Kompakt-SUV-Vergleich: Audi Q3, Range Rover Evoque und ihre härtesten Gegner

17.11.2011
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Audi Q3 und Range Rover Evoque bringen Schwung in die Klasse der kompakten SUV. Können die beiden Neulinge die etablierte Konkurrenz von VW, Skoda und Mini auf die Plätze verweisen?

Lange haben die Ingolstädter dem Konzernkollegen VW das Feld kampflos überlassen. Ganze vier Jahre durften sich die Wolfsburger das größte Stück Kuchen in der Klasse der Kompakt-SUV gönnen. Doch nun bringt Audi nach Q7 und Q5 den Q3 auf den Markt, der den neuen Maßstab in diesem Fahrzeugsegment markieren soll. Gleichzeitig präsentiert Range Rover den lang erwarteten Evoque, mit dem den Briten optisch ein großer Wurf gelungen ist. Ob er auch technisch auf Augenhöhe mit der etablierten Konkurrenz agieren kann, zeigt der erste Vergleichstest mit dem Klassenprimus VW Tiguan, dem Allrounder Skoda Yeti sowie dem zweiten Briten im Bunde, dem Mini Countryman. Alle fünf SUV treten mit Dieselmotoren sowie Allradantrieb zum großen Stelldichein an. Der Test soll zeigen, ob es den Neulingen nicht nur optisch gelingt, Farbe in das Segment zu bringen, sondern auch die bisherige Rangfolge auf den Kopf zu stellen.

 

Karosserie

Die Karosserien der SUV messen in der Länge zwischen 4,10 (Mini) und 4,52 Meter (Tiguan). Die Unterschiede beim Raumangebot fallen entsprechend groß aus. Auf den Vordersitzen bieten der weit geschnittene Tiguan sowie der mit der größten Innenbreite gesegnete Evoque die meiste Bewegungsfreiheit. Der kantige Yeti rangiert mit seiner kastenartigen Karosserie knapp dahinter. Dass der Mini Countryman hier vor dem Audi landet, liegt vor allem an der unnötig hohen Sitzposition im Q3, die großgewachsene Fahrer unter dem Dach kauern lässt. Hinzu gesellt sich ein mäßiges Raumgefühl aufgrund der hohen Gürtellinie.

In der zweiten Reihe kann sich der VW ebenfalls an die Spitze setzen – knapp vor dem geräumigen Skoda. Während es dem Evoque im Fond an Beinfreiheit mangelt, bekommen die Insassen im Q3 die abfallende Dachlinie sowie die relativ stark geneigten Scheiben zu spüren. Auch wenn der Mini in diesem Test als Viersitzer antritt, merkt man dem Briten die fehlenden Zentimeter in der Breite an. Wer sein Gefährt des Öfteren als Transportfahrzeug einsetzen möchte, ist mit dem Mini Cooper SD Countryman ALL4 ebenfalls schlecht beraten. Sein Gepäckraum erweist sich mit 350 bis maximal 1170 Litern als der kleinste. Zudem darf er mit 372 kg am wenigsten zuladen und lediglich 800 Kilogramm an den Haken nehmen. Die höchste Anhängelast von 2200 Kilogramm macht den VW Tiguan zum Zugfahrzeug erster Wahl, Skoda und Audi rangieren mit jeweils zwei Tonnen knapp vor dem Range Rover (1800 kg).

Überraschenderweise passt in den kompakten Yeti am meisten Gepäck. Baut man die hinteren Einzelsitze aus, verschwinden bis zu 1760 Liter im Laderaum des Tschechen, womit er sogar den geräumigen Tiguan (1510 Liter) übertrumpft. Doch in der Praxis geht es meist nicht nur um das absolute Ladevolumen, sondern darum, wie sich der Innenraum am besten nutzen lässt. Variabilität lautet hier das Stichwort. Auch da kann keiner der vier Rivalen dem Skoda Yeti 2.0 TDI 4x4 das Wasser reichen. Seine drei Fondsitze lassen sich in Längs- sowie bei hochgeklapptem Mittelsitz sogar in Querrichtung verschieben. Ebenso wie bei Audi und VW kann man die Lehne des Beifahrersitzes umklappen, wobei nur der Tiguan mit diesem Feature ab Werk ausgerüstet ist. Das Schlusslicht bildet in dieser Disziplin der Range Rover Evoque knapp hinter dem Q3, da sich deren Rücksitzbänke nicht verschieben lassen und die schrägen Heckklappen die Nutzbarkeit des Gepäckraums ein wenig einschränken.

Dafür verweist der Ingolstädter mit gewohnt penibler Verarbeitung sowie feiner Materialauswahl den Rest des Feldes auf die Plätze. Der Mini fällt hier deutlich ab, was neben der bescheidenen Materialqualität auch an den lautesten Karosseriegeräuschen liegt.

KarosserieMax. PunkteVW Tiguan 2.0 TDI 4MotionAudi Q3 2.0 TDI Quattro S-tronicSkoda Yeti 2.0 TDI 4x4Mini Cooper SD Countryman ALL4Range Rover Evoque TD4
Raumangebot vorn1007362726576
Raumangebot hinten1006761644861
Übersichtlichkeit705349565047
Bedienung/ Funktion1009086907586
Kofferraumvolumen1004744422940
Variabilität1005541655538
Zuladung/ Anhängelast804643391942
Sicherheit15010395958987
Qualität/ Verarbeitung200179183172152178
Kapitelbewertung1000713664695582655

 

Fahrkomfort

Q3 und Tiguan traten mit adaptiven Dämpfern zum Vergleichstest an, die VW mit 1070, Audi mit 980 Euro berechnet. Damit ausgerüstet, markiert der Wolfsburger in puncto Federungskomfort die Spitze des Fünferfeldes. Seine Feder-Dämpfer-Kombination bügelt selbst übelste Unebenheiten gelassen weg, das sensible Ansprechverhalten sucht in dieser Klasse seinesgleichen. Die Konzernbrüder aus Süddeutschland und Tschechien sind sportlicher abgestimmt und verarbeiten Querfugen und kurze Bodenwellen weniger geschmeidig. Im unbeladenen Zustand ist der Aufbau des Range Rover Evoque TD4 auf welliger Fahrbahn wegen der straffen Dämpfer permanent in Bewegung. Dieses Phänomen bessert sich jedoch mit zunehmendem Gewicht an Bord. Andersherum verhält es sich im Fall des Countryman. Sein auf Agilität getrimmtes Fahrwerk verdaut zusätzliche Pfunde weniger gut, besonders die Hinterachse quittiert tiefe Kanaldeckel mit deutlich vernehmbaren Poltergeräuschen und schlägt am ehesten durch.

Eine überzeugendere Vorstellung liefert der neue Evoque hingegen auf den Gebieten Klimatisierung und Geräuschkomfort ab. Als einziger verwöhnt er die Passagiere serienmäßig mit einer Klimaautomatik, zudem weisen ihn die Geräuschmessungen als das leiseste Auto aus. VW, Audi und Skoda belästigen die Ohren der Insassen nur wenig mehr, während der Mini mit dem lautesten Mix aus Fahr-, Abroll-, Wind- und Karosseriegeräuschen auf längeren Strecken die Nerven strapaziert.

Dass der Q3 bei der Ergonomie im Vergleich mit den Konzernkollegen Punkte einbüßt, liegt neben der unpraktischen Stufe bei umgelegten Sitzen an der rückenfeindlichen Kombination aus hoher Ladekante und tiefem Kofferraumboden. Abhilfe schafft hier zum Teil ein Wendeladeboden, den Audi aufpreisfrei anbietet.

FahrkomfortMax. PunkteVW Tiguan 2.0 TDI 4MotionAudi Q3 2.0 TDI Quattro S-tronicSkoda Yeti 2.0 TDI 4x4Mini Cooper SD Countryman ALL4Range Rover Evoque TD4
Sitzkomfort vorn150125122118113120
Sitzkomfort hinten1007068716564
Ergonomie150132127132118128
Innengeräusche503333302836
Geräuscheindruck1007069674572
Klimatisierung503231322937
Federung leer200142138138133131
Federung beladen200140136135130133
Kapitelbewertung1000744724723661721

 

Motor und Getriebe

Schon auf dem Papier haben die drei Vertreter des Volkswagenkonzerns mit ihren 170 PS beziehungsweise den 177 PS des Audi die Nase vorn. Die derzeit stärkste Dieselversion des Mini (143 PS) und der zum Test angetretene 150-PS-Diesel des Range haben da keine Chance. Zwar gibt es vom Evoque auch eine Variante mit 190 PS, aber diese würde mit fast 39.000 Euro den Kostenrahmen in unserem Vergleich sprengen.

Den Rahmen sprengen trifft auch auf den neuen Audi Q3 2.0 TDI Quattro S-Tronic zu. Der kleinste Ableger der Q-Baureihe hängt am Gas wie ein Sportwagen und bringt die Kraft dank sensiblem Allradsystem verlustfrei auf die Piste. Resultat: Den Sprint von null auf 100 km/h absolviert der Ingolstädter in nur 7,2 Sekunden. Das ist eine Sekunde schneller als die Werksangabe und 1,5 Sekunden fixer als der fast gleich starke Skoda Yeti. Eine Leistungsmessung ergab, dass der Motor des Q3 mit 190 PS am oberen Ende der Toleranz arbeitet. Das macht sich insbesondere oberhalb von Tempo 100 deutlich bemerkbar. Hier befindet sich der Audi in einer anderen Klasse. Die für sich sehr kraftvollen Yeti und Tiguan verlieren bis 160 km/h mehr als fünf Sekunden. Das gilt auch für den Mini Cooper SD Countryman ALL4 . Der hat jedoch mit 143 PS den schwächsten Turbodiesel unter der Haube. Aber die gierige Gasannahme, die quirlige Drehfreude und das exakt zu schaltende Sechsgang-Getriebe mit den fein abgestimmten Anschlüssen sorgen dafür, dass der Mini den Anschluss an die stärkere Konkurrenz hält. Der sehr schwere Range (317 Kilogramm mehr als der Mini) fährt gänzlich hinterher. Selbst der schwächere Countryman distanziert sich bis Tempo 160 deutlich vom britischen Kollegen. Dennoch gefällt auch der neue Evoque mit seinem sehr knackigen, sauber schaltbaren Getriebe sowie dem drehwilligen und zudem sehr kultivierten Triebsatz. Das für die britische Traditionsmarke typische viel zu hohe Gewicht kann der Antrieb aber nicht überspielen.

Deutlich enger liegen die fünf Kompakt-SUV beim Verbrauch zusammen. Der Mini markiert mit 6,7 Litern auf 100 Kilometern den Bestwert. Allerdings benötigt der Range Rover Evoque TD4 gerade einmal 0,5 Liter mehr. Beide profitieren von ihren gut arbeitenden Start-Stopp-Systemen, die bei Rotphasen die Motoren sanft abschalten. Auch der Audi stoppt bei Standphasen den Diesel. Zudem verfügt sein Doppelkupplungsgetriebe über eine Segelfunktion. Das bedeutet, dass sobald der Fahrer seinen Fuß vom Gaspedal nimmt, das Getriebe vom Motor getrennt wird und der Q3 ohne die sonst übliche Bremswirkung dahingleitet. Allerdings wirkt sich das System gegenüber der Konkurrenz nicht positiv auf den Verbrauch aus.

Die nahezu baugleichen handgeschalteten Motoren von Skoda und VW kommen ohne Start-Stopp-Funktion aus und gehen fast gleich sparsam mit dem Diesel um.

Motor und GetriebeMax. PunkteVW Tiguan 2.0 TDI 4MotionAudi Q3 2.0 TDI Quattro S-tronicSkoda Yeti 2.0 TDI 4x4Mini Cooper SD Countryman ALL4Range Rover Evoque TD4
Beschleunigung150110122111107100
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit1505462544942
Getriebeabstufung1008086808281
Kraftentfaltung503436343535
Laufkultur1007068685570
Verbrauch325249251251254245
Reichweite251818171316
Kapitelbewertung1000615643615595589

 

Fahrdynamik

Dass auch hochbeinige SUV keine Langeweiler sein müssen, beweisen die fünf Kontrahenten auf dem Handlingparcours, allen voran der Mini. Trotz der deutlich schlechteren Fahrleistungen gegenüber dem gut im Futter stehenden Q3 hängt der Brite dem Bayern spielerisch an der Heckschürze. Während der Audi im Grenzbereich sicher und bremsend über die Vorderräder nach außen drückt, profitiert der Mini von seinem willigen Einlenkverhalten und dem bei Lastwechseln nach außen drängenden Heck. Angenehm dezent reguliert dabei das DSC (ESP) übertriebenen Eifer – es wacht wie bei allen anderen SUV auch deaktiviert stets im Hintergrund. VW Tiguan 2.0 TDI 4Motion und Yeti stehen für Fahrsicherheit und bremsen schon deutlich früher ihre Fahrer durch konsequentes Untersteuern und stärker einschreitende Stabilitätsprogramme ein.

Der neue Evoque verliert trotz seines hohen Gewichts und seiner mäßigen Fahrleistungen nicht den Anschluss. Zumindest nicht an den Skoda und den VW. Seine Lenkung agiert präzise und informiert seinen Fahrer mit dem Quäntchen mehr Rückmeldung im Vergleich zu dem Tschechen und dem Wolfsburger. Erst bei schnellen Wechselkurven, wie sie im Slalom gefahren werden, kommt er an seine Grenzen. Sein hohes Gewicht verlagert sich dann zu heftig von einer Seite auf die andere. Die starken Rollbewegungen um die Längsachse rufen harte Regeleingriffe seines unsensiblen DSC (ESP) hervor. Zudem schwächt ihn seine schlechte Bremsperformance. Der auf Ganzjahresreifen stehende Range überschreitet warm sogar die 40-Meter-Marke. Wie es besser geht, zeigt vor allem der VW. Gerade einmal 33,8 Meter benötigt der Tiguan im Schnitt, um aus Tempo 100 zum Stillstand zu kommen.

FahrdynamikMax. PunkteVW Tiguan 2.0 TDI 4MotionAudi Q3 2.0 TDI Quattro S-tronicSkoda Yeti 2.0 TDI 4x4Mini Cooper SD Countryman ALL4Range Rover Evoque TD4
Handling1505771577056
Slalom1005671627145
Lenkung1008586828685
Geradeauslauf504141393840
Bremsdosierung301819171918
Bremsweg kalt15010192788354
Bremsweg warm15011297879743
Traktion1008888889092
Fahrsicherheit150138138135130138
Wendekreis2086141111
Kapitelbewertung1000704709659695582

 

Umwelt und Kosten

Der bereits ab Werk gut ausgestattete Mini Cooper SD Countryman ALL4 verbucht die meisten Zähler auf seinem Konto. Er ist der Günstigste in der Anschaffung, der sparsamste beim Verbrauch und hält sich auch bei allen anderen Unterhaltskosten erfreulich zurück. Selbst der Skoda Yeti ist unterm Strich teurer. Auch Volkswagen zeigt sich mit einem Einstiegspreis von 32.700 Euro nur bedingt volksnah. Deutlich über die Stränge schlagen der Audi Q3 und der Range Rover Evoque, die mit ihren abgehobenen Preisen auf wesentlich finanzkräftigere Kunden zielen.

Kosten/UmweltMax. PunkteVW Tiguan 2.0 TDI 4MotionAudi Q3 2.0 TDI Quattro S-tronicSkoda Yeti 2.0 TDI 4x4Mini Cooper SD Countryman ALL4Range Rover Evoque TD4
Bewerteter Preis675174156192193160
Wertverlust501917202117
Ausstattung252019202118
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung502828282823
Werkstattkosten201616151611
Steuer1077787
Versicherung403130293024
Kraftstoff554141414240
Emissionswerte258588808487
Kapitelbewertung1000421402432443387

 

Fazit

Dem neuen Audi Q3 gelingt es nicht, den Klassen-Primus VW Tiguan vom Thron zu stoßen. Zwar kann der Ingolstädter die Kapitel Motor und Fahrdynamik für sich entscheiden, das mäßige Platzangebot, die für ein SUV nur durchschnittliche Variabilität sowie der hohe Preis lassen ihn jedoch hinter den Wolfsburger zurückfallen. Der überzeugt mit tollem Fahrkomfort, viel Platz sowie einer umfangreichen Sicherheitsausstattung. Der praktische und ausgewogene Skoda Yeti belegt nur knapp dahinter den dritten Rang. Mit recht deutlichem Abstand folgt der Mini Countryman, der zwar über den sparsamsten Antrieb verfügt und ungemein viel Fahrspaß bereitet, bei Komfort und Platzangebot jedoch den Anschluss verliert. Der letzte Platz geht an den gelungenen Range Rover Evoque. Leider gibt es für Design keine Punkte, und die schlechten Bremswerte berauben ihn jeglicher Chance auf eine bessere Platzierung.

Gesamtbewertung

Max. PunkteVW Tiguan 2.0 TDI 4MotionAudi Q3 2.0 TDI Quattro S-tronicSkoda Yeti 2.0 TDI 4x4Mini Cooper SD Countryman ALL4Range Rover Evoque TD4
Summe500031973142312429762934
Platzierung12345

Tags:
Severin Elektrische Kühlbox
UVP: EUR 123,99
Preis: EUR 65,00 Prime-Versand
Sie sparen: 58,99 EUR (48%)
Nulaxy FM Transmitter
UVP: EUR 23,89
Preis: EUR 20,90 Prime-Versand
Sie sparen: 2,99 EUR (13%)
Alkoholtester
 
Preis: EUR 16,99 Prime-Versand
Copyright 2017 autozeitung.de. All rights reserved.