Neue Modelle: Mercedes und Audi 2013 bis 2016, Vorstellung Q6, R8, A8 vs. MLC, CLA, GT Stern gegen Ringe

28.08.2013
Inhalt
  1. MERCEDES CLA SHOOTING BRAKE CONTRA AUDI A3 SPORTBACK
  2. NEUE MERCEDES C-KLASSE GEGEN DEN A4-NACHFOLGER VON AUDI
  3. NEUE UNKONVENTIONELLE SUV-MODELLE AUF BEIDEN SEITEN

Mit dem Schwung neuer Modelle will Mercedes das Ruder in der Premium-Spitzenliga wieder herumreißen. Doch Audi kontert – auch die Ingolstädter wollen bald die Nummer eins sein

Ist der schlafende Riese geweckt? Der Luxushersteller Daimler, dessen Absatzzahlen zuletzt nur noch für den unattraktiven Platz drei hinter BMW und Audi reichten, wittert wieder Morgenluft: Rund 5,2 Milliarden Euro im zweiten Quartal verdient, die Aktie brummt gut über der 50-Euro-Marke und dazu 694.433 weltweit verkaufte Autos bei Mercedes im ersten Halbjahr (plus 6,4 Prozent). „Rekordniveau“ jubelte man in Stuttgart, und Daimler-Chef Dieter Zetsche deckte sich für 1,15 Millionen Euro mit eigenen Aktien ein – quasi als Vertrauensbeweis für den Konzern. Allerdings war Audi im ersten Halbjahr genauso gut in Fahrt, auch hier gab es einen Zuwachs von 6,4 Prozent – die entsprachen jedoch dem Absatz von 780.000 Autos. Und in einem Interview redete Audi-Chef Rupert Stadler nicht über Mercedes, sondern darüber, dass man auf Tuchfühlung zum Spitzenreiter BMW sei.

 

MERCEDES CLA SHOOTING BRAKE CONTRA AUDI A3 SPORTBACK

Fest steht: Der Kampf geht erst los, die nächsten Jahren werden spannend fürs Rennen an der Spitze, zumal sich Mercedes jetzt mehr auf jüngere Kunden und sogar auf Internetshops einschießen will. Da zeigen wir schon mal, was die beiden Kontrahenten modellmäßig in der Hinterhand haben, denn davon wird alles abhängen. Neun ganz spannende Direkt-Duelle sind jedenfalls schon in Sicht.

Wichtig für Mercedes ist der Ausbau der neuen A-Klasse-Familie – Stichwort Shooting Brake, das Synonym für schöne Kombis bei Mercedes. Der auf der E-Klasse basierende CLS hat es vorgemacht: Man nehme eine attraktive, coupéartige Limousine, ziehe das Dach mit flottem Strich weiter nach hinten und runde das Ganze mit einem knackigen Hinterteil ab. So wird es auch beim neuen CLA Shooting Brake, der im Sommer nächsten Jahres anrollt. Die Technik des 4,63-Meter-Schönkombis stammt von der CLA Limousine (Motoren 122 bis 360 PS). Beim Laderaum zielt er höher: Statt 470 gibt es 500 Liter Volumen, die sich auf 1400 erweitern lassen. Zudem offeriert der Shooting Brake mehr Kopffreiheit auf den Rücksitzen.

Als Kompaktklasse-Ableger (Einstiegspreis gut 30.000 Euro) konkurriert er zunächst mit dem Audi A3 Sportback, der auch eine feine Figur macht. Der scharf gezeichnete 4,31-Meter- Fünftürer ist noch frisch auf dem Markt. Beim Laderaum bietet er mit 380 bis 1220 Litern klar weniger, dafür aber gute Bewegungsfreiheit in beiden Sitzreihen. Motoren: Benziner von 105 bis 300 PS (S3), Diesel von 105 bis 150 PS. Aufgrund seiner Größe rivalisiert der CLA Shooting Brake aber auch mit Audis elegantem A5 Sportback (ab 33.850 Euro), denn dieser Modische ist mit 4,71 Metern nur acht Zentimeter länger und auch schön geräumig.

Und es kommt noch eine A-Klasse-Neuheit, denn es wird auch einen Baby-Benz für Offenfahrer geben – das viersitzige Cabrio, das von einem sportlich-knapp sitzenden Stoffdach bemützt wird. Große Eile haben die Schwaben damit aber nicht, zumal die A-Klasse-Werke Rastatt und Kecskemét (Ungarn) sowie die Auftragsfertigung bei Valmet (Finnland) voll ausgelastet sind. So startet das Cabrio erst 2015. Bei Audi lauert dann längst das A3 Cabrio, das schon im März 2014 mit schnittigerem Design kommt. Dazu gibt es mehr Platz im Fond, mehr Ladevolumen und wie bisher das klassische Stoffverdeck. Das neue Modell nutzt die Basis der A3 Limousine, hat aber den kürzeren Radstand des Schrägheckmodells.

 

NEUE MERCEDES C-KLASSE GEGEN DEN A4-NACHFOLGER VON AUDI

Eine Klasse höher findet ein weiteres prickelndes Neuheiten-Duell statt: komplett neue CKlasse gegen den A4-Nachfolger. Der Mercedes kommt Mitte nächsten Jahres, er soll den Marken-Slogan „Das Beste oder nichts“ glaubhaft machen. Entwicklungsziel: Gewicht runter, Qualität rauf. So bestehen viele Außenbleche künftig aus Aluminium (Haube, Dach, Türen, Kotflügel, Rückwand), auch in anderen Bereichen wird um jedes Gramm gekämpft.

Je nach Ausstattung und Motor soll die neue C-Klasse zwischen 50 und 100 kg leichter werden. Alle Innenraum-Materialien sollen viel feiner sein, und da die C-Klasse zur Abgrenzung vom sportlichen CLA in der Länge um zehn Zentimeter auf gut 4,70 Meter zulegt, wird der Fondknieraum klar wachsen. Auch das Ladevolumen legt hier spürbar zu: von 475 auf gut 500 Liter. Und die C-Klasse offeriert gleich die neuesten Assistenzsysteme der S-Klasse – Stereokamera für die Querverkehrs-Erkennung, Spurhalte- und Staufolgeassistent.

Die Motorenpalette? Ein breites Spektrum von 156 PS beim Basis-Benziner C 180 bis zu über 460 PS im C 63 AMG. Neu bei den Benzinern sind der Zweiliter-Turbo (184/211 PS) und der Dreiliter-V6-Turbo im C 400 (333 PS). Später folgt auch ein Plug-in-Hybrid. Von Anfang an gibt es den Hybrid C 300 BlueTEC HYBRID: 2,1-Liter-Vierzylinderdiesel mit 204 PS plus 27-PS-E-Motor – der Normverbrauch liegt immerhin unter vier Liter Diesel.

Der Audi A4-Nachfolger, über den wir schon mehrfach berichtet haben, startet erst im März 2015. Sein Design ist nochmal verschärft worden – mit völlig neuen seitlichen Doppelbügelfalten, in deren Mitte eine Hohlkehle sitzt. Der A4, der auf der neuesten Evo-Version des modularen Längsbaukastens basiert, hat mit mehr Radstand und Breite mehr Platz und Ladevolumen als das aktuelle Auto, eine Plug-in-Hybridversion ist gleich mit von der Partie. Ganz oben, in der Luxuskategorie, trifft die aktuelle S-Klasse auf den etablierten A8, der zum Jahresende in überarbeiteter Form kommt.


NEUE S-KLASSE GEGEN DEN A8, GT-SPORTLER GEGEN NEUEN R8

Die Schwaben fahren in ihrem Flaggschiff alles auf, was die älteste Automarke der Welt hergibt (Vorstellung in Heft 12/2013). Das reicht vom verbesserten Nachtsicht-Assistenten über das mit einer Stereokamera vernetzte „sehende“ Fahrwerk Magic Body Control und Massagesitze bis hin zur Armlehnenheizung „Panel Heating“. Das obere Ende der Motorenpalette markiert der 585 PS starke S 63 AMG für 149.881 Euro.

Aber auch der A8 von Audi rüstet auf. Am Motorenprogramm (245 bis 520 PS) des Topmodells ändert sich nichts, aber alle Aggregate werden spürbar weniger verbrauchen, auch gibt es jeweils einige PS mehr – und dazu neue Fahrerassistenzsysteme wie den aktiven Spurhalteassistenten, der nun dank des Wechsels von elektrohydraulischer auf elektromechanische Lenkung möglich wird. Außerdem: optische Retuschen, die neuen Matrixbeam-Scheinwerfer, die den Gegenverkehr automatisch ausblenden sowie neue Connect-Dienste, Online-Verkehrsinfos und Vernetzung mit sozialen Netzwerken.

Härter wird das Duell bei den Sportlern, denn Mercedes will über AMG die Frage nach einem Porsche 911-Killer ab Mitte 2016 mit dem GT beantworten – der auch dem neuen Audi R8 zeigen soll, wo fahrdynamisch der Hammer hängt. Erste Prototypen drehen ihre Runden, doch die Bilder der verklebten Versuchsträger täuschen. Der GT wird kein dicker Brocken wie der Flügeltürer SLS, der noch bis Ende 2015 gebaut wird, sondern ein leichtfüßiger, kompakter, sehr muskulöser Sportler, der dem Porsche 911 optisch ziemlich nahe kommt. Und das Dach bleibt geschlossen – keine Cabrio- Version, keine Flügeltüren, aber Technik vom SLS. Zum Beispiel die Transaxle-Bauweise (Motor vorn, Getriebe an der Hinterachse) und das Spaceframe-Konzept mit der leichten Karosseriestruktur aus Aluminium. Ein neuer 4,0-Liter-Biturbo soll hier in einer ersten Ausbaustufe fast 500 PS leisten, die Black Series- Version hat dann noch bis zu 100 PS mehr.

Doch der neue R8 wird im Oktober 2014 massiv kontern. Gegen den oberscharfen Nachfolger – siehe Zeichnung – wirkt das aktuelle Modell regelrecht brav. Der neue R8 in Kohlefaser-Aluminium- Mischbauweise wird viel leichter – laut Audi „Leichtester seines Segments“. Seine komplette Karosse wiegt nur noch 200 kg, und der insgesamt gut 100 kg leichtere R8 soll sich dann auch viel präziser fahren – mit weitaus höherer Kurvenstabilität als bisher. Motorisch setzt er weiterhin auf den bewährten V10, die Leistung erreicht mit 550 PS gleich das Level des aktuellen Plus-Modells. Die geplante Plug-in-Version mit mindestens 50 Kilometer elektrischer Reichweite rückt zeitlich weiter nach hinten – noch gibt es hierfür kein Okay des Vorstands. Und sonst? Durchgängig quattro-Antrieb und Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe.

 

NEUE UNKONVENTIONELLE SUV-MODELLE AUF BEIDEN SEITEN

Schon sind wir im boomenden SUV-Segment, und hier ist der Siegeszug der coupéähnlichen Fitness-Schönlinge scheinbar nicht aufzuhalten. So rollt schon zur IAA im September bei Mercedes ein entsprechender Vertreter der neuen A/B-Klasse ins Rampenlicht: der schnittige GLA. Der 4,38 Meter lange, 1,98 Meter breite und 1,58 Meter hohe Hochsitzer zielt speziell auf den Audi Q3 und wird sowohl mit Front- als auch mit Allradantrieb zu haben sein. Wie in der Klasse üblich stehen Front- und Allradantrieb zur Wahl, die Motoren stammen aus dem A-Klasse-Regal. Einen Vorgeschmack auf das Design der dann fünften Geländewagen-Reihe von Mercedes gab die im April auf der Shanghai- Motorshow gezeigte Studie Concept GLA. Das Serienmodell startet Anfang nächsten Jahres zum Preis von rund 28.000 Euro.

Doch bei Audi wartet hier nicht nur der bekannte Q3 (4,39 m, ab 30.250 Euro, ab 140 PS) auf den Rivalen, hier kommt auch der noch kompaktere neue Q1 ins Spiel. Der sportlich trainierte Ingolstädter – gut 4,20 Meter lang und nur 1,51 Meter hoch – nutzt den modularen Querbaukasten des VW-Konzerns und dürfte Mitte 2015 starten. „Das wird ein ganz Frecher“, verspricht Audi-Chef Rupert Stadler. Kurze Überhänge, breite Spur, fast 2,60 Meter Radstand sorgen für Platz im Innenraum. Motoren? Zwischen 105 und 180 PS, auch eine Plug-in-Hybridversion (rund 170 PS) kommt defi nitiv zum Zug.

Wir bleiben bei den SUV-Modellen. Anfang 2015 startet bei Mercedes die zweite Generation des GLK, erneut ein Derivat der C-Klasse – jedoch aus der neuen Generation mit der Wahl zwischen Hinterrad- und Allradantrieb 4Matic. Für kraftvolles, aber sparsames Fortkommen sorgen ausschließlich Direkteinspritzer. Benziner: 2,0-Liter-Turbo (184/211 PS), 3,0-Liter- V6-Biturbo (333 PS). Die Diesel: 2,1-Liter (136/170/204 PS), 3,0-Liter-V6 (rund 260 PS). Diskutiert wird der Einsatz des 156 PS starken 1,6-Liter-Vierzylinders aus der A-Klasse.

Bei Audi trifft der GLK auf den neuen Q5. Der kommt 2016 neu – erneut als eher klassischer Offroader mit Platz für die ganze Familie und wieder mit längs eingebauten Motoren. Er wird leichter und geräumiger als bisher. Sein Diesel-Basismodell (150-PS-TDI) ist preisgünstig auch mit Frontantrieb zu haben.

Wir gehen eine SUV-Klasse höher, in der sich ebenfalls mit coupéartig geschnittenen Geländewagen treffl ich Geld verdienen lässt – BMW hat es mit dem X6 vorgemacht. Mercedes legt entsprechend nach und stellt ab Mitte nächsten Jahres dem im US-Werk Tuscaloosa (Alabama) gefertigten ML die Coupéversion MLC zur Seite, die auch im Fond noch vernünftige Kopffreiheit bieten soll. Diesel: 250 BlueTEC 4Matic (204 PS), 350 BlueTEC 4Matic (258 PS). Die Benziner: 400 4Matic (333 PS), 500 4Matic (408 PS) und der MLC 63 AMG 4Matic (525 PS).

Was offeriert Audi hier? Erstens den Q6, der im Frühjahr 2016 als Sportdynamiker die lukrative Lücke zwischen Q5 und dem großen Q7 schließt – rund 4,90 Meter lang, maximal 1,60 Meter hoch. Einstieg mit etwa 180 PS, auch S-/ RS-Versionen kommen. Zweitens den viel größeren, ebenfalls coupéähnlichen Q8, der nach 2015 auf Basis des Q7-Nachfolgers startet.

Der Q7 selbst kommt im Frühjahr 2014 und wird über 300 kg leichter und noch einen Tick größer als bisher. Er kann dann auch problemlos gegen den wuchtigen GL (5,12 Meter) von Mercedes antreten. Der luxuriöse Offroader wurde ja erst vor einem Jahr erneuert und wird mit zwei V8-Benzinern (435 und 557 PS) sowie mit einem V6-Turbodiesel (258 PS) offeriert – ab 73.125 Euro.

Wolfgang Eschment / Stefan Miete

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