Neuer Audi A4 im Mittelklasse-Vergleichstest Meister-Prüfung

Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

In der Mittelklasse werden die Karten neu gemischt. Zu den in dieser Saison erneuerten Baureihen Ford Mondeo, Mercedes C-Klasse und Renault Laguna kommt jetzt der neue Audi A4. Das Quartett muss im exklusiven Test mit den etablierten BMW 3er und VW Passat zeigen, wer das Zeug zum Meister hat

Ein neuer Audi A4 ist immer ein Ereignis. Seit dem ersten Audi 80 von 1972 verließen rund acht Millionen Mittelklasse-Audi die Bänder in Ingolstadt, und die achte Generation – intern B 8 genannt – soll diese Erfolgsgeschichte möglichst nahtlos fortschreiben. Ende November stehen die ersten neuen A4 beim Händler. In einem exklusiven Vergleichstest überprüft die AUTO ZEITUNG, ob sich der Neue gegen die wichtigsten Konkurrenten aus Deutschland und Frankreich behaupten kann.

Kräftige Zweiliter-Diesel sind in der umsatz- und prestigeträchtigen Mittelklasse das Maß der Dinge, weil Geschäfts- und Privatkunden gleichermaßen gern zu den ebenso dynamischen wie sparsamen Turbo-Selbstzündern greifen. Hier hat der Audi zudem eine echte Revolution zu bieten: Endlich wurde der Vierzylinder-Diesel auf Common-Rail-Technik umgestellt. Der neue Motor leistet 143 PS und liegt damit ziemlich genau auf Konkurrenz-Niveau. Er muss sich in diesem ersten Vergleichstest mit dem ebenfalls 143 PS starken BMW 318d, dem Ford Mondeo TDCi mit 140 PS, dem Mercedes C 200 CDI mit 136 PS, dem Renault Laguna mit 150 PS und dem VW Passat mit dem 140 PS leistenden Pumpe-Düse-TDI messen.

 

Karosserie

Manche mögen es langweilig finden, für konservative Naturen ist es ein Trost, dass in der bürgerlichen Mittelklasse immer noch die klassische Stufenheck-Limousine dominiert. Den gestiegenen Bedürfnissen an Transportvolumen und Variabilität tragen jedoch alle mit – zumindest gegen Aufpreis lieferbaren – asymmetrisch umklappbaren Rückbänken Rechnung. Nur der Laguna macht eine Ausnahme.

Seine Rückansicht zeugt ein angedeutetes Stufenheck, die große Heckklappe enttarnt ihn jedoch als Hatchback – eine Bauweise, die in Billancourt allerdings eine lange Tradition hat, schließlich war Renault mit dem R16 ein Vorreiter der Schrägheckwelle. Und der selige R21 war bislang der letzte Mittelklasse-Renault mit Stufenheck. Am besten gelingt übrigens dem sehr geräumigen Mondeo der Spagat zwischen klassischer Anmutung und variablem Ladevolumen, sein flacher Gepäckraum erreicht fast schon kombiartige Dimensionen.

So gewinnt er die Karosseriewertung mit deutlichem Vorsprung. Der Audi mit seiner neuen Bodengruppe und der hinter der Vorderachse platzierten Kupplung eröffnet der A4-Klientel neue Dimensionen. Raumgefühl und -angebot sind mindestens eine gefühlte Klasse besser als im Vorgänger. So sammelt der Audi A4 emsig mehr Punkte als die Premiumkonkurrenz von BMW und Mercedes. 3er und C-Klasse haben jeweils deutlich knapper geschnittene Innenräume, zudem können sie beide in der Detail- und Materialqualität nicht an den routiniert und solide gefertigten A4 heranreichen.
Ganz unauffällig schiebt sich der Passat auf den zweiten Platz in der Karosseriewertung. Nur der Mondeo wartet mit ähnlich opulenten Platzverhältnissen auf, zudem punktet der VW mit vorbildlicher Bedienung und gutem Qualitätseindruck. Der Laguna schließlich kann mit der deutschen Mittelklasse nicht ganz mithalten. Das Platzangebot lässt zwar kaum Wünsche offen, doch die etwas wirre Bedienung mit vielen kleinen, scheinbar zufällig verteilten Knöpfen und die sparsame Sicherheitsausstattung kosten ihn Punkte, die er auch mit der jetzt sehr ordentlichen Qualität, dem geräumigen Kofferraum und der großen Heckklappe nicht aufholen kann.

Nicht alles spiegelt sich jedoch unmittelbar in der Punktewertung wider. So hat etwa der Passat in der Basisversion mit seinem sehr nüchternen Innenraum den Charme eines Kassengestells. Alles, was ihn wohnlicher macht, kostet zum Teil deftige Aufpreise. Renault und Ford zeigen, wie dies für ungefähr gleiches Geld ein wenig besser geht. Der Mercedes beweist dagegen, dass die Lösung mit dem versenkbaren Bildschirm immer nur die zweitbeste ist, weil man kaum jemals mit eingefahrenem Navimonitor unterwegs ist. Die stabilste Karosserie hat der BMW, der scheinbar durch gar nichts zu erschüttern ist. Und der Audi demonstriert mit seinem neuen, fahrerorientierten Cockpit, dass nicht jede in Vergessenheit geratene Idee wirklich schlecht war.

KarosserieMax. PunkteAudi A4 2.0 TDIBMW 318 dVW Passat 2.0 TDIFord Mondeo 2.0 TDCiMercedes C 200 CDIRenault Laguna 2.0 dCi
Raumangebot vorn100797279827479
Raumangebot hinten100705979796576
Übersichtlichkeit70414232324232
Bedienung/ Funktion100858383828378
Kofferraumvolumen100393648473844
Variabilität100101020301520
Zuladung/ Anhängelast80323135373430
Sicherheit1509493969510587
Qualität/ Verarbeitung200185181180176178176
Kapitelbewertung1000635607652660634622

 

Fahrkomfort

Der etwas unausgewogene Federungskomfort war einer der Gründe, wegen derer sich die Vorgänger-Generationen des aktuellen A4 in den Vergleichstests der AUTO ZEITUNG selten ganz vorn platzieren konnten. Das ist jetzt anders. Der Neue bügelt feine und grobe Unebenheiten so souverän aus, dass trotz der straffen Grundabstimmung bei der Besatzung nie Unbehagen aufkommt. Ähnlich gut können das der Mercedes, der BMW und der Ford, während der VW mit seiner stößigen Federung und dem hölzernen Abrollen sowie der Renault mit seinem unsensiblen Ansprechen klar abfallen.
Ein gewaltiger Sprung gelang den Ingolstädtern bei der Geräusch-Entwicklung des Zweiliter-Diesels. Das neue Common-Rail-Triebwerk ist nicht nur mustergültig leise, auch der subjektive Geräuscheindruck ist eine ganze Klasse besser als beim kernigen Pumpe-Düse-Antrieb. Da kann nur der Mercedes mithalten, während die anderen Selbstzünder deutlich präsenter sind. Bei der Bewertung des Sitzkomforts schneidet der Ingolstädter ebenfalls hervorragend ab. Seine Insassen fühlen sich vorn wie hinten bestens untergebracht. Hier büßt der Wolfsburger Punkte ein, weil er als einziger mit dem Basisgestühl zum Vergleich antrat. Im Franzosen leidet der Sitzkomfort unter der zu nachgiebigen Polsterung und dem mäßigen Seitenhalt seiner Fauteuils. So gewinnt der neue A4 recht deutlich das Komfortkapitel, eine Disziplin, in welcher der Vorgänger nicht übermäßig brillierte.

FahrkomfortMax. PunkteAudi A4 2.0 TDIBMW 318 dVW Passat 2.0 TDIFord Mondeo 2.0 TDCiMercedes C 200 CDIRenault Laguna 2.0 dCi
Sitzkomfort vorn1501101039011010091
Sitzkomfort hinten100656272686262
Ergonomie150126121121112123115
Innengeräusche50333129273326
Geräuscheindruck100827872748274
Klimatisierung50403333403934
Federung leer200145142135138143126
Federung beladen200145140134140143120
Kapitelbewertung1000746710686709725648

 

Motor und Getriebe

Nagelte im alten A4 2.0 TDI der gleiche, deutlich als Diesel identifizierbare Pumpe-Düse-Selbstzünder wie im Passat, so kommt die neue A4-Generation – wie bereits erwähnt – in den Genuss eines Zweiliter-Common-Rail-Turbodiesels. Der neue Treibsatz gibt seine Kraft sehr gleichmäßig ab. Angenehm kultiviert schiebt der 143-PS-Motor den A4 ab knapp über Leerlaufdrehzahl kraftvoll vorwärts. Soll es zügig vorangehen, scheut sich der Vierzylinder auch nicht vor hohen Drehzahlen. Gerade hier ist er dem im oberen Drehzahlbereich recht zugeschnürt agierenden Passat-TDI überlegen.
Nur beim Verbrauch bleibt der Passat vor dem Audi. 6,8 Liter auf 100 Kilometern für den A4 sind zwar ein sehr guter Wert, aber VW (6,5 Liter), Mercedes (6,7 Liter) und vor allem der mit 6,1 Litern extrem genügsame BMW sind noch sparsamer. Ohnehin zeigt sich der 318d von seiner besten Seite. Mit kraftvollem Antritt und gieriger Gasannahme hängt er alle Konkurrenten beim Sprint problemlos ab. Einzig der sieben PS stärkere Renault kann zum 3er aufschließen. Allerdings verlangt das Sechsgang-Getriebe des Laguna deutlich mehr Konzentration als das des BMW.

Das synthetische Schaltgefühl und die ungenaue Führung können mit den präzisen und leicht zu bedienenden Schaltboxen im BMW und im Audi nicht mithalten.
Der Ford hält sich bedeckt. Er kann keine Einzelwertung für sich entscheiden. Der mit 7,2 Litern höchste Verbrauch und die wie beim Passat mäßigen Fahrleistungen werfen ihn zurück. Abgemildert wird dieser Punkteverlust durch das gut abgestimmte und leicht schaltbare Getriebe.

Motor und GetriebeMax. PunkteAudi A4 2.0 TDIBMW 318 dVW Passat 2.0 TDIFord Mondeo 2.0 TDCiMercedes C 200 CDIRenault Laguna 2.0 dCi
Beschleunigung150132140127127133139
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit150858079808580
Getriebeabstufung100868680827875
Kraftentfaltung50343329303334
Laufkultur100686760646868
Verbrauch325203211206198204199
Reichweite25212022192018
Kapitelbewertung1000629637603600621613

 

Fahrdynamik

Nach wie vor ist der BMW auf dem Handlingparcours das Maß der Dinge. Vor allem die bestechend präzise Lenkung mit der eindeutigsten Rückmeldung ist denen der Konkurrenten überlegen. Der BMW folgt den Lenkbefehlen ohne Verzögerung, im Grenzbereich schiebt der Münchener leicht über die Vorderräder. Das feinfühlig eingreifende DSC (ESP) pariert die ausgeprägte Übersteuertendenz bei Lastwechseln sicher. Das passiert aber so spät und sanft, dass der quirlige 318d trotz der kleinsten Bereifung im Kurvengeschlängel die Nase vorn hat.
Nur der Audi kann dem BMW auf kurvigem Terrain einigermaßen folgen. Zum einen, weil er auf der optionalen, 17 Zoll großen 245/45er-Bereifung rollt, zum anderen profitiert er von der neuen Gewichtsverteilung. Im Gegensatz zum Vorgänger sitzt der Motor deutlich weiter hinten. Dadurch lenkt der Audi williger ein und schiebt weniger und später als sein Vorgänger über die Vorderräder. Neben der optimierten Gewichtsverteilung sorgt die sehr gleichmäßig und mitteilsam arbeitende Lenkung für ein neues, sehr dynamisches A4-Gefühl. Nur den Traktionsverlust beim Herausbeschleunigen aus engen Kehren kann der A4 im Vergleich zum heckgetriebenen BMW nicht kompensieren.

Beim Mercedes C 200 CDI steht die Sicherheit an erster Stelle. Kaum ein anderes Auto agiert im Grenzbereich so gutmütig wie der Schwabe. Obwohl die C-Klasse ihre Kraft über die Hinterräder auf die Straße bringt, ist sie selbst durch heftige Ausweichmanöver nicht aus der Ruhe zu bringen. Frühes Untersteuern und ein beherzt eingreifendes, zudem nicht komplett abschaltbares ESP sorgen für ein narrensicheres Fahrverhalten, mindern aber auf der anderen Seite den Fahrspaß.

Davon gibt es bei Laguna, Mondeo und Passat deutlich mehr. Der Ford besticht vor allem durch seine sehr gute Lenkung. Weder Laguna noch Passat lassen sich ähnlich präzise und sensibel lenken. Dass der VW dennoch hinter BMW und Audi in diesem Kapitel auf Rang drei landet, verdankt er seinen sehr wirkungsvollen Bremsen.

FahrdynamikMax. PunkteAudi A4 2.0 TDIBMW 318 dVW Passat 2.0 TDIFord Mondeo 2.0 TDCiMercedes C 200 CDIRenault Laguna 2.0 dCi
Handling150596052504854
Slalom100636560644758
Lenkung100868869866864
Geradeauslauf50433843424140
Bremsdosierung30182016181516
Bremsweg kalt150879390788186
Bremsweg warm150808385647878
Traktion100445443414943
Fahrsicherheit150125125125120130123
Wendekreis20913108159
Kapitelbewertung1000614639593571572571

 

Umwelt und Kosten

Es überrascht nicht, dass der Renault Laguna das preisgünstigste Angebot ist. Erstaunlicher ist dagegen, dass er auch am Ende des Umwelt- und Kostenkapitels vorn liegt. Dabei profitiert der Laguna vom nach Berechnung der DAT nominell niedrigsten Wertverlust und von den sehr guten Garantieleistungen (drei Jahre, 150000 km Vollgarantie). Die saubersten Abgase geben Audi und VW ab, während der BMW mit dem niedrigsten Verbrauch und dem geringsten CO2-Ausstoß glänzt. Den letzten Platz in dieser Wertung belegt der Mercedes, der deutlich teurer ist als die Rivalen und diesen Nachteil auch nicht mit dem geringeren Wertverlust wettmachen kann.

Kosten/UmweltMax. PunkteAudi A4 2.0 TDIBMW 318 dVW Passat 2.0 TDIFord Mondeo 2.0 TDCiMercedes C 200 CDIRenault Laguna 2.0 dCi
Bewerteter Preis675185187200194178213
Wertverlust50212122211923
Ausstattung251711101212
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50282028182733
Werkstattkosten20151516141413
Steuer10777777
Versicherung40323433332930
Kraftstoff55444645434444
Emissionswerte25868385818183
Kapitelbewertung1000435424446423399458

 

Fazit

Der Audi A4 besteht seine erste Meisterprüfung mit Bravour. Er gewinnt diesen Vergleich in der dicht gedrängten Mittelklasse mit satten 40 Punkten Vorsprung. Der BMW 318d verkörpert mit sportlichem Handling und spritzigem Antrieb die Kerntugenden der Marke. Allerdings hat genau in diesen Disziplinen der neue A4 enorm aufgeholt.

Dritter wird der VW Passat, der sich in keiner Wertung gravierende Schwächen erlaubt. Der Ford Mondeo liegt dicht dahinter, er sammelt vor allem mit seiner großen Karosserie Punkte. Im Gegensatz zum A4 kann der Mercedes C 200 CDI bis auf den gediegenen Komfort keine echten Glanzpunkte setzen. Der Renault Laguna erhält zwar die wenigsten Punkte, ist aber dennoch kein Verlierer. Auf der Habenseite stehen der kräftige Motor und das beste Preis/Leistungsverhältnis.

Gesamtbewertung

Max. PunkteAudi A4 2.0 TDIBMW 318 dVW Passat 2.0 TDIFord Mondeo 2.0 TDCiMercedes C 200 CDIRenault Laguna 2.0 dCi
Summe5000305930172980296329512912
Platzierung123456

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