Audi A7 und BMW 5er GT im Vergleichstest Audi A7 3.0 TDI Sportback und BMW 530d GT

27.07.2011
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

BMW 5er GT und der neue Audi A7 zeigen, dass es in der Oberklasse schicke Alternativen gibt – beide sind Grenzgänger zwischen den Konzepten

Seit seinem Debüt vor gut einem Jahr spielt der BMW 5er GT den Grenzgänger zwischen den Konzepten. Schließlich trägt der technisch mit Siebener-Komponenten bestückte „Gran Turismo“ mit Fließheck, Heckklappe und rahmenlosen Seitenscheiben auch Coupé-Gene – ganz so wie Audis neuer A7 Sportback, der technisch auf dem künftigen A6 basiert. Hier wie dort also hochkarätige Technik. So macht die Karosserieform auf den ersten Blick den Hauptunterschied aus. In unserem Test wagen wir den zweiten, tieferen Blick.

 

Karosserie

Zwar fällt in Audi A7 und 5er GT bauartbedingt der Kopfraum im Fond geringer aus als bei einer vergleichbaren Limousine, dennoch kann man es in beiden auch auf längeren Strecken gut aushalten. Im BMW genießen die Passagiere allerdings ein deutlich besseres Raumgefühl, auch wenn die Messwerte mitunter eine andere Sprache sprechen. Die Gründe: die seitlich weniger nach innen eingezogene Dachlinie und die Tatsache, dass die Frontpassagiere im BMW weiter von der Windschutzscheibe entfernt sitzen.

Die Nachteile beim Platzangebot kontert der Audi mit einer umfangreicheren Sicherheitsausstattung, die unter anderem mit „Audi pre sense basic“ ein System enthält, das bei einem drohenden Unfall die Gurte strafft, die Warnblinkanlage aktiviert sowie Fenster und Schiebedach schließt. Bedeutete der Kauf eines Coupés in der Vergangenheit oft einen Kompromiss in Sachen Alltagstauglichkeit, so ist dies inzwischen Geschichte, denn der Audi und der BMW verfügen beide über große Heckklappen.

Beim Münchner lässt sie sich sogar zweigeteilt öffnen. Große, im Ernstfall baumarkttaugliche Laderäume sind für beide selbstverständlich (Audi: 535 bis 1.390 Liter, BMW: 440 bis 1.700 Liter). Der Variabilität dienen eine asymmetrisch (Audi) beziehungsweise dreifach geteilte Rückenlehne (BMW). Auch Materialien und Verarbeitung erfüllen die hohen Erwartungen der anspruchsvollen Kundschaft. Feines Leder und hochwertige Innenauskleidungen, passgenau zusammengefügt, sorgen hier wie dort für Wohlfühlatmosphäre.

KarosserieMax. PunkteAudi A7 Sportback 3.0 TDI quattroBMW 530d GT
Raumangebot vorn1008891
Raumangebot hinten1007992
Übersichtlichkeit705352
Bedienung/ Funktion1008383
Kofferraumvolumen1005346
Variabilität1003850
Zuladung/ Anhängelast803239
Sicherheit150123107
Qualität/ Verarbeitung200189189
Kapitelbewertung1000738749

 

Fahrkomfort

Die hohe Sitzposition im 5er GT irritiert zunächst ein wenig. Doch lernt man den Komfort der gleichnamigen Sitze (2.260 Euro) schnell zu schätzen – nicht zuletzt wegen ihrer sehr bequemen Polster und der Einstellmöglichkeiten im Schulterbereich. Auch im Fond kann der mit längs verschiebbaren Sitzflächen und einstellbaren Rückenlehnen bestückte BMW in Sachen Sitzkomfort etwas besser überzeugen als der Abt Audi R8 GTR.

Zwar lässt der A7 seine Insassen nie im Unklaren über den jeweiligen Fahrbahnbelag, doch hält er mit seiner elektronisch geregelten Luftfederung (adaptive air suspension, 1.950 Euro) deutlich größere Dämpfungsreserven parat als der 530d GT: Der Münchner schlägt auf kurzen Bodenwellen bei voller Beladung sogar durch. Das kann auch seine serienmäßige Luftfederung an der Hinterachse nicht ändern.

Dass der Punkteabstand zugunsten des Audi nicht größer ausfällt, liegt daran, dass der BMW 1er M Coupé im ersten Fahrberichtbeim Abrollkomfort auf der Autobahn leichte Vorteile für sich verbuchen kann. Aus ergonomischer Sicht gibt es wenig zu kritisieren. Beim Audi würde man sich Entriegelungsgriffe für die Rücksitzlehne im Kofferraum wünschen, und beim BMW sollte die Kontrollleuchte für die Automatikfunktion des Scheibenwischers nicht vom Lenkrad verdeckt werden.

FahrkomfortMax. PunkteAudi A7 Sportback 3.0 TDI quattroBMW 530d GT
Sitzkomfort vorn150133135
Sitzkomfort hinten1008491
Ergonomie150122122
Innengeräusche503233
Geräuscheindruck1008078
Klimatisierung504746
Federung leer200175168
Federung beladen200170162
Kapitelbewertung1000843835

 

Motor und Getriebe

Mit identischer Leistung aus jeweils drei Liter Hubraum haben A7 und BMW 5er GT in diesem Kapitel die gleiche Ausgangsposition. Doch der 245 PS starke V6 des Audi muss 182 Kilogramm weniger Leergewicht bewegen als der gleich starke Reihensechszylinder des BMW. In der Folge beschleunigt der A7 um eine Sekunde schneller auf 100 km/h, bis 160 km/h nimmt der Ingolstädter dem Münchner gar drei Sekunden ab.

Obwohl das blitzschnell schaltende Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe des A7 ein etwas höheres Drehzahlniveau zulässt als die sehr komfortable Achtgangautomatik des 530d GT, liegt der Testverbrauch des Audi A1 e-tron im ersten Fahrberichtmit 8,5 Liter Diesel pro 100 Kilometer um 0,3 Liter unter dem des 5er. Zudem erreicht der BMW 6er Cabrio – ab März 2011eine Spitzengeschwindigkeit von lediglich 240 km/h, während der Audi erst bei 250 km/h elektronisch abgeregelt wird – seine bessere Aerodynamik und das geringere Leergewicht lassen grüßen.

Ungeachtet dessen können sich die Passagiere in beiden Kandidaten über einen ausgesprochen hohen Antriebskomfort freuen. Hierfür sind nicht nur die hohen Maximal-Drehmomente verantwortlich (A7: 500 Nm bei 1.400 bis 3.250 Touren, BMW: 540 Nm bei 1.750 bis 3.000 Umdrehungen), mit denen sich Kraft satt aus dem Vollen schöpfen lässt. Auch die gute Laufruhe beider Aggregate überzeugt. Unter Last arbeitet der brandneue Audi- Motor allerdings mit einem spürbar weicheren Verbrennungsgeräusch als das BMW-Triebwerk.

Motor und GetriebeMax. PunkteAudi A7 Sportback 3.0 TDI quattroBMW 530d GT
Beschleunigung150133125
Elastizität10000
Höchstgeschwindigkeit1509083
Getriebeabstufung1009696
Kraftentfaltung504039
Laufkultur1008180
Verbrauch325220214
Reichweite251615
Kapitelbewertung1000676652

 

Fahrdynamik

Ein Leergewicht von über 2,1 Tonnen verheißt auf dem Handling-Kurs zunächst nichts Gutes. Doch die Der neue BMW X3-Ingenieure haben dem 530d GT reichlich fahrdynamisches Potenzial mit auf den Weg gegeben: unter anderem in Form adaptiver Dämpfer mit einstellbarer Fahrwerkscharakteristik sowie elektronisch gesteuerter Stabilisatoren-Verstellung zur Reduktion von Wankbewegungen („adaptive drive“, 3.000 Euro) und die Integralaktiv-Lenkung (variable Übersetzung, tempoabhängig mitlenkende Hinterräder, 1.750 Euro).

Mit dieser feinnervigen Lenkung absolviert der Münchner kurviges Terrain überraschend neutral, behände und mit hohen Reserven. Im Grenzbereich zeigt sich unter Last eine sacht einsetzende Übersteuertendenz, die man entweder dem sanft regelnden DSC (ESP) überlässt oder bei abgeschaltetem Schleuderschutz auch selbst gut kontrollieren kann. Lastwechselreaktionen sind nur gering ausgeprägt. Abgerundet wird die Vorstellung durch gute Bremsen. Kurzum: eine saubere Abstimmung.

Dennoch gelangt der Fünfer GT in engen Kehren an seine Traktionsgrenzen. Im Gegensatz dazu sorgt der Audi-Allradantrieb immer und überall für Vortrieb. Hierbei hilft das elektronisch geregelte Sportdifferenzial (1.050 Euro), das die Kraft zwischen beiden Hinterrädern variabel verteilt. Es sorgt für besonders schlupfarmes, aber druckvolles Beschleunigen aus Kurven heraus und wirkt bei Lastwechseln stabilisierend.

Lenkbefehle führt der A7 spontaner aus als der 530d GT. In der Summe macht dies den Audi zum deutlich agileren Kandidaten, der als Coupé beinahe Kart-Feeling vermittelt. Allerdings bleibt die Rückmeldung der Lenkung etwas hinter der des BMW zurück. Beim Bremsen setzt der Ingolstädter aber noch eins drauf, denn mit warmer Bremse steht er aus 100 km/h nach sensationellen 33,7 Metern. Ein Wert, der auf dem Niveau von Supersportwagen liegt.

FahrdynamikMax. PunkteAudi A7 Sportback 3.0 TDI quattroBMW 530d GT
Handling1509379
Slalom1007059
Lenkung1008488
Geradeauslauf504444
Bremsdosierung301922
Bremsweg kalt1508896
Bremsweg warm150113100
Traktion1008255
Fahrsicherheit150135135
Wendekreis2058
Kapitelbewertung1000733686

 

Umwelt und Kosten

Auch wenn Geld beim Kauf eines Oberklasse-Wagens nicht die höchste Priorität besitzt, lohnt der Blick auf die Kosten dennoch. So ist der BMW im Grundpreis 2.900 preiswerter. Auch beim Wertverlust schneidet der 530d GT etwas besser ab als der A7. Mit niedrigeren Emissionswerten, günstigeren Werkstattkosten, billigeren Versicherungstarifen und dem besseren Garantiepaket gewinnt der 30 Jahre Audi Sport – 30 Jahre quattro dennoch dieses Kapitel.

Kosten/UmweltMax. PunkteAudi A7 Sportback 3.0 TDI quattroBMW 530d GT
Bewerteter Preis67597103
Wertverlust501011
Ausstattung251615
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung502820
Werkstattkosten201514
Steuer1066
Versicherung402418
Kraftstoff553736
Emissionswerte258582
Kapitelbewertung1000318305

 

Fazit

Der neue Audi A7 gefällt mit Qualität, viel Komfort und hohem Fahrdynamikpotenzial. So dürfte die Kaufentscheidung zugunsten des Ingolstädters nicht nur von der Form, sondern auch von den überzeugenden Fakten beeinflusst werden. Der BMW 5er GT wartet neben einem besseren Platzangebot mit einem beachtlichen Maß an Dynamik auf. Doch reichen seine Qualitäten in der Summe nicht, um den Audi zu schlagen.

Gesamtbewertung

Max. PunkteAudi A7 Sportback 3.0 TDI quattroBMW 530d GT
Summe500033083227
Platzierung12

Tags:

Wirkaufendeinauto

So verkauft man Autos heute!

Copyright 2017 autozeitung.de. All rights reserved.