Audi A6, BMW 5er und Mercedes E-Klasse im Vergleichstest Audi A6, BMW 5er und Mercedes E-Klasse

Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Große Limousinen, die beim Spritverbrauch geizen? Audi, BMW und Mercedes wollen es mit A6, 5er und E-Klasse zeigen

Luxus und Sparsamkeit passen eigentlich nicht zusammen. Ein paar Ausnahmen gibt es dennoch – wie die drei deutschen Oberklasse-Autos in diesem Test. Gut, 50.000 Euro muss man für den Kauf mit ein paar Extras schon dem Händler überreichen. Doch nach dem NEFZ (Neuer Europäischer Fahrzyklus) sollen diese 204-PS-Komfort-Limousinen absolute Sprit-Geizhälse sein: 6,1 Liter (BMW 525d mit Achtstufen-Automatik), 5,1 Liter (Audi A6 3.0 TDI mit stufenloser Multitronic) und 4,9 Liter (Mercedes präsentiert sparsamere Motoren für die E-Klasse mit Siebenstufen-Automatik) sind selbstbewusste Ansagen in diesem Segment. Doch halten die drei Kandidaten im Alltag, was sie auf dem Prüfstand versprechen?

 

Karosserie

Bei der Entwicklung dieser drei Autos konnten sich die Ingenieure richtig austoben, denn sie sind (gegen Aufpreis) mit allen Sicherheitssystemen und Fahrassistenten ausgerüstet, die es derzeit gibt – etwa mit kleinen Kameras, die folgende Fahrzeuge im so genannten Toten Winkel erkennen. Erst warnt eine Leuchte. Wenn man trotzdem die Spur wechselt, erklingt ein Alarmton. Mercedes geht sogar noch weiter und bietet einen Assistenten an, der einen Unfall beim Spurwechsel durch Bremseingriffe verhindern soll.

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Auch bei der Verkehrsschild-Erkennung unterstützen die drei deutschen Premiumhersteller den Fahrer und installieren gegen Aufpreis Kameras, die diese Aufgabe übernehmen. Aktuelle Geschwindigkeitslimits werden im Tachobildschirm angezeigt. Audi A6 und Mercedes E-Klasse haben zudem ein Unfallfrüherkennungssystem an Bord (pre sense bzw. Presafe), das das Fahrzeug im Ernstfall bis zum Stillstand abbremst und bei einem drohenden Crash vorsorglich Fenster schließt oder Gurte strafft. Der BMW 5er hat einen solchen Helfer nicht, außerdem verzichtet er auf Seitenairbags im Fond sowie im Fahrerfußraum.

Beim Raumangebot sind die Unterschiede zwischen den drei Limousinen gering. Vorn wie hinten bleibt selbst für Sitzriesen und Großgewachsene genügend Platz, und auch die Ellenbogenfreiheit passt – obwohl der Mercedes etwas schmaler geschnitten ist als seine Wettbewerber.

Wer Musik hören oder navigieren will, regelt das in A6, 5er und E-Klasse über einen zentralen Dreh-Drück-Knopf. Das iDrive-System im BMW gefällt mit wenigen, kompakt angeordneten Tasten am besten. Deutlich weniger Knöpfe weist das Comand von Mercedes auf, dafür erfordert es aber manchmal Umwege im Menü. Das Audi-MMI hat den Nachteil, dass die Tasten weit vom zentralen Dreh- Drück-Knopf entfernt liegen und die Bedienung daher mehr Aufmerksamkeit verlangt. Ansonsten entscheiden die nackten Fakten: Der Mercedes bietet den größten Kofferraum (540 Liter), der BMW kann am meisten zuladen (500 kg) und so viel an den Haken nehmen wie der Stuttgarter (maximal 2000 kg) – beide stets dicht gefolgt vom Rivalen aus Ingolstadt.

KarosserieMax. PunkteBMW 525dMercedes E 250 CDI BlueEFFICIENCYAudi A6 3.0 TDI
Raumangebot vorn100888888
Raumangebot hinten100908891
Übersichtlichkeit70373936
Bedienung/ Funktion100838180
Kofferraumvolumen100434644
Variabilität100131313
Zuladung/ Anhängelast80414038
Sicherheit150109124116
Qualität/ Verarbeitung200189189187
Kapitelbewertung1000693708693

 

Fahrkomfort

Es ist erstaunlich, wie gut die Münchener den Spagat zwischen Komfort und typischer BMW-Fahrfreude erreicht haben. Mit adaptiven Dämpfern (DDC, 1300 Euro) spricht das Fahrwerk sensibel auf jede Bodenunebenheit an und wirkt in der weichen Komforteinstellung wie von der Karosserie entkoppelt. Soll es hurtig über geschlängelte Landstraßen gehen, zeigt der BMW 5er nicht nur im Sport-Modus seine dynamischen Qualitäten. Das ebenfalls mit einstellbaren Dämpfern ausgestattete Audi-Fahrwerk (1950 Euro) ist deutlich straffer. Insgesamt wirkt der Audi A6 auf den Komfortstrecken träger, obwohl er in diesem Test der Leichteste ist. Vorder- und Hinterachse federn weniger sensibel an als im BMW, sodass Auto und Fahrgäste auf Asphaltflicken und Fahrbahnunebenheiten stärker in Bewegung sind. Die Mercedes E-Klasse lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen, obwohl der Testwagen nur über ein herkömmliches Stahlfederfahrwerk verfügt. Voll beladen (2280 kg) verblüfft der Mercedes zudem mit hohen Reserven. Der BMW (2315 kg) stößt hingegen an der Hinterachse an seine Grenzen, und die Audi-Vorderachse beginnt unter hoher Belastung (zulässiges Gesamtgewicht: 2225 kg) zu poltern.

Auch mit seinen weit geschnittenen Sportsitzen überzeugt der Audi nicht so wie seine Rivalen, die mit ihrem Gestühl mehr Seitenhalt und individuellere Einstellmöglichkeiten bieten. Die Fond-Türausschnitte im BMW sind groß, die Rückbank ist gut konturiert. Der Audi wirkt hinten etwas enger mit seinem dominanten Dacheinzug und den C-Säulen auf Kopfhöhe. Der Sitzkomfort des Mercedes ist durchweg gut, aber der Geräuscheindruck enttäuscht. Der Klang des rau nagelnden Vierzylinders passt nicht so recht zu einer luxuriösen Oberklasselimousine.

FahrkomfortMax. PunkteBMW 525dMercedes E 250 CDI BlueEFFICIENCYAudi A6 3.0 TDI
Sitzkomfort vorn150132128123
Sitzkomfort hinten100858180
Ergonomie150121120118
Innengeräusche50383637
Geräuscheindruck100867888
Klimatisierung50434343
Federung leer200156154153
Federung beladen200151154149
Kapitelbewertung1000812794791

 

Motor und Getriebe

Dafür hat der 204 PS starke und 2,1 Liter kleine Motor des Benz richtig Dampf und entwickelt schon bei 1600 Touren satte 500 Nm Drehmoment. Die Kraft reicht zwar nicht für die beste Sprintzeit, auf der Geraden rennt der Mercedes mit 242 km/h aber am schnellsten und braucht im Test auf 100 km lediglich 6,5 Liter – das ist Kleinwagen-Niveau. Die Kraftentfaltung des Vierzylinders ist harmonisch, und die nach dem Facelift erstmals für den 250 CDI erhältliche Siebenstufen-Automatik (2559 Euro) arbeitet weitestgehend ruckfrei. Der Motor ist allerdings nicht so drehfreudig wie das BMW-Aggregat mit sechs Zylindern.

Die Kraft des 525d-Triebwerks (204 PS, 450 Nm) wird über eine schnell und sauber arbeitende Achtstufen-Automatik übertragen, die immer die richtige Übersetzung parat hat. Allerdings genehmigt sich der BMW 5er (als einziger ohne Start-Stopp-Automatik) fast 1,5 Liter mehr als sein Gegner aus Stuttgart.

Im AUDI A6 stehen niedrige Drehzahlen, die Laufruhe des V6-Diesels und die stufenlose Kraftübertragung auf der Habenseite. Doch in Kombination mit der träge arbeitenden Start-Stopp-Automatik und dem auf den ersten Zentimetern wenig sensiblen Gaspedal setzt der Kraftschluss der Multitronic beim Anfahren spät und ruckartig ein. Der Verbrauch des 3.0 TDI (7,6 l) liegt nur knapp unter dem des BMW.

Motor und GetriebeMax. PunkteBMW 525dMercedes E 250 CDI BlueEFFICIENCYAudi A6 3.0 TDI
Beschleunigung150125119122
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit150808483
Getriebeabstufung100978987
Kraftentfaltung50383532
Laufkultur100807380
Verbrauch325232258237
Reichweite25171817
Kapitelbewertung1000669676658

 

Fahrdynamik

Im Grenzbereich tendiert der über die Vorderräder angetriebene A6 früh zum Untersteuern – genau wie die E-Klasse. Trotzdem verdient die direkte Audi-Lenkung Lob, und auch im Slalom überzeugt der Ingolstädter – beim Bremsen patzt er jedoch. Unter Belastung arbeiten die Audi-Stopper zwar konstant, mit Bremswegen von 38,3 und 38,5 Metern (kalt/warm) aber verhältnismäßig schwach.

Der BMW ist agil, wendig und hat seinen ganz eigenen Charakter. Das ESP im Mercedes setzt sehr früh ein und verhindert so schnellere Geschwindigkeiten im 18-Meter-Slalom. Ansonsten ist die dynamische Vorstellung der kantigen E-Klasse solide.

FahrdynamikMax. PunkteBMW 525dMercedes E 250 CDI BlueEFFICIENCYAudi A6 3.0 TDI
Handling150727069
Slalom100584858
Lenkung100878387
Geradeauslauf50394039
Bremsdosierung30211817
Bremsweg kalt150888568
Bremsweg warm150909166
Traktion100444137
Fahrsicherheit150125130130
Wendekreis2013115
Kapitelbewertung1000637617576

 

Umwelt und Kosten

Das letzte Kapitel geht an den neuen, 45.350 Euro teuren Audi A6. 2697 Euro mehr muss der Kunde für die E-Klasse mit Automatikgetriebe zahlen, der BMW liegt mit 47.100 Euro dazwischen. Aber nicht nur der Grundpreis, auch die prognostizierten Werkstatt- und die Versicherungskosten sind für den A6 günstiger. Mit kleinem Motor, niedrigem Verbrauch und geringen Emissionen sammelt auch der Mercedes wertvolle Zähler.

Kosten/UmweltMax. PunkteBMW 525dMercedes E 250 CDI BlueEFFICIENCYAudi A6 3.0 TDI
Bewerteter Preis675123120128
Wertverlust50141214
Ausstattung25151516
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50202828
Werkstattkosten20151415
Steuer10687
Versicherung40252427
Kraftstoff55394239
Emissionswerte25848984
Kapitelbewertung1000341352358

 

Fazit

Das Rennen hätte kaum enger ausgehen können: Nur fünf Punkte fehlen der Mercedes E-Klasse zum Sieg. Zwar ist der Stuttgarter geräumig und für eine Oberklasse-Limousine sensationell sparsam, doch in Sachen Komfort, Fahrdynamik und Getriebe macht er dem Sieger BMW 525d nichts vor. Der Audi A6 lässt mit vergleichsweise schwachen Bremsen und seinem Antrieb viele Punkte liegen. Eine gute Vorstellung liefert er mit hoher Fahrsicherheit, agilem Handling und niedrigen Kosten.

Gesamtbewertung

Max. PunkteBMW 525dMercedes E 250 CDI BlueEFFICIENCYAudi A6 3.0 TDI
Summe5000315231473076
Platzierung123

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