi Q5 eine Ausnahme oder den Beginn einer ganzen Serie von Rückabwicklungen darstellt, lässt sich derzeit noch nicht sagen. Ein Urteil des Bundesgerichtshofs bestätigt jedenfalls, dass der Rücktritt vom Kaufvertrag unter bestimmten Voraussetzungen auch ohne eine Möglichkeit zur Nachbesserung rechtens sein kann. Konkret setzen die Richter dafür voraus, dass einer der Vertragspartner "durch schuldhaftes Verhalten eine solche Unsicherheit in das Vertragsverhältnis hineinbringt, dass dem vertragstreuen Teil die Aufrechterhaltung des Vertrages nicht mehr zugemutet werden kann, namentlich wenn dieses Verhalten eine zur Unzumutbarkeit der Vertragsfortsetzung führende geschäftliche Unzuverlässigkeit des Vertragspartners erkennen lässt." (BGH-Urteil vom 10.03.2010, Az. VIII ZR 182/08). Obwohl der Autokauf in aller Regel über Händler oder Niederlassungen und nicht über Volkswagen selbst abgewickelt wird, lässt sich das Urteil nach Überzeugung von Rechtsanwalt Ralph Sauer auf den VW-Skandal übertragen. Gegenüber dem Autobauer können Geschädigte auch noch Zinsen in Höhe von vier Prozent p.a. seit dem Zeitpunkt der Überweisung des Kaufpreises verlangen.

 

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