Drei Oberklasse-Kombis im Vergleich

13.10.2011
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Der neue Audi A6 Avant will sich bei den großen Kombis an die Spitze setzen. Dazu muss er aber zunächst einmal am Platzhirsch Mercedes E-Klasse T-Modell und dem Preisbrecher Skoda Superb Combi vorbei

Ob Familienvater, Geschäftsmann oder Handwerker – der beliebteste Begleiter in Deutschland ist immer noch ein Kombi. Der bietet nicht nur viel Platz, sondern in der gehobenen Preisklasse vor allem auch Luxus und Technik vom Feinsten – wie Skoda Superb, Mercedes E-Klasse und der neue Audi A6 zeigen. Von den kräftigen Sechszylindermodellen mit Allradantrieb dürfen zudem auch noch imposante Fahrleistungen erwartet werden. Vergleichstest dreier Siegertypen.

 

Karosserie

Obwohl die Außenabmessungen mit fast fünf Meter Länge ähnlich üppig sind, wirkt der Audi A6 Avant im Vergleich zur Mercedes E-Klasse im Fond etwas kompakter. Das T-Modell aus Stuttgart schöpft den Raum durch steilere Seiten und die weiter hinten angeschlagene Kofferraumklappe besser aus. Im Audi geht es deswegen aber keineswegs eng zu. Drei Leute dürften es auf der Rückbank auch auf längeren Strecken aushalten, wobei der mittlere hin und wieder abgelöst werden sollte. Zu hart ist dort die Polsterung, zu weit müssen die Beine wegen des Mitteltunnels gespreizt werden.

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In der ersten Reihe kann der Skoda Superb Combi nicht ganz mit dem üppigen Raumangebot der etwas breiteren Konkurrenten mithalten. Dafür zeigt er sich im Fond verschwenderisch. Mitfahrer werden den Platz lieben, denn sie können sogar die Beine übereinander schlagen. Die Kopffreiheit könnte im Tschechen aber etwas größer ausfallen. Auch wenn das zweifarbige Cockpit mit den Holzeinlagen sehr edel wirkt, kann der Superb nicht mit der tadellosen Material- und Verarbeitungsqualität der Süddeutschen mithalten. Audi krönt diese Wertung mit zauberhaftem Eichenholz in Yachtoptik (Beaufort: 970 Euro). Traditionell geformte Kombi-Kofferräume bieten indes nur Mercedes und Skoda, die flache Heckscheibe des Audi macht schon Waschmaschinentransporte zur Knobelaufgabe.

KarosserieMax. PunkteAudi A6 Avant 3.0 TFSI quattroMercedes E 350 T-Modell 4Matic BlueEFFICIENCYSkoda Superb Combi 3.6 V6 4x4
Raumangebot vorn100888881
Raumangebot hinten100889094
Übersichtlichkeit70363938
Bedienung/ Funktion100828085
Kofferraumvolumen100607970
Variabilität100454545
Zuladung/ Anhängelast80404844
Sicherheit15011712498
Qualität/ Verarbeitung200187184175
Kapitelbewertung1000743777730

 

Fahrkomfort

Allein den Sitzen widmen Audi und Mercedes mehrere Seiten in ihren Aufpreislisten. Heizung, Lüftung, Bezüge, Massagefunktion – hier lässt sich fast jeder Wunsch erfüllen. Vor allem von den vielfältig einstellbaren und superkomfortablen Massagesitzen will man sich nur schwer wieder erheben. Allerdings übersteigt man bei zu vielen Kreuzchen in der Liste schnell den Preis einer kompletten Couchgarnitur. Da wirkt die pragmatische und ebenfalls komfortable Skoda-Variante vernünftiger.

Überhaupt gefällt der Tscheche mit sehr ausgewogenem Komfort. Die gute Geräuschdämmung, das sonore Sechszylinder-Klangbild und die harmonische Federung machen ihn zum echten Edel-Kombi. Seine Stahlfederung reicht allerdings nicht ganz an die sanfte Luftvariante des Audi heran (Adaptive Air Suspension: 1950 Euro). Sie kann zusammen mit Lenkung und Getriebesteuerung zwischen sportlich und komfortabel eingestellt werden. Trotz der immer noch recht straffen Abstimmung im Komfortmodus gelingt es dem Ingolstädter, damit souverän Gullideckel und Querfugen aus der Wahrnehmung zu verbannen. Zudem herrscht bis zu hohem Tempo absolute Stille im Auto. Nur die großen 19-Zoll-Räder stören etwas mit ihren Laufgeräuschen. Da rollen die 17-Zöller der E-Klasse deutlich geschmeidiger ab und sorgen zusammen mit dem hervorragenden Stahlfederfahrwerk für besten Langstreckenkomfort.

FahrkomfortMax. PunkteAudi A6 Avant 3.0 TFSI quattroMercedes E 350 T-Modell 4Matic BlueEFFICIENCYSkoda Superb Combi 3.6 V6 4x4
Sitzkomfort vorn150124126120
Sitzkomfort hinten100788284
Ergonomie150118120116
Innengeräusche50514641
Geräuscheindruck100868680
Klimatisierung50434336
Federung leer200150154142
Federung beladen200148152140
Kapitelbewertung1000798809759

 

Motor und Getriebe

Alle drei Allrad-Kombis rollen mit kräftigen V6-Motoren zum Test. Der neue Audi A6 Avant hat mit seinem 3,0-Liter-TFSI-Motor das kleinste Triebwerk im Vergleich, das aber mit den sportlichsten Messwerten beeindruckt. 300 PS und satte 440 Newtonmeter genügen, um den Audi in 6,2 Sekunden auf 100 km/h zu beschleunigen. Damit ist der 1937 Kilogramm schwere Ingolstädter mit Abstand der beste Sprinter – bei Tempo 250 ist Schluss. Auch der subjektive Fahreindruck erinnert mehr an den eines Sportwagens als an den eines Familienkombis, denn der Audi hängt gut am Gas. Beim beherzten Tritt auf das rechte Pedal wird der Fahrer mit ordentlichem Druck in die Sitze gepresst, und das Doppelkupplungsgetriebe schnellt sauber durch die sieben Gänge. Der kompressoraufgeladene V6 entfaltet seine Kraft dabei sehr gleichmäßig und wird nicht übermäßig laut. Trotz Start-Stopp-Automatik ist der A6 jedoch mit 10,7 Liter Super auf 100 km recht durstig.

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Die Stuttgarter setzen in der Mercedes E-Klasse auf eine völlig andere Motorcharakteristik. Aus 3,5 Liter Hubraum schöpft das Mercedes- Triebwerk 306 PS und 370 Newtonmeter. Allerdings reagiert der V6-Sauger auf Gasstöße nicht so stürmisch wie das Audi-Triebwerk und gibt sich komfortabler. Den Spurt von null auf 100 km/h absolviert die E-Klasse, die mit 1929 kg ebenfalls kein Leichtgewicht ist, in 6,8 Sekunden. Nach 25,3 Sekunden – zwei Sekunden später als der Audi – erreicht sie die 200-km/h-Marke. Zudem hat der Motor eine gute Laufkultur und eignet sich ideal für längere Strecken auf der Autobahn – hinzu kommt die harmonische Siebengang-Automatik, die ohne jeden Ruckler arbeitet. Außerdem punktet der stärkste Motor im Vergleich mit dem niedrigsten Verbrauch von 10,1 Litern auf der Testrunde.

Auf dem Papier scheint der 260 PS starke Skoda Superb 3.6 V6 4x4 seinen Mitstreitern unterlegen zu sein. Aber im Standardsprint überrascht er mit 6,8 Sekunden und zieht somit mit der fast 50 PS stärkeren E-Klasse gleich. Der Trumpf des Tschechen ist sein geringes Leergewicht von 1761 kg. Erst ab höheren Geschwindigkeiten macht sich die fehlende Leistung bemerkbar. Der Motor ist drehfreudig und klingt erfrischend kernig. Auf der Autobahn kann jedoch das nervöse Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe, das schon bei kleinen Gasimpulsen die Gänge wechselt, stören. Mit 11,3 Litern Verbrauch rangiert der Skoda mit dem ältesten Motorkonzept klar über seinen zwei Konkurrenten.

Motor und GetriebeMax. PunkteAudi A6 Avant 3.0 TFSI quattroMercedes E 350 T-Modell 4Matic BlueEFFICIENCYSkoda Superb Combi 3.6 V6 4x4
Beschleunigung150130125125
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit150909088
Getriebeabstufung100948988
Kraftentfaltung50363434
Laufkultur100878580
Verbrauch325178190167
Reichweite2513158
Kapitelbewertung1000628628590

 

Fahrdynamik

Im Handling bewegt sich der schwere Audi A6 Avant leicht und direkt wie ein Sportwagen. Der Audi reagiert sofort auf jede kleinste Bewegung am Lenkrad und lenkt daraufhin sehr präzise ein. Zudem vermittelt die elektro-mechanische Zahnstangenlenkung viel Gefühl. In Verbindung mit dem gut funktionierenden Allradantrieb sowie dem feinfühlig regelnden ESP glänzt der A6 vor allem in schnellen Kurven mit erstaunlicher Traktion. Trotz des hohen Leergewichts von 1,9 Tonnen ist er sehr agil. Infolgedessen markiert der Ingolstädter im Handling sowie im Slalom mit Abstand die schnellste Zeit und zeigt sich dabei stets fahrsicher. Überzeugend sind auch die Bremswege von 35,1 Metern kalt und sportwagenähnlichen 33,5 Metern warm. Ein Manko: Bei längerer Fahrt auf der Autobahn ist die sehr direkte Lenkung etwas gewöhnungsbedürftig.

Weniger dynamisch ist das Mercedes E-Klasse T-Modell im Handling. Er lenkt ähnlich präzise ein, wobei seine Lenkung und das Fahrwerk spürbar komfortabler ausgelegt sind als beim Audi. Bei schnellen Lenkbewegungen wirkt er zudem etwas behäbig. Im direkten Vergleich kostet ihn seine Trägheit über vier Sekunden auf dem Rundkurs. Jedoch ist der Schwabe ähnlich fahrsicher wie der A6 Avant. Auch er überzeugt mit kurzen Bremswegen um die 34 Meter.

Das Schlusslicht in diesem Kapitel bildet der Skoda Superb, der in nahezu allen Punkten den deutschen Kontrahenten nicht gewachsen ist. Sein ESP greift sehr früh und unpräzise ein, wobei jegliche Dynamik im Keim erstickt wird. Der Tscheche wirkt in Kurven schwerfällig und setzt Lenkbewegungen langsamer um als der Audi und der Mercedes. Auf der Handling-Strecke fehlen ihm somit knapp zwei Sekunden zur E-Klasse und sechs zum A6. Das Superb-Fahrwerk ist sehr ausgewogen abgestimmt. Allerdings kommt der Skoda erst rund drei Meter später als seine Mitstreiter zum Stehen, wobei Bremswege zwischen 36 und 37 Metern aus Tempo 100 noch im grünen Bereich sind.

FahrdynamikMax. PunkteAudi A6 Avant 3.0 TFSI quattroMercedes E 350 T-Modell 4Matic BlueEFFICIENCYSkoda Superb Combi 3.6 V6 4x4
Handling150947871
Slalom100686256
Lenkung100878278
Geradeauslauf50414139
Bremsdosierung30201716
Bremsweg kalt1509910882
Bremsweg warm15011510379
Traktion100908580
Fahrsicherheit150132130128
Wendekreis2051011
Kapitelbewertung1000751716640

 

Umwelt und Kosten

Fast 20.000 Euro liegen zwischen dem Basispreis des Skoda Superb Combi und dem des Audi A6 Avant. Das E-Klasse T-Modell von Mercedes ist nochmals 5000 Euro teurer. Klar, dass der Tscheche dieses Kapitel eindeutig für sich entscheiden kann. Ausstattung, Versicherungen, Wertverlust – auch hier fährt man mit dem Skoda überall günstiger. Nur beim Verbrauch kann er nicht so ganz überzeugen.

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Wie gewohnt lassen sich vor allem bei Audi und Mercedes die Preise durch kostspielige Extras noch weit in die Höhe schrauben. So kostet der hier getestete A6 Avant mit Bang & Olufsen- Soundsystem, Luftfederung, Massagesitzen und vielem mehr stolze 94.000 Euro.

Kosten/UmweltMax. PunkteAudi A6 Avant 3.0 TFSI quattroMercedes E 350 T-Modell 4Matic BlueEFFICIENCYSkoda Superb Combi 3.6 V6 4x4
Bewerteter Preis67510695162
Wertverlust50111016
Ausstattung25161520
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50282727
Werkstattkosten20151214
Steuer10887
Versicherung40272029
Kraftstoff55303228
Emissionswerte25
Kapitelbewertung1000241219303

 

Fazit

Trotz ähnlicher Eckdaten könnten die drei Dickschiffe nicht unterschiedlicher sein. Mit fairem Preis, super Platzangebot und unschlagbarer Beinfreiheit in der zweiten Reihe verkörpert der Skoda Superb hier trotz kräftigem Benzinantrieb die klassischen Kombi- Tugenden: Alltagstauglichkeit und Vernunft. Mercedes ergänzt das Angebot noch durch viel Luxus, üppige Ausstattung und solide Schwabenqualität. Auch im Komfort ist der Stuttgarter das Maß der Dinge, insgesamt muss er sich aber dem A6 Avant knapp geschlagen geben. Audi macht zwar Abstriche bei der Raumausnutzung, spendiert dem großen Kombi aber fahrdynamische Qualitäten der Extraklasse. Und bei Materialanmutung sowie Verarbeitungsqualität orientiert man sich in Ingolstadt scheinbar an der Luxusklasse.

Gesamtbewertung

Max. PunkteAudi A6 Avant 3.0 TFSI quattroMercedes E 350 T-Modell 4Matic BlueEFFICIENCYSkoda Superb Combi 3.6 V6 4x4
Summe5000316131493022
Platzierung123

Tags:
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