Audi A8, BMW 7er, Mercedes S-Klasse im Luxus-Limousinen-Vergleich 2012 Eine saubere Gesellschaft

27.11.2012
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Bis zu 250 km/h schnell sind sie, dieseltypisch sparsam und abgasarm nach der scharfen Euro-6-Norm: Mit den Dreiliter-Dieseln der Topmodelle von Audi, BMW und Mercedes lässt sich automobiler Luxus mit reinem Gewissen genießen. Vergleichstest

Vielleicht sind die drei Limousinen dieses Vergleichstests ja mehr als nur Schnäppchen für wenige Wohlhabende. Natürlich gibt es stärkere und glamourösere Angebote mit mehr Zylindern und mehr Power in den Preislisten des Audi A8, des BMW 7er und der Mercedes S-Klasse. Doch bieten diese Diesel der 250-PS-Klasse bei Grundpreisen unter 80.000 Euro nicht auch schon all den Raum-, Federungs- und Geräuschkomfort, der die Luxusklasse so attraktiv macht? Hinzu kommen durchaus beachtliche Fahrleistungen und – zumindest im Fall der Testwagen – ein reines Umweltgewissen:

Schließlich erfüllen der Audi und der zart modellgepflegte BMW nach Zuzahlung von 1250 respektive 1190 Euro als 3.0 TDI clean diesel und 730d BluePerformance schon die strenge Euro-6-Abgasnorm. Die S-Klasse präsentiert sich serienmäßig als Saubermann – und das, obwohl sie schon seit 2005 gebaut und im kommenden Jahr ersetzt wird. Mercedes lässt sein Topmodell eben nicht ungeliebt auslaufen, sondern schenkt ihm auch im Herbst seines Lebens noch technische Zuwendung – sympathisch.

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Mit jenem dicken, sozusagen ab Leerlaufdrehzahl gestemmten Drehmoment, das Diesel so angenehm macht, sind die drei Rivalen wie geschaffen für die mühelose Bewältigung auch langer Strecken, ohne dass bei jedem Tankstopp Tränen fließen. Und wenn die Fünf-Meter-Karossen geentert sind, wird sehr schnell klar, dass man es hier stundenlang sehr gut aushalten kann.

 

Karosserie

Die Frage, warum diese Autos so groß sind, beantworten die Innenräume, die übrigens durchweg penibel verarbeitet und mit hochwertigen Materialien ausgekleidet sind. Fahrer und Beifahrer sitzen hier wie da ohne jedes Engegefühl, was im Mercedes auch für die Mitfahrer auf der Rückbank gilt. Dort geht es im Audi schon ein wenig enger zu, denn die Füße passen nicht so geschmeidig unter den Vordersitz, und die Schläfe kommt dem Dach auch näher als im Fond des BMW, wenn die Körpergröße jenseits der 1,85 Meter liegt. Jammern auf hohem Niveau, klar, schließlich ist der Platzvorteil im Vergleich zu Mittelklasse-Massenware auch im A8 erheblich.

Traditionell bemühen sich Oberklasse-Limousinen nicht primär um möglichst große Kofferräume. 500 (BMW), 510 (Audi) und 560 Liter (Mercedes) sind zwar eine ganze Menge Platz, und die erlaubten Zuladungen von mindestens 500 Kilogramm (Mercedes) passen dazu. Doch man zahlt ja nicht nur so viel Geld, um möglichst viel transportieren zu können.

Als Marken-Flaggschiffe beanspruchen die drei eben Spitzenpositionen auf allen Gebieten, so auch auf dem der Bedienfreundlichkeit. Hier gerät der Mercedes im Vergleich mit den konstruktiv jüngeren Konkurrenten in Rückstand. Seine hoch in den Türtafeln untergebrachte Sitzeinstell-Mimik wird wohl auf ewig Maßstab bleiben. Doch das Comand-System zur Steuerung von Navigation, Radio, CD und Telefon ist schlicht umständlicher zu handhaben als die MMI- und iDrive-Lösungen von Audi und BMW.

Als Maß der Dinge darf heute das iDrive-System aus München gelten, das durch verwechslungssicher gestaltete Tasten und eine klare Struktur bestens zu bedienen ist. Möglichst viele Funktionen in Menüs zu packen, wie es Audi und Mercedes praktizieren, ist eben nicht immer optimal.

Bei der Sicherheitsausstattung liegen die drei solide im guten Bereich jenseits der 100 Punkte (siehe Tabelle letzte Seite), wobei es durchaus Unterschiede gibt: Pre-Crash-Funktionalitäten wie selbsttätig schließende Seitenscheiben und die Korrektur der Sitzeinstellung bei hoher Crashwahrscheinlichkeit, die Mercedes einst exklusiv bot, haben nun zwar auch der Audi (optional sogar für den Heckaufprall) und der BMW. Doch der 7er verzichtet etwa auf seitliche Fondairbags, die der A8 und die S-Klasse serienmäßig bieten. Dem Mercedes wiederum fehlen – wohl altersbedingt – jene Rundum-Kamera-Angebote, mit denen A8- und 7er-Eigner Parkschäden verhindern können, während der BMW als einziger mit einem Head-Up-Display für Navigation, Tempo und Verkehrsschilderkennung ausgerüstet werden kann. Schon nach kurzer Zeit möchte man diese Technik nicht mehr missen, während die von allen dreien angebotenen Nachtsichtassistenten durchaus verzichtbar erscheinen.

Bei der Modellpflege, die dem BMW 7er im Karosseriebereich eine prominentere Niere und besonders helle LED-Scheinwerfer bescherte, ließ BMW die Chance ungenutzt, die Qualität des Autos auch im letzten Winkel sichtbar zu machen: Auf der Unterseite der Motorhaube etwa findet sich kein Klarlack, und die vom Kofferraum aus sichtbare Unterseite der Hutablage zeigt sich in blecherner Tristesse.

KarosserieMax. PunkteBMW 730dAudi A8 3.0 TDI quattroMercedes S 350 BlueTEC
Raumangebot vorn100949494
Raumangebot hinten100888690
Übersichtlichkeit70383838
Bedienung/ Funktion100858280
Kofferraumvolumen100414248
Variabilität100333
Zuladung/ Anhängelast80454942
Sicherheit150104102102
Qualität/ Verarbeitung200180185185
Kapitelbewertung1000678681682

 

Fahrkomfort

Im Zuge der Modellpflege erhielt der 7er BMW Feinschliff am Fahrwerk und eine luftgefederte Hinterachse. Das macht sich bemerkbar in einem verbessertem Ansprechverhalten der Federung. Kleinere Stöße absorbiert der BMW nun in etwa so gut wie der rundum luftgefederte Audi, wobei beide aber auf mittelgrobem Kopfsteinpflaster zu leichtem Karosseriezittern neigen. Bei gröberen Unebenheiten wirkt die Dämpfung des BMW ein wenig zu lasch, denn der Vorderwagen hebt zu merklichen Ausfederbewegungen an. Voll beladen federn BMW und Audi vergleichbar gut.

Wie es besser geht, zeigt der Mercedes. Sein Rundum-Luftfederfahrwerk legt hohe Sensibilität an den Tag und trägt die Besatzung sanft wiegend dem Ziel entgegen – komme, was da wolle. Besonders wohltuend wirkt der Mercedes auf langen Strecken, wo er seine auf sportlich getrimmten Konkurrenten klar hinter sich lässt. Hierzu passen auch die besser gedämmten Umgebungs- und Abrollgeräusche. Im Benz reist es sich schlicht leiser als im Audi oder im BMW, dessen Motor – nicht unangenehm – gelegentlich mit rauchiger Stimme von sich hören lässt.

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Bestens klimatisiert ist man in jeder der Limousinen unterwegs – im BMW sogar serienmäßig auf beheizbaren Sitzen. Unsere Sympathien gelten jedoch den Massagesitzen des Audi (1610 Euro), die mit fünf Knet-Modi und fünf Intensitäten ein Muss für Langstreckenfahrer sind. Sie gibt es allerdings nur für die Sport- oder Komfortsitze (ab 5120 Euro).

FahrkomfortMax. PunkteBMW 730dAudi A8 3.0 TDI quattroMercedes S 350 BlueTEC
Sitzkomfort vorn150138140138
Sitzkomfort hinten100929290
Ergonomie150124124122
Innengeräusche50464750
Geräuscheindruck100878991
Klimatisierung50464545
Federung leer200176178185
Federung beladen200180180183
Kapitelbewertung1000889895904

 

Motor und Getriebe

Das Diesel-Trio zeigt sich nicht nur in Sachen Abgasverhalten untadelig. Auch die Umgangsformen der Sechszylinder – V-förmig angeordnet in Audi und Mercedes, in Reihe beim BMW – sind so geschliffen, wie man es in diesen automobilen Kreisen erwartet. Insbesondere der 258 PS starke Stuttgarter glänzt mit seidigem Lauf und imposanten 620 Nm Maximal-Drehmoment, die, unterstützt von der weich schaltenden Siebenstufen-Automatik, stets das wohlige „Kraft-im-Überfluss-Gefühl“ produzieren. Beim Rangieren und den damit verbundenen Wechseln zwischen den Fahrstufen "D“ und "R“ reagiert die Automatik jedoch mitunter etwas zu träge. Dass das Schwaben-Schiff seine Leistung nicht in bessere Fahrleistungen ummünzen kann, liegt an seinen ebenso imposanten 2,1 Tonnen Leergewicht. Dennoch dürften 7,2 Sekunden von null auf 100 km/h und 250 km/h Spitze völlig ausreichen.

Trotzdem: Das "nur“ 250 PS starke Audi-Aggregat kann es noch besser und nimmt der S-Klasse bis 100 km/h 0,7, bis 160 km/h glatte 1,4 Sekunden ab. Darüber hinaus wuchert der A8 mit dem Pfund seiner perfekt abgestimmten Achtstufen-Automatik, die nicht nur blitzschnell die Fahrstufen wechselt, sondern auch stets die perfekte Übersetzung bereithält. Die gleiche Kraftübertragung arbeitet im BMW 730d, der mit dem Facelift eine Kraftkur erhielt: Ab sofort sind 258 PS abrufbereit, die dem BMW schließlich die beste Beschleunigung innerhalb des Trios bescheren: Lediglich 6,0 Sekunden vergehen, bis die Tachonadel des Münchners die 100-km/h-Marke passiert. Dass seine Laufkultur nicht ganz so seidig erscheint wie die der Konkurrenten, möge man ihm verzeihen, sticht er doch die Gegner in der so wichtigen Frage des Kraftstoffkonsums aus: Mit einem Testverbrauch von gerade mal 8,0 Liter Diesel gibt sich der große BMW besonders asketisch. Nahe dran ist aber die S-Klasse mit 8,1 Litern, während sich der A8 auf der Verbrauchsrunde grenzwertige 9,5 Liter gönnte.

Motor und GetriebeMax. PunkteBMW 730dAudi A8 3.0 TDI quattroMercedes S 350 BlueTEC
Beschleunigung150128124119
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit150909090
Getriebeabstufung100959589
Kraftentfaltung50363637
Laufkultur100777981
Verbrauch325230201228
Reichweite25201921
Kapitelbewertung1000676644665

 

Fahrdynamik

Dass die Domäne der komfortabel abgestimmten Mercedes S-Klasse eher die Autobahn als die kurvenreiche Landstraße ist, wird auf dem Handlingkurs schnell klar. Hier bleibt auch bei schnellen Richtungswechseln das "Schwere Wagen-Gefühl“, sprich Lenkbefehle führt der Stern-Kreuzer spürbar träger aus als die Konkurrenten. Die erforderlichen Lenkwinkel sind ebenfalls größer. Kurvenreiche Strecken arten also in eine ziemliche Kurbelei aus. Die Anwahl der "Sport“-Einstellung des Luftfederfahrwerks "Airmatic“ (Serie) hebt die dynamischen Talente nicht wesentlich. Bei beherzter Gangart entpuppt sich auch das Pedalgefühl für die Bremse als ausgesprochen schwammig, was nicht heißt, dass der Daimler schlecht verzögert. Mit warmer Bremse steht er nach 35,9 Metern, was für ein Fahrzeug dieses Formats eine beachtliche Leistung darstellt. Auch sonst gibt er sich in der Fahrsicherheit keine Blöße.

Gegenüber der S-Klasse absolviert der Audi die Handlingprüfung deutlich leichtfüßiger, denn Richtungswechsel setzt er wesentlich spontaner um. Seine Lenkung arbeitet zudem um einiges direkter als die des Mercedes. Im Sportmodus reduziert die „adaptive air suspension“ (Luftfederung) die Seitenneigung deutlich. Den größten Vorsprung fährt der A8 im Handling jedoch mit seiner überragenden Traktion heraus, dem serienmäßigen Allradantrieb sei dank. Wo die Fahrer der hinterradgetriebenen Rivalen damit beschäftigt sind, mit gefühlvollem Gasfuß und kundiger Lenkhand die Seitenführungskräfte der Hinterräder nicht zu überfordern, kann der A8-Pilot im Kurvenscheitelpunkt deutlich unbefangener Gas geben.

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Die Integral-Aktivlenkung des 730d (1950 Euro Aufpreis), bei der die Hinterräder bei niedrigem Tempo gegen- und bei höheren Geschwindigkeiten mitlenken, verleihen dem BMW eine in dieser Fahrzeugklasse kaum für möglich gehaltene Handlichkeit. Schnell und sicher bleibt der große Münchner auf Kurs, lässt sich bei Bedarf zu moderatem Übersteuern bewegen und vermittelt so eine Menge Fahrspaß, woran auch die perfekte Gewichtsverteilung einen großen Anteil hat. Phänomenal: Nach nur gut 33 Metern steht der Luxusliner aus 100 km/h.

FahrdynamikMax. PunkteBMW 730dAudi A8 3.0 TDI quattroMercedes S 350 BlueTEC
Handling150838875
Slalom100576443
Lenkung100908775
Geradeauslauf50454545
Bremsdosierung30272420
Bremsweg kalt1501139080
Bremsweg warm15011811091
Traktion100458045
Fahrsicherheit150135140135
Wendekreis20769
Kapitelbewertung1000720734618

 

Umwelt und Kosten

Berücksichtigt man die testrelevante und gewertete Ausstattung, ist der Audi der Teuerste dieses Testtrios, der Mercedes wider Erwarten der Günstigste. Exorbitant bei allen gerät die Wertminderung. Wer sich eine der drei Luxuskarossen gönnt, muss sich binnen vier Jahren und 80.000 Kilometern laut DAT auf einen Wertverlust zwischen knapp 45.000 und fast 48.000 Euro gefasst machen. Das ist ebenso wenig schnäppchenverdächtig wie die Versicherungsprämien. So sind allein für die Vollkasko pro Jahr zwischen 1429 (Audi, BMW) und 1728 Euro fällig. Die Euro-6-Norm bringt bei Erstzulassung bis zum 31.12. 2013 eine einmalige Steuerbefreiung von 150 Euro – Peanuts angesichts der übrigen Kosten. Interessant sind die günstigen Werkstattkosten des BMW. Sie resultieren aus der Tatsache, dass BMW beim 7er die Wartung in den ersten fünf Jahren oder 100.000 Kilometer kostenlos durchführt.

Kosten/UmweltMax. PunkteBMW 730dAudi A8 3.0 TDI quattroMercedes S 350 BlueTEC
Bewerteter Preis675706774
Wertverlust50666
Ausstattung25232323
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50202827
Werkstattkosten20171411
Steuer10666
Versicherung40222526
Kraftstoff55383438
Emissionswerte25222122
Kapitelbewertung1000224224233

 

Fazit

Glückwunsch nach München. Mit dem facegelifteten 7er hat BMW den Audi A8 vom Test- Thron gestoßen. Mit besseren Fahrleistungen, besseren Bremswerten und viel sparsamerem Motor sammelt er gegenüber dem Ingolstädter reichlich Punkte. Auch sonst hinterlässt der 730d einen gereiften Eindruck. Der Audi A8 überzeugt nach wie vor mit sehr gutem Handling, überragender Traktion und toller Qualität. Die findet man auch bei der inzwischen angejahrten S-Klasse, die vor allem im Komfort den Maßstab setzt. Unverkennbar ist aber, dass sich der Mercedes bei den Fahreigenschaften geschlagen geben muss.

Gesamtbewertung

Max. PunkteBMW 730dAudi A8 3.0 TDI quattroMercedes S 350 BlueTEC
Summe5000318731783102
Platzierung123

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